Paul Coelestin Ettighoffer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Paul Coelestin (P.C.) Ettighoffer (* 14. April 1896 in Colmar/Elsass; † 15. Oktober 1975 in Zülpich) war ein deutscher Schriftsteller. Ein Pseudonym von ihm ist auch Frank Löhr von Wachendorf.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ettighoffer ist bäuerlicher Abkunft und wuchs zunächst bei seinen Großeltern auf, bis er später in ein Waisenhaus gegeben wurde. Aufgrund seiner Begabung wurde ihm der Besuch eines von Jesuiten geleiteten Gymnasiums in Mons in Belgien ermöglicht. 1914 meldete er sich als Freiwilliger für die Kaiserliche Armee im Ersten Weltkrieg und wurde mehrfach verwundet. Zunächst kämpfte er an der Westfront und wurde im Mai 1916, wie fast alle Elsässer, denen man als ehemaligen französischen Staatsbürgern nicht traute, an die Ostfront verlegt. Ab 1917 kam er wieder an die Westfront und wurde in der Nähe von Verdun eingesetzt. 1918 geriet er, schwer verwundet, in französische Kriegsgefangenschaft.

Ettighoffers Erlebnisse im Krieg und in Gefangenschaft wurden das Thema seiner erfolgreichsten Romane. Er war in den 1930er Jahren und während des Zweiten Weltkrieges ein Autor viel gelesener Kriegsromane, die zu großen Teilen autobiographisch waren. Beeinflusst zunächst von Erich Maria Remarques Im Westen nichts Neues, befasste er sich mit kriegskritischen Themen. Später näherte sich sein Werk der nationalsozialistischen Ideologie an: Ettighoffer propagierte nun Militanz und Obrigkeitsgläubigkeit. Seine Bücher erschienen seit Mitte der 1930er Jahre im Bertelsmann-Verlag.

Mit dem Frontroman Gespenster am Toten Mann (1931) schrieb Ettighoffer, selbst Stoßtruppführer im Ersten Weltkrieg, bereits 1931 seinen ersten Bestseller. Der Roman galt als literarische Antwort der politischen Rechten auf Remarques Im Westen nichts Neues: „Im Osten gibt es aber auch gar nichts Neues!“, heißt es in Gespenster am Toten Mann augenzwinkernd.[1] In diesem Roman findet man aber auch das Résumé: Das größte Verbrechen an der Menschheit ist der Krieg. Bei allen Gräueln bleibt der Krieg bei Ettighoffer ein heldenhaftes Geschehen, die Millionen Toten sind ihm lediglich „eine Summe von Selbstopferung und Heldenmut.“ Und: „Der Mensch ist nichts, das Ganze ist alles.“[2] Alf Mentzer und Hans Sarkowicz schreiben über seinen Roman Erschossen zu Nanzig. Das aufrechte Leben und heldenhafte Sterben eines deutschen Mannes: „Der rassistische und antisemitische Roman, der den Haß gegen Frankreich schüren und einen neuen nationalsozialistischen Märtyrer schaffen sollte, war dem berüchtigten Gauleiter von Baden gewidmet. Ettighofer verteidigte darin auch die Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung in Frankreich.“[3]

Ettighoffer wurde im Zweiten Weltkrieg zwar als Offizier in die Wehrmacht eingezogen, aber als erfolgreicher Autor erst gegen Ende des Krieges an der Front eingesetzt. Dabei geriet er in britische Kriegsgefangenschaft.

Nach seiner Entlassung 1946 lebte Ettighoffer auf einem kleinen Bauernhof im kleinen Ort Niederkastenholz, seit 1969 Stadtteil von Euskirchen. Ab 1949 schrieb er für die Kölnische Rundschau, veröffentlichte auch Romane, denen aber ein Erfolg versagt blieb. Ettighoffer schrieb zahlreiche Auftrags-Jubiläumsschriften für Industrieunternehmen (z. B. Chronik der Firma H. J. Bünder, Euskirchen. 100 Jahre zähes Schaffen. 1855–1955) und veröffentlichte auch technische Werke.

In der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR wurden zahlreiche von ihm verfasster und herausgegebener Schriften auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.[4]

Paul Coelestin Ettighoffer starb im Alter von 79 Jahren. In Euskirchen ist seit 1980 eine Straße nach ihm benannt.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gespenster am Toten Mann, 1931
  • Von der Teufelsinsel zum Leben Das tragische Grenzländerschicksal des Elsässers Alfons Paoli Schwartz, 1932
  • Feldgrau schafft Dividende, 1932 (späterer Titel: Das gefesselte Heer. Meine Kriegsgefangenschaft)
  • Servus Kumpel, 1932
  • Das gefesselte Heer, 1932
  • Zelt 27 wird niedergerissen. 10 Männer in deutscher Not, 1933
  • Die Lene beißt sich durch. Ein deutsches Mädchen im Wirbel des Weltkrieges, 1936
  • Verdun. Das große Gericht, 1936
  • Moskau, Compiègne, Versailles. Erlebnisse eines deutschen Nachrichtenoffiziers, 1936
  • Eine Armee meutert. Frankreichs Schicksalsstunde 1917, 1937
  • Deutsche Tanks fahren in die Hölle, 1937
  • Nacht über Sibirien. Ein Deutscher entrinnt dem Geheimdienst des Zaren, 1937
  • Sturm 1918. Sieben Tage deutsches Schicksal, 1938
  • Wo bist du – Kamerad, 1938
  • So sah ich Afrika. Mit Auto und Kamera durch unsere Kolonien, 1939
  • Dem Stacheldraht entronnen, 1939
  • O Straßburg, 1939
  • Tannenberg. Eine Armee wird zu Tode marschiert, 1939
  • Nashörner kämpfen im Tal des Todes, 1939
  • Erschossen zu Nanzig. Das aufrechte Leben und heldenhafte Sterben eines deutschen Mannes, 1942
  • Peter im Glück, 1943
  • Sisal. Das blonde Gold Afrikas. Die Tat des Dr. Hindorf, 1943
  • Atomstadt, Roman, 1949
  • Alle Schuld auf Erden, Roman, 1950
  • 44 Tage und Nächte. Der Westfeldzug 1940, 1953
  • Das Mädchen ohne Stern, (1952)[5]
  • Mein amerikanischer Bruder

Neuausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tobias Schneider: Bestseller im Dritten Reich. In: VfZ, 2004, H. 1, S. 77–98, hier S. 90 (PDF).
  2. Tobias Schneider: Bestseller im Dritten Reich. S. 90.
  3. Alf Mentzer/Hans Sarkowicz: Literatur in Nazi-Deutschland. Ein biographisches Lexikon. 2000, S. 147; vergleiche zu Erschossen zu Nanzig auch Jürgen Hillesheim und Elisabeth Michael: Lexikon nationalsozialistischer Dichter. Königshausen & Neumann, Würzburg 1993, S. 163–167.
  4. http://www.polunbi.de/bibliothek/1946-nslit-e.html / http://www.polunbi.de/bibliothek/1947-nslit-e.html / http://www.polunbi.de/bibliothek/1953-nslit-e.html / http://www.polunbi.de/bibliothek/1947-nslit-w.html / http://www.polunbi.de/bibliothek/1946-nslit-w.html
  5. http://www.hans-dieter-arntz.de/der_schriftsteller_ettighoffer.html