Paul Peterich

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Paul Peterich im Jahr 1908
Professor Paul Peterich, Florenz
Anzeige der väterlichen Drechslerei in Bad Schwartau (1910)

Paul Friedrich Gustav Peterich (* 1. Februar 1864 in Bad Schwartau; † 22. September 1937 in Rotterdam) war ein deutscher Bildhauer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Peterich wurde als Sohn eines Drechslermeisters in Schwartau im damaligen Fürstentum Lübeck geboren und erlernte nach Abschluss der Schule bis 1881 das Handwerk des Drechslers.

1884 erhielt er vom Großherzog von Oldenburg ein Stipendium zum Besuch der Kunstgewerbeschule Hamburg und der Berliner Kunstakademie, wo er unter anderen ein Schüler von Fritz Schaper war.[1] Als Künstler bekannt wurde Paul Peterich, als er 1887 den Wettbewerb zur Gestaltung des Carl-Maria-von-Weber-Denkmals in Eutin gewann und in der Folge 1890 den Auftrag zur Gestaltung des Reventlou-Beseler-Denkmals in Schleswig bekam. Zudem erhielt er 1894 den Auftrag für des Chemnitz-Bellmann-Denkmal.

Nach Reisen durch Europa, insbesondere nach Italien, und seiner Heirat 1899 wurde er 1905 vom Großherzog von Oldenburg nach Rastede bei Oldenburg berufen. Dort erhielt er den Titel Professor. 1907 zog er in die Nähe von Florenz, wo er insbesondere Marmorskulpturen schuf. Nach Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 zog er in die Künstlerkolonie Hellerau bei Dresden. 1922 ging er nach seiner Scheidung und zweiter Eheschließung nach Capri und 1927 nach Florenz. 1934 zog Paul Peterich nach Den Haag (Niederlande), wo er 1937 in Rotterdam starb.

Paul Peterich ist der Vater des Schriftstellers Eckart Peterich (1900–1968).

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Peterich schuf eine große Anzahl an Werken, meist Plastiken oder Büsten aus Stein oder Metall. Der Verbleib eines Großteils seiner Arbeiten ist unbekannt. Einige seiner Werke befinden sich in Museen oder stehen als Denkmäler in der Öffentlichkeit. Ein Teil seiner Metall-Plastiken wurde im Zweiten Weltkrieg als Buntmetall eingeschmolzen.

Im Museum der Stadt Bad Schwartau befinden sich die Plastik „Stehender Jüngling“ sowie einige der ersten Werke Paul Peterichs, darunter sein Gesellenstück, ein hölzerner Blumentisch, die Skulptur „Mutter“, das Modell des Reliefs „Die Auferweckung des Jünglings von Naïn“ und die Skulpturen „Madonna“ und „Nach dem Bade“.

Das Carl-Maria-von-Weber-Denkmal in Eutin wurde 1890 aufgestellt. Erhalten ist die Büste auf einer Säule. Die ursprünglich dazugehörige Figur der Muse Polyhymnia wurde im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen.

Das Matthäus Friedrich Chemnitz und Carl Gottlieb Bellmann, den Schöpfern des Schleswig-Holstein-Liedes, gewidmete Chemnitz-Bellmann-Denkmal wurde 1896 in Schleswig aufgestellt.

Bereits 1891 wurde dort das Reventlou-Beseler-Denkmal aufgestellt. Die Gruppe bestand aus einem Obelisken mit dem preußischen Adler, den Büsten von Friedrich von Reventlou und Wilhelm Beseler sowie der Plastik eines Soldaten. Nur der Obelisk ist erhalten. Die Skulpturen wurden im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen.

Die Plastik Medea von 1903 befindet sich im Niedersächsischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Oldenburg (Museumsstandort Prinzenpalais). In Oldenburg befinden sich auch die Plastik Nachtwächter (1905–1907) und die Brunnenplastik Knabe mit Fisch (um 1895).[2]

Die Plastik Träumender Knabe von 1909 ist in der Nationalgalerie Berlin zu finden.

Die Brunnenplastik Im Spiel der Wellen wurde 1912 in Bad Schwartau aufgestellt. Die Plastik zeigt Triton und Nereide. Es war ein Geschenk Peterichs an seine Heimatstadt. Die Skulptur wurde 1943 eingeschmolzen. Sie wurde nach Erstellung einer Rekonstruktion nachgegossen und 1997 wieder auf dem Marktplatz aufgestellt.

Um 1918 schuf er den Brunnenengel im Garten des Karl-May-Museums in Radebeul.[3][4]

Eine Kollektion seiner Medaillen wurde 1920 in Berlin auf der Großen Kunstausstellung gezeigt. [5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Peterich. In: Ulrich Thieme, Felix Becker u. a.: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 26, E. A. Seemann, Leipzig 1932, S. 478.
  • Paul Peterich. In: Hans Vollmer: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band 3. E. A. Seemann, Leipzig 1956, S. 574
  • Georg Harders: Bildhauer Prof. Paul Peterich, Bad Schwartau (1864–1937). In: Jahrbuch für Heimatkunde. Eutin 1981, S. 147–155.
  • Peterich, Paul. In: Hans F. Rothert (Red.): Biographisches Lexikon für Schleswig-Holstein und Lübeck. Band 8. Wachholtz, Neumünster 1987, ISBN 3-529-02648-4, S. 284 ff.
  • Gemeinnütziger Bürgerverein Bad Schwartau von 1950 e.V. (Hrsg.), Georg Harders: Der Bildhauer Professor Paul Peterich. Leben und Werk. Bad Schwartau 1988.
  • Georg Harders: Im Spiel der Wellen“. Nixenbrunnen in Bad Schwartau neu erstanden. In: Jahrbuch für Heimatkunde, Eutin 1998, S. 105–108.
  • Ulrich Schulte-Wülwer: Sehnsucht nach Arkadien. Schleswig-Holsteinische Künstler in Italien. Boyens, Heide 2009, ISBN 978-3-8042-1284-8, S. 346–349.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Paul Peterich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Paul Peterich taucht in den Verzeichnissen der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbe-Museums in Berlin, einer Vorgängerinstitution der heutigen Universität der Künste (UdK), als Studierender auf, und zwar für die Jahre 1884/85 und 1885/86.
  2. Brunnen mit Fischerknaben
  3. Johannes Hösle: Peterich, Eckart. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 236 f. (Digitalisat).
  4. Eintrag zum Brunnenengel im Karl-May-Wiki
  5. Künstler. Prof. Paul Peterich. Deutsche Gesellschaft für Medaillenkunst e.V., abgerufen am 23. Juni 2014.