Peter Bürger (Publizist)

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Peter Bürger (* 2. September 1961 in Eslohe, Westfalen) ist ein deutscher in der Friedensbewegung engagierter, linkskatholischer Publizist und sauerländischer Mundartforscher.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Abitur legte Peter Bürger 1980 am Gymnasium der Abtei Königsmünster in Meschede ab. Nach dem Zivildienst folgte ein Studium der Katholischen Theologie in Bonn, Paderborn und Tübingen. Seit 1988 lebt er in Düsseldorf, wo er sich als Krankenpfleger ausbilden ließ. Danach folgten Anstellungen in Krankenhäusern (Psychiatrie, Infektionsstation), in Bereichen der psychosozialen Begleitung von HIV-Betroffenen und Drogenkonsumenten sowie in der Aids-Prävention. 1998 wurde er Mitinitiator eines ökumenischen Bündnisses für die Rechte von Menschen auf der Straße. Seit 2004 ist er als freiberuflicher Publizist tätig.

Friedensarbeit und -forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Bürger in Berlin auf einer Friedensdemonstration 2007 gegen den Afghanistan-Krieg, im Vordergrund links – mit dem Transparentende "(Kriegsgräbervor-)sorge" in den Händen, rechts neben ihm neben ihm Tobias Pflüger, damals MdE für „Die Linke“

Bürger ist seit dem 18. Lebensjahr aktiver Pazifist und Mitglied bei Pax Christi, dem Internationalen Versöhnungsbund und der DFG-VK. Zu seinen besonderen Forschungsschwerpunkten gehört der Bereich „Krieg und Massenkultur“, über den er unter anderem im Online-Magazin Telepolis zahlreiche Beiträge veröffentlicht hat. Für seine Studie „Kino der Angst“ wurde er 2006 mit dem Bertha-von-Suttner-Preis in der Kategorie „Film & Medien“ ausgezeichnet.

Kirchenreformbewegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2002 kehrte Bürger, beeindruckt vom Friedensengagement Johannes Paul II., in die römisch-katholische Kirche zurück, nachdem er mehr als zwölf Jahre der altkatholischen Gemeinde Düsseldorf angehörte hatte. Er vertritt weiterhin einen reformkatholischen – entschieden ökumenischen und antikapitalistischen – Standpunkt und kann als Theologe ohne kirchliche Anstellung ungehindert seine Kritik vortragen, so 2009 in seinem Werk „Die fromme Revolte“ über die Zukunft der Kirche. Zu seinen Kernanliegen gehört es, religiöse Erfahrung, Frömmigkeit und politische Theologie zusammenzubringen. Das zuletzt genannte Werk zeigt deutlich Stärken und Schwächen von Bürgers gesamter reformkatholisch-theologischer Arbeit. Einerseits gelingt es ihm immer wieder, Anstöße der Theologie in treffende Kritiken umzuformulieren und praktische Konsequenzen für eine mögliche Kirche an der Basis zu ziehen. Andererseits aber kann man an einigen Stellen fragen, ob die einzelnen Aussagen forschungsmäßig ausreichend fundiert sind.[1] Nachdenklich stimmt auch, dass der allmählich nicht mehr ganz jugendfrische "linkskatholische" Forderungskatalog in der jüngeren Generation kaum noch Resonanz findet.

Südwestfälische Mundartforschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürger hat 1988 ein Mundartarchiv am Maschinen- und Heimatmuseum Eslohe mitbegründet und die Herausgabe einer Werkausgabe der Mundartlyrikerin Christine Koch initiiert. Für das Archiv publiziert er derzeit eine – auf vier Bände angelegte – Reihe zur Erschließung der gesamten Mundartliteratur im Sauerland und in südwestfälischen Nachbargebieten. Sein Hauptaugenmerk gilt dabei der Kultur der kleinen Leute. Kritisch wendet er sich auch in seinen Publikationen über Heimatbewegung und Plattdeutsch gegen eine euphemistische Geschichtsschreibung. Am 15. September 2010 hat der Kulturausschuss des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe beschlossen, Peter Bürger aufgrund seiner "überaus wertvollen Beiträge zur westfälischen Landes- und Mundartkunde" den Förderpreis für Westfälische Landeskunde zu verleihen.[2]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Liäwensbauk – Erkundungen zu Leben und Werk. = Christine Koch-Werke. Ergänzungsband. Fredeburg 1993, ISBN 3-930271-02-8.
  • Das Lied der Liebe kennt viele Melodien. Eine befreite Sicht der homosexuellen Liebe. Oberursel 2001. Zweite erweiterte Auflage. 2005, ISBN 3-88095-111-X
  • Napalm am Morgen. Vietnam und der kritische Kriegsfilm aus Hollywood. Düsseldorf 2004, ISBN 3-9807400-5-6. Volltext als PDF auch im Internet
  • Kino der Angst. Terror, Krieg und Staatskunst aus Hollywood. Stuttgart 2005. Zweite erweiterte Neuauflage. 2007, ISBN 978-3-89657-472-5.
  • Hiroshima, der Krieg und die Christen. Düsseldorf 2005. Volltext als PDF auch im Internet
  • Aaanewenge – Leuteleben und plattdeutsches Leutegut im Sauerland. Mit einem Geleitwort von Hubertus Halbfas. Maschinen- und Heimatmuseum, Eslohe 2006, ISBN 3-00-020224-2.
  • Bildermaschine für den Krieg. Das Kino und die Militarisierung der Weltgesellschaft. Telepolis-Buch, Hannover 2007, ISBN 978-3-936931-45-7.
  • Strunzerdal. Die sauerländische Mundartliteratur des 19. Jahrhunderts und ihre Klassiker Friedrich Wilhelm Grimme und Joseph Pape. Maschinen- und Heimatmuseum, Eslohe 2007, ISBN 978-3-00-022809-4
  • Pro Judaeis. Die römisch-katholische Kirche und der Abgrund des 20. Jahrhunderts. 2. Internetauflage. Düsseldorf 2009. (PDF-Datei; 1,2 MB)
  • Die fromme Revolte – Katholiken brechen auf. Oberursel 2009, ISBN 978-3-88095-191-4
  • Im reypen Koren. Ein Nachschlagewerk zu Mundartautoren, Sprachzeugnissen und plattdeutschen Unternehmungen im Sauerland und in angrenzenden Gebieten. Maschinen- und Heimatmuseum, Eslohe 2010
  • Liäwensläup. Fortschreibung der sauerländischen Mundartliteraturgeschichte bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Eslohe 2012. ISBN 978-3-00-039144-6.
  • Plattdeutsche Kriegsdichtung aus Westfalen 1914–1918. Karl Prümer – Hermann Wette – Karl Wagenfeld – Augustin Wibbelt. Eslohe 2012, PDF-Datei
  • Der völkische Flügel der sauerländischen Heimatbewegung. Über Josefa Berens-Totenohl, Georg Nellius, Lorenz Pieper und Maria Kahle – zugleich ein Beitrag zur Straßennamen-Debatte. Eslohe 2013, PDF-Datei
  • Friedenslandschaft Sauerland (edition Leutekirche 1), Norderstedt 2016
  • Sauerländer im Widerstand. Botschafter des Lebens und Märtyrer 1933-1945 (daunlots. internetbeiträge des christine-koch-mundartarchivs am museum eslohe. nr. 78), Eslohe 2016, [1]
  • als Hrsg.: Irmgard Rode (1911-1989). Dokumentation über eine Linkskatholikin und Pazifistin des Sauerlandes (edition Leutekirche 2), Norderstedt 2016

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. So heißt es – um dies nur an einem Beispiel zu belegen – in Bürgers Buch im Zusammenhang einer kirchenkritischen Einbindung Meister Eckharts, dass dessen Theologie von der innersten Gottesgeburt im Menschen, von der kirchlichen Hierarchie „unmittelbar“ als Angriff auf die eigenen Herrschaftsansprüche aufgefasst wurde (Die fromme Revolte, a.a.O., S. 59–62, hier 60), obwohl eine genaue Lektüre der einschlägigen Forschungsliteratur ergeben müsste, dass man Eckharts theologischen Standpunkt damals zumindest in seinen Grundzügen offenbar nachvollziehen konnte, jedoch dadurch v.a. einen „mittelbaren“ Angriff auf die Machtverhältnisse der Kirche befürchtete durch die Predigt dieser Theologie an das „einfache Volk“ (vgl. dazu nur die entsprechenden Kapitel in: Ingeborg Degenhardt: Studien zum Wandel des Eckhardbildes. Leiden 1967).
  2. LWL-Pressemitteilung (vom 16. September 2010)