Pawel Jurjewitsch Gubarew

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Pawel Jurjewitsch Gubarew (2014)
Gubarew mit Frau Jekaterina und Familie (2012)

Pawel Jurjewitsch Gubarew (russisch Павел Юрьевич Губарев; * 10. Februar 1983 in Sewerodonezk, Oblast Lugansk, Ukrainische SSR) ist ein ukrainischer Politiker. Er ist einer der Wortführer der prorussischen Bewegung in der Ostukraine.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pawel Gubarew studierte an der Nationalen Universität Donezk, wo er einen Abschluss in Geschichtswissenschaften erwarb. Er arbeitete nach dem Studium als Angestellter einer Werbeagentur[1], bevor er sich 2007 mit einem eigenen Unternehmen selbständig machte. Im selben Jahr heiratete er, er hat inzwischen drei Kinder.[2]

Gubarew war 2002 als 19-Jähriger Mitglied der Neonazi-Organisation Russische Nationale Einheit (Всероссийское общественное патриотическое движение „Русское Национальное Единство“).[3] In einem Facebook-Beitrag aus dem Juni 2014 distanzierte er sich von der Gruppe[4], ebenfalls im Internet publizierte er jedoch weiterhin russisch-imperialistische Tiraden.[5] Er bezeichnet sich heute als „linken Patrioten“[4]. Gubarew gilt als ein Anhänger des Panslawismus.[6]

Später schloss er sich der pro-russischen, linken Progressiven Sozialistischen Partei der Ukraine an, der er bis zum Umsturz in der Ukraine 2014 angehörte.[6] Die Partei setzte sich für einen reformierten Sozialismus, enge Bindungen zu Russland und gegen den Globalismus ein. Für die Progressive Sozialistische Partei zog er 2006 in den Stadtrat des Donezker Bezirks Kujbyschew ein.[7] Bei den Wahlen 2010 unterstützte er die Partei Starke Ukraine.[8] Bis 2014 war er hauptsächlich in der Donezker Lokalpolitik aktiv.

Ab 2014[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Ausbruch der prorussischen Proteste wurde Gubarew einer der Wortführer der Bewegung und ist seitdem einer der Anführer der „Volkswehr des Donbass“.[9] Sein rascher Aufstieg war „überraschend“. [10] „Er repräsentierte keine Gruppe und sein Auftauchen als Organisator von Massenprotesten war total unerwartet“. Im Mai 2014 stellte er dem ukrainischen Staat ein Ultimatum, dessen Truppen aus den separatistischen Volksrepubliken Donezk und Lugansk abzuziehen; andernfalls drohte er mit einem Angriff der pro-russischen Separatisten.[11] Inzwischen ist er Vorsitzender der Partei „Neurussland“(Partija Noworossija/PN), die am 13. Mai von Waleri Korowin, Alexander Prochanow und Alexander Dugin gegründet wurde.[12]

Am 25. Juli 2014 wurde er zusammen mit seiner Frau Jekaterina Gubarewa im Zusammenhang mit der russischen Politik zur Ukraine auf die Sanktionsliste der Europäischen Union gesetzt.[13] Seine Frau war als "Ministerin für Auswärtige Angelegenheiten" benannt worden.[14]

In der Nacht vom 12. auf den 13. Oktober 2014 wurde Gubarew auf einer Fahrt vom russischen Rostow am Don nach Donezk verletzt, nachdem sein Fahrzeug in der umkämpften Oblast Donezk unter Beschuss geriet. Er lag in einem Krankenhaus in Rostow am Don mindestens einen Tag im Koma.[15][5] Am 10. November 2014 wurde er aus dem Krankenhaus entlassen und kehrte genesen nach Donezk zurück.[16]

Rolle bei den prorussischen Protesten in Donezk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Proteste für Gubarews Freilassung (8. März 2014)

Am 1. März 2014 stürmten Aktivisten der „Volkswehr Donbass“ unter Gubarews Führung das Gebäude der Regionalverwaltung in Donezk. Sie hissten die russische Flagge[9] und drängten die Deputierten ein „Referendum“ über die Zukunft der Oblast anzusetzen[17]. Da diese das nicht taten, machten die Besetzer dies „an deren Stelle“ und ernannten Gubarew zum „Volksgouverneur“.[9] Dabei wurde Gubarew als Gegenspieler von Sergei Taruta gesehen, den die Kiewer Zentralregierung kurz zuvor zum Gouverneur der Oblast bestimmt hatte.[17] Nach der zeitweisen Rückeroberung des Gebäudes durch die Staatsmacht wurde Gubarew verhaftet.[9]

Ihm drohten bis zu zehn Jahren Gefängnis. Seine Freilassung wurde zur Hauptforderung der prorussischen Bewegung in der Region,[6] er selbst trat einen Hungerstreik an[18]. Am 7. Mai wurde Gubarew im Austausch mit entführten Offizieren des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU freigelassen.[19]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://vip.tyzhden.ua/Chronicle/104308
  2. http://www.rg.ru/2014/05/12/gubarev.html
  3. Far-Right Forces are Influencing Russia's Actions in CrimeaThe New Republic 17. März 2014
  4. a b Offizielle Facebook-Seite von Gubarew (Memento vom 1. Juli 2014 im Webarchiv archive.is)
  5. a b Eastern Ukraine Rebel Leader Pavel Gubarev Is Unconscious After Attack, VICE News, 13. Oktober 2014.
  6. a b c Pro-Russian Gubarev, a symbol of east Ukraine separatism, AFP am 9. März 2014
  7. http://novosti.dn.ua/details/28891/
  8. http://novosti.dn.ua/details/138307/
  9. a b c d Kiew kämpft mit den Oligarchen um die Ostukraine, Die Welt am 16. März 2014
  10. Pro-Russian Gubarev, a symbol of east Ukraine separatismAgence France-Presse, 10. März 2014
  11. Kriegserklärung an den Ukrainischen Staat auf Kaliningrad Domizil mit sicher unverfälschter Übersetzung
  12. Jens Berger: Separatisten in der Ostukraine – die Geister, die wir riefen
  13. Amtsblatt der Europäischen Union: Durchführungsverordnung (EU) Nr. 810/2014 des Rates der Europäischen Union vom 25. Juli 2014.
  14. Vesti.ru, 11. April 2014
  15. http://www.bbc.com/news/world-europe-29593949
  16. "Gouverneur der Menschen", der ehemalige Donbass Gubarev aus dem Krankenhaus entlassen, in Tass, abgerufen am 30. April 2015
  17. a b Die neuen Herren von Donezk, NZZ am 5. März 2014
  18. http://lenta.ru/news/2014/04/25/hunger/
  19. Putin fordert Verschiebung des Referendums in der Ostukraine, FAZ am 7. Mai 2014