Paul Poiret

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Paul Poiret (1913)

Paul Poiret (* 20. April 1879 in Paris; † 28. April 1944 ebenda) war ein französischer Modeschöpfer.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Nach Lehrjahren u. a. bei Jacques Doucet und Charles Frederick Worth machte sich Poiret 1904 mit einem eigenen Salon selbständig. Als 1909 die Ballets Russes nach Paris kamen, ließ er sich von den Bühnenkostümen zu orientalisch anmutenden, fließenden Gewändern inspirieren.

Entwürfe von Poiret (1909)

Anders als die Entwürfe seiner Kollegen waren Poirets Modelle auch erstmals ohne Korsett tragbar und trotzdem nicht nur schick, sondern geradezu elegant – für diese Zeit revolutionär. Er propagierte sogar Hosenröcke, die bis dahin nur bei Radfahrerinnen akzeptiert waren. 1911 machte er allerdings (aus emanzipatorischer Sicht) einen Rückschritt, indem er den sogenannten Humpelrock erfand. Im selben Jahr gründete er für seine jüngere Tochter Les Ateliers de Martine und für die ältere Tochter Rosine wurde das Unternehmen Parfums de Rosine[1] gegründet. Mit dessen Duftkreationen auf der Basis von Rosenduftnoten gilt Paul Poiret lange vor Coco Chanel als Schöpfer von Designerparfums.

Im Jahre 1914, kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs entwickelte Poiret für die französische Armee den ersten neuen Militärmantel seit 1877. Nachdem festgestellt worden war, dass alle Stofffarben, selbst die der Trikolore, aus dem nun verfeindeten Deutschland importiert wurden, konnte die französische Armee nur Zugriff auf die Lagerbestände einer deutschen Tochterfirma nehmen. Den ursprünglichen Plan, einen neuen Uniformstoff in den französischen Nationalfarben rot – weiß – blau zu weben, musste man bald fallen lassen, da keine beschlagnahmte rote Importfarbe in ausreichender Menge verfügbar war. So wurde der neue Mantelstoff in den Tönen indigoblau und weiß gewebt. Durch Zufall war die später berühmte „horizontblaue“ Optik des französischen Frontsoldaten entstanden. Poiret stellte seinen neuen einreihigen gekürzten Mantel mit aufknöpfbaren Schößen und weichem Kragen im September 1914 vor. Im Vergleich zu dem schweren Vorgängermodell mit seinem unbequemen kurzen Stehkragen zeigt sich deutlich die Linie des Modemachers.

Poirets Stil, der enge Verbindungen zum Art déco hatte, war bis zum Ende des Ersten Weltkriegs wegweisend. Danach musste er durch den wirtschaftlichen Niedergang seines Modehauses das Feld für seine schärfste Konkurrentin, eine aufstrebende Modeschöpferin namens Coco Chanel, räumen. 1930 erschienen seine Memoiren unter dem Titel En habillant l’époque.

Poiret war mit Denise Boulet seit 1905 verheiratet und hatte mit ihr fünf Kinder.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Paul Poiret – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Parfums De Rosine (Englisch, Stand: 20. Juli 2009)