Persönliche Schutzausrüstung

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Regal mit Persönlicher Schutzausrüstung

Persönliche Schutzausrüstung (PSA) muss bei allen Arbeiten und Tätigkeiten verwendet werden, die aufgrund ihrer Art Verletzungen oder Gesundheitsbeeinträchtigungen hervorrufen könnten und die durch andere Maßnahmen (technisch oder organisatorisch) nicht verhindert werden können.

Anwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den technischen (Gefahrenvermeidung) und organisatorischen Maßnahmen (Gefahreinwirkung vom Menschen trennen oder zumindest zeitlich begrenzen) zählen die persönlichen Maßnahmen (Persönliche Schutzausrüstung und Unterweisung) zu den klassischen Maßnahmen der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes (TOP Prinzip der Arbeitssicherheit). Jedoch sind die technischen und organisatorischen Maßnahmen vorrangig in Bezug auf die PSA anzuwenden.

Persönliche Schutzausrüstungen finden Verwendung im gesamten gewerblichen Bereich, in den Rettungsorganisationen und selbst bei hoheitlichen Organisationen wie Polizei und Militär. Aber auch in der Freizeit oder beim Sport können sie unerlässliche Hilfsmittel darstellen (z. B. Helm, Rettungsweste oder Schutzbrille). Sie müssen den grundlegenden Anforderungen des Anhangs II der Richtlinie 89/686/EWG[1] entsprechen. Harmonisierte Normen, die von der Europäischen Kommission veröffentlicht wurden, geben konkrete Anforderungen an die jeweiligen Produkte vor.

Kategorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Unterteilung der PSA kann in verschiedene Kategorien erfolgen. Diese zeigen die Gefährdung auf, vor der die PSA schützen soll: Die Unterscheidung erfolgt aufgrund des zu erwartenden Schadensausmaßes (Verletzungsschwere): Dabei kann das Spektrum des Schadensausmaßes breit gestreut sein. Die Systematik konzentriert sich auf vier Gruppen:

  • S 1: leichte Verletzung, nicht meldepflichtig, krankheitsbedingter Ausfall kleiner 3 Tage
  • S 2: leichte Verletzung, meldepflichtiger Unfall, krankheitsbedingter Ausfall größer 3 Tage
  • S 3: mittelschwere bis schwere irreversible Verletzung einer oder mehrerer Personen, Arbeits- / Gewerbeunfähigkeit
  • S 4: Tod einer oder mehrerer Personen

Da S3 und S4 inakzeptable Folgen haben, gliedert sich die PSA nur in drei Klassen.

Je höher die Kategorie desto anspruchsvoller sind die Bedingungen, die bei der Herstellung und Gestaltung des Produktes zu realisieren sind.

Kategorie I: einfache PSA zum Schutz gegen minimale Gefahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiele:

  • Leichte mechanische Tätigkeiten mit oberflächlichen Auswirkungen (beispielsweise Gartenarbeit)
  • Schwach wirkende bzw. in der Wirkung nachlassende Reinigungsmaterialien (beispielsweise verdünnte Reinigungslösungen)
  • Gefahren durch Hitze nicht über 50 °C

Kategorie II: PSA zum Schutz vor mittleren Risiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hierzu zählen alle PSA, die weder in Kategorie I noch in Kategorie III einzustufen sind, Beispiele:

Kategorie III: komplexe PSA zum Schutz vor tödlichen Gefahren und irreversiblen Gesundheitsschäden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiele:

  • Für einen zeitlich begrenzten Schutz gegen chemische Einwirkungen oder ionisierende Strahlung
  • Für den Einsatz in heißer Umgebung von 100 °C und mehr, mit oder ohne Infrarotstrahlung, Flammen oder großen Spritzern von geschmolzenem Material
  • Für den Einsatz in kalter Umgebung von −50 °C und weniger
  • Für den Einsatz zum Schutz gegen Absturz

Wann gilt welche Kategorie?[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Hersteller von PSA gilt die EU-Richtlinie 89/686/EWG, für Anwender die EU-Richtlinie 89/656/EWG in der Umsetzung des jeweiligen Landes. In Deutschland ist die PSA-BV die Umsetzung der beiden Richtlinien. Es ist jedoch keine pauschale Aussage machbar, wann welche PSA getragen werden muss. So kann ein Hitzeschutzhandschuh als Kategorie-I-, -II-, -III-Produkt – je nach auftretender Hitze – oder als keine PSA bei Anwendung im Privatbereich verwendet werden. Die sogenannten PSA-Leitlinien (PPE-Guidelines) legen die Richtlinie aus bzw. erläutern sie näher und nehmen teilweise produktspezifisch Einstufungen in die Kategorien vor.

Spezielle PSA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt eine ganze Reihe spezifischer PSA. Diese sind unter Kategorie:Persönliche Schutzausrüstung zu finden.

Normative und rechtliche Verweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anforderungen an persönliche Schutzausrüstungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Bundesrepublik Deutschland dienen das Produktsicherheitsgesetz (ProdSG) und die Achte Verordnung zum Produktsicherheitsgesetz (Verordnung über die Bereitstellung von persönlichen Schutzausrüstungen auf dem Markt) (8. ProdSV) der Umsetzung der Richtlinie 89/686/EWG des Rates vom 21. Dezember 1989 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten für persönliche Schutzausrüstungen (ABl. L 399 vom 30. Dezember 1989, S. 18–38) in deutsches Recht; sie enthalten entsprechende Bestimmungen zu persönlichen Schutzausrüstungen. Die 8. ProdSV wurde auf Grund des § 120e Absatz 1 GewO in der Fassung der Bekanntmachung vom 1. Januar 1987 BGBl. I S. 425 in Verbindung mit Art. 129 GG – diesbezüglich inzwischen ersetzt durch § 8 Absatz 1 des ProdSG – vom Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung im Einvernehmen mit dem Bundesminister für Wirtschaft erlassen. Von den Mitgliedstaaten mitgeteilte nationale Umsetzungsmaßnahmen betreffend die Richtlinie 89/686/EWG des Rates vom 21. Dezember 1989 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten für persönliche Schutzausrüstungen sind in einer Sammlung in EUR-Lex zusammengestellt, wobei alle von den Mitgliedstaaten im Rahmen der Umsetzung des Unionsrechts in nationales Recht übermittelten Informationen auf dieser Seite unter die alleinige Verantwortung der Mitgliedstaaten fallen (sie sind daher möglicherweise veraltet, unvollständig oder fehlerhaft).

Von der Verordnung (EU) 2016/425 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 9. März 2016 über persönliche Schutzausrüstungen und zur Aufhebung der Richtlinie 89/686/EWG des Rates (Text von Bedeutung für den EWR) gelten bisher nur deren Artikel 20 bis 36 und Artikel 44. Artikel 45 Absatz 1 gilt ab dem 21. März 2018, der Rest der Verordnung gilt ab dem 21. April 2018 (mit Wirkung ab diesem Tag wird die Richtlinie 89/686/EWG aufgehoben).

Vorschriften zur Benutzung persönlicher Schutzausrüstungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Bundesrepublik Deutschland dient die PSA-Benutzungsverordnung (PSA-BV) in Verbindung mit dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), sowie – für den Bereich des Bergrechts – die Allgemeine Bundesbergverordnung (ABBergV) (insbesondere deren § 18 in Verbindung mit § 3 Absatz 1 Satz 5 Nr. 1 in Verbindung mit § 2 Absatz 1 Satz 1 und 2), der Umsetzung der Richtlinie 89/656/EWG des Rates vom 30. November 1989 über Mindestvorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Benutzung persönlicher Schutzausrüstungen durch Arbeitnehmer bei der Arbeit (ABl. EG Nr. L 393 S. 18); sie enthalten entsprechende Bestimmungen zur Benutzung persönlicher Schutzausrüstungen. Die PSA-BV wurde auf Grund des § 19 (in Verbindung mit § 18) des ArbSchG vom 7. August 1996 (BGBl. I S. 1246) von der Bundesregierung erlassen. Von den Mitgliedstaaten mitgeteilte nationale Umsetzungsmaßnahmen betreffend die Richtlinie 89/656/EWG des Rates vom 30. November 1989 über Mindestvorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Benutzung persönlicher Schutzausrüstungen durch Arbeitnehmer bei der Arbeit (Dritte Einzelrichtlinie im Sinne des Artikels 16 Absatz 1 der Richtlinie 89/391/EWG) sind in einer Sammlung in EUR-Lex zusammengestellt, wobei alle von den Mitgliedstaaten im Rahmen der Umsetzung des Unionsrechts in nationales Recht übermittelten Informationen auf dieser Seite unter die alleinige Verantwortung der Mitgliedstaaten fallen (sie sind daher möglicherweise veraltet, unvollständig oder fehlerhaft).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Peter Mehlem: Persönliche Schutzausrüstungen – Arten – Eigenschaften – Bezugsquellen. 2006, ISBN 3-921059-62-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Persönliche Schutzausrüstung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anhangs II der Richtlinie 89/686/EWG (PDF; 1,3 MB)