Paul Wegener (Gauleiter)

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Paul Wegener

Paul Wegener (* 1. Oktober 1908 in Varel; † 5. Mai 1993 in Wächtersbach) war ein deutscher Politiker (NSDAP), Gauleiter in der Zeit des Nationalsozialismus und SS-Obergruppenführer.

Biografie[Bearbeiten]

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten]

Wegener war der Sohn eines Arztes. Er besuchte das Gymnasium in Ballenstedt (Harz) bis zur Obersekundareife. Nach einem landwirtschaftlichen Praktikum absolvierte er eine Ausbildung zum Koloniallandwirt an der Deutschen Kolonialschule für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe in Witzenhausen. Hier heiratete er die Tochter eines Dozenten. Er arbeitete dann als Verkäufer von 1929 bis 1930 in einer Bremer Im- und Export-Firma.

Politik[Bearbeiten]

1930 trat Wegener in die NSDAP ein und 1931 in die SA. Danach machte er schnell Karriere. 1932 übernahm er die SA-Standarte 75 in Bremen. Im März 1933 wurde er Bremer Kreisleiter der NSDAP und Mitglied der Bremischen Bürgerschaft und im gleichen Jahr Reichstagsabgeordneter für den Bereich Weser-Ems. 1934 berief ihn Rudolf Heß in den Stab des Stellvertreters des Führers in München. 1935 war er Adjutant von Martin Bormann und 1936 (andere Quellen 1939) stellvertretender Leiter des Gaues Mark Brandenburg und Kurmark. 1940 war er für nur kurze Zeit in der Luftwaffe in Norwegen eingesetzt. Er wechselte bald in den Stab des Reichskommissars für Norwegen Josef Terboven. Anschließend wurde er Gebietskommissar für die besetzten Gebiete Nordnorwegens.

1940 wechselte er von der SA zur SS und wurde 1942 zum SS-Gruppenführer und 1944 SS-Obergruppenführer befördert. 1941 nahm er in der Leibstandarte SS Adolf Hitler am Griechenland-Feldzug teil.

Nach dem Tod Carl Rövers im Mai 1942 wurde Wegener NS-Gauleiter Weser-Ems, in PersonalunionReichsstatthalter“ für Oldenburg und Bremen sowie Reichsverteidigungskommissar für das Norddeutsche Gebiet. Er plante die Verlegung des Amtssitzes von Oldenburg nach Bremen. Ende April 1945 war er gegen eine kampflose Übergabe der Stadt Bremen.[1]

Karl Dönitz verhalf ihm am 2. Mai 1945 noch zum Posten des Obersten Zivilen Reichsverteidigungskommissars und zum Kabinettschef der Regierung Dönitz im Rang eines Staatssekretärs.

Nach Kriegsende[Bearbeiten]

Am 23. Mai 1945 wurde Wegener zusammen mit der geschäftsführenden Reichsregierung Dönitz von Soldaten der britischen '11th Armoured Division' im Sonderbereich Mürwik bei Flensburg verhaftet. Im Sommer 1945 wurde er mit mehreren Größen der NSDAP-Hierarchie und der Wehrmacht im Kriegsgefangenenlager Nr. 32 (Camp Ashcan) im luxemburgischen Bad Mondorf interniert.

1949 wurde er vom Spruchgericht Bielefeld zu einer Gesamtgefängnisstrafe von 6 Jahren und 6 Monaten verurteilt, unter Anrechnung der Internierungshaft. Ihm wurde der Tod mehrerer hundert Soldaten und Zivilisten zur Last gelegt, als die Hansestadt Bremen auf seine Anordnung hin „bis zum letzten Mann und bis zur letzten Patrone“ verteidigt wurde. Die verhältnismäßig geringe Gefängnisstrafe ist wohl damit zu begründen, dass er aus seinem Entnazifizierungsverfahren als „entlastet“ (Kategorie V) hervorging. Im Mai 1951 wurde er vorzeitig aus dem Gefängnis Esterwegen entlassen. Im Verfahren gegen Georg Schnibben und andere Angeklagte wegen eines Tötungsdelikts vom 14. April 1945 in Dötlingen wurde er 1953 vom Schwurgericht in Oldenburg freigesprochen.[2]

Er arbeitete danach als kaufmännischer Angestellter in Sinzheim bei Baden-Baden und lebte seit 1959 mit seiner Familie in Wächtersbach in Hessen. Er wurde Vertreter und Prokurist in einer Holzhandelsfirma. Nach Angaben des britischen Geheimdienstes hatte er Kontakte zum ehemaligen Staatssekretär Werner Naumann, der zu Anfang der 1950er Jahre mit dem Naumann-Kreis die FDP nationalsozialistisch unterwandern wollte.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Herbert Schwarzwälder: Geschichte der Freien Hansestadt Bremen, Band IV S. 621ff. Edition Temmen, Bremen 1995, ISBN 3-86108-283-7.
  2. Cordt Schnibben: Mein Vater, ein Werwolf. In: Der Spiegel Nr. 16 vom 14. April 2014, S. 62 (71).
  3. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, 2. aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, S. 659, Quelle BA N 1080/273.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]