Paul Hubschmid

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Paul Hubschmid (* 20. Juli 1917 in Aarau; † 1. Januar 2002 in Berlin) war ein Schweizer Film- und Theaterschauspieler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Hubschmid senior war das jüngste Kind einer siebenköpfigen Arbeiterfamilie. Paul junior sagte, ihn als besessenen Amateurschauspieler zu beschreiben sei zu wenig, er wäre ein verhinderter Schauspieler gewesen. Der Vater war für eine kaufmännische Lehre beim Musikhaus Hug nach Zürich gekommen, wo es ihn unerwartet zum Theater zog. So ergab sich eine Nebentätigkeit als Statist am Züricher Schauspielhaus. Dort stand er mit Alexander Moissi auf der Bühne, den er sehr verehrte. Vom Gehalt als Statist nahm er Schauspielunterricht beim Oberspielleiter Danegger. Eine Karriere als professioneller Schauspieler schien ihm aber zu riskant, so dass er nach Beendigung der Lehre zunächst nach Lindt & Sprüngli ging und dann in den Kanton Solothurn nach Schönenwerd zog, um dort eine Stelle bei der Schuhfabrik Bally anzunehmen.[1]

Mutter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Hubschmids Mutter war das jüngste von vier Töchtern eines namhaften Küchenchefs, dessen Frau früh gestorben war und der in großen Hotels von Cannes, Kairo, Como sowie St. Moritz gekocht hatte, bevor er in Zürich eine kleine Pension eröffnete. Mit dieser Pension ging er aber schnell pleite, da er unverändert wie in einem Grand Hotel kochte, dafür aber nicht die erforderlichen Preise nehmen konnte. Nach seinem frühen Tod wurde Pauls Mutter von ihrer ältesten Schwester Fanny mit ihrem Mann aufgenommen. Die beiden wohnten am Zürichsee und waren der Familie Hubschmid auch später noch verbunden, so dass Paul in den Ferien häufig dort war und Weihnachten oder Ostern immer dort gefeiert wurde.

Pauls Mutter hatte zwar keine höhere Schulbildung, schrieb aber regelmäßig Artikel für verschiedene Zeitungen, unterstützt durch Dr. Friedrich Wirtz, dem Chefredakteur des Aargauer Tagblattes, ein Jugendfreund von Pauls Vater.[1]

In Schönwald[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem Industriedorf Schönwald war das Leben von der Schuhfabrik bestimmt. Die Arbeiter und Angestellten bewohnten – allerdings in getrennten Siedlungen – Werkswohnungen mit Garten, so auch die Hubschmids. Pauls Vater war als Leiter des Bally Kosthauses für 3.000 Mittagessen täglich zuständig. Er spielte in der Amateur-Schauspielgruppe des Werks, außerdem gab er Rezitationsabende nach Vorbild von Moissi, dessen Schallplatten er zudem sammelte, und bastelte an einer Marionettenbühne, deren Fertigstellung sich aber über viele Jahre hinzog. Die Begeisterung für das Schauspiel und für Alexander Moissi übertrug sich auch auf Paul. Die beiden fuhren mit dem Fahrrad nach Zürich oder Basel, jeweils rund 50 km von Schönwald entfernt, wenn ihr Liebling dort gastierte.[1]

Paul hatte eine drei Jahre jüngere Schwester, Aliceli, und einen ein Jahr jüngeren Bruder, der im Alter von sieben Jahren an einer rätselhaften Gehirnhautentzündung erkrankte, dann geheilt schien, aber ab der sechsten Klasse nicht mehr zur Schule gehen konnte und im Alter von 26 Jahren starb.[1]

Paul besuchte das Argauer Gymnasium, wo er im Rahmen einer Schüleraufführung zum ersten Mal auf der Bühne stand. Das ungewöhnliche an dieser Aufführung war, dass sie mit Norbert Schiller vom Berner Stadttheater unter der Leitung eines professionellen Regisseurs stattfand. Paul bekam die Rolle des Hamlet und spielte bei den Proben wie sein Vorbild Moissi, woraufhin ihm Schiller riet: Versuchen sie nicht Moissi zu sein, Sie können Hubschmid sein!. Das schien Paul schwer verständlich, da er dachte, etwas besseres wie Moissi gäbe es nicht.[2]

Nach dem Erfolg der Schüleraufführung äußerte Paul in der Familie erstmals den Wunsch, Schauspieler zu werden. Daraufhin vermittelte seine Mutter eine professionelle Begutachtung beim bekannten Schweizer Schauspieler Heinrich Gretler, der Paul an Kurt Horwitz vom Schauspielhaus Zürich empfahl, welcher die vorgeführte Darbietung zu gefallen schien, so dass er eine Empfehlung an Direktor Ferdinand Rieser aussprach. Rieser war ebenfalls angetan, wollte aber die Meinung vom Regisseur Leopold Lindtberg hören, der im Hinblick auf Pauls Dialekt das Reinhardt-Seminar in Wien empfahl.[2]

1937/38 kosteten zwei Studienjahre am Reinhardt-Seminar 6000 Franken, was sich die Familie nicht leisten konnte. Pauls Mutter hatte daraufhin die Idee, beim Seniorchef der Schuhfabrik Ivan Bally vorzusprechen, der als Freund der Schönen Künste immer schon ein Auge auf die Hubschmids hatte. Er stimmte einem Stipendium sofort zu. Zuvor musste Paul aber noch die Rekrutenschule besuchen.[2]

Wien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da Paul nur das Studiengeld für ein Jahr hatte, musste er am Reinhardt-Seminar versuchen, gleich für das zweite Studienjahr angenommen zu werden – mit der Begründung, er habe schon Unterricht bei seinem Vater gehabt. Dies gelang ihm auch. Die Klasse bestand aus 25 Schülern, wobei sich auch nur etwa 30 beworben hatten. Während der Zeit am Seminar fand der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich statt. Paul versuchte, dem Nationalsozialismus aus dem Weg zu gehen, in dem er sich auf auf seine Neutralität als Schweizer berief und auf das Studium konzentrierte. Viel Aufwand musste er darauf verwenden, sich die Rachenlaute abzutrainieren.[2]

Nach der Abschlussprüfung bekam Paul ein Engagement am Deutschen Volkstheater in Wien, dort spielte er den Melchtal in Wilhelm Tell. Dies war möglich, da die Nationalsozialisten in Tell den Befreier Hitler sahen. Erst als das Publikum beim Tod Gesslers immer wieder applaudierte, dämmerte ihnen, dass man Hitler im Volk mit dem Tyrannen Gessler verglich, woraufhin das Stück im ganzen Reich verboten wurde. Zur Premiere hatte Paul seine Eltern eingeladen und Ivan Bally war auf eigene Rechnung angereist.[3]

Noch im Reinhardt-Seminar bekam Paul einen Anruf aus der Schweiz, er sei auf Empfehlung von Leopold Lindtberg für die Hauptrolle eines Schweizer Films vorgesehen. Es stellte sich heraus, dass man den Roman Füsilier Wipf verfilmen wollte und wegen des Dialekts unbedingt Schweizer Schauspieler benötigte, von denen es nicht allzu viele gab. Der Film wurde für ungefähr 80.000 Franken mit primitivsten Mitteln gedreht und spielte Millionen ein, was Paul überraschte und ihm über Nacht zu einem bekannten Schauspieler machte.[4]

Da Paul nie die Absicht hatte, Filmschauspieler zu werden, folgte ein festes Engagement am Volkstheater in Wien. Im Sommernachtstraum trat er dort mit O. W. Fischer, Curd Jürgens und Gert Fröbe auf, die alle drei später weltberühmt wurden. Nach der Vorstellung gingen sie getrennte Wege, wobei Paul häufig bei Curd Jürgens zu Gast war. Jürgens lebte in einem Penthouse im höchsten Wohnhaus Wiens und hörte gerne Schallplatten von Hans Albers. Wenn er davon schwärmte, dachte Paul, was für ihn der Alexander Moissi, sei für Jürgens Hans Albers.[5]

Berlin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Frühjahr 1939 ging Paul für den Film Maria Ilona nach Berlin. Man sagte ihm, er werde sich wundern, wie wenig dort mit Heil Hitler! gegrüßt würde und verglichen mit Wien hat schienen ihm die Nationalsozialisten dort tatsächlich weniger präsent zu sein. Paul beeindruckte das UFA-Gelände mit kilometerweit aneinandergereihten Aufnahmehallen. Emil Jannings bot ihm ein Vertrag für zwei weitere Filme an. Nachdem die Drehvorbereitungen bereits begonnen hatten, brach der Krieg aus. In der Schweiz hatte die Mobilmachung begonnen und Paul musste in seine Heimat zurückkehren. Jannings hatte dafür Verständnis und kurz darauf durften die beiden Filme wegen pazifistischer Tendenzen nicht mehr gedreht werden.[5]

Wieder in der Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schweiz wurde Paul mehrfach von der Truppe beurlaubt. Zuerst, um mit P. W. Straub und Gerda Forrer, die man die schönste Frau der Schweiz nannte, bei einem Duftfilm für die Weltausstellung in New York 1940 mitzuwirken. Die Zuschauer sollten zu jeder Szene einen anderen Duft riechen, bei der Vorführung vermischten sich aber die Düfte, so dass Paul in den USA nicht bekannt wurde. Es folgte eine Tournee für die Schweizer Nationalspende 1939/1940 mit zwei Sängerinnen und Klavierbegleitung.[6]

Dann kam ein Angebot für die Verfilmung der Novelle Die missbrauchten Liebesbriefe von Gottfried Keller. Paul spielte den Lehrer Wilhelm, eine Rolle, die ihm außerordentlich gefiel. Der Film erhielt einen Preis auf der Biennale in Venedig.[7]

Wien und Berlin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es meldete sich das Theater in der Josefstadt mit der Rolle des Leanders in Des Meeres und der Liebe Wellen. Dann bot Heinz Hilpert, der das Reinhardt-Theater in der Josefstadt und das Deutsche Theater in Berlin leitete, ein Dreijahres-Vertrag an. Paul spielte zumeist unter der Regie von Hilpert, den er sehr bewunderte. Hilpert hielt sein Haus nämlich frei von Nationalsozialisten, um ungestört arbeiten zu können, und betonte stets, dass er die Arbeit von Max Reinhardt, der in die USA emigriert war, fortsetzen wolle. In die Zeit fiel auch der Tod von Reinhardt, dem Hilpert mit einer Schweigeminute gedachte.[7]

Paul war auch bei Tobis-Film unter Vertrag, er unterschrieb aber keinen Exklusivvertrag, da das Theater für ihn Vorrang hatte. Er spielte in Unterhaltungs- aber niemals in Propagandafilmen, also keine Kriegshelden in Flieger- oder Marineuniform. Rückblickend befand Paul, er hätte beim Anblick von Personen mit Judenstern, die ihm in Berlin auf der Straße entgegenkamen, die Koffer packen und das Land verlassen müssen, damals zögerte er aber.[7]

Kriegsende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1944 wurden die Theater geschlossen und die Schauspieler mussten mitunter in Rüstungsbetrieben arbeiten. Paul drehte in der Schweiz Wilder Urlaub und dann in Wien das Eifersuchtsdrama Der gebieterische Ruf. Einmal wurde er bei der Einreise mit verbotenen Jazz-Platten erwischt, die ihm vom Leiter der Zensurstelle mit dem leisen Hinweis zurückgegeben wurden, dass das Hören der Platten ein seltenes Vergnügen sei, und der lauten Hinweis: Sie wissen doch, dass das diese Negermusik bei uns verboten ist. Dies ist eine Warnung![8] Nach dem der Krieg beendet war, fragte das Theater an der Josefstadt an und Paul fuhr mit einem Rotkreuz-Zug nach Wien, so dass er keine Passierscheine benötigte. Da man gerade keine Rolle frei hatte, ging er zunächst mit dem U. S. O.-Show, der Theaterorganisation der US-Streitkräfte mit Private Lives von Noël Coward auf Tournee, dann spielte er im Theater und auch wieder bei einem Film mit.[9]

Hollywood[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bewerbung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das US-Kino mit seinen großartigen Schauspielern begeisterte Paul so sehr, dass er unbedingt nach Hollywood wollte. Der Herausgeber der Schweizer Filmzeitung bot ihm an, René Hubert, einem Schweizer Kostümdesigner mit Kontakten zu Studios und Agenten, seine Fotos zuzusenden. Nach einiger Zeit meldete sich der Agent Kurt Frings, woraufhin Paul den Regisseur Géza von Cziffra, bei dem er gerade drehte, überredete, ein Portrait zu erstellen. Bekannte erlaubten es, die Aufnahmen durch die US Army zu transportieren, da der reguläre Weg wegen der Zensur und verschiedenem Formalitäten nur schwer möglich war. Eine neu gegründete Filmproduktion zeigte Interesse und Paul sollte innerhalb von zwei Wochen eintreffen. Bei der amerikanischen Botschaft in der Schweiz erfuhr er aber, dass das Erstellen des Visums mehrere Wochen benötige, da erst seine Vergangenheit durchleuchtet werden müsse. Tatsächlich dauerte es ein halbes Jahr und dann dauerte es noch einmal so lang bis zu einem neuen Angebot: Die Universal Studios boten ein Fünfjahresvertrag vorbehaltlich eines Tests an. Im Oktober 1948 konnte Paul dann in die USA fliegen und der Test verlief erfolgreich.[10]

Paul Christian[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weil Hubschmid für den Amerikaner schwer auszusprechen war, dachten sich die Universal Studios und der Agent einen neuen Namen aus: Paul Christian. Die Idee dazu gab der Film Meuterei auf der Bounty, in dem Clark Gable den Ersten Offizier mit Namen Christian spielt. Bekannt war die Szene, in der nach dem Ruf Mr. Christian! die imposante Erscheinung Clark Gable aus der Kajüte emporstieg. So dachte man, es passe doch gut zu der großen Statur von Paul und wäre a powerful name.[10]

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem Film Sword in the desert sollte Paul zusammen mit Jeff Chendler und der Schwedin Marta Toren sein Debüt geben. Die drei gehörten zu den neuen Gesichtern, mit dem Universal warb: You want new faces? – Universal has them! Eine Allergie sorgte aber für ein sechs Wochen lang entzündetes Auge, so dass die Rolle umbesetzt werden musste.[11] Die erste Produktion war schließlich der Film Badgad, ein Genre, das man in Hollywood tits and sand nannte. Zu diesem Wüstenepos gehörten Außenaufnahmen in der Mohave-Wüste.[12]

Paul hatte mit seiner Familie unweit des Studios ein Haus mit Swimmingpool und zwei Feuerstellen bezogen, den Führerschein gemacht und ein gebrauchtes Oldsmobile Cabriolet gekauft. Er schloss sich der deutschsprachigen Filmkolonie an, die so bedeutende Mitglieder hatte, dass man sich an manchen Abenden auf einer Party in einer Villa im Grunewald wähnen konnte.[11]

Als nächster Film folgte die italienisch-französisch-amerikanische Gemeinschaftsproduktion Thief of Venice (Der Dieb von Venedig), für die Paul von Universal beurlaubt wurde, da es dort sonst nichts zu tun gab. Der Film sollte binnen zweier Monate komplett in Venedig gedreht werden, woraus durch den Tod des Produzenten und der darauf folgenden Finanzierungsschwierigkeiten ein Jahr wurde. Ursula hatte in der Zeit ein neues Heim direkt am Strand von Malibu angemietet.[13] Dann folgte No Time for Flowers, der in Wien gedreht wurde. Mit einem Besuch des Jedermann bei den Salzburger Festspielen konnte Paul die amerikanischen Mitarbeiter beeindrucken, hatten sie doch noch nie solch eine Freilichtaufführung gesehen. Den Jedermann hätte er selber gerne einmal gespielt, woraus aber nie etwas wurde.[14]

Nachdem die Universal Studios keine Rollen zu vergeben hatte, spielte Paul in Panik in New York mit, es handelte sich 20 Jahre nach King Kong erstmals wieder um einen Film in diesem Sujet. Er wurde von einem kleinen, unabhängigen Studio produziert, weil sich die großen Studios für die Idee nicht begeistern konnten, und ein überraschender Erfolg. Allerdings machte er die Schauspieler kaum bekannt, da der vorkommende Dinosaurier allen die Show stahl.[15]

1953 war in Hollywood wenig zu tun. Mit der Verbreitung des Fernsehens fielen mit den Besucherzahlen in den Kinos die Zahl der Filmproduktionen auf die Hälfte und man hatte sich noch nicht auf TV-Produktionen umgestellt. Angebote aus Europa bewogen Paul deswegen zum zurückkehren.[16]

Tessin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wieder in der Schweiz ließ sich die Familie aufgrund der angenehmen Temperaturen im Tessin nieder. In Castagnola vermietete die Moissi-Witwe Johanna Terwin ihnen für ein Jahr ein Haus mit Originalmöbeln, in dem Alexander Moissi selbst gelebt hatte, was Paul senior beeindruckte. Für den Film Palace Hotel ließ sich Paul zwei Wochen lang in einem Züricher Grand-Hotel ausbilden, um einen jungen Koch und späteren Etagenkeller korrekt spielen zu können.[17]

Italien und Kalifornien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Moissi-Haus folgte ein Sommer in Riccione, die Familie Hubschmid konnte sich aber nicht für einen dauerhaften Aufenthalt in Italien begeistern und man zog wieder nach Kalifornien. In dieser Zeit fiel der Film Der Rommelschatz, ein vorwiegend unter Wasser spielende Abenteuergeschichte unter der Regie von Hans Hass, bei dem Paul auch Tauchen lernte.[18]

Starnberger See[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Drängen seiner Agentin sollte Paul sich auf Angebote aus München anstatt Hollywood konzentrieren, wo sich der deutsche Film konzentrierte. So zogen die Hubschmids nach Pöcking an den Starnberger See. Paul spielte in dem Film Die Zürcher Verlobung, mit dem in Berlin der Ufa-Palast am Zoo eröffnet wurde. Dann folgten Italienreise – Liebe inbegriffen von Barbara Noack, bei dem Paul schon alleine deswegen zusagte, weil er mindestens 50 Drehtage in Italien versprach, und Scampolo mit Romy Schneider, der auf Ischia gedreht wurde.[19]

Eine Zusammenarbeit mit Fritz Lang hätte sich seinerzeit kaum ein Schauspieler entgehen lassen, so auch Paul nicht, der Lang sehr verehrte. Bei Das Indische Grabmal und Der Tiger von Eschnapur handelte es sich um ein altes Lieblingsprojekt Langs, dass er in der Vorkriegszeit aufgrund seiner Immigration nicht mehr realisieren konnte. Paul musste dafür reiten, was er ungern und nur für Filmaufnahmen tat.[20]

San Remo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da die Winter am Starnberger See scheinbar kein Ende nahmen und man wochenlang nur eine graue Landschaft sah, kam es zu einem Umzug nach San Remo. Ursula ließ die eigenen Möbel einlagern und mietete ein möbliertes Haus in einer Siedlung, in der mehr englisch als italienisch gesprochen wurde, da dort vor allem Amerikaner, Niederländer, Schweden und Schweizer wohnten. Auf drängen von Ursula kaufte Paul sogar ein großes Grundstück mit Olivenbäumen, um dort ein Haus zu bauen. Es blieb aber bei den Plänen, erst Sohn Peter baute Jahre später den dort befindlichen Stall aus. Da der Verkehrslärm aber immer mehr zunahm, verkaufte er das Anwesen schließlich an einen Italiener, dem dies nicht störte.

Berlin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits als My Fair Lady am Broadway mit einem gigantischen Erfolg angelaufen war, bekam Paul eine Schallplatte davon geschenkt, verbunden mit der Aufforderung, er müsse unbedingt Higgins spielen, wenn das Musical nach Deutschland käme, es wäre die Rolle seines Lebens. Auf der Platte sang Rex Harrison diese Rolle und Paul glaubte, dabei nicht mithalten zu können, zumal er keinerlei Gesangsausbildung besaß und keine Noten lesen konnte. Für die deutsche Uraufführung von My Fair Lady im Theater des Westens fragte man Paul tatsächlich für die Rolle des Higgins an. Dieser zögerte, woraufhin er sich die schwedische Aufführung in Stockholm ansehen sollte. Sie gefiel Paul nicht, da zu Operetten-haft und außerdem war Jarl Kulle als Higgins so herausragend, dass er nicht mitzuhalten glaubte. Man schlug ihm vor, auch die Version in London zu besuchen, welche Paul derart überzeugte, dass er sofort zusagte. Inzwischen waren auch Curd Jürgens und Victor de Kowa im Gespräch. Paul bekam die Rolle aber und es stellte sich heraus, dass er die Aufgabe problemlos bewältigte. Er traf am 13. August 1961, also am Tag des Mauerbaus in Berlin ein. Eigentlich erwartete man zahlreiche Besucher aus der DDR, aber mit westdeutschen Publikum konnte man den Verlust durch den Mauerbau ausgleichen. Der Slogan für die Pauschalreise lautete: Die Mauer besuchen und abends die Lady.[21] Die Hubschmids bezogen eine Villa in Berlin-Dahlem und es wurden über 600 Aufführungen. In einer Aufführung musste Axel Monier von der Zweitbesetzung den erkrankten Friedrich Schönfelder als Cornoral Pickering ersetzen und viel neben Paul auf der Bühne Tod um.[22]

Es folgte noch eine längeres Gastspiel in Wien mit der Berliner Originalbesetzung. Im Anschluss drehte Paul sechs Filme hintereinander. Bei den Filmfestspielen in Uruguay ergab sich die Möglichkeit, für einen Tag Brasilia zu besuchen. Paul empfand das Werk von Oscar Niemeyer als das Beeindruckendste, was er jemals an moderner Architektur gesehen hatte. Sein Berliner Nachbar, der Journalist Will Tremper überredete Paul, einen zynischen Zeitungstycoon in seinem Film Playgirl zu spielen, und stellte Eva Renzi als seine Partnerin vor.[23] Es war für Eva das Filmdebüt und ein großer Erfolg beim Publikum. Dann folgte mit Enemy Country nach 17 Jahren wieder ein Film bei Universal.[24] In Manon 70 hatte Paul einige Szenen mit Catherine Deneuve, die als schön wie eine Göttin, aber unnahbar erlebte, so wie es Freunde vorab berichtet hatten.[25]

Saint Tropez[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da seine neue Frau Eva die Provence bevorzugte, kaufte Paul ein Haus in Saint Tropez. In der Fernsehfassung von Max Frischs Bühnenstück Biografie: Ein Spiel musste Paul einen Pfeifenraucher spielen, woraufhin er als Nichtraucher eine Nikotinvergiftung erlitt, von der er sich einen ganzen Tag lang erholen musste. Da Anfang der 1970er Jahre das Tourneetheater im deutschsprachigen Raum en vogue war, schloss sich auch Paul einem solchen an. Dem folgten weitere Tourneen. Zwischendurch verließ Paul die Provence immer ungerner, so dass ihm einmal eine halbjährige Pause gelegen kam, als seine Frau bei einer Fernsehserie in Florida mitspielte und er auf die Tochter aufpassen musste. 1973, zwölf Jahre nach der letzten Vorstellung von My Fair Lady im Theater des Westens kam es dort zu einer Wiederaufnahme, bei der Paul abermals Higgins spielte. Insgesamt hatte er dieses Musical über 2000-mal gespielt.

1980 wurde Paul für sein langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film mit dem Filmband in Gold ausgezeichnet. In den 1980er Jahren bewarb er die Praline Mon Cheri.[26] Paul hatte schon in den 1960er Jahren gelegentlich für das Fernsehen gearbeitet, etwa im Mehrteiler Wie ein Blitz nach Francis Durbridge. 1985 trat er in Kir Royal auf, dann in der Vorabendsendung Forsthaus Falkenau und letztmals als Hauptdarsteller in Jolly Joker.

Ehefrauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Hubschmid war dreimal verheiratet, jedes Mal mit einer Schauspielerin.

Ursula von Teuben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursula von Teuben lernte Paul in Wien auf einer Party nach einer Vorstellung kennen. Sie stammte aus einer rheinischen Industriellenfamilie, ihr Vater war Luftwaffengeneral gewesen und ihre Mutter kam aus einer Brauereifamilie. Sie lebte in einem hochherrschaftlichen Haus mit Haushälterin, war schon einmal in den Kammerspielen aufgetreten und suchte ein neues Engagement. Ursula war zweimal kurz verheiratet gewesen, im Alter von 17 Jahren mit einem Sohn einer Industriellenfamilie, der sich in der Hochzeitsnacht als homosexuell herausstellte und kurz darauf mit einem Herrenreiter, wobei die Ehe auf der Hochzeitsreise hoch zu Ross in der Puszta endete.[27] Paul und Ursula heirateten 1942 in Wien, sie bekamen 1945 einen Sohn: Peter Hubschmid besuchte später die Journalistenschule in München und wurde Gastronomiekritiker.[28] Als Paul mit My Fair Lady in Wien gastierte starb Ursula an einer Überdosis Tabletten in Berlin, nachdem sie zunehmend Spirituosen und auch Medikamente gegen Schlaflosigkeit genommen hatte.[29] Paul beschreibt dies rückblickend als den furchtbarsten Augenblick seines Lebens.[23]

Eva Renzi[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Dreharbeiten zu Playtime wurden Eva Renzi und Paul ein Paar.[23] Die beiden heirateten 1967 in Las Vegas, wobei die Hochzeit von Universal ausgerichtet wurde, bei der Paul gerade unter Vertrag stand, und er adoptierte die zweijährige Tochter Anouschka Renzi.[28] Paul beschrieb seine Frau als schön, begeisterungsfähig, äußerst temperamentvoll, spontan, von einen unbändigen Freiheits- und Wahrheitsdrang besessen. Dabei habe sie die gleichen Eigenschaften von den Mitmenschen erwartet, was häufig zu beleidigen Provokationen geführt hätte. Dies sei Evas Karriere nicht gerade förderlich gewesen. Paul habe in Vertrauen auf ihre Intelligenz gehofft, dass sie ausgeglichener würde. So wäre es aber nicht gekommen.[24] Eva laß viel über esoterischen Themen, darunter auch die Schriften von Bhagwan, und versuchte auch andere davon überzeugen. Paul missfiel dieses missionieren. Das Heim in Saint Tropez wollte sie zu einem Haus der Begegnungen machen, wo interessante Menschen ihre Gedanken austauschen und ihre Ideen entwickeln sollten.[30]

Eva nahm ihre Tochter drei Monate aus der Schule und begab sich mit einem umgebauten Kleintransporter nach Indien. Paul besuchte sie dort in einem heruntergekommenen Hotel und man fuhr gemeinsam zur Endstation von Eva Reise nach Goa. Dabei wunderte er sich, wieso sich Indienfans ausgerechnet dort so gerne niederlassen, gehe es dort doch als ehemalige portugiesische Kolonie sehr katholisch und gar nicht indisch zu.[31] Ohnehin konnte er nicht begreifen, welche Erleuchtung junge Leute in Indien zu finden hofften. Es wäre zwar ein hochinteressantes schönes Land, dagegen sprächen aber viel Armut, große soziale Ungerechtigkeit, religiöse Ungleichheit, Kastensystem, Witwenverbrennung, Bevorzugung der Söhne gegenüber den Töchtern, Patriarchentum und noch einiges mehr. Für das einfache Leben müsse man dort eigentlich unter den Bedingungen eines Inders leben und nicht als Tourist mit Kreditkarte in der Hand.[32]

Bei Theatertourneen kam es immer mal wieder zu getrennten Hotelzimmern für das Ehepaar Hubschmid. Den sechzigsten Geburtstag feierte die Familie noch gemeinsam,[33] 1983 folgte die Scheidung, welche genauso wie die Hochzeit in Las Vegas durchgeführt wurde, wobei Paul nicht anwesend sein musste.[34]

Irène Schiesser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul probte für eine Theatertournee in Köln am Millowitsch-Theater, als man eine Partnerin für die Wiederaufnahme von Nicht zuhören, meine Damen suchte und die Züricherin Irène Schiesser vermittelt bekam, eine junge Schauspielerin, die erstmals an einem Tournee-Theater teilnahm und den Namen Paul Hubschmid zum ersten Mal von ihrem Agenten hörte, da sie bislang nur italienische, französische sowie amerikanische Filme geguckt hatte und infolgedessen Füsilier Wipf nicht kannte. Irène lernte ihren Text binnen vier Tagen und die Premiere wurde ein Erfolg.[34] Paul und Irène wurden ein Paar, welches viele weitere Aufführungen gemeinsam bestritt und im Sommer 1985 heiratete.[35]

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Paul Hubschmid – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Schöner Mann, was nun?, Kapitel Familie
  2. a b c d Schöner Mann, was nun?, Kapitel Ausbildung
  3. Schöner Mann, was nun?, Kapitel Ein Schweizer im Dritten Reich
  4. Schöner Mann, was nun?, Kapitel Karriere
  5. a b Schöner Mann, was nun?, Kapitel Volkstheater Wien
  6. Schöner Mann, was nun?, Kapitel Duftfilm
  7. a b c Schöner Mann, was nun?, Kapitel Missbrauchte Liebesbriefe
  8. Schöner Mann, was nun?, Kapitel Wilder Urlaub
  9. Schöner Mann, was nun?, Kapitel Kriegsende
  10. a b Schöner Mann, was nun?, Kapitel Hollywood
  11. a b Schöner Mann, was nun?, Kapitel Red Beauty
  12. Schöner Mann, was nun?, Kapitel Bagdad
  13. Schöner Mann, was nun?, Kapitel Die schönste Frau der Welt
  14. Schöner Mann, was nun?, Kapitel Goliath
  15. Schöner Mann, was nun?, Kapitel Preview / Vorschau
  16. Schöner Mann, was nun?, Kapitel Zurück nach Europa
  17. Schöner Mann, was nun?, Kapitel Das Moissi-Haus
  18. Schöner Mann, was nun?, Kapitel Tauchen
  19. Schöner Mann, was nun?, Kapitel Scampolo oder: Das Restchen
  20. Schöner Mann, was nun?, Kapitel Indien – Fritz Lang
  21. Schöner Mann, was nun?, Kapitel My Fair Lady
  22. Schöner Mann, was nun?, Kapitel Ein neues Zuhause
  23. a b c Schöner Mann, was nun?, Kapitel Abschied
  24. a b Schöner Mann, was nun?, Kapitel Altersunterschied
  25. Schöner Mann, was nun?, Kapitel Paul de Gassin
  26. Mon Chéri – Wer kann dazu schon Nein sagen? In: Mon Chéri. Abgerufen am 5. Mai 2016.
  27. Schöner Mann, was nun?, Kapitel Begegnung mit Ursula
  28. a b Schöner Mann, was nun?, Kapitel 230 SL
  29. Der zweite Versuch war tödlich: Hubschmids Frau vergiftete sich. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 21. November 1963, S. 5.
  30. Schöner Mann, was nun?, Kapitel Wilde Zeiten
  31. Schöner Mann, was nun?, Kapitel Welcome to India
  32. Schöner Mann, was nun?, Kapitel Noch einmal „My Fair Lady“
  33. Schöner Mann, was nun?, Kapitel Oh mein Papa
  34. a b Schöner Mann, was nun?, Kapitel Heiraten sie niemals
  35. Schöner Mann, was nun?, Kapitel Das dritte Kapitel