Paulina Stulin

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Paulina Stulin am Zeichentisch

Paulina Stulin (* 1985 in Breslau, Polen) ist eine deutsche Comiczeichnerin und Illustratorin.

Biographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paulina Stulin wurde 1985 in Breslau in Polen geboren und kam ein Jahr nach ihrer Geburt mit ihren Eltern nach Deutschland. Nach ihrem Realschulabschluss absolvierte sie eine Ausbildung als Sozialassistentin und erlangte anschließend ihre Fachhochschulreife mit Schwerpunkt Sozialwesen. Zunächst studierte Stulin Soziale Arbeit, brach dieses Studium allerdings ab.[1] Von 2007 bis 2012 studierte sie Kommunikationsdesign in Darmstadt und absolvierte ein Semester an der Akademie der Bildenden Künste Krakau.[2] Ihr erster Comic entstand als Entwurf für ihr Studium, die Autorin adaptierte die Kurzgeschichte Theobald und Theodor von Jostein Gaarder.[3] Sie schloss ihr Studium an der Hochschule Darmstadt als Diplom-Designerin ab.

Stulin zeichnet bereits seit ihrer Kindheit, laut Aussage der Autorin habe ihre lebenslange Leidenschaft durch Scott McClouds Comics endlich einen Zweck gefunden.[4] Neben ihrer Tätigkeit als Comiczeichnerin arbeitet Stulin als pädagogische Betreuung und gestaltet dort kreative Projekte für Jugendliche. Außerdem unterhält sie den Podcast Pingpong mit Pauli, in dem sie Menschen aus ihrem Umfeld interviewt.[5][6]

Bei allen bisherigen Veröffentlichungen der Comicautorin handelt es sich um autobiographische Werke. Bei ihrer ersten Veröffentlichung Mindestens eine Sekunde und höchstens dein ganzes Leben handelt es sich um die Diplomarbeit der Autorin.[1] Stulins zweiter Comic The Right Here Right Now Thing erhielt den ICOM Independent Comic Preis und erzählt von einem One-Night-Stand, den sie während einer Nacht in Krakau mit einem Fremden hat. Dessen Gesicht wird nur als schwarze Fläche dargestellt, er soll dadurch nicht nur rätselhaft wirken, die gesichtslose Darstellung diene auch der besseren Identifikation des Lesers. Das erste Skript des Comics entstand innerhalb von etwa zehn Stunden im Oktober 2013, für die vollständige Umsetzung brauchte die Comickünstlerin sechs Monate.[2] An ihrem dritten und bisher umfangreichsten Werk Bei mir zuhause mit mehr als 600 Seiten arbeitete Stulin über fünf Jahre lang. Sie schildert darin kleinere und größere Episoden aus etwa einem Jahr ihres Lebens.[7] Die Künstlerin lässt dabei bewusst offen, was genau biographisch korrekt wiedergegeben ist, um ihre Erzählung in Teilen drastischer darstellen zu können. Der Comic sei auch eine Mutprobe, der Kampf mit der Scham gehöre als wichtiger Bestandteil zur Geschichte.[1]

Paulina Stulin lebt und arbeitet in Darmstadt. Ihr Atelier befindet sich in ihrer Dachgeschosswohnung, in der sie seit ihrem 18. Lebensjahr wohnt und zeichnet, und stellt den zentralen Handlungsort ihrer Graphic Novel Bei mir zuhause dar. Ihre Bilder entstehen digital am Rechner.[1]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiken und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insbesondere ihr drittes und bisher umfangreichstes Werk Bei mir zuhause fand größere mediale Beachtung. Für Andreas Platthaus stellt bereits Stulins Comicdebüt einen „fulminante[n] Start […] mit zwei autobiographischen Bänden in einem Jahr“ dar. Die äußerst komplexe dritte Veröffentlichung zeige deutlich, dass „sich Paulina Stulins Erzählgeschick extrem weiterentwickelt“ habe. Der Comic sei ein Persönlichkeitsporträt, „das in dieser Intensität wenig Konkurrenz im deutschsprachigen Comic hat“.[7] Für Lydia Herms zeige die Graphic Novel eine „intime Auseinandersetzung der Autorin mit sich selbst“.[5] Bei Deutschlandfunk Kultur wird der Stil ihres dritten Werkes als eine „Mischung aus fotorealistisch und […] Impressionismus“ beschrieben.[4] Die Redaktion von Alfonz wählte Bei mir zuhause auf den zehnten Platz der Comics des Jahres 2020, der Titel sei eine „eindringliche Studie des mäandrierenden Lebens ein jungen Frau, die zwar weiß, was sie will, [...] aber ihren eigentlichen Platz in der Welt noch nicht gefunden hat“.[8] Auch Alex Jakubowski hält fest, dass Stulin stilistisch und zeichnerisch einen „großen Sprung“ gemacht habe. Ihre episodenhaften Geschichten seien mal „laut mit viel Text, mal leise, ganz ohne Worte“ gestaltet. Eine Leitmotiv ihrer Erzählung stelle dabei das Thema Zuhause dar.[1] In Strapazin spiegelt sich für Jonas Engelmann Zuhause in verschiedenen Aspekten wider, in der eigenen Wohnung und vertrauten Orten in Darmstadt, aber auch im Innenleben und Körper der Comicautorin.[9] Stulin wurde auch in der 3sat-Kulturzeit und im ARD-Nachtmagazin vorgestellt.[10][11]

Im Jahr 2015 erhielt Stulin den ICOM Independent Comic Preis für The Right Here Right Now Thing in der Kategorie „Herausragendes Szenario“. Stulin wähle besondere Momente ihres Lebens aus und arrangiere diese in „Panels und Seitenlayouts zu erzählenswerten Geschichten“. Dabei komme die philosophisch tiefgründige Erzählung auf „leichten Füßen daher und nimmt sich dabei selbst nicht allzu ernst“.[12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Alex Jakubowski: Alfonz 1/2021. Edition Alfons, Januar 2021, S. 55–56.
  2. a b Björn Bischoff: Herausragendes Szenario: "The Right Here Right Now Thing" von Paulina Stulin – Interview von Björn Bischoff. In: comic-i.com. 2016, abgerufen am 16. November 2020.
  3. Arkadiusz Łuba: »Theobald und Theodor«. In: h-da.de. 2009, abgerufen am 14. November 2020.
  4. a b Arkadiusz Łuba: Comic „Bei mir zuhause“ – Selbstbeobachtungen im Dachgeschoss. In: deutschlandfunkkultur.de. 21. Oktober 2020, abgerufen am 30. Oktober 2020.
  5. a b Lydia Herms: Das perfekte Buch für den Moment…wenn du deine Wohnung am Geruch erkennst. In: deutschlandfunknova.de. 18. Oktober 2020, abgerufen am 30. Oktober 2020.
  6. Samba Gueye: Paulina Stulin: Über den Dreißig-werden-Blues. In: p-stadtkultur.de. Oktober 2020, abgerufen am 30. Oktober 2020.
  7. a b Andreas Platthaus: Weltstadt Darmstadt. In: faz.net. 12. Oktober 2020, abgerufen am 30. Oktober 2020.
  8. Matthias Hofmann: Alfonz 1/2021. Edition Alfons, Januar 2021, S. 19.
  9. Jonas Engelmann: Strapazin 12/2020 – Superheld*innen in der Krise. Strapazin, Dezember 2020, S. 73–74.
  10. Comicbuchtipp: "Bei mir zuhause". In: Kulturzeit. 9. Oktober 2020, abgerufen am 30. Oktober 2020.
  11. TV-Beitrag »Spannende Graphic Novel aus Darmstadt« vom 6.10.2020 über »Bei mir zuhause«. In: Nachtmagazin. 14. Oktober 2020, abgerufen am 30. Oktober 2020.
  12. Max Höllen: Herausragendes Szenario – „The Right Here Right Now Thing“ von Paulina Stulin. In: comic-i.com. 2015, abgerufen am 30. Oktober 2020.