Paul Verhoeven (Regisseur, 1938)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den niederländischen Filmemacher. Für den gleichnamigen deutschen Film- und Theatermann siehe Paul Verhoeven (Regisseur, 1901).
Paul Verhoeven (2016)

Paul Verhoeven [ˈpʌu̯l vərˈɦuvə(n)] (* 18. Juli 1938 in Amsterdam, Niederlande) ist ein niederländischer Filmregisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1960 bis 1963 drehte Verhoeven vier Kurzfilme. Er studierte an der Universität Leiden und graduierte 1964 in Mathematik und Physik. Während seiner Militärzeit konnte er in der Königlich Niederländischen Marine (Filmdienst der Marineinfanterie) erste Erfahrungen mit Massen- und Schlachtenszenen sammeln.

1968 war die Fernsehserie Floris von Rosemund der Anfang seiner erfolgreichen Zusammenarbeit mit Rutger Hauer, die 1985 in unversöhnlichem Streit endete. 1970 begann seine langjährige Zusammenarbeit mit Kameramann Jan de Bont. 1985 zog Verhoeven – enttäuscht von der kritischen Haltung der Öffentlichkeit und der Filmförderung in seiner Heimat – nach Hollywood. Seit Mitte der 1970er Jahre hat er auch mehrmals mit dem deutschen Kameramann Jost Vacano zusammengearbeitet, den er in Hollywood wieder traf und mit dem er RoboCop drehte. Ursprünglich wollte Verhoeven abwechselnd mit den beiden Kameramännern arbeiten, dazu kam es allerdings nur einmal, weil de Bont ins Regiefach wechselte.[1] Vacano drehte noch vier weitere Filme mit Verhoeven, bis er sich zur Ruhe setzte. 1999 wurde er für seinen Film Showgirls mit der Goldenen Himbeere als schlechtester Regisseur ausgezeichnet. Er holte diesen Schmähpreis persönlich ab, hielt eine Rede, in der er sagte: „Meine Filme werden hier kritisiert, weil sie als dekadent, pervers und schmierig gelten. Das bedeutet sicher, dass ich Teil dieser großartigen amerikanischen Gesellschaft bin. Danke!“ [2]

2005 kehrte Verhoeven nach Europa zurück, um im Studio Babelsberg den Zweite-Weltkrieg-Thriller Black Book mit Carice van Houten und Sebastian Koch zu drehen. Er begründete die Rückkehr und rein europäische Finanzierung der 17-Millionen-Euro-Produktion unter anderem damit, dass er sich so die größtmögliche Entscheidungsfreiheit bewahre.[3] Sein erster französischsprachiger Spielfilm Elle, ein Thriller mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle, kam am 25. Mai 2016 in die französischen Kinos. Für diesen erhielt er seine zweite Einladung in den Wettbewerb der 66. Internationalen Filmfestspiele von Cannes.

Im Februar 2017 leitete Verhoeven als erster niederländischer Jury-Präsident die Wettbewerbsjury der 67. Internationalen Filmfestspiele Berlin. Als nächstes Filmprojekt ist eine Filmbiografie über die lesbische Nonne Benedetta Carlini (1591–1661) angekündigt. Virginie Efira soll die Hauptrolle übernehmen.[4]

Paul Verhoeven ist seit dem 7. April 1967 mit Martine Tours verheiratet und hat zwei Kinder.

Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weil viele von Verhoevens Filmen Gewalt und Sexualität thematisieren, sind sie Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen unter Filmkritikern und in der Öffentlichkeit.[5] Gewalt wird in Verhoevens Filmen in einer stark überzogenen (RoboCop, Total Recall, Starship Troopers) oder in einer extrem „realistischen“ Weise (Flesh and Blood) dargestellt. Einige seiner Filme lassen sich damit auch als eine Art von Karikatur auf herkömmliche Arten der Gewaltdarstellung verstehen.

Sexualität in Verhoevens Filmen wird von Kritikern oft in die Nähe von Pornographie und Obszönität gerückt.[6] Auch lösten seine Filme bei den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppen (Frauenverbände, Homosexuelle) heftigste Proteste aus (Türkische Früchte, Spetters, Basic Instinct).

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Regisseur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Produzent[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zwartboek. Naar de film van Paul Verhoeven. Podium 2006.
  • Jesus – Die Geschichte eines Menschen. München: Pendo 2009. ISBN 978-3-86612-225-3.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1983: Kritikerpreis des Toronto International Film Festivals für De vierde man
  • 1985: Hauptpreis des Nederlands Film Festival für Flesh+Blood
  • 1988: Saturn Award (Bester Regisseur) für RoboCop
  • 1995: Goldene Himbeere als schlechtester Regisseur für Showgirls[7]
  • 1999: Auszeichnung für den besten niederländischen Film des Jahrhunderts auf dem Nederlands Film Festival, für Turks fruit
  • 2000: Publikumspreis des Locarno International Film Festival für Hollow Man
  • 2002: DIVA-Award
  • 2002: Lifetime Achievement Award des Amsterdam Fantastic Film Festivals
  • 2006: Hauptpreis des Nederlands Film Festival für Zwartboek
  • 2017: Prix Lumières, Bester Film, beste Regie, für Elle
  • 2017: Golden Globe Award 2017, Bester fremdsprachiger Film, für Elle
  • 2017: César, bester Film, für Elle

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Douglas Keesey/Paul Duncan (Hrsg.): Paul Verhoeven. Taschen Verlag, Köln 2005, ISBN 3-8228-3098-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Paul Verhoeven – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Hartig: cinearte XL 014, 2010, "Und Action…" – Interview mit Jost Vacano, S. 14–31.
  2. [1]abgerufen am 15. Mai 2017
  3. cinearte XL 002, 2006, „Zurück zu den Wurzeln“, S. 10.
  4. Paul Verhoeven dreht Drama über legendäre lesbische Nonne, spiegel.de, abgerufen am 26. April 2017
  5. „Sex und Brutalität sind Paul Verhoevens Ding“, WeltN24. 18. Juli 2008.
  6. „Elle: Ein feministisches Lehrstück“, Alice Schwarzer. 25. Februar 2017.
  7. Himbeere für den Film in insgesamt acht Kategorien