Paul Sarasin

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Paul Sarasin-Hohenester (1856–1929), Dr. phil., Naturforscher, Forschungsreisender, vielseitiger Autor. Dr. h. c. der Univ. Basel und Lausanne, Familiengrab auf dem Friedhof Hörnli, Riehen, Basel-Stadt
Familiengrab auf dem Friedhof am Hörnli, Riehen, Basel-Stadt
Fritz und Paul Sarasin während ihrer Expedition nach Celebes.

Paul Benedict Sarasin (* 11. Dezember 1856 in Basel; † 7. April 1929 ebenda) war ein Schweizer Naturforscher. Er gilt als Mitgründer des Schweizerischen Nationalparks.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sarasin absolvierte die Primar- und Sekundarschule in Basel und studierte danach Medizin an der Universität Basel. Nach dem ersten Propädeutikum zog er nach Würzburg ans Institut des Zoologieprofessors Karl Semper. Dort widmete er sich zoologischen Studien und promovierte 1882 mit einer Dissertation über die Entwicklungsgeschichte der Wasserschnecke Bithynia tentaculata. In seiner Studienzeit wurde er Mitglied im Schweizerischen Zofingerverein.[2]

Von 1883 bis 1886 begab sich Paul Sarasin mit seinem Groß-Vetter (Vetter zweiten Grades) [3] Fritz Sarasin auf eine Reise nach Britisch Ceylon, um zoologische und anthropologische Feldforschung zu treiben. In den folgenden sechs Jahren lebten sie in Berlin und werteten dort das gesammelte Material aus. Gefördert wurden sie durch die dortige Gesellschaft für Erdkunde unter Ferdinand von Richthofen und die Anthropologisch-Ethnologische Gesellschaft unter Rudolf Virchow. 1889 reisten sie mit Leopold Rütimeyer zu ethnologischen Forschungen nach Ägypten und in den Sinai.[4] Im Jahr 1891 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt. Von 1893 bis 1896 gingen sie nach Celebes. Da leisteten sie geographische und geologische Arbeit in einem grösstenteils unerforschten Gebiet. Danach liessen sich die beiden Forscher 1896 wieder in Basel nieder. Die Ergebnisse dieser und einer zweiten Forschungsreise zwischen 1902 und 1903 wurden in einem fünfbändigen Werk publiziert. 1907 machten sie eine weitere Reise nach Ceylon.

1906 wurde anlässlich der Jahresversammlung der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft (heute SCNAT) in St. Gallen eine Naturschutzkommission gegründet. Sarasin war Präsident der Kommission. Auf dem Internationalen Zoologenkongress 1910 in Graz trug er erstmals die Idee für einen „Weltnaturschutz“ vor.[5] Sarasin konnte den Schweizer Bundesrat dazu bewegen, zu einer Internationalen Konferenz für Weltnaturschutz in Bern einzuladen, zu der Delegierte aus 17 „weißen“ Ländern kamen. Sarasin wurde von der Konferenz zum Vorsitzenden der nur mit sehr eingeschränkten Kompetenzen eingesetzten Kommission mit Sitz in Basel.[5] Neben Johann Wilhelm Coaz gehört er zu den Pionieren der Nationalparkidee. Als Präsident der Naturschutzkommission regte er die Gründung des Nationalparks an, dem die Eidg. Bundesversammlung 1914 eine Bundesgarantie gewährte. Auch Sarasins Forderung, den Schutz „primitiver Völker“ ins Aufgabenfeld aufzunehmen, scheiterte. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs warf den internationalen Naturschutz um Jahrzehnte, bis zur Gründung der IUCN im Jahr 1948, zurück.[5]

Paul und Fritz Sarasin verband lebenslange Freundschaft und Zusammenarbeit.[6] Paul heiratete 1918 im Alter von 62 Jahren und bekam zwei Kinder.[7]

Zunehmende gesundheitliche Probleme zwangen Paul Sarasin zum Rückzug ins Privatleben. Am 7. April 1929 erlag er im Alter von 72 Jahren einer Lungenentzündung.

Auszeichnungen und Preise (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Paul Sarasin – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nationalpark – Kurzportrait – Historisches (Memento vom 14. Juli 2002 im Internet Archive) Website des Schweizerischen Nationalparks. Abgerufen am 24. August 2015.
  2. Bernard C. Schär: Tropenliebe. Schweizer Naturforscher und niederländischer Imperialismus in Südostasien um 1900. Campus-Verlag, Frankfurt 2015, ISBN 978-3-593-50287-8, S. 44–46.
  3. Eduard His: Basler Gelehrte des 19. Jahrhunderts. Benno Schwabe & Co., Basel 1941, S. 366
  4. Eduard His: Basler Gelehrte des 19. Jahrhunderts. Benno Schwabe & Co., Basel 1941, S. 367
  5. a b c Patrick Kupper: Den „Zerstörungseifer stoppen“, in: NZZ, 16. November 2013, S. 31
  6. Bernhard C. Schär: Tropenliebe. Schweizer Naturforscher und niederländischer Imperialismus in Südostasien um 1900. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2015, ISBN 978-3-593-50287-8, S. 42ff.
  7. Bernhard C. Schär: Tropenliebe. Schweizer Naturforscher und niederländischer Imperialismus in Südostasien um 1900. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2015, ISBN 978-3-593-50287-8, S. 58.