Pelagosaurus

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Pelagosaurus
Abguss von Pelagosaurus typus im Muséum national d'histoire naturelle, Paris

Abguss von Pelagosaurus typus im Muséum national d'histoire naturelle, Paris

Zeitliches Auftreten
Unterer Jura (Toarcium)
183 bis 176 Mio. Jahre
Fundorte
Systematik
Crurotarsi
Crocodylomorpha
Mesoeucrocodylia
Thalattosuchia
Teleosauridae
Pelagosaurus
Wissenschaftlicher Name
Pelagosaurus
Bronn, 1841
Art
  • Pelagosaurus typus Bronn, 1841

Pelagosaurus ("Echse der Hohen See") ist eine ausgestorbene Gattung der Thalattosuchia, das während der Stufe des Toarciums im Unterjura in den flachen Schelfmeeren lebte, die zu jener Zeit große Teile des heutigen Westeuropa bedeckten. Die Typusart Pelagosaurus typus wurde im Jahr 1841 von dem deutschen Paläontologen Heinrich Georg Bronn beschrieben.[1] Die Taxonomie von Pelagosaurus ist seit Jahren heftig umstritten. Pelagosaurus ähnelte in Hinsicht auf Anpassung und Freßgewohnheiten stark dem modernen Gharial.

Entdeckungsgeschichte[Bearbeiten]

Fossil von Pelagosaurus typus.

Pelagosaurus wurde ursprünglich anhand eines Exemplars aus der Normandie beschrieben, der Holotypus von P. typus wurde nördlich der englischen Stadt Ilminster in Somerset gefunden. Die meisten Pelagosaurus-Überreste wurden in der Region von Ilminster entdeckt, aber auch in anderen Gebieten Westeuropas, in Frankreich und Deutschland, fand man zahlreiche Fossilien, überwiegend Schädel und vollständig erhaltene Skelette. Die Exemplare aus der Region Somerset kommen hauptsächlich aus dem Strawberry-Bank-Steinbruch nördlich von Ilminster; obwohl die Fundstelle weitere Fossilien enthielt, ist sie in der Zwischenzeit überbaut worden. Eines der geborgenen Individuen war nicht ausgewachsen, so dass Einblicke in die Wachstumsmuster von Pelagosaurus möglich wurden.[2]

Klassifikation[Bearbeiten]

Die evolutionären Beziehungen des Pelagosaurus sind insofern unübersichtlich, als die genau Stellung innerhalb der Thalattosuchia umstritten ist:

  1. Teleosaurid: Die auf anatomischen Gemeinsamkeiten basierende Klassifikation von Pelagosaurus als ein Teleosaurid ist von Eudes-Deslongchamps, Westphal and Duffin unterstützt worden.[3][4][5][6][7]
  2. Metriorhynchid: Buffetaut hat Pelagosaurus als einen basalen Vertreter der Metriorhynchidae eingeordnet.[8][9]
  3. Basaler Thalattosuchier: Phylogenetische Analysen aus den 1980er, 1990er and frühen 2000er Jahren haben jedoch ergeben, dass Pelagosaurus Schwestertaxon sowohl der Teleosauriden als auch der Metriorhynchiden ist.[10][11][12]

Neuste phylogenetische Analysen haben allesamt festgestellt, dass Pelagosaurus ein basaler Teleosauride und kein basaler Metriorhynchide oder Thalattosuchier ist.[13][14][15]

Mosellaesaurus (Monard 1846) ist ein Synonym von Pelagosaurus.

Ökologie[Bearbeiten]

Pelagosaurus, Lebendrekonstruktion

Pelagosaurus war gut an eine aquatische Lebensweise angepasst; Das Tier besaß eine lange stromlinienförmige Schnauze, einen Schwanz mit flossenartigen Eigenschaften und paddelartigen Gliedmaßen, um in den warmen und seichten Gewässern jener Zeit herumzuschwimmen. Pelagosaurus hatte 30 Zähne, mit denen das Tier beim Schwimmen Fische, Krebstiere und Insekten jagen und greifen konnte. Im Magen eines fossilen Exemplars von Pelagosaurus fand man die Überreste eines Leptolepis, eines frühen Vertreters der Echten Knochenfische gefunden. Die nach vorne gerichteten Augen und der stromlinienförmige Körper weisen darauf hin, dass es sich bei Pelagosaurus um einen Hetzjäger handelte und nicht um einen Aasfresser oder Lauerjäger. Pelagosaurus war den modernen Krokodilen ausgesprochen ähnlich und bewegte sich wahrscheinlich auf eine ähnliche Art mit schlängelnden Bewegungen des Schwanzes fort, obgleich die vertebrale Struktur etwas agiler war als bei den modernen Krokodilen. Dies erlaubte eine höhere Beweglichkeit im Wasser. Pelagosaurus verbrachte die meiste Zeit im Wasser und begab sich wohl nur zur Eiablage oder zum Ausruhen an Land.[2]

Nachweise[Bearbeiten]

  1. Bronn HG. 1841. Über die fossilen Gaviale der Lias-Formation und der Oolithe. Archiv für Naturgeschichte, Berlin 8:77–82.
  2. a b Pierce SE, Benton MJ. 2006. Pelagosaurus typus Bronn, 1841 (Mesoeucrocodylia: Thalattosuchia) from the Upper Lias (Toarcian, Lower Jurassic) of Somerset, England. Journal of Vertebrate Paleontology 26 (3): 621–635.
  3. Eudes-Deslongchamps JAE. 1863. Mémoire sur les Téléosauriens de l’époque Jurassique du Département de Calvados. Mémoires de la Société Linnéenne de Normandie 13:1–138.
  4. Eudes-Deslongchamps EE. 1877. Le Jura Normand, 4. F. Savy (ed). Paris. 60 pp.
  5. Westphal F. 1961. Zur Systematik der deutschen und englischen Lias Krokodilier. Neues Jahrbuch für Geologie und Paläontologie, Abhandlungen 113:207–217.
  6. Westphal F. 1962. Die Krokodilen des deutschen und englischen oberen Lias. Palaeontographica, Abteilung A 118:1–96.
  7. Duffin CJ. 1979. Pelagosaurus (Mesosuchia, Crocodilia) from the English Toarcian (Lower Jurassic). Neues Jahrbuch für Geologie und Paläontologie, Monatshefte 1979:475–485.
  8. Buffetaut E. 1980. Position systématique et phylogénetique du genre Pelagosaurus Bronn, 1841 (Crocodylia, Mesosuchia), du Toarcian d’Europe. Geobios 13:783–786.
  9. Buffetaut E. 1982. Radiation évolutive, paléoécologie et biogéographie des crocodiliens mésosuchiens. Mémoires de la Sociéte Géologique de France 42:1–88.
  10. Benton MJ, Clark JM. 1988. Archosaur phylogeny and the relationships of the Crocodylia; pp. 295–338 in MJ. Benton (ed.), The phylogeny and classification of the tetrapods, Vol. 1. Amphibians, Reptiles, Birds. Systematic Association Special Volume 35A. Clarendon Press, Oxford.
  11. Clark JM. 1994. Patterns of evolution in Mesozoic Crocodyliformes; pp. 84–97 in NC. Fraser and H-D. Sues (eds.), In the shadow of the dinosaurs: Early Mesozoic tetrapods. Cambridge University Press, Cambridge and New York.
  12. Buckley GA, Brochu CA, Krause DW, Pol D. 2000. A pugnosed crocodyliform from the Late Cretaceous of Madagascar. Nature 405:941–944.
  13. Mueller-Töwe IJ. 2005. Phylogenetic relationships of the Thalattosuchia. Zitteliana A45: 211–213.
  14. Gasparini Z, Pol D, Spalletti LA. 2006. An unusual marine crocodyliform from the Jurassic-Cretaceous boundary of Patagonia. Science 311: 70-73.
  15. Young MT. 2007. The evolution and interrelationships of Metriorhynchidae (Crocodyliformes, Thalattosuchia). Journal of Vertebrate Paleontology 27 (3): 170A.