Paul Bindel

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Paul Bindel (* 7. Januar 1894 in Buckau; † 29. Mai 1973 in Düsseldorf) war ein deutscher Genre- und Stilllebenmaler und Hochschullehrer an der Kunstakademie Düsseldorf.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Bindel, Sohn des Generalvertreters Paul Bindel[1], legte im März 1912 seine Reifeprüfung an der Fürstenwall-Oberrealschule in Düsseldorf ab. Von 1912 bis 1918 studierte Bindel an der Kunstgewerbeschule Düsseldorf unter Lothar von Kunowski mit Unterbrechung durch Kriegsdienstzeit und kaufmännischer Tätigkeit. Er gehörte ab dem 1. Oktober 1913 bis zur Mobilmachung dem Niederrheinisches Füsilier-Regiment Nr. 39 an. Ab August 1914 nahm Paul Bindel als Soldat, dann ab März 1915 zum Leutnant befördert, bis Dezember 1918 an den Feldzügen des Ersten Weltkriegs teil.[2]

Von 1920 bis 1922 besuchte Bindel das staatliche Zeichenlehrerseminar und erlangte die Befähigung als Lehrer mit Auszeichnung, gefolgt von Referendarzeit und Ausübung seines Berufs an der Lessing-Oberrealschule, am Städtischen Realgymnasium an der Rethelstraße in Düsseldorf, und weiteren Schulen in Rheydt, Wipperfürth und Kleve, dann 1926 Ernennung zum Oberstudienrat.[3]

1923 heiratete Paul Bindel Irene, geborene Greferath. Am 11. September 1925 kam sein Sohn Werner Bindel auf die Welt.

Bis 1934 war Paul Bindel Oberzeichenlehrer an Schulen, und lehrte parallel zum Schuldienst ab 1930 in der Kunstakademie Düsseldorf. In dieser Zeit gehörten zu seinen Schülern Rolf Crummenauer, Ursula Benser, Helmut Georg, Anneliese Planken und Hellmut Steinbach unter anderen. Bindel war auf den Ausstellungen der Vereinigung Das Junge Rheinland vertreten, sowie Mitglied im Ey-Kreis.

Paul Bindel wurde unter den Nationalsozialisten im Juni 1937 ordentlicher Professor an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Zur gleichen Zeit wurden fünf seiner Arbeiten konfisziert und diese als Entartete Kunst bezeichnet. Bereits im Juli 1937 war sein Bild „Martinsjunge“[4] in der Ausstellung „Entartete Kunst“ in München gezeigt worden. Im selben Raum 7 im Obergeschoss waren „zusammengepfercht“ auch Werke von Hans Purrmann, Heinrich Nauen, Edwin Scharff und Otto Freundlich zu sehen.[5] Bindel persönlich wandte sich nunmehr an Adolf Hitler, er „… sei mit einem Bild in die Ausstellung ‚Entartete Kunst‘ aufgenommen, Hitler möge ihn gegen das Ansinnen schützen, selbst die Enthebung vom Amt zu beantragen …“[6] Noch 1936 hatte sich Bindel mit dem Bild Fussballspiel am Kunstwettbewerb der Spiele der XI. Olympiade in Berlin beteiligt.[7] Bindel nahm wieder an den von den Nationalsozialisten veranstalteten Großausstellungen, wie 1942 an Der Rhein und das Reich, Düsseldorfer Kunstausstellung im Herzog-Anton-Ulrich-Museum, Braunschweig, (Kat. Nr. 18) und im selben Jahr an der Großen Deutschen Kunstausstellung im Haus der Deutschen Kunst, München (Kat. Nr. 19), teil.

Der Zweite Weltkrieg endete für Bindel nach Kriegsdienst von 1945 bis 1947 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft in einem Lager bei Moskau.

Bindel war ein routinierter Aquarellmaler, der selbst dem Gegenständlichen verpflichtet blieb und Genrebilder und Blumenstilleben malte. Er unterrichtete seine Studenten im klassisch akademischen Handwerk. So ließ er den Schülern seiner Malklasse, welche bereits malerische Erfahrung besaßen, nach dem ersten Semester frei arbeiten. In den 1950er und 1960er Jahren betraf dies unter anderen die Künstler Heinz Mack, Otto Piene, Hans Salentin, Johannes Geccelli, Raimund Girke und Walter Cüppers.[8]

1961 erschien das Buch von Paul Bindel Jugend sieht Deutschland. Das Kuratorium Unteilbares Deutschland hatte sich im Herbst 1959 an die Jugend und an die Erzieher gewandt, um in einem Wettbewerb „Jugend sieht das unteilbare Deutschland“ junge Menschen im Alter von 12 bis 25 Jahren anzuregen, in Malerei, Plastik, Zeichnung, Handarbeit das Erlebnis der deutschen Teilung und die Hoffnung auf Wiedervereinigung darzustellen. Die Beteiligung war stark: Über 80.000 Arbeiten wurden für die Ausstellung in den Städten und in den Bundesländern eingereicht. Aus diesen Arbeiten wurden 100 der besten ausgewählt, um diese in einem repräsentativen Buch dem deutschen Leserpublikum wie dem Ausland zu zeigen, wie die Jugend zu dieser Zeit Deutschland sah.

Arbeiten von Paul Bindel befinden sich in den Beständen des Stadtmuseums Düsseldorf, darunter Johanna Ey als Spanierin, Ölgemälde um 1930.

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Bindel wird in folgenden Katalogen zu Ausstellungen genannt:[9]

  • 1925, Große Kunstausstellung, Düsseldorf (Kat. Nr. 2)
  • 1935: Kunstvereins-Ausstellung am Judenhof, Ulm[10]
  • 1940 und 1941: Rheinische Kunstausstellung, Berlin und Danzig[11]
  • 1941, Herbstausstellung Düsseldorfer Künstler, Kunsthalle Düsseldorf (Kat. Nr. 17)
  • 1942: Der Rhein und das Reich, Düsseldorfer Kunstausstellung, Herzog-Anton-Ulrich-Museum, Braunschweig, (Kat. Nr. 18)
  • 1942: Große Deutsche Kunstausstellung, Haus der Deutschen Kunst, München, (Kat. Nr. 19)
  • 1943: Espositione Palazzo Strozzi, Gastausstellung Düsseldorfer Künstler in Florenz (Kat. Nr. 21)
  • 1944: Frühjahrsausstellung Düsseldorfer Künstler, Kunsthalle Düsseldorf (Kat. Nr. 26)
  • 1952: Große Weihnachtsausstellung der bildenden Künstler v. Rheinland u. Westfalen, Kunstpalast Ehrenhof, Düsseldorf (Kat. Nr. 67)
  • 1953: Große Weihnachtsausstellung der bildenden Künstler v. Rheinland u. Westfalen, Kunstpalast Ehrenhof, Düsseldorf (Kat. Nr. 71)
  • 1954: Große Weihnachtsausstellung der bildenden Künstler v. Rheinland u. Westfalen, Kunstpalast Ehrenhof, Düsseldorf (Kat. Nr. 72)
  • 1955: Kunstausstellung Weihnachten der bildenden Künstler v. Rheinland u. Westfalen (Kat. Nr. 73)
  • 1966: “das Kleine Format”, Jahresausstellung Künstlerverein Malkasten Düsseldorf (Kat. Nr. 103)
  • 1967: “das Kleine Format”, Jahresausstellung Künstlerverein Malkasten, Düsseldorf (Kat. Nr. 107)
  • 1968: “das Kleine Format”, Jahresausstellung Künstlerverein Malkasten, Düsseldorf (Kat. Nr. 112)
  • 1968: “Das kleine Schaufenster”, Eine Ausstellung der Mitglieder des Malkastens im Jubiläums-Jahr 1986 (Kat. Nr. 113)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert Volz: Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild. Band 1: A–K. Deutscher Wirtschaftsverlag, Berlin 1930, DNB 453960286.
  • Paul Bindel: Jugend sieht Deutschland: ausgewählte Arbeiten aus einem Jugendwettbewerb des Kuratoriums „Unteilbares Deutschland“. Langen/Müller, 1961, München, 1961
  • Sandra Labs: Johanna Ey und die Avantgarde der Düsseldorfer Kunstszene, Diplomica Verlag Hamburg, 2012, ISBN 9783842881211, S. 24, 29, 84.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zeitschrift für das deutsche Eisenhüttenwesen. Vereins-Nachrichten Stahl und Eisen, 32. Jahrg. Nr. 16, vom 11. April 1912: Bindel, Paul, Repräsentant der Maschinen- u. Armaturenf. vorm. C. Louis Strubc, A. G., Magdeburg-Buckau, Hütten Str. 19, Düsseldorf
  2. Personaldaten von Lehrern und Lehrerinnen Preußens, Personalblatt A 223 Paul Bindel, DIPF / BBF Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung, Seite 4, Abgerufen 25. April 2015 (Memento des Originals vom 19. Januar 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/bbf.dipf.de
  3. Personaldaten von Lehrern und Lehrerinnen Preußens, Personalblatt A 223 Paul Bindel, DIPF / BBF Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung, Abgerufen 22. April 2015 (Memento des Originals vom 22. Dezember 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/bbf.dipf.de
  4. Das Gemälde von 1925, einen Knaben mit Lampion darstellend, im Format 77 × 73 cm stammte aus der Städtischen Kunstsammlung Düsseldorf, welche dieses in 1926 zu 600,00 Mark gekauft hatte. Es trug die NS-Inventar-Nr. 14166. Sein Verbleib ist unbekannt.
  5. Stephanie Barron (Hrsg.): „Entartete Kunst – Das Schicksal der Avantgarde im Nazi-Deutschland“, zur Ausstellung im Los Angeles County Museum of Art, Los Angeles. Deutsche Ausgabe: Hirmer, München, 1992 ISBN 3-7774-5880-5, S. 65, 211
  6. Friedrich Hartmannsgruber, u. a.: Die Regierung Hitler, Teil 4, Akten der Reichskanzlei 1933–1945, dort: Vm. L.s', 4. 10, R. Oldenbourg, 2005 ISBN 978-348657667-2
  7. Art Competitions at the 1936 Berlin Summer Games: Exhibition Area Hall VI, Kaiserdamm, Berlin, 1936 (englisch)
  8. Thomas Hirsch, Inauguraldissertation: Das plastische Werk Hans Salentin (pdf), Uni Heidelberg, Abgerufen 21. April 2015
  9. bebilderte Liste der im Nachlaß von Hans Schröers vorgefunden Kataloge (Memento des Originals vom 22. Februar 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/kultur.t-online.de
  10. Stadtchronik Ulm 1925–1949, Quelle: „Ulmer Tagblatt“ 1935, Nr. 39, S. 6 (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ulm.de
  11. Katalog zur Ausstellung, Hansestadt Danzig: Die Ausstellung wurde veranstaltet vom Kunst-Dienst Berlin und der Gesellschaft Rheinischer Künstler und Kunstfreunde Düsseldorf. Sie ist erstmals im August 1940 in der Reichshauptstadt Berlin gezeigt worden, nachher dann in Danzig.