Paul Schreyer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Paul Schreyer (2017)

Paul Schreyer (* 1977) ist ein deutscher Autor und freier Journalist. Er publiziert seit etwa 2006 Bücher und Artikel, unter anderem für Telepolis, Global Research,[1] KenFM, free21 und bis 2017 für die NachDenkSeiten.[2]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Schreyer ist der Sohn des Schriftstellers Wolfgang Schreyer (1927–2017) und veröffentlichte im Sommer 2017 ein Interview mit seinem Vater über dessen Leben und Werk.[3]

Themen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schreyer veröffentlichte seit 2006 mehrere Bücher über Aspekte der Terroranschläge am 11. September 2001, die er als ungeklärt ansieht. Der Sozialwissenschaftler Andreas Anton bezeichnet die „offiziellen“ und die „alternativen“ Erklärungen dazu beide als „Verschwörungstheorien zum 11. September“, stellt sie einander gegenüber und nennt beispielhaft einige Argumente Schreyers für letztere. Wie andere halte Schreyer ein zufälliges Versagen der US-Luftabwehr, die entführten Flugzeuge rechtzeitig abzufangen, für unwahrscheinlich, vermute eine absichtliche Verzögerung dabei und gehe von einer möglichen Regierungsverschwörung aus. Dazu verweise er auf den Regierungsplan Continuity of Government sowie auf das Project for the New American Century (PNAC).[4]

Schreyers mit Mathias Bröckers verfasstes Buch Wir sind die Guten (2014) behandelt den Krieg in der Ukraine seit 2014 und dessen mediale Darstellung. Das Buch erreichte in der Rubrik „Paperback Sachbücher“ Rang 5 der Spiegel-Bestsellerliste[5] und wurde in die russische[6] und tschechische Sprache[7] übersetzt. Der Politikwissenschaftler Markus Linden ordnet die Autoren einem breiten Spektrum zu, bei dem er gemeinsame „Sichtweisen mit verschwörungstheoretischem Charakter“ feststellt. In diesem Rahmen beurteilt er das Buch als „argumentativ durchaus beachtenswerte Streitschrift wider die vermeintlich einseitige Berichterstattung der Medien über den Ukraine-Konflikt“ und als „faktenorientierte[] Kritik“.[8] Mit Bezug auf diese Schrift bezeichnet der Politikwissenschaftler Klaus von Beyme Schreyer mit anderen Autoren als „Putin-Versteher“. Laut Beyme wehren diese sich „gegen einen ‚Werteimperialismus‘ und einen ‚Menschenrechtsbellizismus‘, der vernebelt, dass es bei den westlichen Interventionen in Afghanistan, im Irak oder in Libyen nicht in erster Linie um Menschenrechte und westliche Werte ging, sondern um Macht- und Geschäftsinteressen im Hinblick auf Rohstoffe und Ressourcen.“[9]

Schreyers Buch Wer regiert das Geld? (2016) behandelt die Schaffung von Buchgeld und finanzwirtschaftliche Themen. Der ORF würdigte es als „Aufklärungsarbeit“, die zeige, „dass auch private Banken Geld schaffen“, und deutlich mache, „wie Geldschöpfung funktioniert und wer welchen Nutzen daraus zieht“.[10] Guido Speckmann (Neues Deutschland, ND) betont, Schreyer leiste mit dem Buch „wichtige Aufklärungsarbeit und fordert staatliche Kontrolle“. Er räume mit falschen Vorstellungen über das moderne Geldsystem auf und vermittle die „komplizierte Materie […] sehr verständlich und gut lesbar“. Jedoch lasse der „einseitige Blick auf ein Geldsystem – wie auch immer ausgestaltet –, auf die Zirkulationssphäre“ die Zusammenhänge mit der „kapitalistischen Produktionssphäre“ unberücksichtigt.[11]

Matthias Holland-Letz (ND) erwähnt Schreyer als Interviewpartner des im Internet tätigen Journalisten Ken Jebsen, dessen Umfeld er beschreibt. Schreyer betone, dass er nicht alles unterschreibe, was auf KenFM laufe, aber dass sich seine und Jebsens politische Ansichten in vielen Punkten ähnelten.[2]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dieter Deiseroth, Annegret Falter (Hrsg.): Whistleblower in der Sicherheitspolitik - Whistleblowers in Security Politics: Preisverleihung - Awards 2011/2013 (Chelsea E. Manning; Edward J. Snowden). BWV Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-2950-7, S. 233
  2. a b Matthias Holland-Letz: Annäherung an ein Internet-Phänomen. Neues Deutschland, 14. Dezember 2017
  3. Sophie Martin: Auf den Spuren des DDR-Autoren Wolfgang Schreyer. In: Ostsee-Zeitung. 22. Juli 2017, abgerufen am 14. Februar 2018.
  4. Andreas Anton: Verschwörungstheorien zum 11. September. In: Andreas Anton, Michael Schetsche, Michael K. Walter (Hrsg.): Konspiration: Soziologie des Verschwörungsdenkens. Springer VS, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-531-19323-6, S. 169–173
  5. Buchreport-Datenseite Wir sind die Guten
  6. Брёкерс, Матиас - "Мы хорошие". Точка зрения человека, понимающего Путина, или Как средства массовой информаци... Russische Staatsbibliothek, abgerufen am 26. Februar 2018.
  7. Mathias Bröckers, Paul Schreyer: My jsme ti dobří : názory toho, kdo se snaží chápat Putina aneb Jak námi média manipulují. Nakladatelství Jaro, Prag 2014 (DNB=1069195154; tschechische Sprache)
  8. Markus Linden: Alles Lüge! Verschwörungstheorien erklären immer mehr Menschen die Welt. Für den Rest der Gesellschaft bedeutet das nichts Gutes. The European, 11. November 2014; Markus Linden: Rezension zu Mathias Bröckers / Paul Schreyer: Wir sind die Guten. Portal für Politikwissenschaft, Frankfurt am Main, 4. Dezember 2014; Markus Linden: Die Stimmen des digitalen Untergrunds, NZZ, 10. Oktober 2015
  9. Klaus von Beyme: Die Russland-Kontroverse. Eine Analyse des ideologischen Konflikts zwischen Russland-Verstehern und Russland-Kritikern. Springer VS, Wiesbaden 2016, ISBN 9783658120306, S. 47
  10. ORF / Ö1: „Wer regiert das Geld?“ Kontext, 29. April 2016
  11. Guido Speckmann: Das Geldphantasma. Neues Deutschland, 30. März 2016 (kostenpflichtig; vollständiger Artikel)