Perfektoider Raum

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Perfektoide Räume und perfektoide Körper sind in der Algebra und Zahlentheorie spezielle Strukturen, die sich bei der Lösung von Problemen in der arithmetischen algebraischen Geometrie als sehr mächtig erwiesen haben.[1] Eine zentrale Eigenschaft des perfektoiden Raumes ist es, dass er den Zahlenraum der p-adischen Zahlen mit dem der Laurent-Reihen zusammenbringt. Dabei werden, um die Äquivalenz sicherzustellen, an den p-adischen Körper bestimmte Anforderungen gestellt, die erfüllt sein müssen. Die Begriffe „perfektoider Körper“ und „perfektoider Raum“ wurden 2012 von Peter Scholze geprägt und fanden unmittelbar große Aufmerksamkeit bei Zahlentheoretikern. Scholze erhielt für seine Arbeiten zu diesem Themenbereich 2018 die Fields-Medaille.

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Perfektoide Räume sind eine bestimmte Art adischer Räume (eingeführt von Roland Huber), die bei der Untersuchung von Problemen „gemischter Charakteristik“ auftreten, wie zum Beispiel lokaler Körper der Charakteristik Null, die Restklassenkörper mit primer Charakteristik haben.

Ein perfektoider Körper ist ein vollständiger topologischer Körper , dessen Topologie durch eine nicht diskrete Bewertung von Rang 1 induziert wird, sodass der Frobenius-Endomorphismus auf surjektiv ist, wobei den Ring der potenzbeschränkten Elemente bezeichnet.

Anwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Perfektoide Räume dienen dem Zweck, Situationen „gemischter Charakteristik“ mit solchen rein endlicher Charakteristik zu vergleichen. Technische Hilfsmittel für diese Präzisierung sind das tilting von Jean-Marc Fontaine und das Almost purity theorem von Gerd Faltings.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Theorie baut wesentlich auf der grundlegenden Formulierung der arithmetisch-algebraischen Geometrie in der Schule von Alexander Grothendieck auf (Schema-Konzept, verschiedene Kohomologietheorien etc.), auf den Arbeiten von Jean-Marc Fontaine zur p-adischen Geometrie (Fontaine-Ringe), auf Gerd Faltings (almost mathematics, almost purity theorem) und den ersten Versuchen, p-adische Geometrie zu konstruieren (John T. Tate, starre analytische Räume, rigid analytic spaces).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Scholze: Perfectoid spaces. In: Publications mathématiques de l’IHÉS. Band 116, Nr. 1. Springer, November 2012, S. 245–313, doi:10.1007/s10240-012-0042-x, arxiv:1111.4914 (englisch).
  • Peter Scholze: Perfectoid spaces and their applications. In: Sun Young Jang (Hrsg.): Proceedings of the International Congress of Mathematicians. Seoul 2014. Band 2: Invited Lectures. Kyung Moon SA, Seoul 2014, ISBN 978-89-6105-805-6, S. 461–486 (englisch, uni-bonn.de [PDF]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erica Klarreich: Algebraische Geometrie: Peter Scholze – der mathematische Hellseher. In: Spektrum. 1. August 2018 (spektrum.de [abgerufen am 3. August 2018]).