Peitsche

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Dieser Artikel behandelt ein Schlaggerät. Zu dem ebenfalls als Peitsche bezeichneten Musikinstrument siehe Peitsche (Musikinstrument).
Peitsche
Romal
Angaben
Waffenart: Peitsche
Bezeichnungen: Katze, Knute, Geißel, Bullenpeitsche
Verwendung: Werkzeug, Kulturwaffe, Kommunikationsmittel, Spielzeug, Straf- und Erziehungsmittel
Entstehungszeit: v. Chr.
Einsatzzeit: bis aktuell
Verbreitung: Weltweit
Gesamtlänge: Stock bis 3 m, Schlag bis 4,5 m, Gesamtlänge bis 7,5 m
Griffstück: Holz, Aluminium, Kunststoff, Fiberglas
Besonderheiten: verschiedene Formen
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Eine Peitsche ist je nach Ausprägung ein Schlaggerät, eine Schlagwaffe oder ein Kommunikationsmittel, das aus einem schmalen Lederriemen oder Strick an einem mehr oder weniger langen Stiel besteht.

Aufbau und Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Griff einer Peitsche nennt man Peitschenstiel, Stock oder Knauf. Der Strick oder Riemen wird Peitschenschnur oder Schlag genannt. Der Faden am äußersten Ende der Schnur heißt Treibschnur, Schmitze, Schnäpper oder Knallschnur. In der Schweiz ist auch die Bezeichnung Zwick üblich.

Die Peitsche wird unter anderem zum Berühren (Touchieren) mit Stock oder Schlag verwendet. Sie kann sowohl mit Schlag als auch mit Stock geschlagen werden. Auch ist es möglich, die Peitsche zu werfen. Außerdem findet sie Anwendung zum Erzeugen von Geräuschen – wie Zischen oder Knallen – oder auch von optischen Signalen.

Verschiedene Peitschentypen dienten lange Zeit als Folter- oder Bestrafungsinstrument (siehe Staupenschlag), daher rührt auch ihre Verwendung im BDSM-Bereich.

Häufig dienen Peitschen als Kommunikationsmittel für die Dressur und Ausbildung von Tieren, beispielsweise Pferden und Zirkustieren.

Die kunstfertige Handhabung von Peitschen wird auch als Sport betrieben, ist Bestandteil des Brauchtums und ein Teilbereich der Artistik. Peitschen dienen als Spielzeug, beispielsweise beim Peitschenkreisel.

Peitschenmacher war früher im Handwerk ein dreijähriger Lehrberuf.[1]

Kinematik des Peitschenschlages[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schematische Darstellung des Peitschenschlags

Das Ende einer Peitsche kann, bei korrektem Schlag, auf Überschallgeschwindigkeit beschleunigt werden, was den „Peitschenknall“ hervorruft. Der Knall resultiert aus der Bildung einer Schlaufe, welche sich mit steigender Geschwindigkeit auf das Peitschenende zubewegt und dabei, beim Öffnen am Ende der Schnur, die Schallgeschwindigkeit überschreitet. Die Schnur erreicht im Scheitelpunkt der Schlaufe etwa doppelte Schallgeschwindigkeit und eine Endbeschleunigung in der Größenordnung der 50.000-fachen Erdbeschleunigung.[2] Die theoretische Begründung für dieses Phänomen gelang dem Physiker István Szabó, der in seinen Vorlesungen über die Technische Mechanik zunächst eine solche Peitsche knallen ließ und anschließend die zur Erklärung notwendigen Gleichungen an die Tafel schrieb.

Physikalische Zusammenhänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am unteren Punkt der Bewegungskurve wird die Schlagbewegung plötzlich gestoppt. Die Peitschenschnur vom Griffende bis zum Umlenkungspunkt der Schlaufe S ist gestreckt und weitgehend in Ruhe. Die Peitschenschnur strebt wegen der Fliehkräfte zur vollständigen Streckung. Aus diesem Grund bewegt sich die Schlaufe S axial vom Griff fort, und die Restschnur L, oberhalb der Schlaufe S, wird immer kleiner. Die Masse m dieser Restschnur ist proportional zu ihrer Länge L; daher geht auch die Masse der Restschnur gegen Null. Da die kinetische Energie E = 1/2·m·v² konstant ist, strebt – wegen des Energieerhaltungssatzes – die Geschwindigkeit v gegen unendlich. In der Praxis ist die Maximalgeschwindigkeit der Schlaufe S bzw. des Schnurendes durch innere und äußere Reibungsverluste begrenzt.[3]

Peitschentypen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kinder mit Peitschenkreiseln

Schlaggerät und Schlagwaffe

  • Geißel im eigentlichen Sinne: aus einem Stiel mit mehreren Riemen oder Schnüren, die zur Züchtigung diente. Die Geißel hat an den Enden Knoten oder Gewichte aus Metall, die meist mit Widerhaken versehen sind, so dass sie die Haut des Gegeißelten stark verletzen (siehe Flagellanten)
  • Als neunschwänzige Katze bezeichnet man eine Riemenpeitsche mit neun geflochtenen Tauenden. Sie diente zum Beispiel zur Züchtigung in der Seefahrt. Noch heute wird sie als Symbol und Schlaginstrument im Bereich BDSM verwendet.
  • Die Klopfpeitsche oder Riemenpeitsche wurde im deutschsprachigen Raum bis in die 1970er Jahre hinein zur Züchtigung von Kindern und Jugendlichen genutzt, die mehrriemige Peitsche galt als besonders schmerzhaft. In Frankreich ist sie als Martinet bekannt.

Arbeitsgeräte

  • Bullenpeitsche: Eine einschwänzige Peitsche (Singletail). Es wird im Englischen genauer unterschieden zwischen der Bullwhip mit starrem Griff und der Snakewhip mit biegsamem Griff. Snakewhips können aufgerollt und damit leichter verstaut werden. Sie zählen zum Handwerkszeug von Cowboys.
  • australische Stockpeitsche
  • Tretsche
  • Wengerter-Peitsche: Arbeitsgerät von Weinberghütern
Eggen mit Stockpeitsche

Kommunikationsmittel

  • Fahrpeitsche (Stock- oder Bogenpeitsche)
  • Voltigierpeitsche
  • Longierpeitsche
  • Hetzpeitsche
  • Signalpeitschen für Schlittenhunderennen

Sportgerät oder Bestandteil des Brauchtums

  • Karbatsche
  • Goaßl, die Peitsche beim Aperschnalzen – oft auch mit Schnäpper am Ende
  • Innerschweizer Geißel[4]
  • Chlausgeissel[5]
  • Peitschenkreisel oder Dildop
  • 9-Teile-Peitsche Waffe für asiatischen Kampfsport
  • Stecken – peitschenähnlicher Schläger für die Schweizer Nationalsportart Hornussen

Wortherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine australische Stockpeitsche.
Neunschwänzige Katze im Foltermuseum in Freiburg im Breisgau.

Das Wort ‚Peitsche‘ ist kein ursprünglich deutsches Wort, es wurde im 14. Jahrhundert aus dem Westslawischen entlehnt,[6] siehe das polnische Wort für Peitsche bicz (lies: bitsch), das wiederum auf das urslawische biti (schlagen) zurückverfolgt werden kann, das selbst wohl auf der indogermanischen Wortwurzel *bhau (schlagen) basiert. Siehe auch englisch to beat (schlagen, besiegen) oder altertümlich deutsch Bäuschel (schwerer Hammer) von germanisch *bautan (schlagen).

Das Wort Peitsche hat im Sprachgebrauch weitgehend das ursprüngliche Wort Geißel verdrängt, das heute im Hochdeutschen nur noch in der Bedeutung Züchtigungsinstrument und übertragen im Sinne von Strafe verwendet wird.[7] Im Bairischen wird die Peitsche als Goaßl, das Peitschenknallen als Goaßlschnalzen bezeichnet. Im Schweizerdeutschen ist das Wort Geissel gebräuchlich und es gibt „Geißelchlöpfer“-Vereine.

Das deutsche Wort ‚Knute‘ ist über Umwege mit dem Wort Knoten verwandt und wurde indirekt über das russische knut (Knotenpeitsche) aus dem altnordischen knútr (der Knoten) entlehnt, das in die Gruppe jener indogermanischen Wörtstämme fällt, die mit dem Anlaut kn- eine Verdickung oder Verengung ausdrücken (Vgl. deutsch: Knolle, Knochen, Knopf, Knie, Knauf, kneifen, kneten, knutschen, knapp usw.).[8]

‚Geißel‘ findet sich schon ahd. kaisala, geisila, geisla. Nach Grimm ist es ursprünglich nur der Stiel selbst, weil es sich auch für einfache Hütestöcke findet. Der Übergang auf die Bedeutung ‚Peitsche‘ dürfte in der Zeit der Entlehnung des zweiteren Worts stammen. Bei Grimm ist die Schreibung Geisel ohne »sz« (bzw. heute »ß«) noch das Lemma.[9]

Das Wort Peitsche ist Bestandteil der Redewendung mit Zuckerbrot und Peitsche. Der Begriff Peitscheneffekt ist in der Biomechanik und in den Wirtschaftswissenschaften gebräuchlich.

Peitschen im Pferdesport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Umgang mit Pferden, beim Fahren, Longieren, Voltigieren, bei der Bodenarbeit und Doppellongenarbeit, dient die Peitsche der differenzierten Hilfengebung, also der Kommunikation mit dem Tier. Im Gegensatz zu anderen Verwendungen wird die Peitsche im Pferdesport nicht eingesetzt, um Schmerz zuzufügen, da das Pferd sonst Angst vor der Peitsche hätte und nicht mehr angemessen reagieren würde. Beim Reiten werden in der Regel keine Peitschen, sondern Gerten verwendet.

Bodenarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Bodenarbeit und zirzensischen Lektionen werden nicht nur Gerten, sondern auch kurze Peitschen als Armverlängerung eingesetzt. Diese haben meist einen festen, wenig biegsamen kurzen Stock und einen rund 1,8 m langen weichen Lederschlag und werden als Stick bezeichnet.

Voltigieren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Longenführerin mit Voltigiergruppe und Peitsche

Beim Voltigieren geht das Pferd auf einem Kreis von mindestens 18 m Durchmesser, was einem Radius von mindestens 9 m entspricht. Der Longenführer befindet sich im Mittelpunkt des Zirkels. Voltigierpeitschen haben meist einen 3 m langen Teleskop-Stock und einen 3 m bis 4,5 m langen Schlag. Eine Peitschenlänge von 7,5 m genügt zusammen mit der Armlänge gerade, um das Pferd zu erreichen. Ein längerer Stock macht die Peitsche trotz Teleskopstock unhandlich, ein längerer Schlag verwickelt sich leichter. Der Teleskopstock ist aus dünnem, leichtem, verstärktem Kunststoff-Material (meist GFK), damit die Peitsche im Verlauf der Voltigierstunde für den Longenführer nicht zu schwer wird. Der Schlag ist meistens aus Leder. Am Ende des Schlages ist ein dünner Baumwollfaden als Knallschnur angebracht. Stock und Schlag sind häufig weiß, damit das Pferd die Peitsche gut sehen kann. Die Peitsche wird während des Longierens normalerweise nach schräg oben gehalten, so dass die Voltigierer unter der Peitsche hindurch an der Longe entlang zum Pferd laufen können. Der Schlag liegt nicht andauernd auf dem Boden, da sonst die Voltigierer versehentlich über den Schlag stolpern können. Die Peitsche wird beim Handwechsel nicht auf den Boden gelegt.

Peitschenhilfen müssen überlegt eingesetzt werden, damit sie das Pferd nicht zu Taktfehlern veranlassen, die Punktabzug bringen und Stürze der Voltigierer verursachen können. Es muss sehr präzise gezielt werden, da sonst versehentlich die Voltigierer getroffen werden können. Es gibt treibende, verwahrende und hinausweisende Peitschenhilfen.

treibende Peitschenhilfen

  1. optisch Die Peitsche abgesenkt und zeigt auf die Sprunggelenke des Pferdes, auch Auf- und Abbewegung möglich.
  2. akustisch Schlag von oben zischend hinter das Pferd werfen
  3. touchierend Das innere Hinterbein im Augenblick des Abfußens mit dem Peitschenschlag treffen.

Hinausweisende Peitschenhilfen

  1. kleine hinausweisende Peitschenhilfe Wenn das Pferd die Longe nicht korrekt anspannt, sondern in den Zirkel hereinkommt, dann wird die hinausweisende Peitschenhilfe eingesetzt, indem man mit der abgesenkten Peitsche auf die Schulter des Pferdes zeigt und eine Stimmhilfe (z.B. „raus“) gibt.
  2. große hinausweisende Peitschenhilfe Der Schlag wird vor die Nase des Pferdes geworfen. Die große hinausweisende Peitschenhilfe muss vorsichtig und zielsicher eingesetzt werden, da sie sonst Taktfehler verursacht. Es darf unter keinen Umständen, auch nicht versehentlich, der Pferdekopf getroffen werden.

verwahrende Peitschenhilfe

  1. verwahrend Peitsche nach hinten führen, weg aus dem Gesichtsfeld des Pferdes

Longieren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Longieren werden prinzipiell die gleichen Peitschenhilfen wie beim Voltigieren verwendet. Es gibt aber dennoch Unterschiede, da die Zielsetzung unterschiedlich ist (Ausbildung von Reiter oder Pferd, Bewegung des Pferdes) und häufig kürzere, zusammensteckbare Peitschen aus Voll-Kunststoff, verwendet werden. Der Stock misst meist 1,8 m bis 2 m, der Schlag rund 2 m bis 2,5 m. Diese Peitschen sind billiger, zerbrechen weniger leicht und leichter zu handhaben. Nachteile sind die begrenzte Reichweite und das hohe Gewicht. Häufig ruhen Peitschenspitze und Schlag auf dem Boden und werden alle viertel oder halbe Runde nachgezogen, so dass der Stock zum Vorwärtstreiben kurz auf das Sprunggelenk zeigt. Mit einer 4,5 m langen Peitsche kann das Pferd auf einem 18-m-Zirkel nicht ohne eine störende Bewegung der Longenhand erreicht werden.

Doppellonge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Je nachdem ob die Doppellonge zur Arbeit am langen Zügel, zum Fahren vom Boden oder für die Doppellongenarbeit ähnlich wie eine normale Longe verwendet wird, wird die Doppellonge unterschiedlich lang gefasst und entsprechend werden unterschiedlich lange Peitschen verwendet. Zur Handarbeit am langen Zügel bietet sich eine lange Gerte, zum Fahren vom Boden eine Bogenpeitsche und zum Longieren eine Longier- oder Voltigierpeitsche an.

Fahrsport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Korrekte Peitschenhaltung, Bogenpeitsche

Ordnungsgemäße Peitschenhilfen beim Fahren können nur dann gegeben werden, wenn die Pferde mit Blendklappen ausgerüstet sind, da das Erheben der Peitsche von ihnen eventuell falsch interpretiert werden könnte. Ein individuelles Ansprechen der Pferde wäre nicht möglich. Die normale Peitschenhaltung beim Fahren ist „elf Uhr“, das heißt die von der rechten Hand gehaltene Peitsche zeigt nach schräg links oben, in einem Winkel, der ungefähr elf Uhr entspricht. Je nach Anspannung werden verschiedene Peitschentypen verwendet. Zur Landanspannung (ungarische oder Jucker- Anspannung, Brustblatt) gehört die Stockpeitsche, zur Stadtanspannung (englische Anspannung, Kumt) eine Bogenpeitsche.

Es gibt fünf verschiedene Peitschenhilfen beim Fahren:

  1. treibende Hilfe – bei der treibenden Peitschenhilfe legt der Fahrer die Peitschenschnur von außen an das zu treibende Pferd dicht hinter dem Kammdeckel (oder Sellette) an und gibt mit den Fahrleinen nach
  2. versammelnde Hilfe – während der Peitschenhilfe hinter dem Kammdeckel nimmt der Fahrer vermehrte Verbindung zu den Mäulern auf – danach wird die Hand wieder leicht
  3. verwahrende Hilfe – alleinige Peitschenhilfe hinter dem Kammdeckel dient zur Korrektur von Stellung und Biegung des einzelnen Pferdes
  4. strafende Hilfe – wird beim Fahren in der Regel am Bug des Pferdes gegeben, wird im deutschen Fahrsport nicht gelehrt.
  5. helfende Hilfe – während des Fahrens werden lästige Insekten, zum Beispiel Bremsen, mit der Peitsche von den Pferden verscheucht. Insbesondere Pferdebremsen können Pferde so schmerzhaft stechen, dass diese unruhig werden und gefährliche Situationen entstehen können. Bremsen lassen sich auch von Insektenspray nicht immer verscheuchen, daher ist die „helfende Peitschenhilfe“ durchaus für die Fahrsicherheit von Bedeutung. Die Pferde dürfen allerdings keine schlechten Erfahrungen mit der Peitsche gemacht haben, da sie sonst die plötzliche Berührung mit der Peitsche nicht an allen Körperteilen tolerieren.
Piköre halten die Hundemeute bei einem Stopp im Kreis, indem sie die Hetzpeitschen hin und her bewegen und so einen imaginären Zaun um die Hunde bilden.

Peitschen in der Tierausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Tierausbildung, beispielsweise der Dressur von Zirkustieren, werden häufig Peitschen zur Kommunikation mit den Tieren eingesetzt. Außerdem werden Stöcke, beispielsweise für das Targettraining verwendet.

Bei Reitjagden verwenden die Piköre Hetzpeitschen um die Hundemeute zu lenken. Auch hier dienen die Hetzpeitschen als Kommunikationsmittel mit den Hunden. Der gezielte Schlag nach dem Hund wird nur in Ausnahmefällen als ultima ratio verwendet, da sonst die Hunde Angst vor der Hetzpeitsche entwickeln und nicht mehr richtig geführt werden können.

Für Schlittenhunderennen wurden Signalpeitschen entwickelt. Sie sind so kurz, dass man mit ihnen zwar knallen, die Schlittenhunde vor dem Schlitten aber nicht aus Versehen treffen kann.

Körperstrafe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Europa wurde die Peitsche im Mittelalter und auch noch in der frühen Neuzeit eingesetzt, beispielsweise bei der Bamberger Tortur, im Rahmen der Leibeigenschaft oder der Disziplinierung von Schiffsmannschaften. In den USA wurden noch im 19. Jahrhundert Sklaven mit Peitschen misshandelt. (Siehe: Sklaverei in den Vereinigten Staaten). Im 20. Jahrhundert wurden Peitschen weltweit in Diktaturen zur Misshandlung verhafteter oder internierter Regimegegner verwendet.

In zahlreichen islamischen Ländern wird die Peitsche als Züchtigungsinstrument im Strafvollzug im Rahmen der Körperstrafe verwendet. So wurde z.B. die Iranerin Sakineh Mohammadi Ashtiani zu 99 Peitschenhieben verurteilt, der saudische Blogger Raif Badawi zu 1000 Hieben.

Selbstgeisselung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geißlerdarstellung in der Konstanzer Weltchronik, Handschrift 15. Jahrhundert

Formen der Kasteiung im Sinne der Askese gab und gibt es nahezu in allen Kulturen. Was seit dem elften Jahrhundert fester Bestandteil des christlichen Klosterlebens war – die freiwillige Selbstgeisselung – breitete sich später immer mehr aus. Bei der Selbstgeisselung im Sinne der spirituellen Askese handelt es sich jedoch um eine relativ späte, mittelalterliche und neuzeitliche Praxis. Sie war keine Erfindung des Christentums, denn Spuren davon finden sich in den alten Kulturen der Hebräer, Perser und Inder. Der italienische Benediktinereremit und Kardinal Petrus Damiani (1007–1072) war jedoch der Erste, der die Geisselung anpries. Er propagierte sie als Geste der Busse, der Imitatio Christi und als spirituelles Therapeutikum zur Erregung erlahmter Gefühle. Die Frömmigkeits- und Bussausübung – „disciplina“ genannt – gipfelte später in der Zählung der Schläge und Aufrechnung gegen die begangenen Sünden. Erst als im 14. Jahrhundert die Sekte der so genannten Kryptoflagellanten Zulauf bekam und Geisselung über die heiligen Sakramente zu stellen wagte, wurde dies als Ketzerei gewertet, die Geisslerzüge bekämpft und von der heiligen Inquisition verboten. Überbleibsel der Geisselungs-Traditionen finden sich bei den Ritualen in der Karwoche und beim Knecht Ruprecht mit seiner Rute am 6. Dezember.[10]

Im Islam gibt es auch die Selbstgeisselung. Ein Beispiel bei den Schiiten sind die Trauer- und Bußrituale anlässlich der schiitischen Passionsspiele, insbesondere am Märtyrer-Gedenktag Aschura.

Die Peitsche als Medizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterstützt wurde die Geißelungspraktik auch von der Medizin im Mittelalter: „Die Geisselung erhitze und reinige das Gemüt von der depressiven Stimmung, die nach der Viersäftelehre aus einem trockenen und kühlen Temperament hervorgehe.“ Ferner wiesen damals Mediziner darauf hin, dass die Geißelung auf Gesäß und Lenden sexuell stimuliere und sie wurde daher bei ermattetem Geschlechtstrieb als Aphrodisiakum oder bei Frauen bei Fruchtbarkeitsstörungen verordnet. [11]

Der deutsche Arzt und Professor der Medizin Johann Heinrich Meibom verfasste - unter zahlreichen Werken - 1639 auch eine medizinische Würdigung der Flagellation unter dem Titel Epistel über die Nützlichkeit der Geißelhiebe beim Liebesspiel. Diese Schrift entwickelte sich zum „Bestseller“ und wurde in mehrere Sprachen übersetzt, später bis in das 19. Jahrhundert hinein neu aufgelegt.[12]

Sexualität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auspeitschen wird auch als Sexualpraktik verwendet, um sexuelle Lust zu erzeugen. Die Vorliebe für sexuelle Flagellation wird Flagellantismus genannt und zählt zur sexuellen Spielart des BDSM. Im Bereich BDSM werden Peitschen oft von Tops eingesetzt. Sie dienen sowohl zur Bestrafung wie auch zum Lustgewinn. Hierbei werden vor allem mehrschwänzige Peitschen eingesetzt. Neben Flogger genannten Modellen mit Riemen aus sehr weichen Lederstreifen werden auch Neunschwänzige Katzen häufig verwendet (s. Abbildungen). Singletail-Peitschen bedingen ein im Vergleich wesentlich höheres Verletzungsrisiko und werden daher in der Regel erst nach langer Übung eingesetzt.

Drei weiche Lederpeitschen („Flogger“) für BDSM
Neunschwänzige Katze aus dem Bereich BDSM

BDSM-typische Modellvariationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Je nach verwendetem Material und Machart unterscheidet sich die Wirkung unterschiedlicher Modelle erheblich.[13]

  • Handgriffe sind in unterschiedlichsten Ausführungen anzutreffen. Diese reichen von klassischen aus Leder geflochtenen Modellen, über einfache Rohre oder Vollmetallgriffe, bis hin zu aus Gummi oder Silikon bestehenden dildoähnlichen Griff-Formen. Es existieren auch mit Silber oder Gold verzierte Peitschengriffe. Preiswerte Selbstbaulösungen basieren teilweise auf Fahrrad- oder Motorradlenkergriffen.
  • Die Aufhängung der Riemen („Tails“) erfolgt entweder fest wie bei klassischen Peitschen, oder es werden Steck-Gelenkverbindungen verwendet, die es nicht nur ermöglichen, die Riemen zu drehen, sondern mit einem Handgriff die Riemenarten auszuwechseln (sog. „Reisesets“).
  • Im BDSM-Bereich werden die Riemen der Peitschen nicht nur klassisch aus Leder, sondern auch aus fast allen anderen Materialien hergestellt.
    • Pferdehaar: Ein Handgriff, an den Teile eines Pferdeschwanzes von ca. 20–40 cm Länge gesetzt werden. Ihre Schlagkraft ist gering, aber durch die vielen hundert feinen Härchen erzeugen sie einen feinen stechenden Schmerz.
    • Gummi oder Latex: Ein Handgriff, an dem häufig bis zu 30 Gummischnüre (Länge ca. 25–30 cm) befestigt sind.
    • Ketten: Ein Handgriff, an dem etwa 10 bis 30 dünne Ketten (Länge 20–30 cm) befestigt sind. Dies können auch die aus Badezimmern bekannten Kugelketten sein.
    • Gummischnüre: Ein Handgriff, an dem sehr viele sehr dünne Schnüre befestigt sind. Sehr weich und eher den Floggern zuzuordnen.
    • Frottee: Vom Handtuch abgewandelt, Griff und Tail geformt aus Frotteestreifen, die sanft oder hart wirken, je nachdem, ob sie trocken oder feucht sind.

Eine Unterart der Peitschen im BDSM-Bereich sind Flogger. Sie werden aus weichen Materialien wie Wildlederriemen oder Latex- oder Kunststoffstreifen gefertigt. Die vielen Riemen erzeugen einen hohen Luftwiderstand und erzeugen beim Auftreffen ein charakteristisches Geräusch. Oft werden sie mit drehbaren Gelenken zwischen Griff und Riemen hergestellt, so dass sie in kreisende Bewegungen versetzt werden können.

Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Synchronisiertes Schlagen mit zwei Peitschen. Flogging-Vorführung auf der Folsom Street Fair 2004, San Francisco

Das sehr breite Spektrum unterschiedlichster Peitschenmodelle kann mitunter ein zur jeweiligen BDSM-Session passendes Detailwissen aus so unterschiedlichen Gebieten wie Anatomie oder Physik notwendig machen, um diese sicher und lustvoll zu gestalten. Praktische Sicherheitsaspekte sind generell von entscheidender Bedeutung.[14][15] Beim Einsatz von Peitschen kann das motorische Können und das anatomische Wissen den Unterschied zwischen einer befriedigenden Session, äußerst unangenehmen Erfahrungen und schweren körperlichen Schäden ausmachen. Um einen psychologischen Absturz des Bottoms frühzeitig zu erkennen und nach Möglichkeit zu vermeiden bzw. um ihn nach einem solchen Absturz „aufzufangen“, ist es wichtig, dessen Reaktionen einfühlsam zu verfolgen und entsprechend zu reagieren.[16][17] Das Aufwärmen der betroffenen Körperregionen, z. B. durch den gezielten Einsatz von Floggern, um eine bessere Durchblutung zu fördern und so das Verletzungsrisiko zu reduzieren, ist weit verbreitet.[18][19] Ohne ausreichende Kenntnisse und Können besteht sowohl für Top als auch für Bottom ein stark erhöhtes Verletzungsrisiko, das von offenen Wunden über Augen-, Ohren- und Organverletzungen bis hin zu Knochenbrüchen reichen kann.[20]

Verwendung als Waffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei chinesischen Kampfkünsten ist die Verwendung von Peitschen aus Leder und Metall als Waffe bekannt.[21]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Warum Peitschen knallen und mehr sind als Folterwerkzeuge, schwaebische.de vom 4. Mai 2012, abgerufen 15. Oktober 2012
  2. Webseite geo-Magazin: Wie die Peitsche knallt, Untersuchungen der Ernst-Mach-Institut für Kurzzeitdynamik der Fraunhofer-Gesellschaft und der University of Arizona
  3. Mechanik des Peitschenschlags
  4. Chlauschlöpfe
  5. Chlauschlöpfe
  6. Duden 7: Etymologie (1963), S. 499
  7. Duden 7: Etymologie (1963), S. 206
  8. Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24. durchgesehene und erweiterte Auflage. De Gruyter, 2002
  9. GEISEL, f. flagellum.. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Hirzel, Leipzig 1854–1961 (woerterbuchnetz.de, Universität Trier).
  10. Niklaus Largier: Lob der Peitsche. Eine Kulturgeschichte der Erregung. München 2001. ISBN 3-406-48093-4, zitiert von Josef Amrein auf: http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2001-47/artikel-2001-47-therapie-fuer-er.html
  11. Niklaus Largier: Lob der Peitsche. Eine Kulturgeschichte der Erregung. München 2001. ISBN 3-406-48093-4, zitiert von Josef Amrein auf: http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2001-47/artikel-2001-47-therapie-fuer-er.html
  12. Johann Heinrich Meibom: Tractus de usu flagrorum in re Medica & Veneria. 1639. (lateinisch); als englische Übersetzung unter dem Titel A Treatise on the Use of Flogging in Medicine and Venery erstmals 1761 in London erschienen, Nachdruck 1898 im Verl. Isidore Liseux in Paris
  13. vergleiche Phillip Miller, Molly Devon, William A. Granzig: Screw the Roses, Send Me the Thorns: The Romance and Sexual Sorcery of Sadomasochism. Mystic Rose Books, 1995, ISBN 0-9645960-0-8, S. 143.
  14. vergleiche hierzu Arne Hoffmann: Das Lexikon des Sadomasochismus. Der Inside-Führer zur dunklen Erotik: Praktiken und Instrumente, Personen und Institutionen, Literatur und Film, Politik und Philosophie. Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2000, ISBN 3-89602-290-3, S. 42.
  15. Phillip Miller, Molly Devon, William A. Granzig: Screw the Roses, Send Me the Thorns: The Romance and Sexual Sorcery of Sadomasochism. S. 95 ff.
  16. vergl. Jay Wiseman: SM 101: A Realistic Introduction. S. 316.
  17. Hierzu Dossie Easton, Janet W. Hardy: The New Topping Book. S. 111.
  18. vgl. Phillip Miller, Molly Devon, William A. Granzig: Screw the Roses, Send Me the Thorns: The Romance and Sexual Sorcery of Sadomasochism. S. 146 ff.
  19. vgl. Jay Wiseman: SM 101: A Realistic Introduction. S. 175 ff.
  20. vgl. Jay Wiseman: SM 101: A Realistic Introduction. S. 190.
  21. Retzek, Elies, Hesse: Kampfsport & Selbstverteidigung – Das Nachschlagewerk: Band I – Grundtechniken. Verlag BoD – Books on Demand, 2004, ISBN 978-3-8334-1034-5

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Peitsche – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Peitschen – Sammlung von Bildern