Perdikkas (Diadoche)

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Perdikkas (griechisch Περδίκκας; † 320 v. Chr., in der Forschung wurde sein Tod jedoch lange Zeit in das Jahr 321 v. Chr. datiert)[1] war ein General Alexanders des Großen. Nach dem Tode Alexanders wurde er Regent des Reichs. Alexander, der ihn sehr schätzte, soll ihm auf dem Totenbett seinen Siegelring übergeben haben.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufstieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Perdikkas war ein Sohn des Orontes aus dem Königshaus der makedonischen Provinz Orestis.[2] Seine militärische Karriere begann er bereits unter König Philipp II., dem er als Leibwächter (somatophylax) diente. Bei der Ermordung des Königs 336 v. Chr. war er einer der drei Leibwächter, die den Attentäter Pausanias eigenhändig töteten.[3] Alexander der Große, der nun neuer makedonischer König wurde, ernannte Perdikkas sofort zum Befehlshaber einer Taxis der Pezhetairoi. Er kommandierte dabei Soldaten aus der Orestis und Lynkestis, für welche Aufgabe er schon aufgrund seiner Geburt besonders geeignet war.[4] Als Feldherr wird er erstmals 335 v. Chr. im Kampf gegen die Triballer genannt.[5] Im selben Jahr zeichnete er sich bei der Eroberung Thebens aus, bei der er schwer verwundet wurde.[6]

Auf dem Asienfeldzug Alexanders nahm Perdikkas als Befehlshaber einer Phalanx an allen großen Schlachten teil, so zuerst am Granikos.[7] Bei der Schlacht von Issos kämpfte er 333 v. Chr. als Kommandant seiner Taxis auf dem rechten Flügel[8] und wurde 331 v. Chr. während der Schlacht von Gaugamela, bei der er mit seinen Truppen in der Mitte der Phalanx stand,[9] erneut verwundet.[10] Im Januar 330 v. Chr. erscheint er bei der Einnahme des strategisch bedeutenden Gebirgspasses der „persischen Tore“ weiterhin als Regimentskommandant.[11] Im weiteren Verlauf des Feldzuges wurde er 330 v. Chr. zu einem Leibwächter Alexanders und zum Kommandanten einer Kavallerieschwadron ernannt.

Als der Makedonenkönig im Frühjahr 328 v. Chr. endgültig den Widerstand in Sogdien brechen wollte, war Perdikkas der Anführer einer der fünf selbständig operierenden Heeresgruppen, die damals in Sogdien einfielen und sich in Marakanda wieder vereinigten.[12] Perdikkas nahm sodann am Indienfeldzug Alexanders teil. Er kommandierte zunächst 327 v. Chr. zusammen mit Hephaistion jene Truppen, die unter dem Geleit des Fürsten Taxiles den Fluss Kophen abwärts und durch die Landschaft Peukelaotis marschierten, die dabei durchzogenen Gebiete unterwarfen (etwa nach längerer Belagerung die Stadt des Fürsten Astes erstürmten) und dort auf den Indus stießen, wo er den Kophen aufnahm. Sie begannen mit der Errichtung einer Schiffsbrücke über den Indus, die beim Eintreffen Alexanders, der inzwischen nördlich des Kophen gegen kriegerische Gebirgsstämme gekämpft hatte, fertiggestellt war.[13] Während der Schlacht am Hydaspes (Juni 326 v. Chr.) befehligte Perdikkas mit Hephaistion die Kavallerieattacke gegen den linken Flügel des indischen Königs Poros.[14] Er war auch als Kommandant eines Truppenkontingents am Angriff auf den Zentralort der Maller beteiligt.[15] Während dieses Sturms wurde Alexander durch einen Pfeilschuss schwer verletzt, und laut Arrian[16] schrieben einige Quellen Perdikkas die Entfernung des Pfeils aus der Brust des Königs zu, andere hingegen dem Arzt Kritodemos von Kos.[17] Nach der Genesung und Abreise des Königs fiel Perdikkas die Aufgabe zu, die noch im Gebiet der Maller stationierten Truppen Alexander nachzuführen. Dabei besiegte er einen kriegerischen Nachbarstamm der Maller, die Abastanen, und vereinigte danach seine Soldaten mit jenen Alexanders, der am Zusammenfluss des Akesines und Indus lagerte.[18]

Während der folgenden Kämpfe in Indien und des Rückzugs nach Westen taucht Perdikkas nicht in den Quellen auf. Erwähnt wird er erst wieder anlässlich der Massenhochzeit in Susa 324 v. Chr., auf der er die Tochter des Atropates, des Satrapen von Medien, heiratete.[19] Als wenig später Hephaistion, der enge Vertraute Alexanders, unerwartet starb, wurde Perdikkas dessen Nachfolger als Anführer der Hetairenreiterei und rückte nun zu einem der höchstrangigen Getreuen des Königs auf. Der Titel Chiliarch, den Hephaistion geführt hatte, wurde jedoch nicht mehr vergeben.[20] Im Mai 323 v. Chr. gehörte Perdikkas zu jenen Freunden Alexanders, die mit dem König in Babylon am Trinkgelage des Medios von Larissa teilnahmen.[21] Bald danach erkrankte Alexander tödlich und Perdikkas blieb an dessen Sterbelager.[22]

Alexanders Tod und Nachfolgefrage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Profil dieses Reiters auf dem „Alexandersarkophag“ wurde häufig für eine Darstellung des Antigonos Monophthalmos gehalten. Da es sich dabei allerdings um eine Szene aus der Schlacht von Issos handelt, gilt dies mittlerweile als unwahrscheinlich. Hingegen wird heute eine Darstellung des Perdikkas angenommen. Auf einer Giebelseite des Sarkophags wird zudem seine Ermordung dargestellt.
(Archäologisches Museum Istanbul)

Alexander der Große soll auf seinem Sterbebett in Babylon seinen Siegelring an Perdikkas weitergereicht haben,[23] mit dem Wunsch, dass „der Stärkste“ die Herrschaft über sein Reich übernehme. Manche Quellen führen dies als Legitimierung des Nachfolgeanspruchs an.[24] So berichtet der Alexanderhistoriker Curtius Rufus, dass der Leibwächter (Somatophylax) Aristonous während der Beratungen zur Neuordnung des Reichs die Ansicht vertrat, durch die Weiterreichung des Siegelrings an Perdikkas habe Alexander selbst diesen zu seinem Nachfolger bestimmt.[25] Demgegenüber hält etwa Siegfried Lauffer zwar die Übergabe des Siegelring an Perdikkas für glaubhaft, meint aber, dass Perdikkas dabei als Ranghöchster vom sterbenden Makedonienkönig vielleicht nur mit der Übernahme der Regierungsgeschäfte betraut wurde, aber nicht ohne Weiteres die Sukzession antreten sollte.[26]

Die Leibwächter riefen nun die wichtigsten Gefolgsleute (Hetairoi) des verstorbenen Königs sowie die militärischen Befehlshaber zu einer ersten Unterredung in den Palast von Babylon. Doch bald zogen auch viele Soldaten vor den Palast und forderten ihr Mitspracherecht ein, sodass sich eine mitstimmungsberechtigte makedonische Heeresversammlung bildete. Perdikkas ließ Alexanders Gewand, Diadem und Waffen ausstellen und legte dort auch den ihm erst Vortag übergebenen Siegelring nieder. Er drang darauf, die Niederkunft der von Alexander hochschwangeren Roxane abzuwarten und wenn sie einen Sohn zur Welt brächte, diesen als neuen König anzuerkennen. Mit dieser Empfehlung stieß er jedoch auf Widerstand, da Roxane nicht makedonischen Geblüts, sondern „Orientalin“ war. Nearchos sprach sich für Herakles, den etwa vierjährigen unehelichen Sohn Alexanders von der persischen Adligen Barsine, als geeigneten Nachfolger aus. Der Wortführer der Infanterie, Meleagros, der in heftiger Opposition zu Perdikkas stand, unterstützte hingegen den Vorschlag eines einfachen Soldaten, den nun ebenfalls zur Versammlung herbeigeholten geistesschwachen Halbbruder Alexanders, Arrhidaios, als neuen König anzuerkennen. Ptolemaios, der später ägyptischer Monarch werden sollte, wandte sich entschieden gegen das Königtum des regierungsunfähigen Arrhidaios oder eines der Söhne Alexanders, in welchem Fall die tatsächliche Macht auf längere Zeit in den Händen eines zu bestellenden Regenten liegen würde. Stattdessen solle ein Gremium der führenden Mitstreiter Alexanders alle bedeutenden Entscheidungen beschließen. Bei den folgenden Beratungen des Führungszirkels setzte sich Perdikkas durch, der – auf Vorschlag Peithons – gemeinsam mit Leonnatos zum Vormund des erwarteten Sohns der Roxane eingesetzt wurde, während Antipater und Krateros die Leitung der Regierungsgeschäfte im europäischen Teil des Reichs übertragen erhielten.[27]

Dies hatte aber eine Empörung der in der Entscheidung außen vor gelassenen Infanteristen (Pezhetairoi) zur Reaktion, die eigenmächtig Arrhidaios unter dem dynastischen Namen Philipp zum König proklamierten und mit Alexanders Gewand bekleideten. Perdikkas zog sich daraufhin mit seinen Gefolgsleuten in den Raum zurück, in dem Alexander aufgebahrt lag, doch die Arrhidaios unterstützenden, von Meleagros angeführten Infanteristen verfolgten Perdikkas und schleuderten Speere nach ihm. In der Folge entwich Perdikkas aus dem Palast, blieb aber in Babylon und scharte die Reiterführer um sich. Mehrere Tage lang herrschte eine gespannte Situation; das Fußvolk übernahm die Kontrolle in Babylon, während Perdikkas die Getreidezufuhr zur Stadt abschnitt.[28]

Bevor es zu einem regelrechten Bürgerkrieg zwischen den Truppenteilen kam, konnte doch noch ein Kompromiss erreicht werden, durch den sowohl Philipp III. Arrhidaios als auch der kurz darauf geborene Sohn Roxanes, Alexander IV. Aigos, als Könige anerkannt wurden.[29] Allerdings waren beide regierungsunfähig. So sollte Perdikkas das Sorgerecht für die Könige übernehmen, aber auch Meleagros eine Machtstellung erhalten. Der von Babylon abwesende Krateros wurde zum Prostates des Königtums ernannt.[30] Mit der Überführung des Leichnams Alexanders nach Ägypten wurde der Feldherr Arrhidaios betraut.[31] Indessen sann Perdikkas nach dem Friedensschluss auf die Beseitigung des Meleagros. Er veranstaltete in der Ebene vor Babylons Mauern eine Musterung des Heeres, bei der die Infanterie und die Kavallerie durch die zwei Hälften eines durchtrennten Hundeleibes marschierten. Dabei forderte König Philipp Arrhidaios auf Perdikkas’ Anstiften von der überraschten Infanterie, die sich der Reiterei und den Elefanten gegenübersah, die Auslieferung der verantwortlichen Rädelsführer der Revolte. Von diesen wurden laut Diodor[32] 30, laut Curtius Rufus[33] hingegen 300 auf Befehl des Perdikkas von den Elefanten niedergetrampelt. Meleagros, den Perdikkas des Mordversuches an ihm beschuldigte, floh in einen Tempel, wo er getötet wurde.[34]

Reichsregent[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nun hatte Perdikkas die führende Stellung inne.[35] Bei der darauffolgenden Neuordnung des Staates (Babylonische Reichsordnung) wurde er wohl neuer Oberbefehlshaber des gesamten Heeres und alleiniger Regent des Reiches.[36] Das Kommando über die Hetairenreiterei trat er an Seleukos ab.[37] Der mit den Veteranen auf dem Rückmarsch nach Makedonien befindliche Krateros verblieb in seinem Amt als Prostates (d. h. Sachwalter, Beschützer) des Königtums, was aber faktisch von Perdikkas ausgeübt wurde, da sich die Könige bei ihm befanden. Ferner sollte Krateros den Königsschatz verwalten. Allerdings ist aus den Quellen nicht klar ersichtlich, wie die Kompetenzen von Perdikkas und Krateros im Einzelnen voneinander abgegrenzt waren.[38] Kassander erhielt die Aufsicht über die königlichen Hypaspistes.[39]

Als Reichsregent führte Perdikkas in Absprache mit den bedeutendsten makedonischen Heerführern sogleich eine Neuverteilung der Satrapien durch, wobei ihm wohl auch daran gelegen war, mächtige Generäle, die mit ihm hätten konkurrieren könnten, vom Reichsheer und damit vom Machtzentrum fernzuhalten.[40] Seine wichtigsten Entscheidungen waren: Ägypten an Ptolemaios, Karien an Asandros, das hellespontische Phrygien an Leonnatos, Medien an Peithon, Thrakien an Lysimachos sowie Paphlagonien und Kappadokien, die aber noch zu erobern waren, an Eumenes. Antipater sollte seine Stellung als Stratege Europas behalten und auch Antigonos Monophthalmos seine bereits von Alexander zugewiesenen Provinzen weiterführen.[41] Weiterhin ließ Perdikkas die Verwirklichung der letzten, schriftlich hinterlassenen Pläne Alexanders von der makedonischen Heeresversammlung als zu teuer ablehnen. Diese Pläne umfassten u .a. die Fertigstellung des Grabmals für Hephaistion in Babylon, den Bau von 1000 Kriegsschiffen und einer Straße entlang der nordafrikanischen Küste bis zur Straße von Gibraltar für einen Feldzug in den Westen gegen Karthago, neue Stadtgründungen sowie die Errichtung von Tempeln in Makedonien, Griechenland und Ilion.[42] Zur Stärkung seiner Stellung verpflichtete sich Perdikkas Roxane, indem er sie bei der Beseitigung ihrer Nebenbuhlerin Stateira sowie von deren Schwester Drypetis unterstützte.[43] An Eumenes, Leonnatos und Antigonos erging der Befehl zur Eroberung von Kappadokien.

Perdikkas’ Autorität als Regent wurde schon früh in Frage gestellt. Noch im Jahr 323 v. Chr. entschied sich Leonnatos, nicht nach Kappadokien zu ziehen, sondern nach Makedonien zu marschieren, um dort Alexanders Schwester Kleopatra zu heiraten. Auch Antigonos Monophthalmos widersetzte sich den ihm gegebenen Anordnungen. Eumenes kehrte nach Babylon zurück, um diese Vorgänge an Perdikkas zu melden. Zusammen zogen sie im Frühjahr 322 v. Chr. mit ganzer Heeresmacht Richtung Kleinasien. An Antigonos sandte Perdikkas die Aufforderung, in seinem Feldlager zur erscheinen, um sich wegen der Befehlsverweigerung vor einem Gericht zu verantworten. Zusätzlich sah Perdikkas seinen Einfluss auf die königliche Familie gefährdet, als die Prinzessin Kynane in Asien erschien, um ihre Tochter mit König Philipp III. Arrhidaios zu verheiraten. Er ließ sie ermorden, doch sein empörtes Heer erzwang dennoch die Hochzeit.

In Kleinasien angekommen, übernahm Eumenes die Eroberung Kappadokiens, während Perdikkas die revoltierenden Pisidier unterwarf, deren Städte Isauria und Laranda er dabei zerstörte. Um seine Position zu stärken, versuchte Perdikkas mit dem Strategen von Europa und Regenten von Makedonien, Antipater, in ein besseres Einvernehmen zu gelangen, indem er erfolgreich um eine Ehe mit dessen Tochter Nikaia bat. Dabei ging es ihm vermutlich auch um eine Isolierung des Antigonos Monophthalmos, der als Freund Antipaters galt. Dies rief aber die Königinwitwe Olympias auf den Plan, die eine Feindin Antipaters war. Sie ließ Perdikkas das Angebot zu einer Ehe mit ihrer Tochter Kleopatra unterbreiten. In Anbetracht der geistigen Unmündigkeit Philipps III. Arrhidaios und der geringen Akzeptanz des Kindkönigs Alexander IV. Aigos (er war Sohn einer Asiatin) bedeutete diese Verbindung für Perdikkas eine Möglichkeit für die Übernahme des Königthrons. Antigonos Monophthalmos erfuhr jedoch von diesem geheimen Plan und floh zu Antipater.

Untergang im ersten Diadochenkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Zusammengehen von Antigonos mit Antipater und Krateros leitete faktisch einen bewaffneten Konflikt mit ihnen ein. Nun verstieß Perdikkas auch Nikaia, um die Ehe mit Kleopatra zu schließen. Seinen Gegnern schloss sich auch Ptolemaios an, der im Frühjahr 321 v. Chr. den Leichenzug Alexanders nach Ägypten umgeleitet hatte. Da Perdikkas aber den Transport des Leichnams nach Makedonien angeordnet hatte, stellte dies eine erneute Infragestellung seiner Autorität dar. Er erklärte seine Gegner zu Reichsfeinden und übertrug die Satrapie Phrygien am Hellespont an Eumenes, Lykien und Phrygien an Asandros und Kilikien an Philoxenos. Seinen treuesten Freund Eumenes ernannte er zudem zum Strategen Kleinasiens und übertrug ihm so den Kampf gegen Antipater und Krateros. Um diese zusätzlich zu binden, nahm Perdikkas mit mehreren griechischen Städten Kontakt auf und versprach ihnen die Freiheit, wenn sie sich gegen Antipater erheben würden (diese Politik wurde später von Polyperchon und Antigonos Monophthalmos aufgegriffen).

Perdikkas selbst wandte sich mit dem Reichsheer gegen Ptolemaios und zog im Frühjahr 320 v. Chr. über Damaskus nach Ägypten. Dabei hielt er ein Gericht über Ptolemaios, dem er vorwarf, widerrechtlich Hand an die Leiche Alexanders gelegt und die Griechen von Kyrene ihrer Freiheit beraubt zu haben. Der Historiker Arrian berichtete, dass Ptolemaios persönlich im Feldlager erschien, um sich zu verteidigen.[44] Obwohl die Heeresversammlung Ptolemaios von aller Schuld freisprach, bestand Perdikkas auf der Durchführung des Feldzuges gegen ihn, womit er sich den Unwillen seiner Untergebenen zuzog.

Bei Pelusium, das Ptolemaios gut befestigt hatte, schlugen mehrere Versuche, den Nil zu überqueren, fehl. Unter anderem ordnete Perdikkas die Ausräumung eines längst versandeten Kanals an, um das Wasser aus dem Nil abzuführen. Dabei verlor er mehrere Männer, als das Wasser noch während der Arbeiten unkontrolliert in den Kanal einbrach.[45] Weiterhin scheiterten die Übergänge an dem heftigen Widerstand von Ptolemaios, der Perdikkas’ Krieger immer wieder zurückschlagen konnte. Als sich zu den militärischen Rückschlägen auch noch eine Nahrungsknappheit bemerkbar machte, schlug die Stimmung um. In einer Nacht wurde Perdikkas von den Offizieren Peithon, Antigenes und Seleukos getötet.

Der Historiker Hieronymos von Kardia berichtete, dass kurz nach dem Mord die Nachricht von Eumenes’ Sieg gegen Krateros das Feldlager erreichte. Wäre sie zwei Tage eher eingetroffen, hätten die Mörder von einer Empörung gegen Perdikkas Abstand genommen. Sein Ende bedeutete einen ersten schweren Schlag gegen die Einheit des Alexanderreichs, da sich opponierende Kräfte gegen den offiziellen Repräsentanten des Einheitsstaates durchsetzen konnten. Über seine Anhänger im Heer wurden durch Schnellgerichte Todesurteile gesprochen und vollstreckt, unter den Opfern befand sich auch seine Schwester Atalante. Die Gefolgsleute, die sich außerhalb des Zugriffs seiner Gegner befanden, darunter sein Bruder Alketas, sein Schwager Attalos und vor allem Eumenes, wurden von den Siegern geächtet.

Damit kommt Perdikkas eine wichtige, wenn auch im Vergleich zu anderen Diadochen recht kurze Rolle in den Entwicklungen nach dem Tode Alexanders und der Neuordnung des großen Reiches zu, das dieser aufgebaut hatte.

Perdikkas ist eine der Hauptfiguren im historischen Roman Funeral Games der Schriftstellerin Mary Renault.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dagegen siehe unter anderem Rathmann, Perdikkas; 320 v. Chr. wird auch meistens in den neueren Handbüchern angenommen (wenngleich nicht immer), siehe Hans-Joachim Gehrke: Geschichte des Hellenismus. München 2003, S. 34f.
  2. Arrian, Anabasis 1, 14, 2; 1, 28, 4; Indike 18, 5.
  3. Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 16, 94, 4.
  4. Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 17, 57, 2.
  5. Arrian, Anabasis 1, 6, 9.
  6. Arrian, Anabasis 1, 8, 1ff.; Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 17, 12, 3.
  7. Arrian, Anabasis 1, 14, 2.
  8. Arrian, Anabasis 2, 8, 3; Curtius Rufus, Historia Alexandri Magni 3, 9, 7.
  9. Arrian, Anabasis 3, 11, 9; Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 17, 57, 2.
  10. Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 17, 61, 3.
  11. Arrian, Anabasis 3, 18, 5.
  12. Arrian, Anabasis 4, 16, 2f.
  13. Arrian, Anabasis 4, 22, 7f.; 4, 28, 5; 4, 30, 9; Curtius Rufus, Historia Alexandri Magni 8, 10, 2.
  14. Curtius Rufus, Historia Alexandri Magni 8, 14, 15.
  15. Arrian, Anabasis 6, 9, 1.
  16. Arrian, Anabasis 6, 11, 1f.
  17. Dieser Arzt wird von Curtius Rufus (Historia Alexandri Magni 9, 5, 23-30) als Kritobulos von Kos bezeichnet.
  18. Arrian, Anabasis 6, 15, 1.
  19. Arrian, Anabasis 7, 4, 5.
  20. Arrian, Anabasis 7, 14, 10; Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 18, 3, 4; Plutarch, Eumenes 1.
  21. Pseudo-Kallisthenes 3, 31, 20f.
  22. Pseudo-Kallisthenes 3, 32, 10f.; Curtius Rufus, Historia Alexandri Magni 10, 5, 6.
  23. Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 17, 117, 3 und 18, 2, 4; Curtius Rufus, Historia Alexandri Magni 10, 5, 4 und 10, 6, 5; Iustinus, Epitoma historiarum Philippicarum Pompei Trogi 12, 15, 12; Metzer Epitome 112; Lukian von Samosata, Dialogi mortuorum 13, 2.
  24. Diskussion dazu bei Michael Rathmann, Perdikkas zwischen 323 und 320, S. 9–26.
  25. Curtius Rufus, Historia Alexandri Magni 10, 6, 16.
  26. Siegfried Lauffer: Alexander der Große. 3. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1993, ISBN 3-423-04298-2, S. 188 f.; ähnlich Werner Huß: Ägypten in hellenistischer Zeit 332–30 v. Chr. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47154-4, S. 81.
  27. Curtius Rufus, Historia Alexandri Magni 10, 6, 1 – 7 , 9; Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 18, 2, 1 ff.; Iustinus, Epitoma historiarum Philippicarum Pompei Trogi 13, 2, 4 – 3, 2; dazu Siegfried Lauffer, Alexander der Große, S. 189 f. und Werner Huß, Ägypten in hellenistischer Zeit 332–30 v. Chr., S. 82 f., der in der äußeren Abfolge der ersten Streitigkeiten der Diadochen um die Neuverteilung der Macht dem Curtius Rufus (Historia Alexandri Magni 10, 6-10), folgt, danach ebenso dieser und die folgenden Absätze dieses Artikels.
  28. Curtius Rufus, Historia Alexandri Magni 10, 7, 10 – 8 , 13; Arrian, FGrH 156 F 1, 2-3;.Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 18, 2, 2 ff.; Iustinus, Epitoma historiarum Philippicarum Pompei Trogi 13, 3, 2-10.
  29. Arrian, FGrH 156 F 1, 1; Dexippos, FGrH 100 F 8, 1; Curtius Rufus, Historia Alexandri Magni 10, 8, 22 f.; Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 18, 2, 4; Iustinus, Epitoma historiarum Philippicarum Pompei Trogi 13, 4, 1-4.
  30. Arrian, FGrH 156 F 1, 1; Dexippos, FGrH 100 F 8, 4.
  31. Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 18, 3, 5; Iustinus, Epitoma historiarum Philippicarum Pompei Trogi 13, 4, 6.
  32. Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 18, 4, 7.
  33. Curtius Rufus, Historia Alexandri Magni 10, 9, 18.
  34. Curtius Rufus, Historia Alexandri Magni 10, 9, 7-21; Arrian, FGrH 156 F 1, 4; Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 18, 4, 7; Iustinus, Epitoma historiarum Philippicarum Pompei Trogi 13, 4, 7 f.
  35. Curtius Rufus, Historia Alexandri Magni 10, 10, 1;.Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 18, 3, 1; Iustinus, Epitoma historiarum Philippicarum Pompei Trogi 13, 4, 9.
  36. Nach Siegfried Lauffer (Alexander der Große, S. 191) übernahm Perdikkas damals das Amt des Chiliarchen und Oberbefehlshabers des Heers, nach Werner Huß (Ägypten in hellenistischer Zeit 332–30 v. Chr., S. 84 f.) besaß er nun als Wesir und Reichsverweser zumindest formal nahezu die gesamte Macht; Fritz Geyer (RE XIX,1, Sp. 608 f.) glaubt hingegen, dass Krateros in Babylon die Reichsverwaltung übertragen bekam, während ihm Perdikkas als unumschränkter Feldherr für Asien und Antipater für Europa unterstanden seien.
  37. Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 18, 3, 4; Iustinus, Epitoma historiarum Philippicarum Pompei Trogi 13, 4, 17.
  38. Siegfried Lauffer, Alexander der Große, S. 191 f.
  39. Iustinus, Epitoma historiarum Philippicarum Pompei Trogi 13, 4, 18.
  40. Werner Huß, Ägypten in hellenistischer Zeit 332–30 v. Chr., S. 86 f.; Fritz Geyer: Perdikkas 4). In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XIX,1, Stuttgart 1937, Sp. 609 f.
  41. Quellen für die babylonische Satrapien-Verteilung: Arrian, FGrH 156 F 1, 3-8; Dexippos, FrGH 100, F 8 (wohl nach Arrian); Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 18, 3, 1-4; Curtius Rufus, Historia Alexandri Magni 10, 10, 1-4; Iustinus, Epitoma historiarum Philippicarum Pompei Trogi 13, 4, 5-25.
  42. Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 18, 4, 1-6 (vielleicht nach dem Historiker Hieronymus von Kardia); diese letzten Verfügungen Alexanders werden z. B. von Fritz Geyer (RE XIX,1, Sp. 610) und Siegfried Lauffer (Alexander der Große, S. 193 f.) für historisch gehalten.
  43. Plutarch, Alexander 77, 6.
  44. FrGrHist 156 F9.28 - Arrian zitierte vermutlich Hieronymos von Kardia
  45. Diodor 17, 33
VorgängerAmtNachfolger
Regent des Alexanderreichs
323–320 v. Chr.
Arrhidaios und Peithon