Peter Bogdanovich

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Peter Bogdanovich, 7. März 2008

Peter Bogdanovich (* 30. Juli 1939 in Kingston, New York) ist ein US-amerikanischer Filmregisseur, Drehbuchautor, Filmproduzent, Schauspieler sowie Filmkritiker und -historiker. Seine größten Erfolge als Regisseur feierte er Anfang der 1970er-Jahre im New Hollywood mit den Filmen Die letzte Vorstellung, Is’ was, Doc? und Paper Moon.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Bogdanovich wurde als Sohn eines im Mai 1939 aus Europa emigrierten Ehepaares geboren. Sein Vater Bronislav Bogdanovich (1899–1970) war ein serbisch-orthodoxer Christ und jugoslawischer Maler,[1] seine Mutter Herma (1904–1978) entstammte einer wohlhabenden jüdischen Familie aus Österreich.[2] Mit 15 Jahren stand Bogdanovich erstmals als Schauspieler auf der Bühne[3] und absolvierte nach seinem Schulabschluss 1957 an der Stella Adler Theatre School in New York ein Schauspielstudium.

Bogdanovich als Filmkritiker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Bogdanovich machte sich ab den frühen 1960er-Jahren zunächst Filmkritiker und Biograf einiger Hollywood-Regisseure einen Namen. In dieser Zeit kuratierte er Filmprogramme am Museum of Modern Art, seine Kritiken veröffentlichte er vor allem im Magazin Esquire. In seinem Schreiben als Filmkritiker war Bogdanovich insbesondere von dem französischen Filmmagazin Cahiers du cinéma und der dort geprägten Auteur-Theorie beeinflusst. Der US-Filmkritiker Jim Hemphill schrieb über Bogdanovich, dass „keiner eine größere Zahl an bedeutenden Interviews mit den Regisseuren und Schauspielern, die für die kreativste und fruchtbarste Zeit des Hollywood-Kinos verantwortlich waren, durchgeführt hat“.[4] Trotz seiner Karriere als Regisseur betätigt Bogdanovich sich bis heute als Filmhistoriker, er ist für Filmdokumentationen ein häufiger Gesprächspartner und sprach Audiokommentare zu zahlreichen DVD- und Bluray-Veröffentlichungen klassischer Filme ein.

Eine enge Freundschaft pflegte er insbesondere mit Orson Welles, der zeitweise sogar bei Bogdanovich im Haus lebte,[5] und über den er 1992 das Werk This is Orson Welles veröffentlichte. Das Buch ist eine Sammlung an Gesprächen zwischen den Regisseuren. Er führte außerdem Interviews mit Filmgrößen wie Howard Hawks, John Ford, Fritz Lang, George Cukor, Leo McCarey und Alfred Hitchcock. Dem beinahe vergessenen Regisseur Allan Dwan verhalf er durch sein Buch The Last Pioneer über ihn zu einer Wiederentdeckung. Im deutschsprachigen Raum erschienen Bogdanovichs Gespräche mit diesen und weiteren bekannten Regisseuren 2000 bei Hoffmans unter dem Titel Wer hat denn den gedreht?.

Filmkarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem Bogdanovich erste Erfahrungen als Regieassistent des Horrorfilm-Regisseurs Roger Corman sammeln konnte, drehte er als sein Debüt den Thriller Bewegliche Ziele (Targets. 1968) mit dem Altstar des Horror-Genres, Boris Karloff. Der als Low-Budget-Produktion gedrehte Targets wurde als Überraschungserfolg gesehen und brachte Bogdanovich die Chance auf die Verwirklichung von weiteren Filmen.

Seinen großen Durchbruch lieferte er mit seinem dritten Spielfilm ab – Die letzte Vorstellung, ein melancholisches Drama über das Aussterben einer Kleinstadt in Texas, erhielt acht Oscar-Nominierungen und gilt als einer der großen Klassiker des New Hollywood. Der ehemalige Filmkritiker zeigte auch bei seinen weiteren Filmen, dass er gezielt historische Genres wiederzubeleben versuchte. Das gelang ihm etwa mit der Screwball-Komödie Is’ was, Doc? (1972) mit Barbra Streisand und Ryan O’Neal, eine Hommage an den Film Leoparden küßt man nicht von Howard Hawks. Ein weiterer Erfolg war 1973 die Vater-Tochter-Komödie Paper Moon (1973). Diese drei Filme waren sowohl bei Kritikern als auch an den Kinokassen erfolgreich. Bogdanovich galt in dieser Zeit als einer der gefragtesten Regisseure und war in den amerikanischen Medien stark präsent, fiel aber auch, wie er später selbstkritisch zugab, durch ein übersteigertes Selbstbewusstsein auf. Er schlug Angebote aus, bei den späteren Filmklassikern Der Pate, Chinatown und Der Exorzist die Regie zu führen.[6]

Ein erster Knick in seiner Karriere machte sich bei Daisy Miller bemerkbar, einer Literaturverfilmung nach Henry James, die nur noch eine durchwachsene Resonanz erfuhr. Kritisiert wurde insbesondere die Leistung der Hauptdarstellerin Cybill Shepherd, die damalige Lebensgefährtin Bogdanovichs, für die er seine Frau verlassen hatte – auch dieser Umstand sorgte für negative Schlagzeilen in der Presse.[7] Anschließend drehte Bogdanovich das Musical At Long Last Love (1975) und die über die Stummfilmzeit handelnde Komödie Nickelodeon (1976), die ebenfalls nur eine mäßige Rezeption erfuhren. Nach diesen Flops drehte er in Singapur mit einem geringen Budget die 1979 erschienene Tragikomödie Saint Jack, für die ihm Kritiker wie Roger Ebert eine Rückkehr zur alten Form bescheinigten und die ihm einen Preis bei den Filmfestspielen von Venedig einbrachte.[8] 1981 folgte die Komödie Sie haben alle gelacht, die Audrey Hepburn in ihrer letzten Kino-Hauptrolle aufbot, aber durch den gewaltsamen Tod der Schauspielerin Dorothy Stratten überschattet wurde.

Seine späteren Filmprojekte erhielten wechselhafte Rezeptionen. Das Filmdrama Die Maske mit Cher, das über den Umgang einer Familie und ihrer Umgebung mit einem schwerkranken, körperlich missbildeten Jugendlichen handelte, war 1985 sehr erfolgreich. Mit Texasville drehte Bogdanovich im Jahr 1990 eine Fortsetzung seines Klassikers Die letzte Vorstellung, für die er große Teile der alten Besetzung erneut gewinnen konnte. Der Film erhielt jedoch nur gemischte Kritiken und nahm an den Kinokassen nur einen Bruchteil seines Budgets ein. Seine an die Tradition der alten Screwball-Komödien angelehnten Kinofilme Die Unschuld der Molly (1988) und Noises Off! – Der nackte Wahnsinn (1992) erfuhren im Gegensatz zu Is’ was, Doc? nur eine durchwachsene Resonanz. The Thing Called Love – Die Entscheidung fürs Leben (1993) zeigte den kurz nach den Dreharbeiten verstorbenen River Phoenix in einer der Hauptrollen als junger Musiker, fiel aber an den damaligen Kinokassen durch. Für seinen 2001 inszenierten The Cat’s Meow, der den geheimnisvollen Tod des Stummfilmproduzenten Thomas Harper Ince im Jahr 1924 thematisiert, erhielt Bogdanovich wieder viel Kritikerlob. Ab den 1990er-Jahren drehte Bogdanovich eine Reihe an Fernsehfilmen, darunter den im Noir-Stil gedrehten NY – Streets of Death und die Filmbiografie The Mystery of Natalie Wood über das Leben von Natalie Wood. Der Dokumentarfilm Runnin’ Down a Dream über Tom Petty brachte ihm einen Grammy Award ein. Sein bisher letzter Spielfilm war die starbesetzte Screwball-Komödie Broadway Therapy im Jahr 2014. Im Jahr 2018 veröffentlichte er den Dokumentarfilm The Great Buster über das Leben von Buster Keaton, der ähnlich wie Bogdanovich viele Höhen und Tiefen in Hollywood durchlebte.[9]

Auch da Bogdanovich 1985 und nochmals 1997 Privatinsolvenz anmelden musste,[10] tritt er seit den späten 1990er-Jahren häufiger als Schauspieler für andere Regisseure vor die Kamera. In der US-Fernsehserie Die Sopranos war er zwischen 2000 und 2007 in 15 Folgen in einer wiederkehrenden Nebenrolle als Psychiater Dr. Elliott Kupferberg zu sehen, bei einer Episode der Gangsterserie inszenierte er auch als Regisseur. Cameos übernahm er in seinen eigenen Filmen sowie auch in Produktionen anderer Regisseure, so spielte er mehr oder weniger sich selbst in dem Horrorfilm Es Kapitel 2 (2019).

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Bogdanovich neben einem Gemälde seines Vaters auf dem Sedona International Film Festival 2012

Von 1962 bis 1971 war Bogdanovich mit Polly Platt verheiratet, die als Production Designerin mit ihm zusammenarbeitete. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor, Antonia und Alexandra.[11] Platt wird zugesprochen, einen wichtigen Anteil an dem Erfolg von Bogdanovichs ersten Filmen gehabt zu haben.[12]

1980 verliebte Bogdanovich sich während der Dreharbeiten zu seinem Film They All laughed in das Playboy-Playmate Dorothy Stratten, die sich gerade von ihrem Ehemann, dem Zuhälter und Promoter Paul Snider, getrennt hatte und, noch bevor der Film in die Kinos kam, von Snider ermordet wurde. 1988 heiratete Bogdanovich Dorothys jüngere Schwester Louise Stratten. Sie trennten sich im Jahr 2001, leben aber noch immer gemeinsam in einer Wohnung.[13]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinter der Kamera[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Schauspieler (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • John Ford. London 1967.
  • Fritz Lang in America. London 1968.
  • Allan Dwan. The last pioneer. London 1971.
  • Pieces of Time. Peter Bogdanovich on the Movies. New York 1973.
  • Picture Shows. Peter Bogdanovich on the Movies. London 1975.
  • The Killing of the Unicorn. Dorothy Stratten (1960–1980). New York 1984.
  • Pieces of Time. Peter Bogdanovich on the Movies, 1961–1985. New York 1985.
  • zusammen mit Orson Welles: This is Orson Welles. New York 1992 (dt. Hier spricht Orson Welles. 1994, ISBN 3-88679-228-5).
  • Peter Bogdanovich’s Movie of the Week. 52 Classic Forms for One Full Year. New York 1999.
  • Wer hat denn den gedreht? Gespräche mit Robert Aldrich ... Haffmans, Zürich 2000 ISBN 3-251-00463-8

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die letzte Vorstellung

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andrew Yule: Picture Shows. The Life and Films of Peter Bogdanovich. Limelight Editions, New York 1992, ISBN 0-87910-153-9.
  • Thomas J. Harris: Bogdanovich’s Picture Shows. Scarecrow Press, Metuchen 1990, ISBN 0-8108-2365-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Biography. Abgerufen am 6. Oktober 2019 (amerikanisches Englisch).
  2. Peter Biskind: Easy Riders, Raging Bulls. Bloomsbury Publishing, 2016, ISBN 978-1-4088-8215-3 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Jim Hemphill: Playing All the Parts: Peter Bogdanovich on “She’s Funny That Way” | Interviews | Roger Ebert. 17. August 2015, abgerufen am 6. Oktober 2019 (englisch).
  4. Todd Decker: The “Most Distinctive and Biggest Benefit that Broadway Has Ever Known”. In: Rethinking American Music. University of Illinois Press, 2019, ISBN 978-0-252-04232-4, S. 221–246, doi:10.5622/illinois/9780252042324.003.0011.
  5. Peter Bogdanovich recalls frequent houseguest Orson Welles. In: Wellesnet | Orson Welles Web Resource. 10. Januar 2014, abgerufen am 6. September 2019 (amerikanisches Englisch).
  6. The rise and fall of Peter Bogdanovich. 14. Juni 2020, abgerufen am 13. Juli 2020 (amerikanisches Englisch).
  7. The rise and fall of Peter Bogdanovich. 14. Juni 2020, abgerufen am 13. Juli 2020 (amerikanisches Englisch).
  8. Roger Ebert: Roger Ebert's Four Star Reviews--1967-2007. Andrews McMeel Publishing, 2008, ISBN 978-0-7407-7179-8 (google.de [abgerufen am 13. Juli 2020]).
  9. The rise and fall of Peter Bogdanovich. 14. Juni 2020, abgerufen am 13. Juli 2020 (amerikanisches Englisch).
  10. Rex Weiner, Rex Weiner: Bogdanovich’s new prod’n: bankruptcy. In: Variety. 9. Juni 1997, abgerufen am 6. Oktober 2019 (englisch).
  11. Ryan Gilbey: Polly Platt obituary. In: The Guardian. 7. August 2011. Abgerufen am 12. Januar 2013.
  12. The rise and fall of Peter Bogdanovich. 14. Juni 2020, abgerufen am 13. Juli 2020 (amerikanisches Englisch).
  13. Andrew Goldman: Peter Bogdanovich on His Masterpieces, Womanizing, and Deaths He Didn’t Mourn. 4. März 2019, abgerufen am 13. Juli 2020 (amerikanisches Englisch).