Paul Zucker

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Paul Zucker (* 14. August 1888 in Berlin; † 14. Februar 1971 in New York City) war ein deutscher Architekt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Zucker studierte Architektur und der Kunstgeschichte in Berlin und München; er schloss das Studium mit dem akademischen Grad des Diplom-Ingenieurs (Dipl.-Ing.) an der Technischen Hochschule (Berlin-) Charlottenburg ab. 1913 promovierte er dort zum Doktor-Ingenieur (Dr.-Ing.) mit einer Arbeit zu „Raumdarstellungen und Bildarchitekturen bei den Florentiner Malern der ersten Hälfte des Quattrocento“. 1920–1923 arbeitete er als Redakteur der Zeitschrift für Geschichte und Ästhetik der Architektur. Neben Lehrtätigkeiten an verschiedenen privaten Berliner Bildungseinrichtungen entwarf er in den 1920er Jahren zahlreiche Landhäuser und Ladeneinrichtungen. 1933 erhielt er im nationalsozialistischen Deutschland aus rassistischen Gründen ein Berufsverbot. Er emigrierte 1934 in die USA, wurde 1944 US-Staatsbürger und arbeitete dort als Dozent für Architektur- und Kunstgeschichte an der New School for Social Research und an der Cooper Union Art School in New York City. Er erstellte mit anderen 1943 auf dem Testgelände Dugway Proving Ground in Utah das sog. Deutsche Dorf, ein realistischer Nachbau Berliner Mietskasernen. Hier wurden verschiedene Spreng- und Brandbomben in ihrer Wirkung auf diese Bauform getestet.[1]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1953: Arnold W. Brunner Scholarship Award des American Institute of Architects (AlA)
  • 1968: Verleihung des Bundesverdienstkreuzes I. Klasse der Bundesrepublik Deutschland
  • 1969: Verleihung des Rossi Preises der Cooper Union Art School in New York

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauten und Entwürfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wohn- und Geschäftshaus Taubenstraße 23 in Berlin
  • 1921–1922: Landhaus und Autogarage Winklerstraße 2 / Wissmannstraße in Berlin-Grunewald
  • 1921–1922: Landhaus Wildpfad 5 / Bernadottestraße in Berlin-Grunewald
  • 1922: Umbau und Aufstockung des Wohn- und Geschäftshauses Taubenstraße 23 in Berlin-Mitte (durch Petra und Paul Kahlfeldt 2003/2004 äußerlich wiederhergestellt und im Inneren neu gestaltet)
  • 1922: Umbau des Landhauses Koenigsallee 34a in Berlin-Grunewald
  • 1923–1924: Landhaus für Moritz Stein, Hagenstraße 30 in Berlin-Grunewald
  • 1925: Ausbau und Aufstockung des Wohn- und Geschäftshauses Kurfürstendamm 35 in Berlin-Charlottenburg
  • um 1926: Umbau eines Landhauses für Hans Lachmann-Mosse in Trebbin, am Priedel
  • 1927: Umbau eines Landhauses mit Nebengebäude Am Sandwerder 7 in Berlin-Wannsee
  • 1928: Landhaus Am Birkenhügel 6 in Berlin-Zehlendorf
  • 1929: Bootshaus Am Kleinen Wannsee 6 in Berlin-Wannsee
  • 1929: Umbau der Villa des Verlegers Franz Ullstein in Berlin-Tiergarten, Ulmenstraße 4 (heute Derfflingerstraße 6; unter Denkmalschutz)[2]
  • 1932: Umbau des Landhauses Winklerstraße 4 in Berlin-Grunewald
  • 1932: Landhaus Koenigsallee 11 in Berlin-Grunewald
  • 1933: Landhaus In der Halde 14 in Berlin-Zehlendorf
  • 1934–1935: Umbau des Gärtnerhauses Hubertusallee 32 in Berlin-Schmargendorf

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Raumdarstellung und Bildarchitekturen im Florentiner Quattrocento. Klinkhardt & Biermann, Leipzig 1913. (Buch-Fassung der Dissertation)
  • Die Brücke. Typologie und Geschichte ihrer künstlerischen Gestaltung. Wasmuth, Berlin 1921.
  • Die Theaterdekoration des Barock. Eine Kunstgeschichte des Bühnenbildes. R. Kaemmerer, Berlin 1925.
  • Die Theaterdekoration des Klassizismus. Eine Kunstgeschichte des Bühnenbildes. R. Kaemmerer, Berlin 1925.
  • Theater und Lichtspielhäuser. Wasmuth, Berlin 1926.
  • Deutsche Barockstädte. Quelle & Meyer, Leipzig 1927.
  • Deutsche Hansestädte. Ein Bilderatlas. Quelle & Meyer, Leipzig 1928.
  • Entwicklung des Stadtbildes. Die Stadt als Form. Drei Masken-Verlag, München 1929.
  • (mit Hans Willich): Die Baukunst der Renaissance in Italien bis zum Tode Michelangelos. Athenaion, Potsdam-Wildpark 1929.
  • (mit G. Otto Stindt): Lichtspielhäuser, Tonfilmtheater. Wasmuth, Berlin 1931.
  • American bridges and dams. Greystone Press, New York 1941.
  • Town and Square. From the Agora to the Village Green. Columbia University Press, New York 1959.
  • Fascination of decay. Ruins. Relic, symbol, ornament. Gregg Press, Ridgewood 1968.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. memory.loc.gov (PDF; 400 kB)
  2. Maison d’Orange / Villa Ullstein in der Berliner Landesdenkmalliste

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Schäche, Norbert Szymanski: Paul Zucker. Der vergessene Architekt. jovis Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-936314-40-3.
  • Ulrike Wendland: Biographisches Handbuch deutschsprachiger Kunsthistoriker im Exil. Leben und Werk der unter dem Nationalsozialismus verfolgten und vertriebenen Wissenschaftler. Saur, München 1999, Bd. 2, S. 810–813

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]