Paulos von Aigina

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Titelblatt einer frühen Ausgabe der Werke des Paulos in der lateinischen Übersetzung von Johann Winter (1542)
Phantasieporträt des Paulos (Buchillustration von 1511)

Paulos von Aigina, auch Paulos von Aegina und lateinisch Paulus Aegineta (bl. 1. Hälfte des 7. Jahrhunderts), war ein byzantinischer Arzt. Er stammte von der Insel Aigina und lebte um 640 in Alexandria.

Es ist unklar, ob Paulos von Aigina Christ war. Er war in Alexandria, wo er auch studiert hatte, als Arzt tätig, als die Stadt 642 von den Arabern erobert wurde. Wahrscheinlich wirkte er dort auch noch nach der Eroberung. Über sein Leben ist nichts weiter bekannt. Ein aus mehreren Handschriften bekanntes Epigramm bezeichnet ihn als periodeutes (Wanderarzt).

Als letzte ihrer Art ist von Paulos von Aigina eine Enzyklopädie erhalten, die ohne Titel überliefert ist, aber aufgrund ihrer Einleitung als Medizinische Sammlungen (auch „Erinnerungsschrift“) bezeichnet wird. Sie besteht aus sieben Büchern: 1. Hygiene und Diätetik, 2. Fieberarten, 3. Topographisch von Kopf bis Fuß klassifizierte Krankheiten, 4. Hautkrankheiten und Erkrankungen der Eingeweide, 5. Toxikologie, 6. Chirurgie (mit Gynäkologie und operativer Geburtshilfe) und 7. Medikamentöse Therapeutik.

Paulos sah seine Arbeit in der Tradition des Oribasius, jedoch sollte sie vollständiger und einfacher zu benutzen sein als dessen Werk und trotzdem nicht über ein einfaches Handbuch hinausgehen. Quellen waren vor allem Oribasius, aber auch die Werke des Hippokrates von Kos, Soranos, Pedanios Dioscurides, Galen und Aëtios von Amida.

Möglicherweise gibt es noch ein weiteres Werk von Paulos über Gynäkologie, wie es arabische Quellen nahelegen. Es ist jedoch ebenso gut möglich, dass nur der Teil über die Gynäkologie aus seinem sechsten Buch in einer selbstständigen Form in Umlauf war. Seine gynäkologischen Arbeiten waren in arabischer Zeit so geschätzt, dass er den Beinamen Geburtshelfer bekam.

Paulos' Werk ist in diversen Handschriften überliefert. Möglicherweise wurden in der Spätantike die Bücher neu geordnet, zumindest das sechste und siebte Buch scheinen in zwei Teilbände gegliedert worden zu sein. Seit dem 9. Jahrhundert gab es arabische Übersetzungen. In der arabischen Medizin wurde das Werk auch stark rezipiert. In der lateinischen Literatur war Paulos nicht vor dem 11. Jahrhundert und dann auch nur in Teilen bekannt. Seit dem 12. Jahrhundert wurde er bekannter, jedoch nur durch Zitate in den übersetzten Werken arabischer Mediziner. Im 12./13. Jahrhundert galt dem Arzt und sunnitischen Juristen ʿAbd ar-Rahmān ibn Nasr asch-Schaizarī in seinem Handbuch über die Marktaufsicht (Nihāyat ar-rutba fī ṭalab al-ḥisba, „Der höchste Grad beim Studium der Hisba“; kurz: Hisba) das sechste Buch des Aiginaten als Grundlage zur Begutachtung von Knocheneinrenkern.[1] Erstmals 1528 wurde das gesamte Werk in Venedig von Francesco D'Ascola veröffentlicht. Es liegt in vielen Ausgaben aus dem 16. Jahrhundert vor.

Carl von Linné benannte Paulos zu Ehren die Gattung Aeginetia der Pflanzenfamilie der Sommerwurzgewächse (Orobanchaceae).[2]

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Winter (Übersetzer): Pauli Aeginetae Opus de re medica. Beigefügte Werke: Adiectis in eundem doctissimis et quam utilissimis annotationibus ab eodem Andernaco elucubratis cum indice copiosissimo. Venetiis 1542 Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
  • Francis Adams (Übersetzer): The Seven Books of Paulus Aegineta, Vol. 1. London 1844.
  • Julius Berendes (Übersetzer): Des Paulos von Aegina Abriss der gesammten Medizin in sieben Büchern. Janus 1 (1908)
  • Paulos' von Aegina, des besten Arztes sieben Bücher : nebst einem Anhang: Die römischen Baeder, die bei Paulos vorkommenden Aelteren Aerzte, und zwei Tafeln. Übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Julius Berendes. Mit einem Geleitwort von R. Kobert, Leiden : Brill, 1914. Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
  • Johan Ludvig Heiberg (Hrsg.): Paulus Aegineta. Hypomnêma. I–II, Leipzig und Berlin 1921–1924 (= Corpus medicorum graecorum, IX, 1–2)
  • Antike Heilkunst. Ausgewählte Texte, herausgegeben von Jutta Kollesch und Diethard Nickel, Philipp Reclam jun., Stuttgart 1994, ISBN 978-3-15-009305-4
  • Mario Tabanelli: Studi sulla chirurgia bizantina: Paolo di Egina. Florenz 1964 (= Bibliotheca della ‚Rivista di storia delle scienze mediche e naturali‘, 13).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elżbieta Szabat: Paulos. In: Paweł Janiszewski, Krystyna Stebnicka, Elżbieta Szabat: Prosopography of Greek Rhetors and Sophists of the Roman Empire. Oxford University Press, Oxford 2015, ISBN 978-0-19-871340-1, S. 412.
  • Friedrun R. Hau: Paulos von Aegina. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1116.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Friedrun R. Hau: Paulos von Aegina. 2005, S. 1116.
  2. Carl von Linné: Critica Botanica. Leiden 1737, S. 91; Carl von Linné: Genera Plantarum. Leiden 1742, S. 304; Umberto Quattrocchi: CRC World Dictionary of Plant Names: Common Names, Scientific Names, Eponyms, Synonyms, and Etymology, 2000, S. 55.