Paul Peterich

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Professor Paul Peterich, Florenz (1912)

Paul Friedrich Gustav Peterich (* 1. Februar 1864 in Schwartau; † 22. September 1937 in Rotterdam) war ein deutscher Bildhauer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Vater, Jasper Hinrich Petersen (1833–1920), stammte aus dem holsteinischen Bramstedt. Zunächst hatte Petersen bei dem Drechslermeister Joachim Dröger aus Lübeck als Geselle in Lübecker Straße 31 in Schwartau gearbeitet. In jenem stattlichen Gebäude, es wurde 1973 abgerissen, wurde seit 1819 das Drechslerhandwerk ausgeübt.

Als Dröger verstarb, heiratete Petersen 1861 dessen Witwe Magdalena Margarete (1829–1905), einer geborenen Wentzel, die ihm drei Söhne schenkte. Paul war der mittlere.

Anzeige der väterlichen Drechslerei in Schwartau (1910)

Aus dem Gesellen wurde ein angesehener Handwerksmeister und als Bürger ein verdienter Ratsherr.

Nach dem Besuch der Bürgerschule erlernten Paul wie auch sein jüngerer Bruder Ernst, der das väterliche Geschäft später einmal fortführen sollte, das Drechslerhandwerk. Hierzu gehörten die Kunstdrechslerei, die Herstellung von Tabakpfeifen und Handstöcken.

Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Besuch der lübeckischen Gewerbeschule kam er in Verbindung mit deren Kunstschätzen und erwuchs sein Verlangen selbst einmal ähnliches zu erschaffen.

Als der kunstverständige Großherzog Nikolaus Friedrich Peter von Oldenburg, Schwartau gehörte zu jener Zeit zum oldenburgischen Landesteil des Lübecker Fürstentums, 1884 Peterichs Gesellenstück in Form eines reich verzierten heute im Besitz des Museums der Stadt Bad Schwartau[1] befindlichen Blumentisches sah, erkannte er dessen Talent und gewährte seinem Landeskind ein Stipendium zum Besuch der Kunstgewerbeschule Hamburg und im Anschluss der Kunstakademie in Berlin. Dort studierte er in der Meisterklasse Friedrich Schapers.[2][3] Während seines Studiums kopierte er antike und entwarf moderne Dekorationen. Bereits zu jener Zeit stand ihm das Atelier des verstorbenen Bildhauers Joseph Kaffsack zur Verfügung. Hier führte er bereits seine ersten Arbeiten aus.

Während seines Studiums bewarb sich Peterich 1887 23-jährig um die landesweit ausgeschriebene Gestaltung eines Denkmals für den Komponisten Carl Maria von Weber in Eutin und gewann. Die dessen Einweihung, auf der er persönlich anwesend war, am 1. Juni 1890 war sein künstlerischer Durchbruch. Am Fuße der Säule befand sich ursprünglich die Figur der Muse Polyhymnia. Sie ist, wie viele Skulpturen Peterichs, im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen worden.

In der Folge erhielt Peterich den Auftrag ein Denkmal zu Ehren von Friedrich von Reventlou und Wilhelm Beseler, Statthalter der Schleswig-Holsteinischen Erhebunsjahre, zu erschaffen. Deren Gruppe bestand aus einem Obelisken mit dem preußischen Adler, den Büsten von sowie der Plastik eines Soldaten. Zu seiner Einweihung erhielt es 1891 hochwertige Kritiken. Auch dieses wurde eingeschmolzen. Allein der Obelisk des 1891 in Schleswig aufgestellten Reventlou-Beseler-Denkmals blieb erhalten.

Anfang der 1890er Jahre bildete er Anna Magnussen-Petersen zur Bildhauerin aus.

1894 beauftragte man ihn ein den Schöpfern des Schleswig-Holstein-Liedes, Matthäus Friedrich Chemnitz und Carl Gottlieb Bellmann, gewidmetes Denkmal zu erschaffen. Das 1896 in Schleswig eingeweihte Chemnitz-Bellmann-Denkmal erhielt landesweites Lob.

Um die Jahrhundertwende war Peterich überregional bekannt. Da seine Erfolge ihn finanziell unabhängig gemacht hatten, begann er sich vornehmlich jenen Projekten zu widmen, die er persönlich für reizvoll hielt und unternahm verschiedene Bildungsreisen durch Europa. Um 1901 siedelte er von Berlin nach München über. In der Künstlerkolonie Schwabing erschuf er unter anderen 1903 die sich heute im Niedersächsischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte[4] in Oldenburg befindende Großplastik Medea[5] aus belgischen Granit. Zu jener Zeit beteiligte er sich an Kunstausstellungen in München sowie der Berliner Secession. Bei diesen war häufig Italien sein Ziel. Dort entdeckte er die antike Kunstidee für sich und machte den menschlichen Körper zum zentralen Thema seines Schaffens. In Rom erschuf er in jener Zeit die heute zur Sammlung der Galleria Internationale d’Arte Moderna in Venedig gehörende Plastik Römischer Knabe.

Nach Reisen durch Europa und Peterichs Heirat 1899 wurde er 1905 vom Großherzog von Oldenburg nach Rastede bei Oldenburg, wo man ihm der Titel Professor verlieh, berufen. Zu seinen dortigen Werken zählt die Brunnenplastik Im Spiel der Wellen. 1912, das Jahr in dem seine Heimatstadt das Stadtrecht erhielt, schenke er ihr die Triton und Nereide zeigende Plastik und im Folgejahr, das Jahr seitdem seine Heimatstadt den Zusatz Bad in seinem Namen führte, wurde sein Geschenk am 80. Geburtstag seines Vaters eingeweiht und wurde ihr Wahrzeichen.[6]

1907 zog er in die Nähe von Florenz, wo er insbesondere Marmorskulpturen schuf. Seine dort zu jener Zeit entstandene Großplastik Ruhender Knabe, sie wird bis heute in der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin verwahrt, gilt als eines von Peterichs Hauptwerken.

Nach Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 zog Peterich in die Künstlerkolonie Hellerau bei Dresden. Hier war er besonders als Medailleur tätig. Seine Arbeiten zeigte Peterich unter anderem auf der Großen Berliner Kunstausstellung von 1920.[7] Um 1918 schuf er den Brunnenengel im Garten des Karl-May-Museums in Radebeul.[8][9]

1922 ging Peterich nach Capri und 1927 nach Florenz. 1934 zog er nach Den Haag (Niederlande), wo er 1937 in Rotterdam starb.

Der Verbleib eines Großteils seiner Werke ist heute unbekannt. Einige von ihnen sind in Museen oder stehen als Denkmäler in der Öffentlichkeit. Ein Teil seiner Metall-Plastiken wurde im Zweiten Weltkrieg als Buntmetall eingeschmolzen.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 23. März 1899 heiratete Peterich die Pianistin Elsbeth Kühn (1876–1935)[10] und wurde Vater von 3 Söhnen und zwei Töchtern.

Bis 1922 ließ sich Peterich scheiden und heiratete nochmals.

Eckart Peterich (1900–1968), sein ältester Sohn, war Schriftsteller und Journalist. Er lebte lange in Italien und Griechenland. In seinen Werken zeigte er sich der antiken Kunst und Kultur verpflichtet.

Lucas Peterich (1902–1985) wurde Maler und Kunsthändler; er heiratete 1932 in zweiter Ehe in Rotterdam Wilhelmina Florentina („Floor“) van Beuningen (1908–1992), Tochter des Großindustriellen und Kunstsammlers Daniel George van Beuningen (1877–1955, siehe Museum Boijmans Van Beuningen).[11]

Seine Tochter, Gerda Peterich[12] (1906–1974), sollte später als Dozentin an der Syracuse University tätig sein.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peterich, Paul. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 26: Olivier–Pieris. E. A. Seemann, Leipzig 1932, S. 478.
  • Paul Peterich. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band 3: K–P. E. A. Seemann, Leipzig 1956, S. 574.
  • Georg Harders: Bildhauer Prof. Paul Peterich, Bad Schwartau (1864–1937). In: Jahrbuch für Heimatkunde. Eutin 1981, S. 147–155.
  • Peterich, Paul. In: Hans F. Rothert (Red.): Biographisches Lexikon für Schleswig-Holstein und Lübeck. Band 8. Wachholtz, Neumünster 1987, ISBN 3-529-02648-4, S. 284 ff.
  • Gemeinnütziger Bürgerverein Bad Schwartau von 1950 e.V. (Hrsg.), Georg Harders: Der Bildhauer Professor Paul Peterich. Leben und Werk. Bad Schwartau 1988.
  • Georg Harders: Im Spiel der Wellen“. Nixenbrunnen in Bad Schwartau neu erstanden. In: Jahrbuch für Heimatkunde, Eutin 1998, S. 105–108.
  • Ulrich Schulte-Wülwer: Sehnsucht nach Arkadien. Schleswig-Holsteinische Künstler in Italien. Boyens, Heide 2009, ISBN 978-3-8042-1284-8, S. 346–349.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Paul Peterich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Im Bad Schwartauer Museum befinden sich neben Peterichs Gesellenstück auch die Plastik „Stehender Jüngling“ sowie einige seiner ersten Werke wie die Skulptur „Mutter“, das Modell des Reliefs „Die Auferweckung des Jüngling von Naïn“, die Skulpturen „Madonna“ und „Nach dem Bade“.
  2. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg änderten Namensträger wie Friedrich, Wilhelm oder Emilie ihre Namen in Fritz, Willy oder Emmy an.
  3. Paul Peterich taucht in den Verzeichnissen der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbe-Museums in Berlin, einer Vorgängerinstitution der heutigen Universität der Künste (UdK), als Studierender auf, und zwar für die Jahre 1884/85 und 1885/86.
  4. Brunnen mit Fischerknaben. (Memento vom 27. September 2013 im Internet Archive)
  5. Die Kunst – Monatsheft für freie und angewandte Kunst. F. Bruckmann, München 1899, S. 506 und 524 (Textarchiv – Internet Archive).
  6. 1943 schmolz man die Skulptur Im Spiel der Wellen ein. Nach Erstellung einer Rekonstruktion goss man sie 1997 nach und stellte sie auf dem Marktplatz auf.
  7. Künstler. Prof. Paul Peterich. Deutsche Gesellschaft für Medaillenkunst e.V., abgerufen am 23. Juli 2019.
  8. Johannes Hösle: Peterich, Eckart. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 236 f. (Digitalisat).
  9. Eintrag zum Brunnenengel im Karl-May-Wiki
  10. Elsbeth war die Tochter des Fabrikanten und Geheimen Kommerzienrates Hermann Kühn und seiner Frau Auguste, geborene Wollrabe, aus Dessau. Zu neuen Ufern-Berlin, Rom und München
  11. Peterich, Lucas Hermann In: AKL online Berlin, New York: K. G. Saur, 2009. Accessed 2022-02-07.
  12. engl.: Syracuse University Libraries