Paul de Sorbait

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Paul Sorbait)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Paul de Sorbait.jpg

Paul de Sorbait (* 1624 in Montblyart, Belgien; † 29. April 1691 in Wien, St. Stephan) war ein Arzt und Rektor der Universität Wien.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul de Sorbait war im Jahr 1639 zunächst Wandermusiker. Er studierte Philosophie in Paderborn sowie Medizin in Padua. Im Jahr 1652 erfolgte die Repetition an der Medizinischen Fakultät in Wien. [1] Paul de Sorbait war ab 1654 Professor für Medizin an der Universität Wien, 1668 Rektor. Er war Leibarzt der Kaiserinwitwe Eleonore. Durch ein frühes Erkennen der Pest vermied Sorbait eine große Epidemie. Er bekam hierbei Unterstützung durch einen weiteren Pestarzt, Friedrich Ferdinand Illmer. Ein besonderes Anliegen von Paul de Sorbait waren Botanik und Anatomie und er begründete die erste medizinische Bibliothek an der Universität. Von 1659–1666 wurden zahlreiche Disputationen Sorbaits gedruckt. Er bewies damit eine ungewöhnlich aktive professorale Amtsführung. 1669 verteidigte einer seiner Studenten den neu entdeckten Blutkreislauf. In den „Ephemeriden“ der Leopoldina war er mit einer Vielzahl von Beobachtungen vertreten.[1] Ab 1679 war Paul de Sorbait Generalinquisitor in Pestangelegenheiten.

Franz Stockhamer publizierte nach dem Tod Paul de Sorbaits aus dessen Manuskripten im Jahr 1700 ein „Examen obstetricum“. [1]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1657: Paul de Sorbait beteiligte sich mit einem Beitrag an der Bearbeitung des Augsburger Arzneibuchs durch Johann Zwelfer.[1]
  • 1680 Kommentare zu den Aphorismen des Hippokrates. [1]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 23. Mai 1672 wurde er in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina aufgenommen.[2]

Im Jahr 1894 wurde in Wien Rudolfsheim-Fünfhaus (15. Bezirk) die Sorbaitgasse nach ihm benannt.

Inschrift auf dem Grabmal in Stephansdom zu Wien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paulus von Sorbeid in Belgien geboren, hier verstorben, Musiker, Rhetoriker, Philosoph, Soldat, Arzt, Professor, Stadtarzt, Universitätsrektor, - ein Bettler, ein Nichts.
Musiker war ich, um den richtigen Takt zu wahren, Redner, um mich zu einem guten Redeschluß zu lenken, Soldat, um durch Förderung anderer mich herabzusetzen, Universitätsrektor, um die Privilegien zu verteidigen, Höfling, um zu lernen, anderen und nicht mir selbst zu helfen.
Jedoch der bittere Tod, taub gegenüber den Weisen des Musikers und den Überredungskünsten des Rhetorikers und den Drohungen des Soldaten und den Vorlesungen des Professors und den Verschreibungen des Arztes und den Verteidigungsreden des Rektors und den Erniedrigungen des Höflings, raffte mich hinweg. Nun bin ich ein Bettler und ein Nichts.
Ich bitte dich, bete für mich.
Er starb im Jahre 1691 am 29. des Monats April im Alter von 67 Jahren.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Daniel Ferdinand Neigebaur: Geschichte der kaiserlichen Leopoldino-Carolinischen deutschen Akademie der Naturforscher während des zweiten Jahrhunderts ihres Bestehens. Friedrich Frommann, Jena 1860, S. 190.
  • Willi Ule: Geschichte der Kaiserlichen Leopoldinisch-Carolinischen Deutschen Akademie der Naturforscher während der Jahre 1852–1887. Mit einem Rückblick auf die frühere Zeit ihres Bestehens. In Commission bei Wilh. Engelmann in Leipzig, Halle 1889, Nachträge und Ergänzungen zur Geschichte Neigebaur’s, S. 148 (archive.org).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Ralf Bröer: Höfische Medizin. Strukturen der medizinischen Versorgung eines frühneuzeitlichen Fürstenhofes am Beispiel des Wiener Kaiserhofes (1650–1750), Habilitationsschrift für Geschichte der Medizin (Lehrstuhlinhaber Wolfgang U. Eckart), Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg 2006, S. 70, S. 77, S. 536+537.
  2. Mitgliedseintrag von Paul von Sorbait bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 12. November 2015.
  3. Aloys Bergenstamm: Aufschriften in Gruften, Säulen, Grundsteinen und Häusern in Wien. In: Gerhard Fischer (Hg.), Denn die Gestalt dieser Welt vergeht, Geschichte der Kirchen .. der Stadt Wien, aufgezeichnet von dem Altertumsfreunde Aloys Bergenstamm (1754-1821), daedalus Verlag 1996. ISBN 3-900911-07-X, S 215