Paul Rudolf Geipel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Paul Rudolf Geipel (* 6. Februar oder 6. November[1] 1869 in Zwickau; † 14. Oktober 1956) war ein deutscher Pathologe und mit Ludwig Aschoff der Erstbeschreiber des Aschoff-Knotens.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grab von Paul Geipel auf dem Loschwitzer Friedhof

Geipel wurde als Sohn eines praktischen Arztes in Zwickau geboren. Nach dem Abitur begann er 1889 das Medizinstudium in Leipzig, das er 1895 beendete. Er wurde ein Jahr später zum Dr. med. promoviert. Zunächst begann er seine Ausbildung in Straßburg, kurze Zeit später setzte er als Assistent im Pathologisch-Anatomischen Institut des Stadtkrankenhauses Dresden-Friedrichstadt unter der Leitung von Georg Schmorl seine Ausbildung fort. Nach zwei Jahren wechselte er an das Bakteriologische Institut in Hamburg um anschließend im Pathologischen Institut von Gießen zu arbeiten.

Durch Vermittlung von Schmorl wurde der erst 33-jährige Geipel 1901 mit der Prosektur am Stadtkrankenhauses Dresden-Johannstadt betraut. Nach seiner Ernennung zum Professor 1911 arbeitete er als Prosektor bis zu seinem Ruhestand und der Schließung des Krankenhauses 1932.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann er in der Sächsischen Serumwerk AG als Leiter des histologischen Abteilung, wo er bis kurz vor seinem Tod im Jahr 1956 blieb.

Wissenschaftliches Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geipel widmete sich der speziellen Pathologie, so beschrieb er den Situs inversus, die Transposition der großen Gefäße und Missbildungen der Trikuspidalklappe. Diese Missbildungen untersuchte er im Zusammenhang mit anderen Fehlbildungen wie Ösophagus-Tracheal-Fisteln oder kongenitale Herzfehler.

Auch untersuchte er die Tuberkulose der menschlichen Plazenta und die Säuglingstuberkulose.

Die nach heutigen Erkenntnissen Listeriose-Granulome der Plazenta deutete er ätiologisch als pseudotuberkulöse Granulome luetischen Ursprungs.

Weltbekannt wurde er durch seine von Ludwig Aschoff unabhängigen Beschreibung der histiozytären Knötchen nach rheumatischer Myokarditis. Diese Knötchen werden heute deshalb auch als Aschoff-Geipel-Knoten bezeichnet.

Ehrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Rudolf Geipel wurde 1954 als Hervorragender Wissenschaftler des Volkes geehrt. Er war Domherr des Doms zu Wurzen. Für die umfangreiche Umgestaltung des Dom-Innenraumes 1931/1932 wurde der Bildhauer Georg Wrba gewonnen. Dieser schuf einen Zyklus spätexpressionistischer Bildwerke aus Bronzeguss, die bis heute die Ausstattung des Doms dominieren, darunter auch die bronzene Kanzel: Die Apostelköpfe an der Basis des Kanzelkorbes tragen die Gesichtszüge der damaligen Domherren[2] – so auch die Geipels.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marina Lienert: Geipel, Paul Rudolf. In: Caris-Petra Heidel und Marina Lienert (Hrsg.): Die Professoren der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus Dresden und ihrer Vorgängereinrichtungen 1814–2013. Dresden 2014, ISBN 978-3-86780-376-2, Professoren der Vorläufereinrichtungen, S. 39.
  2. Beginnend bei der Kanzeltreppe: Ludwig Ihmels als Matthias, Johannes Wiede als Simon Zelotes, Richard Weidauer als Matthäus, Börries von Münchhausen als Thomas, Paul Herfurth als Andreas, Gotthard von Pentz als Jakobus, am Pult oben Friedrich Krug von Nidda und von Falkenstein als Paulus, Hermann Ilgen als Petrus, Hans Wrba (Sohn des Künstlers Georg Wrba) als Johannes, Alfred Ackermann als Philippus, Friedrich Seetzen als Bartholomäus, Paul Geipel als Thaddäus, Georg Wrba als Jakobus Alphäus