Pechern

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Gemeinde Krauschwitz
Koordinaten: 51° 29′ 15″ N, 14° 51′ 45″ O
Höhe: 121 m ü. NN
Fläche: 29,1 km²
Einwohner: 217 (9. Mai 2011)[1]
Bevölkerungsdichte: 7 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1994
Postleitzahl: 02957
Vorwahl: 035775

Pechern, sorbisch Pěchč, ist eine Ortschaft im nordöstlichen Teil des Landkreises Görlitz (Sachsen). Seit 1994 gehört Pechern zur Gemeinde Krauschwitz. Der Ort liegt am Ostrand des offiziellen sorbischen Siedlungsgebiets in der Oberlausitz.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pechern liegt am westlichen Ufer der Lausitzer Neiße an der Staatsstraße 127, die – der Neiße folgend – von Bad Muskau nach Görlitz führt. In nordwestlicher Richtung liegt Skerbersdorf, in südöstlicher Werdeck. Westlich der Ortslage liegt der Pecherner Ortsteil Neudorf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pechern wird erstmals im Jahr 1398 erwähnt, als der Richter von Pechirn in einem Görlitzer Gerichtsbuch genannt wird.[2] Das Dorf hat die Form eines erweiterten Rundweilers, dürfte also sorbischen Ursprungs sein. Der Name ist wahrscheinlich von den Pechöfen abgeleitet, die im Ort standen. Anders als viele Orte im Umfeld westlich der Neiße war Pechern selbst nicht mit der Standesherrschaft Muskau verbunden, sondern gehörte der Herrschaft Priebus an. Als diese 1413 an das schlesische Herzogtum Sagan fiel, wurde auch Pechern schlesisch. Spätestens seit 1625 gab es in Pechern ein Rittergut, das die Ortsentwicklung nachhaltig beeinflusste.

In Pechern wurde neben der Pechherstellung aus dem Holz der umliegenden Kiefernwälder Land- und Forstwirtschaft getrieben. Weitere Erwerbsquellen waren Köhlerei und Imkerei.

Fachwerkkirche

Das Bestehen der Pecherner Fachwerkkirche ist für die Jahre 1593 und 1597 als Filialkirche Muskaus gesichert. Sie wurde während der Gegenreformation 1668 gesperrt und erst 1747 durch einen Erlass des Königs Friedrich II. wieder geöffnet. Nach einer Sanierung wurde sie 1751 neu eingeweiht. In der fast 80 Jahre währenden Sperrzeit war Pechern nach Podrosche eingepfarrt, zu dessen Kirchspiel der Ort 1855 zugeordnet wurde.

Seit der Inbesitznahme von Schlesien durch Preußen gehörte Pechern dem Kreis Sagan an.[3] Im Zuge der Auflösung des Kreises Sagan wurde Priebus mit den umliegenden Landgemeinden, darunter auch Pechern, 1932 dem Landkreis Rothenburg (Ob. Laus.) eingegliedert.[4]

Im Februar 1945 brannte das nahe gelegene Dorf Wendisch Musta ab. Nach dem Kriegsende wurden die westlich der Neiße liegenden Teile der Provinz Niederschlesien dem Land Sachsen zugeordnet.

Am 1. Januar 1994 schlossen sich die an der Neiße liegenden Gemeinden Krauschwitz, Sagar, Skerbersdorf, Pechern und Klein Priebus zur Einheitsgemeinde Krauschwitz zusammen.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1825[5] 287
1871 351
1885 347
1905 281
1925 418
1933 497
1939 487
1946 546
1950 530
1964 436
1990[6] 255
1993 251
2011[1] 217

Pechern weist eine sehr uneinheitliche Einwohnerentwicklung auf. Während die Zahl im 19. Jahrhundert kontinuierlich ansteigt, ist im letzten Quartal und an der Schwelle zum 20. Jahrhundert ein Rückgang von etwa 20 % auf 281 Einwohner im Jahr 1905 festzustellen. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs steigt diese Zahl um nahezu 75 % auf 487 im Jahr 1939 an. Nach Kriegsende steigt diese Zahl durch Flüchtlinge und Vertriebene aus den besetzten Ostgebieten auf rund 550 an, fällt in den folgenden Jahrzehnten jedoch kontinuierlich und erreicht Anfang der 1990er Jahre mit 250 bis 260 Einwohnern – weniger als die Hälfte im Vergleich zur Nachkriegszeit – einen Tiefstand.

Als Arnošt Muka in den 1880er Jahren eine Statistik der Sorben in der Lausitz aufstellt, liegt Pechern bereits außerhalb des sorbischen Sprachgebiets. Neudorf liegt zu dieser Zeit im Randgebiet, wird in Mukas Statistik jedoch mit den Angaben der Siedlung Brand zusammengefasst. Demnach sind von den 110 Einwohnern in diesen beiden Orten 100 Sorben (91 %).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Neißetal
  • Fachwerkkirche

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Buder (* 1954), deutscher Politiker (DVU), ehemaliger Landtagsabgeordneter in Sachsen-Anhalt
  • Theodor Peckolt (1822–1912), deutscher Apotheker, Pharmazeut, Botaniker und Naturforscher in Brasilien

Quellen und weiterführende Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Von der Muskauer Heide zum Rotstein. Heimatbuch des Niederschlesischen Oberlausitzkreises. Lusatia Verlag, Bautzen 2006, ISBN 3-929091-96-8, S. 241 f.

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Kleinräumiges Gemeindeblatt. (PDF; 236 KB) Zensus 2011 – Krauschwitz. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, S. 5 (7 im PDF), archiviert vom Original am 10. Juli 2018; abgerufen am 9. Juli 2018.
  2. Steffen Menzel: Neue Erkenntnisse zu Ersterwähnungen Oberlausitzer Ortschaften. In: Neues Lausitzisches Magazin. Nr. 137, 2015, S. 149.
  3. Beschreibung des Kreises Sagan im Jahre 1792
  4. Verordnung über die Neugliederung von Landkreisen vom 1. August 1932. In: Preußisches Staatsministerium (Hrsg.): Preußische Gesetzessammlung. Berlin 1932, Kreisreform im Regierungsbezirk Liegnitz, S. 257 (Digitalisat).
  5. Pechern im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  6. Regionalregister Sachsen. Abgerufen am 17. April 2008.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Pechern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien