Pers Z

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Pers Z war die Kurzbezeichnung und zugleich der Deckname des Chiffrierdienstes des Auswärtigen Amtes, also der kryptanalytischen Abteilung des Auswärtigen Amts (kurz: AA) des Deutschen Reichs während der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Ähnlich wie OKW/Chi, die Chiffrierabteilung des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW), der B-Dienst (Beobachtungsdienst) der Kriegsmarine, das Forschungsamt (FA) der Luftwaffe, der General der Nachrichtenaufklärung (GdNA) des Oberkommandos des Heeres (OKH) oder das Amt VI E im Reichssicherheitshauptamt (RSHA) war es eine der damaligen deutschen Dienststellen, die sich mit der Entzifferung des feindlichen Nachrichtenverkehrs befasste.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der US-amerikanische Streifenschieber M-138-A verkörpert eins der Verfahren, das gebrochen werden konnte

Der Chiffrier- und Dechiffrierdienst des AA wurde kurz nach dem Ersten Weltkrieg im Jahr 1919 als Referat I Z gegründet, so getarnt als Unterabteilung Z der Abteilung I (Römisch Eins), scheinbar zuständig für Personal und Haushalt.[1] Im Jahr 1936 gab es eine Umorganisation und der Name wurde in Pers Z geändert.[2] Die Gruppe, die sich innerhalb von Pers Z speziell mit dem Chiffrierwesen befasste, nannte sich selbst auch Sonderdienst Dahlem nach dem Berliner Ortsteil, in dem sie in der Straße Im Dol in einer ehemaligen jüdischen Schule ihren Sitz hatte (siehe auch Foto unter Weblinks).[3]

Um die Mitte des Krieges war die Personalstärke etwa 200 und wuchs später auf rund 300, davon gut 50 Kryptoanalytiker, zur Hälfte Linguisten beziehungsweise Mathematiker, wie Willi Jensen, Werner Kunze, Hans Rohrbach, Erika Pannwitz, Helmut Grunsky und Annelise Hünke. Zum Bruch von Transpositions-Chiffren entwickelten sie besondere kryptanalytische Maschinen, wie den sogenannten „Spezialvergleicher“ und das „Bigrammbewertungsgerät“. Damit gelangen einige Erfolge, so der Bruch des amerikanischen Strip Cipher System M-138 (siehe Bild). Ende 1944 musste der Sonderdienst Dahlem vor den Bombardierungen aus Berlin fliehen und ging nach Hirschberg in Schlesien. Von dort mussten sie zuletzt vor der anrückenden Roten Armee flüchten.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich L. Bauer: Entzifferte Geheimnisse. Methoden und Maximen der Kryptologie. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Springer, Berlin u. a. 2000, ISBN 3-540-67931-6.
  • David Kahn: The Code Breakers – The Story of Secret Writing. Revised and updated. Scribner, New York, NY 1996, ISBN 0-02-560460-0 (englisch, Erstausgabe: Macmillan, New York, NY: Weidenfeld and Nicolson, London, 1967).
  • Michael van der Meulen: The Road to German Diplomatic Ciphers – 1919 to 1945. In: Cryptologia. Band 22, Nr. 2, 1998, ISSN 0161-1194, S. 141–166, doi:10.1080/0161-119891886858 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael van der Meulen: The Road to German Diplomatic Ciphers – 1919 to 1945. In: Cryptologia. Band 22, Nr. 2, 1998, ISSN 0161-1194, S. 141, doi:10.1080/0161-119891886858 (englisch).
  2. Friedrich L. Bauer: Entzifferte Geheimnisse. Methoden und Maximen der Kryptologie. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Springer, Berlin u. a. 2000, ISBN 3-540-67931-6, S. 398.
  3. Die vergessene jüdische Waldschule, Berliner Zeitung vom 16. Juni 2000. Abgerufen: 27. Mai 2016.
  4. Friedrich L. Bauer: Entzifferte Geheimnisse. Methoden und Maximen der Kryptologie. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Springer, Berlin u. a. 2000, ISBN 3-540-67931-6, S. 282.