Paul Bender (Sänger)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Paul Bender (* 28. Juli 1875 in Driedorf, Westerwald; † 25. November 1947 in München) war ein deutscher Opernsänger (Bass).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn eines protestantischen Pfarrers begann seine Gesangsausbildung neben dem Studium der Medizin in Berlin. Seine musikalischen Lehrer waren Luise Ress und Baptist Hoffmann. Bereits 1900 gab Paul Bender sein Bühnendebüt am Opernhaus in Breslau. 1903 wechselte er dann an die Münchner Hofoper, wo er bis zum Ende seiner Laufbahn blieb. So konnte er dort auch im September 1943 sein 40-jähriges Jubiläum als Ensemblemitglied feiern. Insgesamt stand er in mehr als 2000 Aufführungen auf der Bühne.

Paul Bender sang während seiner Münchner Zeit praktisch alle bedeutenden Bass-Partien und trat in einigen Aufführungen auch als Heldenbariton auf. Sein Repertoire umfasste insgesamt nicht weniger als 118 Partien. Zahlreiche Uraufführungen fanden unter seiner Mitwirkung statt. So etwa diejenigen von Le donne curiose (Die neugierigen Frauen) im Jahre 1903 und I quattro rusteghi (Die vier Grobiane) im Jahre 1906, beide von Ermanno Wolf-Ferrari. Bei der Uraufführung von Palestrina (Hans Pfitzner) glänzte er 1917 im Münchner Prinzregententheater als Papst Pius V. Weitere Uraufführungen waren Die Gespenstersonate von Julius Weismann (1930), Das Herz von Hans Pfitzner (1931) und Der Mond von Carl Orff (1939).

Schon seit 1902 war Paul Bender wiederholt Gast bei den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth. Gastspiele im Théàtre de la Monnaie Brüssel (1910), am Théâtre des Champs-Élysées Paris (1914), an der Wiener Hof-, beziehungsweise Staatsoper (1916–17), an der Covent Garden Opera London (1910–1914) sowie am Stadttheater Zürich (1915) festigten seinen Ruhm, so dass er von 1922 bis 1927 auch an die Metropolitan Opera in New York gerufen wurde. 1926 war Bender bei den Salzburger Festspielen zu Gast, 1938 und 1939 trat er bei den Aufführungen des Ring des Nibelungen von Richard Wagner in der Mailänder Scala auf.

Eine große Leidenschaft Paul Benders, der bereits 1907 zum Königlich-bayerischen Kammersänger ernannt worden war,[1] galt dem Konzert- und Liedgesang. Als Balladensänger wurde er als Nachfolger von Eugen Gura gefeiert. Weder in der Oper, noch bei solchen Auftritten verließ sich Bender allein auf seine beeindruckende Stimme. Immer war ihm auch das schauspielerische Element wichtig. Wie weit seine mimische Präsenz ging, sieht man an dem Umstand, dass er 1919 auch in dem bedeutenden expressionistischen Stummfilm Nerven von Robert Reinert eine Hauptrolle spielte. (Der Film thematisierte das Elend der damaligen Nachkriegszeit so eindrucksvoll, dass es im Publikum zu Verzweiflungsszenen kam und das Werk verboten wurde.)

Der Sänger stand bis kurz vor seinem Tode auf der Bühne. Vor allem in den 30er und 40er-Jahren wirkte er auch als Professor an der Münchner Akademie der Tonkunst (heute Teil der Hochschule für Musik und Theater). Zu seinen Schülern gehörten Josef Greindl und Hans Hopf. Bender war mit der Sopranistin Paula Brand verheiratet, die nach der Heirat ihre Karriere aufgab. Sein Grab befindet sich auf dem Münchner Waldfriedhof Grablage 110-W-13.[2][3][4]

Zitat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den nahezu fünf Jahrzehnten seiner Bühnentätigkeit machte er sich die meisten bedeutenden Partien des Bassfachs zu eigen, wobei er das stimmlich virtuose Element stets dem höheren Gebot künstlerischer Gesamtgestaltung unterzuordnen wusste. Besonders eindrucksvoll gelangen ihm Gestalten, in denen es menschlichen Adel, Würde und Größe zu verkörpern gab … (Wilhelm Zentner in Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), erste Auflage, Band 15)

Partien (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lebendige Vergangenheit – Paul Bender. CD, Preiser/Naxos, Wien 1999
  • Aus Münchens Operngeschichte, 4 CDs, Preiser/Naxos, Wien 1999
  • Sie sangen im Prinzregentheater, 3 CDs, Preiser/Naxos, Wien 2001
  • Symposium Opera Coll.10 – Paul Bender, CD, Symposium/Scherzando, 2006

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erich H. Müller (Hg.): Deutsches Musiker-Lexikon, Wilhelm Limpert-Verlag, Dresden 1929
  2. K. J. Kutsch/Leo Riemens: Großes Sängerlexikon, Elektronische Ausgabe der dritten, erweiterten Auflage, Directmedia, Berlin 2004
  3. Friedrich Blume (Hg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Elektronische Ausgabe der ersten Auflage (1949–1986), Directmedia, Berlin 2001
  4. Paul Bender, Internationales Biographisches Archiv 35/1959 vom 17. August 1959, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)