Paul Landers

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Paul Landers (2011)

Paul Landers (* 9. Dezember 1964 in Ost-Berlin als Heiko Paul Hiersche) ist ein deutscher Musiker und Gitarrist der deutschen Band Rammstein.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Landers wurde als Sohn des deutschen Slawisten Anton Hiersche und einer polnischen Lehrerin geboren. Im Alter von acht Jahren gingen seine Eltern mit ihm und seiner drei Jahre älteren Schwester Sabine nach Moskau.[1] Seine Mutter lehrte dort an einer Fachhochschule für Außenwirtschaft Russisch, sein Vater arbeitete als Professor für slawische Sprachen. Nach einem Jahr kehrten sie zurück in die DDR.

Nach einer Verletzung musste er im Alter von zwölf Jahren mit der Sportgymnastik aufhören.

Nach der Schule begann Landers eine Lehre als Funk- und Fernmeldemechaniker. Nach seiner Ausbildung verdiente er sein Geld als Heizer in der Treptower Stadtbibliothek. Durch eine Bescheinigung seiner Musikschule entging er dem Dienst in der NVA. Krankschreibungen und eine Briefkastenadresse halfen ihm auch bis zum Ende der DDR, nicht eingezogen zu werden. Auf der Ostseeinsel Hiddensee lernte er Nikki Landers kennen. 1984 heiratete er sie und nahm ihren Namen an. 1986 folgte die Scheidung, ein Jahr später zog er mit Christian „Flake“ Lorenz in eine Wohngemeinschaft. 1990 wurde er Vater des späteren Schauspielers Emil Reinke, der aus einer damaligen Beziehung hervorging. Seit Ende der Neunzigerjahre ist er mit einer Hair- und Makeup-Artistin liiert und hat mit ihr seit Anfang der 2000er Jahre eine gemeinsame Tochter.

Musikalischer Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Landers (2009)

Im Alter von 13 Jahren veranlassten seine Eltern, dass er wie seine ältere Schwester Klavierunterricht erhielt. Nach kurzer Zeit wechselte er zur Klarinette und schließlich zur Gitarre. Bei Konzerten der Punk- und New-Wave-Formation Keks notierte er sich die Griffe im Gedächtnis und übte diese zu Hause vor dem Spiegel. Er meldete sich in der Folgezeit an der Musikschule Friedrichshain in der Abteilung Tanzmusik für den Unterricht an der E-Gitarre an. Die Aufnahmeprüfung bestand er mit einer Improvisation auf der Gitarre. Neben der Gitarre spielt Landers in seiner Freizeit auch Schlagzeug.

Seine Fähigkeiten an seinem Hauptinstrument stufte Landers noch Jahre nach den ersten großen Rammstein-Erfolgen wie folgt ein:

„Gitarrespielen hab ich bis heute eigentlich nicht richtig gelernt. Ehe ich den klassischen Rockgriff begriff, musste ich erst ein paar Mal in Konzerte rennen.“

Paul Landers[2]

Seine erste Band war die Punkgruppe Die Firma. Er gehörte zudem der Band Feeling B an, bei der er 1983 Gründungsmitglied war. Letztere bestand im Wesentlichen aus drei Musikern: Der 1947 geborene und damit fast doppelt so alte Aljoscha Rompe, der bei Gründung 18-jährige Paul Landers und der zwei Jahre jüngere Christian "Flake" Lorenz. Alle weiteren Musiker, die bei Feeling B mitspielten, wurden als Gastmusiker betrachtet und hatten wenig bis gar kein Mitspracherecht bei der musikalischen Ausgestaltung. Die Band erspielte sich innerhalb der DDR einen hohen Bekanntheitsgrad, obwohl sie trotz einer sogenannten staatlichen Einstufung und der damit verbundenen Spielerlaubnis niemals professionell oder kommerziell erfolgreich arbeitete.

Bei Feeling B spielte Landers über einige Jahre auch immer wieder mit dem späteren Rammstein-Drummer Christoph „Doom“ Schneider zusammen.

Landers war zeitweise parallel zu den vorgenannten Aktivitäten noch bei verschiedenen anderen Musikprojekten aktiv. So war er nach eigenen Angaben Klarinettist bei der Band Tacheles, die im Zusammenhang mit dem gleichnamigen Kunsthaus Tacheles an der Oranienburger Straße in Berlin entstand. Er war zudem für eine Weile als Gitarrist und Klarinettist bei Kashmir engagiert sowie als Schlagzeuger bei New Affaire sowie als zweiter Gitarrist bei B.R.O.N.X. tätig. [3]

Mit Christian "Flake" Lorenz trat er während seiner Feeling-B-Zeit außerdem unter dem Namen Die Magdalene Keibel Combo als Duo auf, das sich wechselnde Gastdrummer dazuholte, die die Lieder der beiden nicht kennen durften. [4] In dieser Formation veröffentlichte Landers gemeinsam mit Flake 1988 das Album "Das gemeine Reitbein". Das Gitarrenriff des dort enthaltenen Liedes Klaus Kinski taucht gut erkennbar beim 1994er Rammstein-Song Heirate mich wieder auf. Dies bestätigte Jahre später auch Christoph Schneider in einem Interview.

Etliche der zumeist als alternativ geltenden Bands, in denen Landers spielte, wurden in der ehemaligen DDR unter dem Oberbegriff "Die anderen Bands" geführt.

Die Band Feeling B ging Ende 1993/Anfang 1994 auseinander - kurze Zeit, nachdem Landers seinen Ausstieg angekündigt hatte. In der Rückschau schieben verschiedene Wegbegleiter und auch DDR-Musikfachleute Landers einen nicht unerheblichen musikalischen Einfluss bei Feeling B zu. So äußerte sich der Schauspieler Henry Hübchen, ein Studienkollege Rompes, in einem Interviewbuch über die Band wie folgt:

„Nach meinem Weggang von der Humboldt-Uni hatte ich Aljoscha lange nicht mehr gesehen. (...) Ich glaubte noch, er wäre Physiker geworden, aber er hatte Lederhosen an und rannte hektisch Rock´n´Roll-mäßig umher. (...) Mich hat Feeling B. überraschend beeindruckt, besonders der Gitarrist. Der hopste da rum und spielte sehr eigen Gitarre, der hatte Elan und Energie.“

Henry Hübchen[5]

Der Regisseur und Dramaturg Jochen Wisotzki, der den damals etwa 23-jährigen Landers im Zuge der DEFA-Produktion flüstern & SCHREIEN - Ein Rockreport kennenlernte, war ähnlicher Meinung:

„Paul gehörte für mich zu diesen jungen Leuten, die sich klar für eine Sache entschieden hatten, sie durchziehen, und das auch aus dem Bauch begründen können.“

Jochen Wisotzki, Dramaturg[6]

Ende 1993 kündigte Landers seinen Ausstieg bei Feeling B an, um musikalisch neue Wege einschlagen zu können; zuvor hatte Bandgründer und Sänger Aljoscha Rompe es abgelehnt, ein von Landers, Schneider und Lorenz bereits weitgehend fertig komponiertes neues Feeling-B-Album einzusingen.[7] Beim offiziellen Feeling-B-Abschiedskonzert am Pfingstwochenende 1994 bei einem Open Air in Steinbrücken spielte Landers jedoch noch mit.[8]

1994 wurde Landers - anfangs gegen den Widerstand seines alten Feeling-B-Kollegens Christoph "Doom" Schneider, der ihn als anstrengend empfand - fünftes Mitglied bei Rammstein. [9] Dort wirkt er seitdem als Rhythmusgitarrist mit.

Am 19. Dezember 2000 kehrte Landers anlässlich eines Gedenkkonzerts für den im Monat zuvor verstorbenen Feeling-B-Sänger Rompe kurz zu seinen musikalischen Wurzeln zurück: Er trat in der Kulturbrauerei Berlin zusammen mit Flake und Schneider noch einmal als Magdalene Keibel Combo auf und spielte bei den vier Feeling-B-Liedern "Artig", "Tschaka", "John" und "Kim Wilde" die Gitarrenparts. [10] [11]

Landers bezeichnet sich selbst als zappelig. So sagte er in einer Sequenz der 2015 erschienen DVD Rammstein in Amerika, es sei ihm schwer gefallen, "alle Maschinen zu stoppen", als die Band vor der Produktion des letzten Albums Liebe ist für alle da ein Jahr pausierte. [12] In einem Interview mit der FAZ sagte Rammstein-Keyboarder Flake 2009 - von der Reporterin seinerzeit nach den hervorstechendsten Eigenschaften einzelner Bandmitglieder befragt - über Landers:

„Paul ist eigentlich unser Haupt-Ärger-Verantwortlicher. Wenn wir zögern, sagt er: 'aber gerade'. Und er ist wie ein guter Kutscher. Wenn der Schlendrian einzieht, wenn die Zügel zu schleifen beginnen, kann Paul strikt nachziehen und die Truppe zusammenhalten.“

Christian Flake Lorenz[13]

Darüber hinaus betätigt sich Landers von Zeit zu Zeit auch als Producer und Regisseur von Making-Of-Videos zu den Albumproduktionen der Band. So war er für die Making-Of-Filme zu Reise Reise und Liebe ist für alle da hauptverantwortlich, die die Band neben weiteren Dokumentationen den Konzert-DVDs Völkerball und Rammstein in Amerika beifügten.

Instrumente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Landers spielte früher hauptsächlich Gitarren von Musicman, besaß aber damals auch schon eine Les Paul des amerikanischen Herstellers Gibson. 2006 ließ er sich von ESP eine Eclipse-Gitarre modifizieren. Dieses Modell ging unter dem Namen ESP Eclipse I CTM PL Paul Landers Signature Model in Serie, ist jedoch keine offizielle Signature-Gitarre. 2012 wurde er von Gibson mit seiner eigenen Signature geehrt.[14] Seitdem benötigt er nach eigenen Angaben nur noch diese Gitarre.[15]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Landers besaß nach eigenen Angaben noch Ende der Neunzigerjahre weder Fernseher noch Schallplatten und CDs oder ein entsprechendes Abspielgerät.[16][17] In einem Interview mit dem Magazin Rock Hard im Juni 2004 berichtete er schließlich, er habe sich während der Vorproduktion zum Album Reise Reise einen mp3-Player gekauft und alle bisherigen Rammstein-Alben daraufgeladen.[18]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Paul H. Landers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anton Hiersche: Wie ein Traum verloren wurde, Erinnerungen eines Slawisten. Verlag am Park Berlin 2013, ISBN 978-3-89793-262-3, S. 348.
  2. Ronald Galenza, Heinz Havemeister: Feeling B Mix mir einen Drink, Punk im Osten, Ausführliche Gespräche mit Flake, Paul Landers und vielen anderen. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, ISBN 978-3-89602-905-8, Seite 121
  3. Ronald Galenza, Heinz Havemeister: Feeling B Mix mir einen Drink, Punk im Osten, Ausführliche Gespräche mit Flake, Paul Landers und vielen anderen. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, ISBN 978-3-89602-905-8, Seiten 401/402.
  4. Ronald Galenza, Heinz Havemeister: Feeling B Mix mir einen Drink, Punk im Osten, Ausführliche Gespräche mit Flake, Paul Landers und vielen anderen. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, ISBN 978-3-89602-905-8, Seite 171.
  5. Ronald Galenza, Heinz Havemeister: Feeling B Mix mir einen Drink, Punk im Osten, Ausführliche Gespräche mit Flake, Paul Landers und vielen anderen. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, ISBN 978-3-89602-905-8, Seite 165
  6. Ronald Galenza, Heinz Havemeister: Feeling B Mix mir einen Drink, Punk im Osten, Ausführliche Gespräche mit Flake, Paul Landers und vielen anderen. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, ISBN 978-3-89602-905-8, Seite 186
  7. Ronald Galenza, Heinz Havemeister: Feeling B Mix mir einen Drink, Punk im Osten, Ausführliche Gespräche mit Flake, Paul Landers und vielen anderen. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, ISBN 978-3-89602-905-8, Seiten 356/357.
  8. Ronald Galenza, Heinz Havemeister: Feeling B – Mix mir einen Drink; Punk im Osten – ausführliche Gespräche mit Flake, Paul Landers und vielen anderen 3. Auflage. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2010, ISBN 978-3-89602-905-8, S. 363.
  9. Ronald Galenza, Heinz Havemeister: Feeling B Mix mir einen Drink, Punk im Osten, Ausführliche Gespräche mit Flake, Paul Landers und vielen anderen. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, ISBN 978-3-89602-905-8, Seite 373.
  10. Ronald Galenza, Heinz Havemeister: Feeling B Mix mir einen Drink, Punk im Osten, Ausführliche Gespräche mit Flake, Paul Landers und vielen anderen. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, ISBN 978-3-89602-905-8, Seite 422.
  11. berliner-zeitung.de: Das Gedenkkonzert für den DDR-Punk Aljosha Rompe geriet merkwürdig reserviert: "Ein Abend des schlechten Gewissens"
  12. DVD: Rammstein in Amerika, Disc 2, Making of Liebe ist für alle da, Rammstein GbR / Universal Music Group, 2015.
  13. faz.net: Wir wollen Ärger 13.10.2009, abgerufen am 17. Januar 2017
  14. gitarrenbeginner.de: Gibson Les Paul Signature für Paul Landers
  15. youtube-Videointerview Gibson Germany: Gibson Paul Landers Signature Model EPK
  16. Mucke-und-mehr.de: Erfolgreiche Klopfköpfe, 04/1998.
  17. Viva Jam Folge 176: Rammstein, 1997, O-Ton ab 24:20 Min.
  18. Rock Hard Magazin: All die krassen Sachen, Rock Hard Nr. 205, 06/2004

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ronald Galenza, Heinz Havemeister: Feeling B Mix mir einen Drink, Punk im Osten, Ausführliche Gespräche mit Flake, Paul Landers und vielen anderen. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, ISBN 978-3-89602-905-8.