Paul Rudolph (Physiker)

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Paul Rudolph (* 14. November 1858 in Kahla; † 8. März 1935 in Nürnberg) war ein deutscher Optiker.[1]

2 historische Objektive Carl Zeiss, Jena, Nr. 145077 und Nr. 145078, Tessar 1:4,5 F=5,5cm DRP 142294 (Baujahr vor 1910)
Zeiss Ikon Contessa mit Tessar 2,8/50
Linsenschema des Plasmat

Der promovierte Rudolph gehört zu den bedeutendsten Mitarbeitern von Carl Zeiss und Ernst Abbe. Er war vor dem Ersten Weltkrieg als Wissenschaftler in der damaligen Firma Carl Zeiss (Unternehmen) in Jena tätig und leitete jahrelang die photographische Abteilung des Werkes. Dort war er maßgeblich an der Entwicklung einer Reihe legendärer Kameraobjektive beteiligt. Das erste war das Protar (1889), der erste Anastigmat. Ein Anastigmat korrigiert den wichtigen Abbildungsfehler des Astigmatismus und kam etwas eher als das ebenfalls anastigmatische, aber einfacher zu produzierende Cooke-Triplet auf den Markt. Es folgten das Planar (1896), das Unar (1899) und das sogenannte „Adlerauge“ der Fotografie, das Tessar (1902).[2]

Überschattet durch ein bereits in den späten 1890er Jahren aufgekommenes Zerwürfnis mit seinem Arbeitgeber zog sich Rudolph nach einem Schiedsverfahren von 1910 im darauffolgenden Jahr vorzeitig ins Privatleben auf sein Gut im Vogtland zurück.[3] Aufgrund einer Klausel in seinem im Jahre 1889 mit der Firma Carl Zeiss Jena geschlossenen Anstellungsvertrag war es ihm verwehrt, binnen einer Frist von 10 Jahren in einer konkurrierenden optischen Anstalt tätig zu werden, weshalb er erst 1920 (nach anderen Quellen bereits 1919) im Alter von 61 Jahren ein Angebot des Zeiss-Konkurrenten Hugo Meyer aus Görlitz im damaligen Schlesien annehmen konnte.[4]

Er brachte bei Meyer-Optik seine Vorarbeiten zum Plasmat-Objektiv ein. Das Plasmat ist ein vollständig auf Farbfehler korrigiertes Wechselobjektiv mit der damals aufsehenerregenden Lichtstärke von 1:4. Angeregt durch die Erfordernisse der wachsenden Filmindustrie, entwickelte er bereits 1922 (Patenteinreichung in den USA 1922) das sogenannte Kino Plasmat mit einer Lichtstärke von 1:2. Es folgte 1926 eine Variante des Kino Plasmat mit 1:1.5. Dies war damals die "schnellste" Linse weltweit. Führende Filmkameras der damaligen Zeit wie z. B. der Marke Bolex wurden in der Zwischenkriegszeit mit Meyer-Objektiven ausgestattet.[5]

Ein Plasmat 1:2,7/70 war das Standardobjektiv einer 1933 erstmals produzierten Kleinbild-Kamera (3x4). Der Produzent firmierte ab 1935 als Kleinbild-Plasmat-Gesellschaft und ab 1935 als Rudolph & Co. Kamerabau, Berlin.[6]

Seit 1960 ist Rudolph Namensgeber für den Rudolph-Gletscher in der Antarktis.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. In der Firmenzeitschrift Contax News, Nr. 45 von 1996, mit Titel aufgeführt.
  2. Kingslake, Rudolf (1989) The History of the Photographic Lens. Academic Publishers Inc., S. 86f
  3. * Christian Hofmann: Rudolph, Paul. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 22, Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 3-428-11203-2, S. 201 f. (Digitalisat).
  4. https://zeissikonveb.de/start/geschichte/personen/paul-rudolph.html Hier ist auch der besagte Anstellungsvertrag wörtlich zitiert
  5. Bolex Collector: Hugo Meyer
  6. ukcamera.com: Plasmat Roland