Paul Ignaz Vogel

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Paul Ignaz Vogel (* 1939) ist ein Schweizer Publizist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vogel studierte 1962 und 1963 in West-Berlin,[1] ehe er nach Basel in der Schweiz zurückkehrte.[2] Dort gründete er 1963 ohne Eigenkapital die Schweizer Monatszeitschrift Neutralität, die er selbst herausgab. In seinem Beitrag "Tauwetter" im Cahier 18 (ISBN 978-2-9701109-7-2, Seiten 133 und ff. des Centre Dürrenmatt Neuchâtel) erwähnt Vogel die menschliche Notsituation im damals geteilten Berlin des Kalten Krieges. Diese hatte Anlass zur Gründung der Zeitschrift Neutralität gegeben; die Publikation wurde zu einem Organ für die friedliche Koexistenz. In ihr schrieben namhafte Autoren wie Arnold Künzli, Konrad Farner und Max Frisch. Die Zeitschrift wurde bis 1965 vom Schweizer Germanisten Walter Muschg finanziell unterstützt. Vogel und sein Freundeskreis aus dem Umfeld der Zeitschrift bezeichneten sich selbst als Nonkonformisten.[2]

Von 1967 bis 1968 arbeitete er in Biel Büro Cortesi und wurde von Mario Cortesi „bei der Herstellung der «Neutralität» unterstützt“.[1] Ab Herbst 1968 war er wieder in Bern.[1]

1969 wurde dem Schweizer Dramatiker Friedrich Dürrenmatt der Grosse Literaturpreis des Kantons Bern verliehen. Er reichte diesen anlässlich der Überreichungsfeier an Sergius Golowin, Arthur Villard und Paul Ignaz Vogel weiter.[3]

Ende 1969 erhob Vogel den Vorwurf, der damalige Schweizer Bundesrat Ludwig von Moos sei dem Antisemitismus der Nazis nahegestanden.[4] In der 2016 publizierten Biografie[5] über Georges Brunschvig schrieb Hannah Einhaus: «Auf eine Interpellation im Nationalrat gegen eine Niederlassung Globkes in der Schweiz nahm Bundesrat Ludwig von Moos diesen im Oktober 1964 in Schutz … Zwei wichtige Gemeinsamkeiten verbanden von Moos und Globke: Obschon nicht Mitglied der Fronten beziehungsweise der NSDAP, bewiesen beide mit ihren Schriften eine ausgeprägte antijüdische Haltung, und beide entwickelten sich nach dem Krieg zu Schlüsselfiguren im jeweiligen Land.» (S. 192ff.) [Anmerkung: Gemeint ist Hans Globke.]

1970 trat Vogel „als Reaktion gegen die Neue Linke“ in die Sozialdemokratische Partei der Schweiz ein und geriet „in der Folge auch mit seiner Zeitschrift immer mehr in Abhängigkeit von SP und Gewerkschaften.“[1] 1989 trat er aus der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz aus.[1]

1995 wurde durch ein aussergerichtliches Einsichtsverfahren in die Staatsschutzakten bekannt, dass der schweizerische Geheimdienst das Leben von Vogel ab 1962 intensiv verfolgt hatte. 1974 stellte der Staatsschutz gleichzeitig mit dem Ende der Zeitschrift Neutralität die Observation von Vogel ein, wie im Buch Napf, eine Gratwanderung im Kalten Krieg auf Seite 121 beschrieben wird. Die letzte Ausgabe der Zeitschrift Neutralität erschien im November 1974 als Nr. 5 des 12. Jahrganges.

1996 gründete Vogel, selbst arbeitslos, den sozialpolitischen Mediendienst «Hälfte/Moitié».1998 trat Vogel in die Dienste der Gewerkschaft Druck und Papier, später comedia (heute Syndicom) ein und betreute dort bis Mitte 2004 die Erwerbslosen und Ausgesteuerten. 2005 erschien sein autobiografisches Buch Napf: eine Gratwanderung im Kalten Krieg.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Lukas Dettwiler (Ersteller des Inventars). Kurzbiografie von Paul Ignaz Vogel im „Nonkonformismus Archiv Fredi Lerch.“ Schweizerisches Literaturarchiv, 2011.
  2. a b http://www.nzz.ch/nachrichten/startseite/vor_dem_gewitter_das_ueber_den_jura_kam_1.718579.html
  3. Friedrich Dürrenmatt, Diogenes Gesamtausgabe, Band 34, S. 57–58.
  4. Schweiz/von Moos: Geistig geweckt In: Der Spiegel Nr. 3, 12. Januar 1970. / Hierzu: Angelo Garovi: Bemerkungen zur politischen Haltung von Ludwig von Moos in den 30er Jahren. In: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte (SZG), 62/2012, Nr. 1, S. 156–163; Hadrien Buclin: «Surmonter le passé?»: les intellectuels de gauche et le débat des années soixante sur la deuxième guerre mondiale. In: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte, 63/2013, Nr. 2, S. 233–249.
  5. Hannah Einhaus: Für Recht und Würde. Georges Brunschvig: Jüdischer Demokrat, Berner Anwalt, Schweizer Patriot (1908–1973) Chronos, Zürich 2016, Band 17 der Schriftenreihe des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes
  6. Fredi Lerch: Paul Ignaz Vogel: Zwei Hälften machen noch kein Ganzes... Jetzt hat er über sein Leben ein Buch geschrieben In: Die Wochenzeitung, 2. Februar 2006