Paulos von Aigina

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Titelblatt einer frühen Ausgabe der Werke des Paulos in der lateinischen Übersetzung von Johann Winter von Andernach (1542)

Paulos von Aigina, auch Paulos von Aegina und latinisiert Paulus Aegineta (bl. 1. Hälfte des 7. Jahrhunderts; vermutet wird 625–690), war ein (früh)byzantinischer Arzt. Er stammte von der Insel Aigina und lebte um 640 in Alexandria.

Es ist unklar, ob Paulos von Aigina Christ war. Er war in Alexandria, wo er auch studiert hatte, als Arzt tätig, als die Stadt 642 von den Arabern erobert wurde. Wahrscheinlich wirkte er dort auch noch nach der Eroberung. Über sein Leben ist nichts weiter bekannt. Ein aus mehreren Handschriften bekanntes Epigramm bezeichnet ihn als periodeutes (Wanderarzt).

Als letzte ihrer Art ist von Paulos von Aigina eine Enzyklopädie erhalten, die ohne Titel überliefert ist, aber aufgrund ihrer Einleitung auch als Medizinische Sammlungen (auch „Erinnerungsschrift“, griechisch Hypomnema) bezeichnet wird. Dieses kompendienartige Handbuch der praktischen Medizin (Medicina pragmateia, kurz Pragmateia)[1] besteht aus sieben Büchern: 1. Hygiene und Diätetik, 2. Fieberarten, 3. Topographisch von Kopf bis Fuß klassifizierte Krankheiten, 4. Hautkrankheiten und Erkrankungen der Eingeweide, 5. Toxikologie, 6. Chirurgie (mit Gynäkologie und operativer Geburtshilfe) und 7. Medikamentöse Therapeutik.

Paulos sah seine Arbeit in der Tradition des Oreibasios, jedoch sollte sie vollständiger und einfacher zu benutzen sein als dessen Werk und trotzdem nicht über ein einfaches Handbuch hinausgehen. Quellen waren vor allem Oreibasios, aber auch die grundlegenden Werke des Hippokrates von Kos, Soranos, Pedanios Dioscurides, Galen und Aëtios von Amida.

Möglicherweise gibt es noch ein weiteres Werk von Paulos über Gynäkologie, wie es arabische Quellen nahelegen. Es ist jedoch ebenso gut möglich, dass nur der Teil über die Gynäkologie aus seinem sechsten Buch in einer selbstständigen Form in Umlauf war. Seine gynäkologischen Arbeiten waren in arabischer Zeit so geschätzt, dass er den Beinamen „Geburtshelfer“ bekam.

Paulos’ Werk ist in diversen Handschriften überliefert. Möglicherweise wurden in der Spätantike die Bücher neu geordnet, zumindest das sechste und siebte Buch scheinen in zwei Teilbände gegliedert worden zu sein. Seit dem 9. Jahrhundert gab es arabische Übersetzungen. In der arabischen Medizin wurde das Werk auch stark rezipiert. In der lateinischen Literatur war Paulos nicht vor dem 11. Jahrhundert und dann auch nur in Teilen bekannt. Seit dem 12. Jahrhundert wurde er bekannter, jedoch nur durch Zitate in den übersetzten Werken arabischsprachiger Mediziner. Im 12./13. Jahrhundert galt dem Arzt und sunnitischen Juristen ʿAbd ar-Rahmān ibn Nasr asch-Schaizarī in seinem Handbuch über die Marktaufsicht (Nihāyat ar-rutba fī ṭalab al-ḥisba, „Der höchste Grad beim Studium der Hisba“; kurz: Hisba) das sechste Buch des Aiginaten als Grundlage zur Begutachtung von Knocheneinrenkern.[2] Erstmals 1528 wurde das gesamte Werk in Venedig von Francesco D'Ascola veröffentlicht. Es liegt in vielen Ausgaben aus dem 16. Jahrhundert vor.

Carl von Linné benannte Paulos zu Ehren die Gattung Aeginetia der Pflanzenfamilie der Sommerwurzgewächse (Orobanchaceae).[3]

Ausgaben und Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elżbieta Szabat: Paulos. In: Paweł Janiszewski, Krystyna Stebnicka, Elżbieta Szabat: Prosopography of Greek Rhetors and Sophists of the Roman Empire. Oxford University Press, Oxford 2015, ISBN 978-0-19-871340-1, S. 412.
  • Peter E. Pormann: The Oriental Tradition of Paul of Aegina’s Pragmateia. Brill, Leiden/ Boston 2004.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang U. Eckart: Geschichte der Medizin. 2., komplett überarbeitete Auflage. Springer-Verlag, Berlin/ Heidelberg 1994, S. 76.
  2. Friedrun R. Hau: Paulos von Aegina. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1116.
  3. Carl von Linné: Critica Botanica. Leiden 1737, S. 91; Carl von Linné: Genera Plantarum. Leiden 1742, S. 304; Umberto Quattrocchi: CRC World Dictionary of Plant Names: Common Names, Scientific Names, Eponyms, Synonyms, and Etymology, 2000, S. 55.