Paulette (Film)

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Filmdaten
Deutscher Titel Paulette
Originaltitel Paulette
Produktionsland Frankreich
Originalsprache Französisch
Erscheinungsjahr 2013
Länge 84 Minuten
Altersfreigabe FSK 12[1]
Stab
Regie Jérôme Enrico
Drehbuch Jérôme Enrico,
Bianca Olsen,
Laurie Aubanel,
Cyril Rambour
Produktion Alain Goldman
Musik Michel Ochowiak
Kamera Bruno Privat
Schnitt Antoine Vareille
Besetzung

Paulette ist eine französische Krimikomödie. Jérôme Enrico schrieb das Drehbuch mit drei weiteren Autoren und führte Regie.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2011: Paulette ist eine ältere Dame, die ihr Dasein in einer heruntergekommenen Trabanten-Vorstadt fristet. Früher hatte sie mit ihrem Mann ein gutgehendes Restaurant. Nachdem es mit dem Restaurant bergab ging und geschlossen wurde, verstarb ihr Ehemann. Sie selbst muss mit einer Mindestrente auskommen. Wo früher das Restaurant war, befindet sich jetzt ein asiatisches Restaurant. In dieses Restaurant schmuggelt sie ab und zu Kakerlaken ein, um diese im Essen zu platzieren. Ihren drei Freundinnen Maria, Lucienne und Renee, die mit ihr Karten spielen, verhält sie sich ebenso wie dem freundlichen Nachbarn Walter gegenüber abweisend. Auch zu ihrer Tochter Agnes hat sie ein kühles Verhältnis. Das gilt erst recht für den Schwiegersohn Ousmane, da er schwarz ist. Die Ausländer macht Paulette nämlich für ihr persönliches Unglück verantwortlich. Gelegentlich bittet ihre Tochter um die Beaufsichtigung des schwarzen Enkels Leo, was sie nur äußerst widerwillig und lieblos vollzieht.

Während sie sich mit anderen um die Gemüsereste eines Wochenmarktes streitet, beobachtet sie neidvoll den Wohlstand einiger Jugendlicher im Viertel. Schnell wird ihr klar, dass sie mit Drogen handeln. Eines Tages werden ihre Gegenstände gepfändet, da sie die Rechnungen nicht mehr bezahlen kann. Ihr Schwiegersohn, der im Drogendezernat arbeitet, besucht Paulette. Er befragt sie in der Hoffnung, dass sie Beobachtungen zu den Machenschaften der Jugendgangs beisteuern kann. Dieser ist gerührt, als Paulette ihre schroffe Ablehnung scheinbar abbaut und sich sogar für seine Polizeiarbeit zu interessieren beginnt. Doch Paulette sucht nur Insiderinformationen über die Gepflogenheiten der Drogenbranche. Ausgerüstet mit diesen Informationen und einem von flüchtenden Dealern weggeworfenen Haschischpäckchen sucht Paulette Kontakt zu Vito, einem Dealer aus dem „mittleren Management“ und dient sich an, für diesen Marihuana zu verkaufen. Er gibt ihr eine Chance, erwartet aber eher wenig von ihr.

Wegen ihres unverdächtigen Alters und Aussehens entwickelt sich ihre Arbeit als Straßendealerin. Die Arbeit macht ihr Spaß und ihr Wohlstand wächst wieder, doch ihr Erfolg bleibt nicht ohne Neider. Eines Tages wird sie von konkurrierenden Dealern zusammengeschlagen und beraubt. Frustriert sinniert Paulette beim Kuchenbacken darüber, wie sie nun Vito auszahlen soll. Der nach einer neuerlichen Schimpfattacke seiner Oma frustrierte Enkel schließt sich in die Küche ein und mischt der dort vorbereiteten Kuchenmasse aus Rache alles Auffindbare hinein, unter anderem ein Stück Marihuana, welches er in einer Dose findet ohne zu wissen, worum es sich handelt. Paulettes Freundinnen, die keine Ahnung von dem Job haben, sind vom Kuchen begeistert. Paulette verkauft fortan Hasch in Form von Plätzchen. Diese Geschäftsidee bringt den Durchbruch. Paulette stellt ihre drei Freundinnen ein und sie verkaufen die Drogenkekse mit großem Erfolg in ihrer Wohnung. Ab und zu wird es jedoch gefährlich, wenn beispielsweise ihr Schwiegersohn vorbeischaut. Nebenbei geschieht aber auch eine Wandlung ihres Charakters: Sie kümmert sich um ihre Familie und ihre Freundinnen, geht sogar mit ihrem Nachbarn Walter (ins asiatische Restaurant) aus und ihre Vorurteile gegenüber Ausländern bauen sich ab. Auch ihr Wohlstand wächst, sie kauft sich feine Kleider und einen 3D-Fernseher.

Wegen ihres Erfolgs wird Paulette zu einer Audienz beim russischen Gangsterboss Taraz, Vitos Vorgesetztem, gebeten. Vito wird nach einem kurzen Gespräch zwischen Paulette und Taraz entmachtet und Paulette soll in seine Fußstapfen treten. Als Taraz seine neuen Expansionspläne vorstellt – den Verkauf von Drogenkeksen vor Grundschulen – will Paulette nicht mehr mitmachen. Ihre Wohnung wird auf Taraz' Befehl von Vito geplündert und ihr inzwischen liebgewonnener Enkelsohn entführt. Ousmane kann durch eine Polizeiaktion die gefährliche Situation beenden. Paulette und ihre Freundinnen kommen mit einer Bewährungsstrafe davon. Paulette, ihre Tochter und ihre Freundinnen sowie Walter führen ihr Geschäftsmodell in legaler Form in Amsterdam weiter.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film beruht laut dem Regisseur angeblich auf einer wahren Begebenheit.

Der Film hatte seine Premiere am 4. Oktober 2012 auf dem Festa do Cinema Frances in Portugal.[2] Er wurde von Gaumont produziert. In Deutschland hatte der Film am 13. Juli 2013 Premiere. In seinem Entstehungsland Frankreich erreichte die Produktion ein Millionenpublikum.[3] Im Jahr 2013 wurden bundesweit 542.813 Besucher an den deutschen Kinokassen gezählt, womit der Film den 61. Platz der meistbesuchten Filme des Jahres belegte.[4]

Hauptdarstellerin Bernadette Lafont starb im Juli 2013 im Alter von 74 Jahren, noch während der Film in den deutschen Kinos lief. Es war ihr letzter Film.

Die deutsche Erstausstrahlung erfolgte am 14. Juli 2014 beim Sender Das Erste unter dem Titel Paulette – Die etwas andere Oma.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Spiegel lobt die Komödie als „sehr witzig“, wenn auch nicht immer politisch korrekt, insbesondere die Hauptdarstellerin könne überzeugen.[5]

Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung sieht den Film positiv: „Die große Bernadette Lafont spielt die biestige Paulette ganz wunderbar und sieht dabei verdammt cool aus. (…) Rollenkonzeption, Spiel und Sechziger-Jahre-Outfit wirken wie ein liebevoll-ironischer Kommentar auf frühe Außenseiterrollen des Nouvelle-Vague-Stars. (…) Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel tatsächlich „Inkorrektes“ und Bösartiges dieser postaméliesche Zweig des zeitgenössischen französischen Kinos in seinen Filmen unterbringen kann, ohne dabei in irgendeiner Weise radikal zu werden: Paulette ist nicht niedlich. (…) Und auch das Dealen wird nicht verharmlost, vielmehr haben die Verstrickungen mit der Drogenmafia mittelfristig sehr unangenehme Auswirkungen auf das Leben, auch wenn es natürlich ein utopisches Ende gibt (…) Auch daher ist es ein bisschen schade, dass „Paulette“ nur eine weitere herzige Sozialkomödie geworden ist, in der alle ein bisschen schräg, ein bisschen einsam und verrückt sind und sich in liebevoll eingerichteten Bildern so lange an ihrer Skurrilität reiben, bis ihnen allen ganz warm geworden ist. Und dem Zuschauer auch.“[3]

Falk Schön von Filmstarts vergibt 4 von 5 möglichen Sternen und meint: „Jérôme Enricos Komödie „Paulette“ ist ganz sicher kein sommerlich-französisches Feelgood-Movie à la „Die fabelhafte Welt der Amélie“. Stattdessen bietet die Geschichte über eine mit Cannabis dealende Rentnerin richtig galligen Humor und sorgt mit ihrer höchst ambivalenten Schlussszene im Schnee für reichlich kontroverse Reaktionen. Satirisch überdreht prangern Enrico und seine drei Co-Autoren die ernste wirtschaftliche und politische Lage in Frankreich anhand eines Einzelschicksals an. Zu den zahlreichen Bravourstücken der Macher gehört, dass sich ihre anfangs verbittert wirkende Hauptfigur glaubwürdig zu einer Sympathieträgerin wandeln. (…) Wie in einigen französischen Filmen der jüngeren Vergangenheit (…) ist die Versöhnung über soziale und ethnische Barrieren auch hier das Grundthema. (…) Die Geschichte ist grotesk, zugleich jedoch von einer unbarmherzigen Logik: Alle Lösungsansätze, die Paulette bemüht, ziehen neue Probleme nach sich. (…) Auch wenn die melancholischen Untertöne von Jérôme Enricos Komödie einer Sommer-Wohlfühl-Stimmung entgegenstehen, sollte man sich dieses pfiffige Werk nicht entgehen lassen. Fazit: „Paulette“ ist für Franzosen ein Spiegel ihrer sozialen Probleme, für deutsche Zuschauer ein Fenster zur schwierigen Situation des Nachbarlandes – witzig, aber nicht ausgelassen: eine bittersüße, leicht schwermütige Groteske mit einer formidablen Hauptdarstellerin.“[6]

Der Filmdienst zieht folgendes Fazit: „Eine sympathisch-harmlose Komödie, die sich nur am Rand für Altersarmut interessiert, sondern ganz auf kurzweilige Unterhaltung voller Slapstick und Dialogwitz setzt, wobei die Hauptdarstellerin in einer wahren "Tour de Force" aufspielt, zuweilen aber auch recht übertrieben agiert.“[7]

Adaptionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bühnenautorin Anna Bechstein adaptierte den Film 2016 unter dem Titel "Paulette - Oma zieht durch" für die Bühne. Im März 2017 fand die Uraufführung der Bühnenfassung in einer Produktion des a.gon Theater München[8] im Theater Hameln statt[9]. Die Titelrolle wurde in der Uraufführungsproduktion von der deutschen Schauspielerin Diana Körner gespielt. Das Bühnenwerk ist beim Verlag Ahn & Simrock in Hamburg verlegt. [10]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Paulette. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Juni 2013 (PDF; Prüf­nummer: 139 361 K).
  2. Release Info. In: IMDb.
  3. a b Hannah Lühmann: Besser als Rap: Integration mittels Haschisch. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. Juli 2013.
  4. KINOaktuell: Was ihr wolltet: Münsters Kinojahr 2013, C. Lou Lloyd, Filminfo Nr. 4, 23. – 29. Januar 2014, S. 24f
  5. Carolin Weidner: Oma zieht durch. In: Spiegel Online, 18. Juli 2013.
  6. Falk Schön: Paulette In: Filmstarts, abgerufen am 2. Juli 2015.
  7. Paulette In: Filmdienst, abgerufen am 2. Juli 2015.
  8. Paulette - Oma zieht durch | a.gon - Theater aus Leidenschaft. In: a.gon - Theater aus Leidenschaft. (a-gon.de [abgerufen am 9. April 2017]).
  9. Theater Hameln: Paulette – Oma zieht durch. Abgerufen am 9. April 2017.
  10. Ahn & Simrock Verlag: Paulette - Oma zieht durch. Abgerufen am 9. April 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]