Peristylhaus mit dem Dionysosmosaik

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Dionysus-Mosaik, ca. 220/230 n. Chr., Römisch-Germanisches Museum Köln

Das Peristylhaus mit dem Dionysosmosaik ist ein römisches Wohnhaus, das 1941 beim Ausheben eines Luftschutzkellers, des Dombunkers, in der Nähe des Kölner Doms gefunden wurde.

Das Haus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekanntheit und Bedeutung des Hauses beruhen vor allem auf dem großen in ihm gefundenen Mosaik, das nach seinem zentralen Motiv „Dionysosmosaik“ genannt wird. Daneben ist es eines der wenigen römischen Häuser in der Colonia Claudia Ara Agrippinensium, dessen Plan halbwegs vollständig bekannt ist, und es ist ein Beispiel für ein Haus in den germanischen Provinzen, das in einem eher mediterranen Stil erbaut wurde.

Das Haus war nord-südlich orientiert und lag am Rheinufer. In der Mitte wies es ein Peristyl auf, in dem sich auch ein Brunnen befand und um das sich alle Räume des Hauses gruppierten. Es konnten mehrere Bauphasen unterschieden werden. Das Haus wurde vermutlich in claudischer Zeit (um 50 n. Chr. oder kurz danach) errichtet, die zweite Bauphase datiert wohl um 80 n. Chr. in flavische Zeit, während um 230 n. Chr. das ganze Haus nochmals vollkommen umgestaltet wurde. In dieser Zeit wurde auch in der Mittelachse des Peristyls ein großes Triclinium errichtet, das mit dem Dionysosmosaik ausgestattet wurde, wobei dieser Raum aber schon vorher ein Mosaik aufwies, das nur noch in Resten festgestellt werden konnte. Einige andere Räume des Hauses waren ebenfalls mit Mosaiken ausgestattet und teilweise mit Wandmalereien dekoriert, von denen sich aber nur noch geringe Reste fanden. Einige Räume hatten Hypokausten. An der Frontseite des Hauses befanden sich Speicher oder Läden.

Nachdem fast sechs Generationen die Stadtvilla genutzt hatten, brannten die Franken das Haus im Dezember 355 n. Chr. bei einem Angriff auf das römische Köln nieder.

Dionysosmosaik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dionysosmosaik ist mit 27 mehrfarbigen Medaillons geschmückt, die Szenen um Dionysos, aber auch Jahreszeiten, Vögel und Früchte zeigen. Insgesamt besteht das 70 m² große Mosaik aus rund 1,5 Millionen tesserae aus Naturstein, Glas und Ton.

Das Mosaik, das dem Haus den Namen gab, wurde nach der Ausgrabung zum Schutz mit Sand abgedeckt. Heute stellt das Mosaik das zentrale Denkmal des Römisch-Germanischen Museums dar. Das in situ befindliche Mosaik ruht auf einer von neun Stützen getragenen Spezialkonstruktion. Ende der 50er Jahre wurde es aus Schutzgründen und um die Farben frischer wirken zu lassen mit einer Kunstharzschicht überzogen.

Beim Weltwirtschaftsgipfel 1999 diente das Mosaik als Speiseraum für die Staats- und Regierungschefs der G8-Staaten. Dabei wurde die Mosaikfläche zum Schutz mit einer schweren Acrylglasplatte abgedeckt. Der Versicherungswert des Mosaiks beträgt 15 Millionen Euro (2007).[1]

Schäden durch das Orkantief Kyrill 2007[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abdeckung des Mosaiks nach den Orkanschäden

Der Orkan Kyrill riss in der Nacht vom 18. zum 19. Januar 2007 die Holzabdeckung des Brunnens auf der Domplatte los. Die Platte mit bis zu 70 Kilogramm schweren Holzbalken und Brettern schleuderte, von einer erfasst, quer über den Roncalliplatz in die Scheibe des Museums, durchschlug dort die Glasfront und beschädigte dabei das Dionysos-Mosaik erheblich: rund 120 defekte Stellen (Ablösung von tesserae und bis zu drei Millimeter tiefe Abschürfungen bei rund 1,5 Millionen Steinen, die 9 mm dick sind). Spezialisten vom Nationalmuseum Luxemburg und vom Rheinischen Landesmuseum Bonn haben die Schäden begutachtet. Zahlreiche Glas- und Natursteine waren zum Teil ausgebrochen, verschiedene Medaillons beschädigt, jedoch nicht das zentrale Bildmotiv mit dem trunkenen Dionysos selbst. Der Erfurter Fachhochschulprofessor vom Fachbereich Konservierung und Restaurierung Christoph Merzenich und zwei Restauratorinnen des Istituto Centrale del Restauro in Rom haben bis Mitte Juni 2007 größere Schäden als bislang vermutet konstatiert. Durch den Aufprall der Holzplanken wurden zahlreiche tesserae gelockert. Alle Mosaiksteinchen wurden abgeklopft. Besucher des Römisch-Germanischen Museums konnten die fortschreitenden restauratorischen Arbeiten vor Ort miterleben. Professoren, Diplomanden und Studierende der Fachhochschule Erfurt haben zusammen mit dem berühmten Istituto Superiore per la Conservatione ed il Restauro Rom die umfangreichen Restaurierungsarbeiten unternommen. Der Gesamtschaden am Mosaik dürfte eine siebenstellige Summe erreichen. Die Restaurierungsarbeiten wurden Ende 2008 abgeschlossen [2]. Am Jahrestag des Orkanschadens, dem 18. Januar, wurde mit dem Dionysosfest, einem Erinnerungsabend für Köln mit Wein, Musik, Lesungen, Berichten und Begegnungen, die Wiederherstellung ausgiebig gefeiert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1]
  2. (rr): Italiener sollen Mosaik sichern. In: Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 75 Donnerstag, 29. März 2007 Seite 35 „Köln“; Matthias Pesch: Sturmschäden am Mosaik größer als gedacht. Restauratoren untersuchen römisches Kunstwerk. Vermutlich sind viele Steine locker. In: Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 137 Samstag/Sonntag, 16./17. Juni 2007 Seite 35 „Köln“; Christian Deppe: Steinchen für Steinchen, S. 1 und Mosaikschäden sind größer als angenommen. Restaurierung von Dionysos und Gefolge hat begonnen. In: Kölnische Rundschau Nr. 137 Samstag, 16. Juni 2007 Seite 37 „Köln“; MAP „Viele Hände, viele Steine“. In: Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 145 Dienstag, 26. Juni 2007 S. 23 „Köln“ Stadt Köln

Koordinaten: 50° 56′ 26″ N, 6° 57′ 30″ O