Peter Camenzind

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Peter Camenzind ist der erste Roman von Hermann Hesse. Er erschien 1904 im S. Fischer Verlag und machte den Autor bekannt.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammenfassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Peter Camenzind beschreibt Hesse aus der Ich-Perspektive das Leben eines Mannes, der in einem kleinen Dorf in den Bergen geboren wird. Dieser Peter Camenzind zeichnet sich durch seine überschwängliche Liebe zur Natur aus. Deshalb verbringt er viel Zeit beim Bergsteigen und Beobachten der Natur.

Die Geschichte handelt von dem innerlichen Wandel des Protagonisten, der neben seiner vom Vater vorgegebenen Berufs- und Lebenswahl seine Liebe zu geistiger Tätigkeit und Bildung entdeckt. Fortan setzt er sich einen urbanen Lebenswandel zum Ziel, der ihn in Städte und deren gebildete Kreise führt. Wenige Zeit später ist er als freier Schriftsteller tätig, der größtenteils über geschichtliche Ereignisse resümiert.

Doch am Ende muss er erkennen, dass er immer der „Bauernjunge“ aus Nimikon geblieben ist, trotz seines weltmännischen Auftretens und seiner Bildung. Er bemerkt, dass er in der Stadt auf seine „Erbsünden“ trifft, die er in seinem Heimatdorf zu verleugnen suchte und vor denen er flüchtete (zum Beispiel das Trinken). Als er wieder in sein Dorf zurückgekehrt ist, um seinen Vater zu pflegen, versteht er, dass er seinem Jugendtraum – ein Dichter zu werden – gefolgt war. Er weiß aber nicht, ob er ein Dichter ist oder je einer werden wird. Umso mehr erinnert er sich der vielen Menschen, die er auf seinen Reisen kennen und lieben lernte, und er weiß, dass alle Dichtung diese Erfahrungen und Erinnerungen nicht aufwiegen könnte.

Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Camenzind

Peter Camenzind ist die Hauptfigur der Erzählung und Ich-Erzähler. Es handelt sich um einen Bauernsohn aus ärmlichen Verhältnissen, der während seiner Kindheit von seinen Eltern vernachlässigt wird. Er sieht in der Natur (Berge, See, Sturm, Sonne, insbesondere aber in den Wolken) seine Erzieherin und Freundin, die ihm treu und ehrlich zur Seite steht. Hesse erzählt die Entwicklung des Jungen: seine Schulzeit, während der er keine wahren Freunde findet, dessen Entschluss, Schriftsteller zu werden, den Tod seiner Mutter, das Studium und die daraus hervorgehenden Kontakte des (sich gescheitert fühlenden) Schriftstellers, dessen aussichtslose Liebesbeziehungen und schließlich die Rückkehr in seine Heimat.

Konrad Camenzind

Konrad Camenzind ist der Oheim des Peter Camenzind. Er verwirklicht zahlreiche ehrgeizige (vorwiegend handwerkliche) Projekte und findet dadurch in seinem Schwager (dem Vater Peter Camenzinds) einen Bewunderer. Das Verhältnis der beiden ist dennoch alles andere als problemlos, da Peters Vater bei Misserfolgen seinem Schwager blanke Verachtung entgegenbringt.

Vater und Mutter

Peter Camenzinds Vater züchtigt seinen Sohn während der gesamten Kindheit durch Anwendung körperlicher Gewalt. Dadurch ist das spätere Verhältnis sehr distanziert.

Rösi Girtanner

Rösi Girtanner ist die erste heimliche Liebe des Protagonisten.

Richard

Richard ist ein talentierter Musiker (Pianist), der während seines Studiums in Zürich im selben Haus wohnt wie Peter Camenzind. Camenzind ist zunächst zu schüchtern, den schönen Jüngling aus seiner Nachbarschaft anzusprechen, doch dann entsteht eine enge Freundschaft, die die beiden lange Zeit verbindet. Kurze Zeit nachdem Richard nach Abschluss seines Studiums wehmütig seinen Freund und Gefährten verlassen hat, ertrinkt er.

Erminia Aglietti

Sie ist eine erfolgreiche Malerin, mit der Peter Camenzind über Vermittlung seines Freundes Richard Bekanntschaft schließt. Der Protagonist verliebt sich in sie und will ihr eine Liebeserklärung machen, erfährt aber zuvor, dass sie bereits liiert ist.

Elisabeth

Peter Camenzind lernt sie im Haus eines Künstlerfreundes kennen und kommt nach mehreren Treffen erstmals mit ihr ins Gespräch. Er ist zunehmend von ihrer Schönheit angetan und will sie zur Frau nehmen, doch zögert er zu lange und sie verlobt sich mit einem anderen Mann. Der Protagonist kommt bis zum Ende der Erzählung nicht über diesen „Verlust“ hinweg.

Annunziata Nardini

Frau Nardini, eine korpulente 34-jährige Witwe, ist die Hauswirtin von Peter Camenzind in Assisi. Über sie findet er Umgang mit den Ansässigen in Oberitalien und er lernt ihr Temperament und ihre Lebensfröhlichkeit zu schätzen, sodass er bei seiner Abreise erstmals das Gefühl hat, geliebte Menschen zu verlassen.

Der Schreiner und seine Familie

Als Camenzind einen neuen Kasten für seine vielen Bücher benötigt, schließt er Bekanntschaft mit einem Schreiner, da dieser von Camenzinds Nähe zum einfachen Volk und den Handwerkern angetan ist. Schon bald ist Peter Camenzind in die Familie des Schreiners aufgenommen. Dort schließt er Kontakt mit dem Behinderten Boppi, einem Bruder der Schreinersgattin.

Boppi

Zuerst von Ekel erfasst, schließt Peter Camenzind dann Freundschaft mit dem neuen Hausbewohner der Schreinerfamilie. Er bemitleidet ihn, erkennt aber bald darauf, dass dieser das Leben (und vor allen Dingen die Liebe) – trotz seines Handicaps – bedeutend besser kennt als er. Selbst im Beobachten scheint er besser zu sein. Es entwickelt sich eine innige Freundschaft, bis Boppi stirbt.

Einzelne Kapitel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstes Kapitel

Peter Camenzind verbringt eine schwierige Kindheit, denn beide Elternteile sind zu beschäftigt, um sich um ihn zu kümmern. So findet der kleine Peter eine besondere Freundin in der Natur, die ihn während seiner gesamten Kindheit erziehen und unterrichten soll. Neben den Bergen, dem See, dem Sturm und der Sonne sind es besonders die Wolken, die dem Protagonisten aufgrund ihrer Schönheit nahestehen. Er identifiziert sich mit den vielfältigen, schönen, schnell vorbeiziehenden „Himmelskreaturen“, da diese überall fremd sind. Erst zu Schulzeiten kommt Peter Camenzind erstmals aus seinem in einem engen Tal gelegenen Heimatdorf Nimikon heraus, als er den Sennalpstock besteigt. Auf dem Gipfel des Berges ist er von der Weite der Welt angetan (um nicht zu sagen „überrascht“).

Der Schule und den Lehrpersonen steht Camenzind eigentlich gleichgültig gegenüber, lediglich das Faktum, dass die Lehrer im Besitz der Wissenschaft sind, flößt dem jungen willensstarken Schüler Ehrfurcht ein. Der große Wunsch, einen wahren Freund zu finden, will während der Schulzeit nicht in Erfüllung gehen. Sich einsam fühlend, flieht Peter Camenzind in die Literatur und beginnt selbst, kurze Gedichte zu schreiben.

Zweites Kapitel

Seine erste Liebe zu Rösi Girtanner wandelt ihn vom Kind zum Jüngling.

Als seine Mutter eines Nachts im Sterben liegt, sitzt der Protagonist an deren Bett und macht auf diese Weise erste Bekanntschaft mit dem Tod und dem Sterben. Dieses Erlebnis stärkt Camenzind immens und macht ihm sogar Mut, während er andererseits seine Mutter vermisst. Der Vater ist zornig auf seinen Sohn, da ihn dieser in der Nacht, als die Mutter starb, nicht geweckt hat. Camenzind flieht mittels Alkoholkonsum in eine andere Welt und reist schließlich nach Zürich, um Philologie zu studieren.

Drittes Kapitel

In Zürich schließt Peter Camenzind Freundschaft mit dem etwa gleichaltrigen Pianisten Richard. Dieser heitere, etwas kindlich naiv wirkende Künstler ermöglicht Camenzind, Kontakt mit unterschiedlichen Künstlern und Berühmtenheiten zu schließen. Auf diese Weise lernt er, während er bereits erste Erfolge als Feuilleton-Schriftsteller feiern kann und sich zunehmend zum Dichter berufen fühlt, die Malerin Erminia Aglietti kennen, in die er sich alsbald verliebt. In romantischer Atmosphäre will er ihr seine Liebe gestehen, erfährt aber kurz zuvor, dass sie bereits einen anderen Mann liebt.

Viertes Kapitel

Tief geknickt verfällt Camenzind erneut dem Alkohol.

Er beschließt, sein Studium der Philologie abzubrechen, und beginnt sich als Schriftsteller einen Namen zu machen. Als Richards Abreise – er hat sein Studium beendet – näher rückt, unternehmen die beiden eine abschließende Reise nach Oberitalien. Camenzind fühlt sich in den südeuropäischen Ländern sofort heimisch. Nachdem sie in die Schweiz zurückgekehrt sind und Richard abgereist ist, erfährt der Protagonist, dass sein Freund ertrunken ist. Erst jetzt erkennt er die tiefe Bedeutung dieser Freundschaft und verflucht Gott.

Fünftes Kapitel

Von Suizidgedanken geplagt, sucht er einen Arzt auf, der ihn als Therapie in das Haus eines ihm bekannten Künstlerfreundes einführt, damit Camenzind den Kontakt zu Mitmenschen sucht. Der Protagonist beginnt, melancholisch auf das Erlebte zurückzublicken, und stellt sich die Frage, wozu er dies eigentlich alles gemacht habe. Keinen wirklichen Lebenssinn findend, bringt Camenzind seine Zeit in Kneipen mit Weinkonsum zu, wird schwermütig und krank, endlich auch eingebildet und spöttisch.

Seine Liebe zu der jungen Elisabeth, die er in dem Künstlerhaus kennenlernt, gibt Camenzind die Lebensfreude zurück. Als er erfährt, dass andere Künstler über sein Verhältnis zu ihr sprechen, widert ihn die Oberflächlichkeit der Mitmenschen an und er sucht erneut Zuflucht in der Natur. Dort verspürt er das Verlangen, die Schönheit derselben in Dichterworten auszudrücken. Die „wortlose, stetige, leidenschaftslose Liebe“ zur Natur macht Camenzind wieder glücklich. Dieser Naturliebe steht allerdings seine Trunksucht und Asozialität gegenüber, und den Menschen kann er nicht ganz ausweichen.

Sechstes Kapitel

Plötzlich von Heiratslust und Sehnsucht nach einer „Liebesehe“ befallen, beschließt er, Elisabeth zu heiraten. Als er erfährt, dass sie mittlerweile vergeben ist, reist Peter Camenzind verzweifelt in seine Heimat zu seinem Vater nach Nimikon am Sennalpstock. Zum zweiten Mal, mit seinem Vater gemeinsam, besucht er das ihm ehemals so verhasste örtliche Wirtshaus und erinnert sich des Erlebten. Er wünscht sich zu sterben, da das Leben nicht lebenswert sei, doch scheint er nicht mehr dem Leben selbst ein Ende machen zu wollen.

Daraufhin unternimmt Camenzind erneut eine Reise nach Italien, insbesondere nach Assisi, und er ist erneut vom italienischen Temperament angetan. Bei der Abreise aus Italien hat er erstmals das Gefühl, geliebte Menschen und die Heimat zu verlassen. Er scheint etwas von dem „wohlig warmen Volksleben des Südens“ in die Schweiz – genauer gesagt nach Basel – mitzunehmen. Er besucht die verheiratete Elisabeth und ist glücklich.

Siebtes Kapitel

Rein zufällig schließt er dann Bekanntschaft mit einem Schreiner, der von seiner Nähe zum einfachen Volk und den Handwerkern angetan ist. Schon bald ist er in die Familie des Schreiners aufgenommen. Dort lernt er auch eines Tages den körperlich behinderten Boppi kennen, diese Begegnung soll sein weiteres Leben verändern. Zuerst den Behinderten angewidert bemitleidend, stellt Peter Camenzind fest, dass dieser noch viel intensiver lebt als er und sogar die von ihm so geliebte Natur genauer zu beobachten in der Lage ist.

Achtes Kapitel

Peter Camenzind ist zwischen seinem neuen Freund Boppi und dem Schreiner, der dem Behinderten mit Unverständnis und Ekel gegenübersteht, hin und her gerissen, sodass er befürchtet, bald einen der beiden als Freund zu verlieren. Um dem vorzubeugen, gründen Camenzind und Boppi einen eigenen Haushalt.

Sie unternehmen gemeinsam Ausflüge in den Zoologischen Garten und freuen sich an der gegenseitigen Nähe und Zuneigung. So verliert selbst die immer noch nicht erloschene Liebe Camenzinds zu Elisabeth an Bedeutung. Nach Boppis Tod will Peter wieder nach Italien reisen, er wird jedoch zuvor nach Nimikon gerufen, da sein Vater krank ist. In seinem Heimatdorf kann er allerdings nicht schreiben, was sein intimster Wunsch wäre, und so betätigt er sich als Handwerker, um das heruntergekommene Elternhaus zu reparieren. Da es ihm über Zeitungsartikel gelingt, von Bund und Kanton Schadenszahlungen für den von einer ungewöhnlich heftigen Schneeschmelze schwer verwüsteten Ort zu erbitten, erreicht Peter Camenzind in seinem Heimatort Ansehen und wird in das Gemeinwesen aufgenommen.

Er resümiert über das Leben und seine gegenwärtige Situation und findet so seine Lebensfreude wieder. Zusätzlich wird ihm die Inhaberschaft des örtlichen Wirtshauses in Aussicht gestellt. Ob er seine Dichtung noch realisieren wird, bleibt offen.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hermann Hesse lebte ab 1899 in Basel. Im August 1900 begann er mit ersten Studien zu Peter Camenzind. Im Jahr 1901 machte er seine erste Reise nach Italien. Anfang 1902 begann er mit der Niederschrift des Buches. Ende 1902 bekam er durch Initiative des Schweizer Schriftstellers Paul Ilg Kontakt zum S. Fischer Verlag in Berlin. Samuel Fischer munterte Hesse auf, ihm Arbeiten zukommen zu lassen.[1]

Im April 1903 begab sich Hesse zusammen mit seiner Freundin Maria Bernoulli, die er im August des Jahres heiratete, auf seine zweite Reise nach Italien. Bis zum Mai 1903 hatte er das Manuskript zu Peter Camenzind fertiggestellt und trat darüber in Kontakt mit dem S. Fischer Verlag. Im Juni kam es zum Vertragsabschluss.[1]

Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Text wurde von Oktober bis Dezember 1903 in der Neuen deutschen Rundschau vorabgedruckt. Die Buch-Erstausgabe erschien im Januar 1904, Hesses Freund Ludwig Finckh gewidmet.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hesses erstes großes Werk wurde von seinen Zeitgenossen unterschiedlich aufgenommen.

Richard Schaukal, 1904:

[…] Dieses Buch mit dem viel verheißenden Anfange (Kindheit) ist weder ein Roman, wie man voraussetzt, noch, wie man bald versucht ist, anzunehmen, eine Selbstbiographie. Hier ist ein guter Stoff, der beste, den ein Dichter habe kann, das eigene, an innerlichen und äußerlichen Erlebnissen reiche Leben, geradezu abgeschlachtet, mit einer bedenklich an den Dilettanten erinnernden Bravour unberatener Verschwendung und auf die Gefahr hin, dass nun geradezu Verarmung eintrete. Hesse drängte es, sein Erleben loszuwerden, und so schüttelte er es voreilig in diesem vom künstlerischen Standpunkte schlechten Buche wie einen Erdäpfelsack aus. Was da mitgeteilt wird, könnte einem außerordentlich nahe gehen, aber das müsste ganz anders gemacht sein. […] Zwei bis drei Episoden sind sehr schön: der Tod der Mutter […], der erste Trinkversuch des jungen Peter Camenzind unter Anleitung des Vater […]. Aber auf solche Glanzpartien folgen kaum untermalte Strecken, nüchternste Referate, weitergeschrieben wie von einem selbst gelangweilten Reporter, Öden, die man zu überschlagen geneigt ist.[2]

Fritz Marti, 1904:

[…] „Peter Camenzind“ ist eigentlich weniger ein Roman als ein in der Form der Selbstbiographie liebevoll ausgeführtes Lebensbild und als solches im Grunde bloß das Gefäß für des Dichters eigene persönliche Bekenntnisse. […] Überhaupt steckt in dem Buche eine erstaunliche Fülle scharfer Beobachtungen und feiner Bemerkungen über Natur und Menschen, die reichlich entschädigt für den Mangel einer größern äußern Handlung. Der Wert des Buches liegt denn auch weniger in der Komposition, als in diesen Einzelheiten, vor allem aber in dem edlen, malerisch und plastisch geradezu prachtvollen Stil. […][3]

Hugo Ball, 1927:

Im »Camenzind« gibt es keinen Pietismus mehr, kein Elternhaus mit Gebot und Lehre; hier herrscht die pura natura. Hier ist ein Werk, das von der Maxime ausgeht, daß Bildung erst könne beginnen, wo keine Verbildung mehr vorhanden.[4]

Wolfgang Joho, 1952:

[…] Die sprachliche Meisterschaft, Schönheit und Einfachheit des „Camenzind“ kann unseren heutigen Schriftstellern, die vielfach mit der Muttersprache weniger pfleglich umgehen, zum Vorbild dienen, ebenso wie die rückhaltslose Ehrlichkeit, mit der Hesse hier den Problemen seiner Zeit auf den Grund geht. […] Der Wert von Hesses „Peter Camenzind“ beruht […] in der Hauptsache darin, dass das Buch auch uns Menschen einer anderen Generation und einer gänzlich andersgearteten Weltlage etwas Positives zu sagen hat. Hesse stellt seinen Helden, den er seine Lebensgeschichte nicht von ungefähr in Ichform berichten lässt, in die Zeit zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts […].[5]

Einordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese erste Novelle mit autobiographischen Zügen enthält eine Reihe Themen, die auch später Hesses Werk bestimmen sollten, wie etwa die Suche des Einzelnen nach geistiger und körperlicher Identität unter den Rückschlägen der Natur und der modernen Zivilisation. Peter Camenzind ist ein Bildungsroman im atypischen Sinne, der Parallelen zu Der grüne Heinrich von Gottfried Keller aufweist.

Peter Camenzind erinnert an spätere Protagonisten Hesses wie Siddhartha, Goldmund oder auch Harry Haller aus Der Steppenwolf. Wie diese leidet er und unternimmt einige intellektuelle, physische und geistige Reisen, in deren Verlauf er verschiedenste Landschaften in Deutschland, Italien, der Schweiz und Frankreich kennenlernt. In einer der letzten Stationen seines Lebens, als er sich ausschließlich um den Behinderten kümmert, ähnelt er in seinem Tun dem Heiligen Franz von Assisi, dessen Wirken Hesse auch in seiner Studie Franz von Assisi essayistisch verarbeitete.

In der Literaturwissenschaft wird Hesses Erstwerk unterschiedlich aufgenommen. Während die Genialität Hesses und seines gesamten Lebenswerkes im Wesentlichen außer Frage steht, fällt die wissenschaftliche Beurteilung von „Peter Camenzind“ sehr konträr aus. Einerseits als ‚Beginn des modernen Bildungsromans’ und ‚Der Anfang von Hesses Meisterschaft’ bezeichnet, üben einige Schriftsteller auch ausdrücklich Kritik an Hesses ‚Selbstliebe und Personenkult’, der in dieser Erzählung stark zum Vorschein komme.

Biografische Bezüge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ernst Würtenberger: Bildnis Hermann Hesse, 1905

Es sind Parallelen zu Hesses Leben erkennbar:

  • Peter Camenzind fühlt sich besonders von der Schönheit der Natur angezogen und verbringt viel Zeit bergsteigend und den vorbeiziehenden Wolken zusehend (Hesse ist ein Verehrer der Natur).
  • Er wird als Kleinkind von seinem Vater körperlich gezüchtigt und hat daher ein distanziertes Verhältnis zu ihm.
  • Er verliert seine Mutter sehr früh (Hesses Mutter war 1902 gestorben).
  • Er unternimmt Reisen nach Oberitalien (Hesse reist in den Jahren 1901 und 1903 nach Italien).
  • Er wünscht sich mehrere Male den Tod und überlegt sogar, seinem Leben selbst ein Ende zu machen (Hesse versuchte im Juni 1892 Selbstmord zu begehen).
  • Er pflegt Kontakt mit einer Schreinerfamilie (Hesse pflegt zeitlebens Umgang mit Handwerkern. Er absolvierte eine einjährige Mechanikerlehre).
  • Er möchte von klein auf Schriftsteller und Dichter werden, wird aber durch Geschehnisse in seinem Umfeld lange davon abgehalten (für Hesse ist bereits als 13-Jähriger klar, dass er Dichter werden möchte [„entweder Dichter oder gar nichts“], er wird aber von seinen Eltern bis zu seiner Volljährigkeit davon abgehalten, seinem Talent Ausdruck zu verleihen)

Buchausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Camenzind. Fischer, Berlin 1904.
  • Peter Camenzind. Suhrkamp, Berlin 1950.
  • Peter Camenzind. Erzählung (= Suhrkamp Taschenbuch. Bd. 161). Suhrkamp, Frankfurt am Main 1974, ISBN 3-518-36661-0.
  • Peter Camenzind. Roman (= Bibliothek Suhrkamp. Band 1345). Mit einem Nachwort von Siegfried Unseld. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-518-22345-3.
  • Peter Camenzind (= Suhrkamp BasisBibliothek. Band 83). Mit einem Kommentar hrsg. v. Heribert Kuhn. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-518-18883-5.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Pfeifer: Materialien Hermann Hesse – „Peter Camenzind“. Klett, Stuttgart 1980, ISBN 3-12-356300-6.
  • Reiner Poppe: Peter Camenzind. Unterm Rad. Knulp (= Königs Erläuterungen und Materialien. Band 17). 8., überarbeitete Auflage. Bange, Hollfeld 1999, ISBN 3-8044-1621-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Martin Pfeifer: Hermann Hesse: Peter Camenzind, Unterm Rad, Knulp. Königs Erläuterungen und Materialien, C. Bange Verlag, Holfeld 1978, ISBN (1993) 3-8044-0206-2
  2. Richard Schaukal: Ein neues Buch von Hermann Hesse, 1904
  3. Fritz Marti: Verheißungsvolle Probe eines starken Talentes, 1904
  4. Hugo Ball: Hermann Hesse. Sein Leben und sein Werk. S. Fischer, Berlin 1927. (online bei Projekt Gutenberg)
  5. Wolfgang Joho: Peter Camenzind und wir, 1952