Paul Werner (Bürgermeister)

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Paul Werner

Paul Ernst Friedrich Werner (* 19. Oktober 1848 in Zeitz; † 10. Juni 1927 in Cottbus) war ein deutscher Richter und Kommunalbeamter. Er war Erster Bürgermeister von Hamm und Cottbus.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Werner besuchte das Gymnasium in Frankfurt (Oder) und studierte Rechtswissenschaft an den Universitäten Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität und der Ludwig-Maximilians-Universität München. 1870 nahm er als Kriegsfreiwilliger am Deutsch-Französischen Krieg teil. 1872 bis 1878 war er Kreisrichter in Kirchhain (Lausitz) (heute Doberlug-Kirchhain), 1878 bis 1880 2. Bürgermeister von Bromberg. Am 1. Juli 1881 übernahm er die Funktion des 1. Bürgermeisters von Hamm. Ab 1887 war er nationalliberaler Abgeordneter des Westfalenparlaments. In beiden Funktionen blieb er bis 1892. Am 3. Mai des gleichen Jahres wurde er 1. Bürgermeister von Cottbus. Ab 1894 war er Oberbürgermeister von Cottbus. In diesem Amt wurde er 1904 wiedergewählt und blieb bis 1914, obwohl er bis 1916 gewählt wurde. Verheiratet war er seit 1877 mit Franziska geb. Wiokerath. Werner lebte in einer von dem Architekten und späteren Stadtrat Ewald Schulz errichteten Villa in der heutigen Wernerstraße 55.[1] In Cottbus wurde er Mitglied der Freimaurerloge Zum Brunnen in der Wüste.[2]

Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werner setzte sich für die Verschönerung der Industrie- und Leinenweberstadt ein. 1898 entstand durch Initiative des Oberbürgermeisters und des Verschönerungsvereins auf der feuchten Niederung der Mühleninsel die erste Cottbuser Parkanlage, der Goethepark. Auf dem Kaiser-Wilhelm-Platz (heute: Brandenburger Platz) wurden auf Geheiß von Paul Werner 1904 Grünanlagen mit Kübelpflanzen, wie Bananenstauden, Agaven und Sommerblumen, angelegt. 1897 bis 1899 wurden die Kanalisation und die zentrale Wasserversorgung fertiggestellt. 1903 wurde nach der Inbetriebnahme des Dieselkraftwerkes auf der Mühleninsel zur Stromerzeugung neben der elektrischen Straßenbeleuchtung auch die Straßenbahn Cottbus eröffnet. Das Netz wuchs rasch auf mehrere Linien in einem Farbsystem an. Am 1. Oktober 1908 wurde das Stadtstheater Cottbus am Schillerplatz - heute Staatstheater Cottbus - eröffnet. Es wurde auf Werners Initiative nach Plänen von Architekt Ernst Bernhard Sehring, der kurz zuvor das Berliner Theater des Westens entworfen hatte, gebaut. Nun war es das neue kulturell-prunkvolle Aushängeschild der Stadt. Es ist das einzige bis heute komplett im Jugendstil erhaltene Theater Deutschlands. Werner unterstützte die Pläne des Cottbuser Mediziners Carl Thiem, eine städtische Poliklinik zu errichten. Am 1. April 1914 wurde das Krankenhaus als „Vereinigte Städtische und Thiemsche Heilanstalt“ in Betrieb genommen. Bis heute ist es mehrfach aus- und umgebaut worden und ist mittlerweile das größte Klinikum im Land Brandenburg und eines der größten Krankenhäuser in Deutschland. Im Portal des Altbaus vom Carl-Thiem-Klinikum Cottbus erinnert eine in die Wand eingelassene Steinplatte an Carl Thiem, Paul Werner und die Pläne zum Bau dieses Krankenhauses. Am 16. Mai 1906 wurde die Städtische Zentraluhrenanlage in Betrieb genommen. Zur territorialen Neuordnung von Cottbus trug er ebenfalls bei. So wurde am 1. Juli 1904 die Landgemeinde Sandow und der Gutsbezirks Brunschwig aus dem Landkreis Cottbus in die Stadtgemeinde und den Stadtkreis Cottbus eingegliedert.

Würdigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werner wurde 1914 zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Die Grünstraße und ein Steg über die Spree wurden nach ihm benannt. Am 2. März 1999 wurde die Cottbuser 5. Gesamtschule zum Gedenken an diesen wichtigen Cottbuser Oberbürgermeister in Paul-Werner-Gesamtschule umbenannt. Seit 2005 trägt die Schule aufgrund der Reform des Gesamt- und Realschulwesens im Land Brandenburg den Namen Paul-Werner-Oberschule. Die Straße zwischen Berliner Straße und Wilhelm-Külz-Straße, vorbei am Staatstheater, ist nach ihm benannt worden (Wernerstraße).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Häming (Zusammenstellung), Alfred Bruns (Hrsg.): Die Abgeordneten des Westfalenparlaments 1826–1978. Nachtrag 1983 (= Westfälische Quellen- und Archivverzeichnisse, Band 9). Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Münster 1984 (mit einem Foto)
  • Herrmann A. L. Degener (Hrsg.): Wer ist’s? 4. Ausgabe, Degener, Leipzig 1909
  • hhk (d. i. Hans-Hermann Krönert): Paul Werner. In: Lausitzer Rundschau. 9. Juni 2007 (mit Bild)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Irmgard Ackermann, Marcus Cante, Antje Mues: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Denkmale in Brandenburg. Band 2.1: Stadt Cottbus. Teil 1: Altstadt, Mühleninsel, Neustadt und Ostrow, innere Spremberger Vorstadt, „Stadtpromenade“, westliche Stadterweiterung, historisches Brunschwig. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2001, S. 364.
  2. Die Chronologie der St. Johannis-Loge „Zum Brunnen in der Wüste“ zu Cottbus (PDF-Datei)