Periodisierung des sportlichen Trainings

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Periodisierung ist die systematische Planung und Durchführung des sportlichen Trainings mit dem Ziel, zum gewünschten Zeitpunkt die bestmögliche Leistung zu erbringen. Hierzu wird das Training sowohl langfristig (mehrjährige Trainingsplanung) als auch im Jahreszyklus und bis in die einzelne Trainingswoche das Training zyklisch angelegt.

Carl Krümmel hat bereits 1930 Training systematisiert.[1] Der sowjetische Physiologe Lew Matwejew gilt als der Erfinder der Theorie der Periodisierung des sportlichen Trainings. Er analysierte das Training und die Ergebnisse in den quantifizierbaren Sportarten (Leichtathletik, Schwimmen, Gewichtheben) der Sowjetischen Olympiamannschaften 1952 und 1956, um zu ermitteln, welche Trainingspläne dazu geführt hatten, dass manche Sportler ihre besten Leistungen bei den Olympischen Spielen erbracht hatten und andere nicht. Hieraus wurden die Trainingspläne für die Olympischen Spiele 1960 entwickelt.[2] Mit dem Erfolg der sowjetischen Mannschaften wurden die Prinzipien Matwejews zunächst im gesamten Ostblock, seit 1972 auch in der Bundesrepublik angewandt. Die frühen Erfolge des Bundesausschusses Leistungssport als Koordinationsorgan des Sports der Bundesrepublik im Deutschen Sportbund mit seinem Direktor Helmut Meyer waren vor allem auf die konsequente Anwendung der Periodisierungsprinzipien zurückzuführen.

Nach dem Niedergang der UdSSR wurden die Periodisierungsprinzipien verändert. Während Matwejew weiter Iwan Petrowitsch Pawlow folgte, d.h. jede/r ist in derselben Weise zu periodisieren, individualisierte Platonov das Training, indem er individuelle biologische Kennwerte berücksichtigte.[3] In den 1990er Jahren wurde auch das Blocktraining (eigentlich Blockperiodisierung) immer populärer. Hier werden in den einzelnen Zyklen besondere Schwerpunkte gesetzt, wodurch ein motorischer Stereotyp durchbrochen werden kann. Besonders für Krafttraining ist es geeignet, da sich so die verschiedenen Muskelgruppen getrennt ansprechen lässt.[4]

In der Trainingsperiodisierung wird typischerweise zwischen drei verschiedenen Zyklen unterschieden: Mikrozyklus (meist eine Woche), Mesozyklus (meist 4 Wochen) und Makrozyklus (je nach Anzahl der Saisonhöhepunkte ein halbes oder ein ganzes Jahr). Es gibt auch im Hinblick auf den gesamten Karriereaufbau Zyklen, durch die z.B. Babypause oder Bildungsabschluss in das Training integriert werden (typischerweise im Jahr nach einer Höchstleistung, z.B. Olympische Spiele).

Besonders problematisch ist die Periodisierung in Mannschaftssportarten mit Ligabetrieb, da die Perioden hier besonders verkürzt werden müssen. Die Zyklen sind wellenförmig aufgebaut und berücksichtigen die Superkompensation.

In den letzten Jahren hat sich auch die Blockperiodisierung (vgl.Blocktraining) eingebürgert. Hierbei werden bestimmte Elemente innerhalb eines Mesozyklus besonders betont, wodurch Stereotype aufgebrochen werden und die sportliche Form besser erhalten werden kann. Bei der Blockperiodisierung wird deutlich, dass es im Training nicht nur um die durch Superkompensation gekennzeichnete Veränderung/Verbesserung von physiologischen Parametern geht, sondern auch um Lernen und somit um Lernkurven, die ein Plateau ohne Superkompensation erreichen. Durch Blocktraining kann im Sinne von massiertem Lernen das Lernplateau aufgebrochen werden.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Carl Krümmel (Hrsg.): Athletik: ein Handbuch der lebenswichtigen Leibesübungen. Lehmann, München 1930.
  2. Arnd Krüger: Nachwort. In: L. P. Matwejew: Periodisierung des sportlichen Trainings. Bartels & Wernitz, Berlin 1972, S. 201–231.
  3. Vladimir N Platonov, Peter Tschiene: Belastung - Ermüdung - Leistung: Der moderne Trainingsaufbau. Philippka-Sportverlag, Münster 1999.
  4. S. Bartolomei, J. R. Hoffman, F. Merni, J. R. Stout: A comparison of traditional and block periodized strength training programs in trained athletes. In: Journal Strength & Conditioning Res. 28(4), 2014, S. 990–997.
  5. Arnd Krüger: Wie funktioniert Blockperiodisierung? Lernkurven und Superkompensationskurven: Besonderheiten der Blockperiodisierung. In: FD Snow. Fachzeitschrift für den Skisport. 32, 2, 2014, S. 22–33.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nico Espig, Dirk Siebert: Periodisierung im Skisport - Wie aktuell ist Matveevs Urtheorie? Belastung und Erholung im Hinblick auf die Erfordernisse der neuen Wettkampfstruktur. In: FD Snow. Fachzeitschrift für den Skisport. 32, 2, 2014, S. 10–21.
  • Arnd Krüger: Periodization or Peaking at the right time. In: Track Technique. 54, 1973, S. 1720–1724.
  • L. P. Matwejew: Periodisierung des sportlichen Trainings. Bartels & Wernitz, Berlin 1972. Übersetzt von Peter Tschiene, bearbeitet und Nachwort (S. 201 – 231) von Arnd Krüger.
  • V. I. Platonov: General theory of training of athletes in Olympic sports. Olympic Books, Kiew 1997.