Peter-Michael Diestel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Peter-Michael Diestel (1990)
Kandidatenplakat zur Landtagswahl in Brandenburg 1990

Peter-Michael Diestel (* 14. Februar 1952 in Prora, Landkreis Rügen, Land Mecklenburg) ist ein deutscher Rechtsanwalt und ehemaliger Politiker. Er war der letzte Minister des Innern der DDR im Kabinett von Lothar de Maizière.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter-Michael Diestel auf dem Dach einer Haftanstalt während einer Häftlingsrevolte am 9. Juli 1990
Peter-Michael Diestel bei einer Demonstration von Angehörigen der Polizei am 19. Juli 1990

Diestel entstammt einer Offiziersfamilie.[1] Er schloss eine Berufsausbildung mit Abitur 1972 ab und durfte aus politischen Gründen zunächst nicht studieren. Er war deshalb als Schwimmlehrer, Bademeister und Rinderzüchter tätig, bevor er von 1974 bis 1978 Jura an der Karl-Marx-Universität Leipzig studierte. Er wurde als „Verdienter Melker des Volkes“ ausgezeichnet.[2] Diestel arbeitete später von 1978 bis 1989 als Leiter der Rechtsabteilung der Agrar-Industrie-Vereinigung Delitzsch. 1986 wurde er mit einer Dissertation über LPG-Recht zum Dr. jur. promoviert.

Im Dezember 1989 war Diestel Mitbegründer der Christlich-Sozialen Partei Deutschlands (CSPD) und im Januar 1990 der Deutschen Sozialen Union (DSU), deren Generalsekretär er bis Juni war.

Von März bis Oktober 1990 war Diestel Abgeordneter der Volkskammer und von April bis Oktober stellvertretender Ministerpräsident und als Nachfolger von Lothar Ahrendt Minister des Inneren der DDR. Im Juni 1990 verließ er die DSU und wurde am 3. August[3] CDU-Mitglied. Auf Initiative Diestels wurde am 7. Juni 1990 die RAF-Terroristin Susanne Albrecht festgenommen,[4] danach wurde die Aufnahme von neun weiteren RAF-Mitgliedern in der DDR bekannt.[5] In seine Amtszeit 1990 fiel die Übergabe der Stasi-Abhörakten über westdeutsche Politiker an den Verfassungsschutz der Bundesrepublik Deutschland.[2]

Kritiker warfen ihm in seiner Amtsführung als Innenminister den verharmlosenden Umgang mit ehemaligen Mitarbeitern des Ministerium für Staatssicherheit oder mit IMs vor, die als Mitarbeiter des Innenministeriums weiter beschäftigt blieben. Des Weiteren sollen in seiner Amtszeit viele Stasi-Akten vernichtet worden sein.

Bei der ersten Wahl des Brandenburger Landtags am 14. Oktober 1990 trat er als CDU-Spitzenkandidat an, unterlag jedoch dem ehemaligen Konsistorialpräsidenten der evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, Manfred Stolpe von der SPD, der die erste demokratische Landesregierung des wiedergegründeten Landes Brandenburg bildete.

Anschließend gehörte Diestel dem Brandenburgischen Landtag bis 1994 als Mitglied an. Von 1990 bis zu seinem Rücktritt 1992[2], unter anderem wegen der umstrittenen Tankstellen-Privatisierung[6], war er hier als erster Fraktionschef der CDU auch der erste Oppositionsführer im Landtag. Als Mitinitiator des „Komitees für Gerechtigkeit“ regte er den Untersuchungsausschuss zu Manfred Stolpe an – gab hingegen später im Zusammenhang mit den bis heute umstrittenen Stasi-Kontakten Stolpes eine persönliche Ehrenerklärung für ihn ab.[2] Diestel veröffentlichte 1993 mit anderen eine Erklärung „Versöhnen statt Vergeltung“.[2]

Seit 1993 betreibt Diestel eine Anwaltskanzlei in Potsdam, weitere Büros leitet er in Berlin, Leipzig und in den mecklenburgischen Orten Güstrow und Zislow, seinem Wohnort.[7] In seiner Praxis vertrat er unter anderem ehemalige hauptamtliche Stasi-Mitarbeiter, Stasi-IM und unter Dopingverdacht geratene ehemalige DDR-Sportler und DDR-Sportfunktionäre. 2004 war er etwa als Rechtsbeistand für den unter den Verdacht der IM-Tätigkeit geratenen PDS-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Sachsen Peter Porsch tätig. 2005 übernahm er im Rahmen des Fußball-Wettskandals das Mandat für den Fußballschiedsrichter Torsten Koop. Des Weiteren vertrat er 2005 den Leichtathletik-Trainer Thomas Springstein, der Dopingmittel an Minderjährige verabreicht hatte. 2006 vertrat er den damaligen ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf, dem eine Tätigkeit als IM vorgeworfen wurde. Er vertrat auch den in den Dopingskandal Fuentes verwickelten Jan Ullrich. Am 24. Mai 2007 endete Diestels Mandat für Ullrich; während Ullrich-Manager Wolfgang Strohband sagte, Ullrich habe das Mandat wegen eines Fernseh-Auftritt Diestels entzogen, erklärte Diestel, er selbst habe das Mandat aufgrund von Meinungsverschiedenheiten niedergelegt.[8] In der VW-Korruptionsaffäre betreffend die Bestechung von VW-Betriebsräten war Diestel Verteidiger des ehemaligen VW-Betriebsratsvorsitzenden Klaus Volkert.

Von 1994 bis 1997 fungierte Diestel als Präsident des Fußballklubs Hansa Rostock und ist Ehrenpräsident des SC Potsdam.[9]

Diestel ist seit 2014 in dritter Ehe verheiratet.[10]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Peter-Michael Diestel – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter-Michael Diestel im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  2. a b c d e ddr89.de: Peter-Michael Diestel auf ddr89.de.
  3. Wenn es klappt, bin ich heute Mitglied der CDU, komplette Version kostenpflichtig, auf nd-archiv.de, abgerufen 22. September 2013.
  4. Terroristen: Oma im Altkader. In: Der Spiegel, 11. Juni 1990.
  5. Biografie auf Chronik der Wende, abgerufen 22. September 2013
  6. Ulrich Rosenbaum: Wie du mir, so ich dir? In: Berliner Morgenpost, 26. Februar 2000.
  7. Letzter DDR-Innenminister: „Ich bin ein freundlicher Anarchist“. In: Thüringer Allgemeine, 8. Juni 2011.
  8. Diestel nicht mehr Ullrich-Verteidiger, Spiegel online 24. Mai 2007
  9. Website des SC Potsdam.
  10. Idilko Röd: Diestel traut sich – „zum letzten Mal“. Promi-Auflauf bei der Star-Anwalt-Hochzeit. In: Märkische Allgemeine, 1. Juni 2014.