Pestalozzi + Co

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Pestalozzi + Co AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1763
Sitz Dietikon, Schweiz
Leitung Matthias Pestalozzi
(CEO und Verwaltungsrat (Schweiz))
Mitarbeiter 309 (31. Dezember 2013)
Umsatz 163 Mio. CHF (Pestalozzi + Co AG, Gabs AG, 2013)
Branche Metall- und Stahlhandel
Website www.pestalozzi.com

Die Pestalozzi + Co AG ist ein Schweizer Handelsunternehmen mit Sitz in Dietikon und vereinigt unter dem Namen Pestalozzi Gruppe die Unternehmensbereiche Stahltechnik und Haustechnik sowie die Tochterfirmen Gabs AG für den Bereich Gebäudehülle und das Logistikunternehmen Transstahl AG. Sie beliefert das baunahe Gewerbe und die metallverarbeitende Industrie mit Halb- und Fertigfabrikaten. Die Unternehmensgruppe beschäftigt 309 Mitarbeiter sowie 22 Auszubildende und erwirtschaftete 2013 einen Umsatz von 163 Millionen Schweizer Franken (31. Dezember 2013).[1]

Tätigkeitsgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pestalozzi Gruppe umfasst die beiden Geschäftsbereiche Stahltechnik und Haustechnik sowie die beiden Tochtergesellschaften Gabs AG und Transstahl AG.

Geschäftsbereich Stahltechnik

Der Geschäftsbereich Stahltechnik beliefert die metallverarbeitende Industrie mit Blank- und Automatenstählen, rostfreien Stählen, Edelbaustählen und Stahlrohren sowie mit Nichteisenmetallen. Für Metallbauer umfasst das Angebot Profilsysteme, Beschlägesysteme, Geländersysteme, Torsysteme sowie Form- und Rundrohre.

Geschäftsbereich Haustechnik

Der Geschäftsbereich Haustechnik beliefert Sanitär- und Heizungsinstallateure mit Rohren, Produkten und Systemen für die Trinkwasserversorgung und -entwässerung, für die Wärmeverteilung und -abgabe, sowie mit Lüftungsprodukten. Das Sortiment umfasst des Weiteren Produkte für die Gas- und Wasserversorgung.

Gabs AG

Die Gabs AG beliefert Spengler, Dachdecker, Fassadenbauer und Isolierspengler mit Halbfabrikaten und Metallen, Baublechen, profilierten Scharen, Steil- und Flachdachsystemen, Blitzschutzsystemen, Fassadenprodukten, Ornamenten und Werkzeugen.

Transstahl AG

Die Transstahl AG führt als Transportunternehmen Transporte für Stahl-, Haustechnik-, Spenglerei- und Kunststoffprodukte aus. Sie verfügt über eine Flotte von 65 Fahrzeugen mit einer Nutzlast von bis zu 26 Tonnen.

Produkte und Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorfertigung

  • Zuschneiden von Langmaterial
  • Bearbeiten von Formrohren und Profilstahlrohren auf einem Bearbeitungszentrum
  • Anfasen und Anspitzen von Rundmaterial
  • Quer- und Längsteilen sowie Umrollen von Metallblechen
  • Profilieren von Blechen für Fenster, Dächer und Fassaden

Logistik

  • Tägliche Belieferung der Kunden in der Schweiz im Rahmen eines 24h-Service
  • Mobiles Bestellsystem via Smartphone für Haustechnik-Kunden
  • E-Shop
  • e-Procurement-Lösungen für Stahlprodukte
  • Lieferung im Kanban-System oder anderen Systemen im Supply Chain Management
  • kundenspezifische Verpackung und Lagerhaltung

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Geschichte der Firma Pestalozzi waren drei Familien an deren Generationenfolge beteiligt: die Familien Wiser, Burckhardt und Pestalozzi. In den ersten drei Generationen Wiser wurde der Betrieb von Vater zu Sohn vererbt und weitergeführt. In der vierten Generation übernahm Rudolf Alexander Pestalozzi als Schwiegersohn die Handlung und verlieh ihr den bis heute gültigen Namen. In der sechsten Generation wurde durch verwandtschaftliche Beziehungen Fritz Burckhardt Teilhaber der Firma.Über drei Generationen lang waren die Familien Burckhardt und Pestalozzi partnerschaftlich am Geschäft beteiligt, bis im Jahr 2000 Dieter Burckhardt seine 50 % der Aktien an seinen Partner Dietrich Pestalozzi verkaufte. Lange galt 1788 als Gründungsjahr der Firma Pestalozzi. Aus diesem Jahr stammt das bislang älteste Dokument, nämlich ein Lagerinventar und die Geschäftsübergabe von Johann Heinrich Wiser an dessen Sohn Johann David Wiser, unter dessen Namen die Firma über drei Generationen lief.[2] Beim Archivieren von historischen Dokumenten zur Firmengeschichte transkribierte das Stadtarchiv Zürich dieses Dokument „Inventarium und Übergab der Handlung S[e]pt[em]b[e]r. 1788“ und ging der Frage nach der Identität des Vaters Johann Heinrich Wiser nach. [3] Erst das Sichten weiterer Quellen im Staatsarchiv des Kantons Zürich brachte ein älteres Zeugnis zu Tage: Im Periodicum „Monatliche Nachrichten einiger Merkwürdigkeiten“ heisst es in einer Taufanzeige von 1763, „Herr Joh. Heinrich Wiser, Eisenhändler an der Badergass“, habe zu St. Peter ein Töchterchen namens Anna Elisabetha taufen lassen.[4] Daher feierte die Firma Pestalozzi 2013 ihr 250-jähriges Bestehen.[5]

Johann Heinrich Wiser-Schalch (1709–1792) arbeitete als Buchhalter in einem Eisenwerk bei Eberfingen im Südschwarzwald. Als das Eisenwerk geschlossen wurde, machte er von seinem Zürcher Bürgerrecht gebrauch und begann in der Limmatstadt mit Eisenwaren zu handeln. 1763 wird er in einer Taufurkunde einer seiner Töchter als Eisenhändler bezeichnet.[6] Dies ist die älteste bekannte, schriftliche Quelle und daher feierte die Firma 2013 das 250-Jahr-Jubiläum.

1788 richtete Johann David Wiser seine «Handlung» in einem an die Fraumünster-Aussenmauer angebauten «Lehenladen» (sog. Schwalbennest) ein. Das vom Vater übernommene Start-Inventar bestand aus Eisen, Stahl und Eisenwaren. Er übernahm auch einen grossen Teil der Kundschaft und wusste den Kundenstamm durch den erfolgreichen Handel mit u. a. Eisen schon bald zu erweitern.

Nach einer kaufmännischen Ausbildung und einem Italienaufenthalt trat Heinrich Wiser-Balber 1807 als Angestellter in das Geschäft seines Vaters ein. Ab 1827 führte er es – während einiger Jahre zusammen mit seinem Stiefbruder David – als Teilhaber an seines Vaters Seite. Heinrich Wiser kaufte mehrere Liegenschaften am Messeplatz Münsterhof und konnte so die Geschäftstätigkeiten ausbauen.

Mit Rudolf Alexander Pestalozzi-Wiser trat 1850 der «erste Pestalozzi» in die Firma seines Schwiegervaters ein, wo er bis 1884 als Teilhaber wirkte. Während des Deutsch-Französischen Krieges (1870–1871) fielen der Schweiz viele bedeutende Aufträge zu, was die davor während mehrerer Jahre ziemlich brachliegende Geschäftstätigkeit stark belebte.

Friedrich Otto Pestalozzi trat am 1. Januar 1871 in das elterliche Geschäft ein, in dem sein älterer Bruder Ernst schon seit 1861 tätig war und bereits seine Lehrzeit absolviert hatte. 1878 wurden beide Brüder Teilhaber der Firma, die immer noch den Namen des Gründers trug. 1891 änderten die beiden den Namen auf «Gebr. Pestalozzi» und richten in Zürich-Wollishofen ein Lager ein.

Lager Wollishofen mit Werbegrafik von Max Bill 1930

Neben Rudolf Pestalozzi, der seine Tätigkeit im väterlichen Betrieb 1905 aufnahm, kam über verwandtschaftliche Beziehungen mit Fritz Burckhardt ein weiterer Familienzweig ins Geschäft. Mit der Ernennung der beiden zu Teilhabern im Jahre 1911 wurde erneut eine Änderung der Firmenbezeichnung notwendig. Die Firma hiess ab diesem Jahr «Pestalozzi & Co». Im Jahre 1917 konnte der Grundbesitz in Wollishofen, wo die Firma bis 1960 die Lagergeschäfte abwickelte, erweitert werden. Die Liegenschaften in Wollishofen waren für viele Jahre ein wichtiger Standort des Unternehmens.

1941 hielt mit Andres Burckhardt und 1949 mit Heinrich Pestalozzi die 7. Teilhaber-Generation Einzug. Die Betriebsverlagerung nach Dietikon (1981) durch diese Generation hatte einen enormen geschäftlichen Aufschwung zur Folge. 1979 wurde die Firma von einer Kollektiv- in eine Aktiengesellschaft mit dem Namen «Pestalozzi + Co AG» umgewandelt.

Ab 1977 waren Dietrich Pestalozzi und Dieter Burckhardt an der Firma beteiligt. 1988, anlässlich des 200-Jahr-Jubiläums (es galt noch 1788 als Gründungsdatum), übernahmen die beiden als Vertreter der 8. Generation die Gesamtverantwortung für die Pestalozzi Gruppe. Die 1980er-Jahre waren geprägt vom Vormarsch der Elektronik, respektive dem Übergang in die Informatik-Ära. Nach einer Periode der Diversifikation und des Erwerbs verschiedener Tochtergesellschaften folgte ab 1990 eine Phase der Konsolidierung. Das Unternehmen entwickelte sich in der Folge zu einem spezialisierten Handels- und Dienstleistungsunternehmen, das seit 2002 wieder wächst. Im Jahr 2000 verkaufte Dieter Burckhardt seinen Anteil an Dietrich Pestalozzi, behielt jedoch eine beratende Funktion im Verwaltungsrat.

Matthias Pestalozzi wurde 2009 in den Verwaltungsrat der Firmengruppe gewählt. 2011 trat er in die Firma ein. Als Vertreter der nunmehr neunten Unternehmensgeneration übernahm er per 1. Oktober 2014 die Gesamtverantwortung der Unternehmensführung, Dietrich Pestalozzi bleibt vorläufig Verwaltungsrat.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Pestalozzi-Keyser: Geschichte der Familie Pestalozzi. Selbstverlag, Zürich 1958 (Online-Version)
  • Robert Dünki: Die Geschäftsübergabe von Heinrich Wiser (1709—1792) an seinen Sohn David Wiser (1759—1840) im Jahr 1788. In: Jahresbericht 2007/2008, Stadtarchiv Zürich, 2009. S. 109 — 160.

Festschriften

  • 150 Jahre Eisenhandel im Bild der Geschichte eines zürcherischen Familiengeschäftes. Festschrift Pestalozzi & Co, Zürich, 1938.
  • 175 Jahre Eisen. Festschrift Pestalozzi & Co. Zürich, 1963.
  • Pestalozzi + Co AG. 1788 – 1988. Jubiläums-Schrift zum 200-jährigen Bestehen unseres Familienunternehmens. Dietikon, 1988.
  • 250 Jahre Pestalozzi. 9 Generationen Familientradition 1763 — 2013. Jubiläumsbroschüre der Pestalozzi + Co AG anlässlich des 250-Jahr-Jubiläums. Dietikon, 2013.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Presseportal: Pestalozzi-Mitarbeitende feiern 250-jähriges Jubiläum
  2. F. O. Pestalozzi et al.: 150 Jahre Eisenhandel. Festschrift Pestalozzi & Co, Zürich, 1938.
  3. Jahresbericht 2007/2008, Stadtarchiv Zürich, 2009. S. 109 — 160.
  4. „Monatliche Nachrichten einicher Merkwuerdigkeiten, in Zuerich gesammelt, und herausgegeben, im Jahre MDCCLXIII. Zu bekommen bey Joh.Kaspar Ziegler, Buchdruker, in Zürich, 1764.“ S. 8, Staatsarchiv Zürich.
  5. Jubiläumsbroschüre der Pestalozzi + Co AG anlässlich des 250-Jahr-Jubiläums.
  6. Robert Dünki: die Geschäftsübergabe von Heinrich Wiser (1709—1792) an seinen Sohn David Wiser (1759—1840) im Jahr 1788. In: Jahresbericht 2007/2008, Stadtarchiv Zürich, 2009, S. 109.