Paul Münch (Autor)

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Paul Münch an seiner Haustür, ca. 1935

Paul Münch (* 10. Dezember 1879 in Ruchheim (jetzt Ludwigshafen am Rhein); † 2. Januar 1951 in Neustadt an der Weinstraße) war ein deutscher Lehrer, der als Pfälzer Mundartdichter in der gesamten Region bekannt wurde.

Familie, Ausbildung und Beruf[Bearbeiten]

Münch wurde 1879 als Sohn eines evangelischen Pfarrers in der damals noch eigenständigen Gemeinde Ruchheim (Vorderpfalz) geboren. Sein älterer Bruder Ernst (1876–1946) wurde später ein bedeutender Forstwissenschaftler; dessen Sohn war der KZ-Arzt Hans Münch.

Seine Kindheit verbrachte Münch der westpfälzischen Kleinstadt Kusel, das Gymnasium besuchte er in der Südpfalz (Germersheim und Landau). Nach dem Abitur 1898 studierte er an der Kunstgewerbeschule und der Technischen Hochschule in München, wo er 1902 die Prüfung für das Höhere Lehramt ablegte.

Nach Zwischenstationen an Realschulen in Marktbreit (Unterfranken) und Weierhof (heute Bolanden im Donnersbergkreis) kam Münch im Jahre 1907 nach Kaiserslautern. Hier war er 43 Jahre lang an der Oberrealschule (dort als stellvertretender Schulleiter), am Gymnasium und an der Lehrerbildungsanstalt hauptsächlich als Kunsterzieher tätig. Vor allem bei seinen eigenen Büchern betätigte er sich auch als Illustrator. Seine bekannteste Zeichnung ist der Entwurf eines schwarz-weißen Jugendstil-Weinetiketts, das er 1919 für das Weingut Hahnmühle an der Nahe fertigte und das heute noch in Gebrauch ist.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden Münchs Mundartwerke ohne dessen Zutun durch die Machthaber vereinnahmt, denen nicht bekannt war, dass der Dichter und Zeichner bereits 1932, noch vor der Machtübernahme der Nazis, Karikaturen angefertigt hatte, die Adolf Hitler lächerlich machten.[1] Eine Arbeitsgruppe von Schülern des Hohenstaufen-Gymnasiums Kaiserslautern, das aus der Oberrealschule hervorgegangen ist, untersuchte von 2009 bis 2011 die vermeintliche Nazi-Vergangenheit des früheren Schulrektors und Vorgesetzten Münchs. Wider Erwarten stellte sich heraus, dass Münch und sein Schulleiter, die vom gemeinsamen Studium her befreundet waren, den Lehrerkollegen Arnold Lehmann und dessen Angehörige vor dem Holocaust bewahrt hatten. Lehmann war 1936 als sogenannter Halbjude aus dem Schuldienst entfernt worden und sollte 1942 ins Konzentrationslager deportiert werden. Münch und der Schulleiter samt weiteren Helfern versteckten die Gefährdeten bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs in einer Kaiserslauterer Wohnung.[1]

Bedeutung und Ehrungen[Bearbeiten]

Paul-Münch-Denkmal in Ruchheim

Während seines langen beruflichen Wirkens in der Westpfalz übernahm Münch den Dialekt der Gegend fast vollständig, vorder- oder südpfälzische Elemente sind in seiner Sprache kaum mehr feststellbar. Mit seinem umfangreichen literarischen Schaffen auf dem Gebiet der Mundartdichtung wurde er der Pfälzer Poet schlechthin, der durch seine volkstümliche und häufig auch zeitlose Themenwahl sowie seinen gekonnten Umgang mit Sprache und Reim heute noch präsent ist.

So wurde z. B. die von Münch proklamierte „Pälzer Weltachs“ mit ihrem karikierten Bedarf an Schmierung in der Pfalz sprichwörtlich und sogar in einem Denkmal verewigt. Die bayerische Verwaltung hatte im 19. Jahrhundert (s. Geschichte der Pfalz) auf dem 459 Meter hohen Rossrück im Pfälzerwald, zwischen Waldleiningen und Johanniskreuz, in einen Sandsteinblock eine pfeilerförmige Landmarke setzen lassen, um die Umgebung topographisch vermessen zu können. Münch machte aus der Marke kurzerhand die Achse der Welt, indem er dichtete:

Do werd die Weltachs ingeschmeert un uffgepasst, dass nix passeert.

Dieses Zitat wurde später in den Steinblock eingemeißelt. Auch viele weitere literarische Schöpfungen des Dichters fanden Eingang in den pfälzischen Alltag, ohne dass die Sprecher sich bewusst sind, dass es sich um Teile von Münch-Gedichten handelt.

Nachdem Münch 1951 im Krankenhaus Hetzelstift in Neustadt an der Weinstraße verstorben war, wurde er auf dem Kaiserslauterer Waldfriedhof in einem städtischen Ehrengrab beigesetzt.

Sein Geburtsort Ruchheim hat Münch ein Denkmal aus hellem Sandstein gewidmet. In Kaiserslautern sind die Paul-Münch-Straße, die Paul-Münch-Schule und der Paul-Münch-Brunnen nach ihm benannt.

Werke[Bearbeiten]

  • Mei’ Herzerweiterung
  • Trutz nit so! (Sei nicht so widerspenstig!)
  • Die Derke un ihr Harem (Die Türken…)
  • De Darwin un mer Pälzer
  • Märzeveilche
  • Die pälzisch Weltgeschicht
  • Der Untergang des Abendlandes
  • Die babylonisch Sprochverwerrung
  • ’s Paradies
  • ’s Liselottche

Literatur / Tonträger[Bearbeiten]

  • Paul Münch: Meim Schatz han ich e Lied gesung. Booklet zur CD: Lieder und Gedichte von Paul Münch. Mit: Hans-Erich Halberstadt, Tenor, Roland M. Höbel, Gitarre, Christine Leyser, Sopran, Rundfunkorchester des Südwestfunks, Leitung: Emmerich Smola. Kaiserslautern 1996
  • Paul Münch: Die Pälzisch Weltgeschicht. 2 Schallplatten, Verse und Gedichte rund um die Pfalz. Von der „Babylonisch Sprochverwerrung“ bis zum „Cäsar“. Sprecher: Elsbeth Janda, Hans Moster, Klaus Rothenbücher. Zusammenstellung: Oskar Bischoff. Produktion: Comes-Musik, Ludwigshafen/Rhein
  • Die Rheinpfalz, Ludwigshafen: Der Pfälzer Bestseller – Zum 100. Geburtstag der Pfälzisch Weltgeschicht, 6. Juni 2009

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Gunther Strauß: Tödliches Versteckspiel. In: Die Rheinpfalz. Ludwigshafen, 6. April 2011.