Paul Jonas Meier

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Paul Jonas Meier (* 22. Januar 1857 in Magdeburg; † 11. Februar 1946 in Braunschweig) war ein deutscher Lehrer und von 1901 bis 1924 Direktor des Herzoglichen Museums Braunschweig.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meier studierte zunächst Klassische Philologie in Tübingen, anschließend an der Universität Bonn Klassische Philologie und Klassische Archäologie. Sein Enkel, Christian Meier, studierte ebenfalls Klassische Philologie und Klassische Archäologie. Zum Dr. phil. promoviert, absolvierte er ab August 1882 ein Probejahr am Herzoglichen Gymnasium Martino-Katharineum, nach dessen Ablauf er dort als Hilfslehrer beschäftigt wurde. Diese Lehrtätigkeit wurde zu Michaelis 1883 unterbrochen, um als Stipendiat des Deutschen Reiches eine Reise zu wissenschaftlichen Zwecken nach Italien und Griechenland zu unternehmen. Im Herbst 1884 kehrte er zurück, wurde zum Gymnasiallehrer ernannt und wechselte an das am 26. Oktober 1885 als Tochterschule des Martino-Katharineums gegründete[1] Herzogliche Neue Gymnasium, das heutige Wilhelm-Gymnasium.[2]

Parallel zum Schuldienst war Meier seit 1886 am Herzoglichen Museum Braunschweig, dem heutigen Herzog Anton Ulrich-Museum, beschäftigt, wo er u. a. das Münzkabinett sowie die Sammlungen der Gemmen und Gipsabgüsse betreute und hielt seit 1887 am pädagogischen Seminar der TH Braunschweig Vorträge über Archäologie und Kunstgeschichte. Er wurde zum 1. Mai 1888 Museumsinspektor und war ab diesem Zeitpunkt kein ordentlicher Lehrer mehr. Als Hilfslehrer unterrichtete er jedoch noch bis Ostern 1892 Schüler der beiden oberen Klassen im Verständnis der griechischen Klassiker und in Geschichte. Anschließend widmete er sich ganz der vom Herzoglichen Staats-Ministerium an ihn gestellten Aufgabe, die Bau- und Kunstdenkmäler des Landes Braunschweig zu ermitteln und auf ihren geschichtlichen und künstlerischen Wert zu untersuchen.[2] Die mehrbändige Publikation gleichen Namens erschien in den Jahren 1904 bis 1922. Den Band Kunstdenkmäler der Stadt Braunschweig veröffentlichte Meier zusammen mit Karl Steinacker, der während Meiers Lehrtätigkeit am Herzoglichen Neuen Gymnasium dort bis 1891 Schüler gewesen war, 1899 ebenfalls zum Dr. phil. promovierte und Meier ab 1901 als wissenschaftliche Hilfskraft, später als Museumsinspektor unterstützte, bis er selbst im Jahre 1910 wissenschaftlicher Leiter des Vaterländischen Museums, dem Vorläufer des heutigen Braunschweigischen Landesmuseums, wurde.

Im Jahre 1894 erhielt Meier den Titel eines Professors und trat 1901 die Nachfolge Herman Riegels (1834–1900) als Museumsdirektor an. Unter Meiers Direktorat wurde die Münz- und Porzellansammlung des Herzoglichen Museums durch Neuerwerbungen erweitert, wobei jedoch nur geringe finanzielle Mittel zur Verfügung standen. Für die Gipsabgüsse ließ er Säle einrichten.

1904 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften gewählt.[3] Den Titel eines Geheimen Hofrates trug er seit 1911.

Meiers Grabstein auf dem Reformierten Friedhof

Meier trat 1924 in den Ruhestand. Sein Nachfolger als Leiter des Herzoglichen Museums wurde der Kunsthistoriker Eduard Flechsig. Meier starb 1946 in Braunschweig und wurde auf dem dortigen Friedhof der Reformierten Gemeinde bestattet. Nach ihm ist die Paul-Jonas-Meier-Straße im Stadtteil Gliesmarode benannt.

Sein Sohn Burkhard Meier (1885–1946) wurde gleichfalls Kunsthistoriker und später Verleger des Deutschen Kunstverlags. Meiers Enkel Christian Meier studierte ebenfalls Klassische Philologie und Klassische Archäologie.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kritische Bemerkungen zu Euripides. (Wissenschaftliche Abhandlung) In: Nachrichten über das Herzogliche Gymnasium Martino-Katharineum zu Braunschweig. Ostern 1885., Joh. Heinr. Meyer Verlag, Braunschweig, 1885.
  • Ausgewählte Gedichte Tibulls für den Schulgebrauch erklärt. (Wissenschaftliche Abhandlung) In: Jahresbericht des Herzoglichen Neuen Gymnasiums zu Braunschweig. Von Ostern 1888 bis Ostern 1889., Joh. Heinr. Meyer Verlag, Braunschweig, 1889.
  • mit Karl Steinacker: Bau- und Kunstdenkmäler des Landes Braunschweig. 1904 bis 1922.
  • Werk und Wirkung des Meisters Konrad von Soest. Münster 1921.
  • Der Welfenschatz. In: Braunschweigische Heimat 1929, 20, S. 18–32.
  • Das Kunsthandwerk des Bildhauers in der Stadt Braunschweig seit der Reformation. (= Braunschweiger Werkstücke Bd. 8). Braunschweig 1936.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jochen Luckhardt: Meier, Paul Jonas. In: Braunschweiger Stadtlexikon. herausgegeben im Auftrag der Stadt Braunschweig von Luitgard Camerer, Manfred R. W. Garzmann und Wolf-Dieter Schuegraf unter besonderer Mitarbeit von Norman-Mathias Pingel, Braunschweig 1992, ISBN 3-926701-14-5, S. 156.
  • Horst-Rüdiger Jarck, Günter Scheel (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon. 19. und 20. Jahrhundert. Hannover 1996, S. 408.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schulleitung und Kollegium des Wilhelm-Gymnasiums: 100 Jahre Wilhelm-Gymnasium Braunschweig. 1885-1985. Verlag Hans Oeding, Braunschweig, 1985, S. 63.
  2. a b Herzogliches Neues Gymnasium zu Braunschweig: Jahresbericht des Herzoglichen Neuen Gymnasiums zu Braunschweig. Von Ostern 1892 bis Ostern 1893. Johann Heinrich Meyer Verlag, Braunschweig, 1893, S. 20 u. 21.
  3. Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Bd. 246 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Mathematisch-Physikalische Klasse. Folge 3, Bd. 50). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 164.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]