Paul Schreyer

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Paul Schreyer (2017)

Paul Schreyer (* 1977) ist ein deutscher Autor von Sachbüchern, zudem schreibt er als freier Journalist für verschiedene Internetplattformen.

Familie

Paul Schreyer ist der Sohn des Schriftstellers Wolfgang Schreyer (1927–2017). Im Sommer 2017 veröffentlichte Schreyer ein Interview mit seinem Vater über dessen Leben und Werk.[1]

Publikationen und Rezeption

Schreyer publizierte seit 2006 sechs Sachbücher sowie zahlreiche Artikel auf Telepolis, Globalresearch,[2] KenFM, free21, Rubikon und bis 2017 für die NachDenkSeiten. Der Journalist und Autor Matthias Holland-Letz zählt Schreyer in einem Artikel für das Neue Deutschland, in dem er sich kritisch mit Ken Jebsen auseinandersetzt, zu dessen Umfeld. Als dessen Interviewpartner betone Schreyer, dass er nicht alles unterschreibe, was auf KenFM laufe, aber dass sich seine und Jebsens politische Ansichten in vielen Punkten ähnelten.[3] Nach Ansicht des Journalisten Christoph Dorner vertritt Schreyer „linke Positionen“ und stellt vor allem die Narrative infrage, mit denen politische Entscheidungen in einer repräsentativen Demokratie begründet werden. Gemäß Dorner hat Schreyer bei der Auswahl seiner Veröffentlichungsorte „keine Berührungsängste zu fragwürdigen Alternativmedien“.[4]

9/11-Anschläge, 2006 bis 2013

Schreyer veröffentlichte zwischen 2006 bis 2013 drei Bücher über einzelne Aspekte der Terroranschläge am 11. September 2001, die er als bislang ungeklärt betrachtet.

Der Sozialwissenschaftler Andreas Anton bezeichnete 2014 die „offiziellen“ und die „alternativen“ Erklärungen gleichermaßen als „Verschwörungstheorien zum 11. September“ und stellte sie einander gegenüber. Wie andere halte Schreyer beispielsweise ein zufälliges Versagen der US-Luftabwehr, die entführten Flugzeuge rechtzeitig abzufangen, für unwahrscheinlich. Schreyer vermute eine absichtliche Verzögerung dabei und halte eine Regierungsverschwörung für denkbar. Mögliche Motive sehe er im Regierungsplan Continuity of Government und im Project for the New American Century (PNAC).[5]

Der Politikwissenschaftler Markus Linden ordnet Schreyer zusammen mit Mathias Bröckers mit Bezug auf deren „kritische Stellungnahmen zu den vermeintlich ungelösten Fragen rund um die Terroranschläge vom 11. September 2001“ den „sicherlich intelligenteren Vertretern sogenannter Verschwörungstheorien“ zu. Beide vertreten laut Linden „gegenüber den USA eine fundamentalkritische Position“, ohne dabei „in gänzlich unseriöse Argumentationen und Mutmaßungen abzugleiten“.[6]

Wir sind die Guten, 2014

Schreyers mit Mathias Bröckers verfasstes Buch Wir sind die Guten (2014) behandelt den Krieg in der Ukraine seit 2014 und dessen mediale Darstellung. Das Buch erreichte in der Rubrik „Paperback Sachbücher“ Rang 5 der Spiegel-Bestsellerliste[7] und wurde in die russische[8] und tschechische Sprache[9] übersetzt.

Markus Linden ordnet Schreyer einem Spektrum von Autoren alternativer Medien zu, die gemeinsame „Sichtweisen mit verschwörungstheoretischem Charakter“ vertreten. In diesem Rahmen beurteilt er das Buch von Schreyer und Mathias Bröckers als „argumentativ durchaus beachtenswerte Streitschrift wider die vermeintlich einseitige Berichterstattung der Medien über den Ukraine-Konflikt“ und als „faktenorientierte Kritik“.[10] Das Buch zeige Defizite der Medienberichte zum Ukrainekonflikt auf, die auch die Öffentlichkeit wahrnehme, und sei von Kritikern "überraschend wohlwollend" aufgenommen worden. Es lasse Russlands Reaktionen als Folge US‑amerikanischer Aggression erscheinen und fordere von der bundesdeutschen Politik, sich nicht nur an Deutschlands „‚Schicksalsgemeinschaft‘ mit den Amerikanern“ zu erinnern, sondern auch an die geografische „Gemeinschaft mit den Russen, denen gerade die Deutschen noch etwas schuldig sind“. Damit sei das hervorragend lesbare Buch „noch einseitiger als der kritisierte Mediendiskurs“.[6]

Klaus von Beyme bezeichnet Schreyer mit anderen Autoren als „Putin-Versteher“. Laut Beyme wehren diese sich „gegen einen ‚Werteimperialismus‘ und einen ‚Menschenrechtsbellizismus‘, der vernebelt, dass es bei den westlichen Interventionen in Afghanistan, im Irak oder in Libyen nicht in erster Linie um Menschenrechte und westliche Werte ging, sondern um Macht- und Geschäftsinteressen im Hinblick auf Rohstoffe und Ressourcen.“[11]

Wer regiert das Geld, 2016

Schreyers Buch Wer regiert das Geld? (2016) behandelt die Schaffung von Buchgeld und finanzwirtschaftliche Themen. Der ORF würdigte es als „Aufklärungsarbeit“, die zeige, „dass auch private Banken Geld schaffen“, und deutlich mache, „wie Geldschöpfung funktioniert und wer welchen Nutzen daraus zieht“.[12]

Guido Speckmann (Neues Deutschland) betont, Schreyer leiste mit dem Buch „wichtige Aufklärungsarbeit und fordert staatliche Kontrolle“. Er räume mit falschen Vorstellungen über das moderne Geldsystem auf und vermittle die „komplizierte Materie […] sehr verständlich und gut lesbar“. Jedoch lasse der „einseitige Blick auf ein Geldsystem – wie auch immer ausgestaltet –, auf die Zirkulationssphäre“ die Zusammenhänge mit der „kapitalistischen Produktionssphäre“ unberücksichtigt.[13]

Die Angst der Eliten, 2018

Christoph Dorner erwähnt in der Süddeutschen Zeitung, Schreyer vertrete linke Positionen. Ein von ihm ausgemachter überparteilicher Konsens im linksliberalen Lager in Deutschland stoße Schreyer besonders auf: „Demokratie ist toll – solange nicht die Falschen gewählt werden.“ Eine „global operierende Geldelite“ entziehe sich nach Meinung Schreyers der Kontrolle durch das deutsche Parlament. Populismusvorwürfe gegenüber der AfD würden „vor allem dem Schutz der Eliten [dienen], weil im Dauerstreit um Leitkultur und Islam keine Debatte über die Ungleichverteilung der Vermögen zustande komme“.[4]

Laut Anna Ernst (ZDF-Redaktion Das Literarische Quartett) will Schreyer mehr direkte Demokratie. Er beklage eine „Oligarchie der Reichen in der Mitte Europas“, die Parlamente zur „Fassade diverser Machtinteressen sogenannter Eliten“ gemacht habe. Er habe entdeckt, dass sich in der belegten „Krise der Repräsentation“ eine „zunehmend neue, generelle Angst vor Demokratie“ verberge. Dies sei bundespolitisch bedeutsam.[14]

Schriften (Auswahl)

  • Die Legende – Was am 11. September geschah (mit Wolfgang Schreyer), Das Neue Berlin, Berlin 2006, ISBN 978-3-360-01289-0
  • Inside 9/11 – Neue Fakten und Hintergründe zehn Jahre danach (Herausgeber: Jürgen Elsässer), Kai Homilius Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-89706-399-0
  • Faktencheck 9/11 – Eine andere Perspektive 12 Jahre danach, Kai Homilius Verlag, Werder (Havel) 2013, ISBN 978-3-89706-430-0
  • Wer regiert das Geld? – Banken, Demokratie und Täuschung, Westend Verlag, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-95471-523-7
  • Die Angst der Eliten – Wer fürchtet die Demokratie?, Westend Verlag, Frankfurt am Main 2018, ISBN 978-3864892097
  • mit Mathias Bröckers: Wir sind immer die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der Kalte Krieg neu entfacht wird. Westend Verlag, Frankfurt am Main 2019, ISBN 978-3-86489-742-9; erweiterte Neuauflage von: Wir sind die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie uns die Medien manipulieren. Westend Verlag, Frankfurt am Main 2014, ISBN 978-3-86489-080-2.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Sophie Martin: Auf den Spuren des DDR-Autoren Wolfgang Schreyer. In: Ostsee-Zeitung. 22. Juli 2017, abgerufen am 14. Februar 2018.
  2. Dieter Deiseroth, Annegret Falter (Hrsg.): Whistleblower in der Sicherheitspolitik - Whistleblowers in Security Politics: Preisverleihung - Awards 2011/2013 (Chelsea E. Manning; Edward J. Snowden). BWV Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-2950-7, S. 233
  3. Matthias Holland-Letz: Annäherung an ein Internet-Phänomen. Neues Deutschland, 14. Dezember 2017
  4. a b Christoph Dorner: Wie geht es weiter, Demokratie?. Süddeutsche Zeitung, 15. Juli 2018.
  5. Andreas Anton: Verschwörungstheorien zum 11. September. In: Andreas Anton, Michael Schetsche, Michael K. Walter (Hrsg.): Konspiration: Soziologie des Verschwörungsdenkens. Springer VS, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-531-19323-6, S. 169–173
  6. a b Markus Linden: Mathias Bröckers / Paul Schreyer: Wir sind die Guten. Ansichten eines Putinverstehers oder wie uns die Medien manipulieren. Rezension auf Portal für Politikwissenschaft, Frankfurt am Main, 4. Dezember 2014
  7. Buchreport-Datenseite Wir sind die Guten
  8. Брёкерс, Матиас - "Мы хорошие". Точка зрения человека, понимающего Путина, или Как средства массовой информаци... Russische Staatsbibliothek, abgerufen am 26. Februar 2018.
  9. Mathias Bröckers, Paul Schreyer: My jsme ti dobří : názory toho, kdo se snaží chápat Putina aneb Jak námi média manipulují. Nakladatelství Jaro, Prag 2014 (DNB=1069195154; tschechische Sprache)
  10. Markus Linden: Alles Lüge! Verschwörungstheorien erklären immer mehr Menschen die Welt. Für den Rest der Gesellschaft bedeutet das nichts Gutes. (Memento vom 22. April 2018 im Internet Archive) The European, 11. November 2014; Markus Linden: Die Stimmen des digitalen Untergrunds, NZZ, 10. Oktober 2015
  11. Klaus von Beyme: Die Russland-Kontroverse. Eine Analyse des ideologischen Konflikts zwischen Russland-Verstehern und Russland-Kritikern. Springer VS, Wiesbaden 2016, ISBN 9783658120306, S. 47
  12. ORF / Ö1: „Wer regiert das Geld?“ Kontext, 29. April 2016
  13. Guido Speckmann: Das Geldphantasma. Neues Deutschland, 30. März 2016 (kostenpflichtig; vollständiger Artikel)
  14. Anna Ernst: Die Angst der Eliten. ZDF / Das Literarische Quartett, 20. April 2018