Peter-und-Paul-Fest Bretten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Mittelalterliche Tänze auf dem Kirchplatz

Das Peter-und-Paul-Fest ist ein bekanntes Stadtfest in der badischen Kleinstadt Bretten, das immer am ersten Wochenende nach dem Hochfest Peter und Paul am 29. Juni stattfindet. Das Fest in Bretten geht zurück auf verschiedene Schützenfesttraditionen und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten süddeutschen Heimatfeste. Das Fest nimmt die erfolgreiche Abwehr der Stadtbelagerung württembergischer Truppen unter Herzog Ulrich von Württemberg im Jahr 1504 mit auf, genauso wird die vormärzliche Bürgerwehr thematisiert. Über 3000 Brettener nehmen an verschiedensten Aufführungen und Veranstaltungen in historischen Gewändern aktiv teil.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bretten war bereits im 16. Jahrhundert eine Schützengesellschaft verbrieft, deren Freischießen gelegentlich mit Volksfesten verbunden waren.[1] Eine Verbindung zum 29. Juni ist erst im 18. Jh. verbrieft, eine erste regelmäßige Feiertradition zwischen 1805 und 1848. Danach wurde wegen der badischen Revolution die Bürgerwehr entwaffnet. Erst 1923 wurde der Schützenverein wieder gegründet und dessen Vereinsfest ab 1934 mit Unterstützung der Stadt zum regionalen Heimatfest ausgebaut und entsprechend propagandistisch verbrämt. Der Zweite Weltkrieg beendete diese Phase, 1950 erlaubte die amerikanische Militärregierung die Neueinrichtung des Fests.

Im Jubiläumsjahr 2004 wurde als Reenacting der Marsch des schwäbischen Heeres auf Bretten nachgestellt. Im Sinne der experimentellen Archäologie mussten sich über 500 Teilnehmer an Ausrüstung, Disziplin und militärische Regeln der frühen Neuzeit halten. Die historischen Ereignisse des Aufmarschs in Illingen, die Belagerung Maulbronns, die Einnahme Knittlingens sowie die Belagerung Brettens wurden auf diese Weise dargestellt. Das Buch „Der Tross“ belegt diese einmalige Aktion in Bild und Text.

Im Dezember 2014 verkündete die Kultusministerkonferenz, dass das Peter-und-Paul-Fest in Bretten in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes im Sinne des Übereinkommens zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen wird.[2]

Ablauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Peter-und-Paul-Fest dauert von Freitag bis Montag. Der Freitag steht nach der Neustrukturierung im Jubiläumsjahr 2004 unter dem Motto „Bretten rüstet sich“, der Samstag unter dem Motto „Bretten wehrt sich“, sonntags und montags steht „Bretten feiert“ auf dem Programm.

Am Samstagnachmittag gibt es am Simmelturm die Schlacht zu erleben, am Samstagabend findet das Feuerwerk statt, am Sonntag gibt es den historischen Festzug durch die Brettener Innenstadt und montags gibt es neben dem Schwartenmagenumzug und dem Kinderfest allerlei spontanen Klamauk zu erleben. Die besondere Attraktion dieses Festes ist die Möglichkeit, mittelalterliche Volkstänze auszuprobieren und das Leben um 1504 hautnah von den über 3000 ehrenamtlichen Darstellern vorgelebt zu bekommen.

Das Peter-und-Paul-Fest geht ungewöhnlich lange in die Nacht hinein, die Sperrstunde ist an diesem Wochenende aufgehoben. Am Beispiel von Peter und Paul lässt sich die zentrale Rolle solch historischer Stadtfeste nicht nur in der Brettener Stadtpolitik, sondern in der „deutschen Kleinstadt“ an sich aufzeigen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BNN 30. Juni 2012, Schon vergessen? So entstand das Peter und Paul Fest
  2. Pressemitteilung der Kultusministerkonferenz

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Peter-und-Paul-Fest Bretten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien