Peter Daszak

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Peter Daszak

Peter Daszak ist ein britisch-amerikanischer Zoologe und ein Experte für Infektionsepidemiologie, spezialisiert unter anderem auf dem Gebiet der Zoonosen. Er ist Präsident der in New York City ansässigen EcoHealth Alliance, einer US-amerikanischen Non-Profit- und Nichtregierungsorganisation, die Forschungsprogramme zur internationalen Gesundheitsförderung unterstützt.

Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Daszak erwarb 1987 am University College of North Wales (UCNW) einen B.Sc. in Zoologie und 1994 an der University of East London den Ph.D. auf dem Gebiet der Parasitären Infektionskrankheiten.[1][2]

Beruflicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Studium arbeitete Daszak an der Kingston University, in Surrey, England. Ende der 1990er Jahre zog er in die Vereinigten Staaten, an das Institute of Ecology der University of Georgia. Er arbeitete auch am National Center for Infectious Diseases, einem Teil der in Georgia ansässigen staatlichen Zentren für Krankheitskontrolle und -prävention. Danach zog er nach New York City als Leiter eines Forscherteams am Consortium for Conservation Medicine, das Infektionskrankheiten und Seuchengefahren weltweit untersucht.[3]

Daszak hat Dozentenstellen an mehreren Universitäten in den USA und im Vereinigten Königreich inne, unter anderem an der Columbia University Mailman School of Public Health. Seit langem arbeitet er auf dem interdisziplinären Feld der conservation medicine.[4]

Zu Zeiten von Epidemien wird er von den Medien als Experte für Infektionskrankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden, konsultiert.[5][6] In Interviews plädiert er für überstaatliche, vorausschauende Maßnahmen in Sinne von Bereitschaftsplanung (im Englischen: Preparedness), um künftige Epidemien verhindern zu können.[7]

Seine Forschungen widmen sich der Frage nach der Vorhersehbarkeit und den Auswirkungen von neuen Krankheiten bei Wildtieren, Nutztieren und Menschen. Dabei arbeitet er auch mit Gain of function modifizierten Viren.[8] Unter anderem nimmt er an Studien von Epidemien teil, die durch Nipah-Viren verursacht werden, durch Henipaviren, das SARS-Virus sowie Mers-Viren[9][10] und dem West-Nil-Virus.[11]

Aus Kooperationen mit Shi Zhengli und dem Wuhan Institute of Virology gingen von 2005 bis 2019 Veröffentlichungen hervor, die in Fachzeitschriften erschienen, an denen Daszak beteiligt war. Diese betrafen unter anderem die Entdeckung des zoonotischen Ursprung SARS-artiger Coronaviren in Fledermäusen[12] eine Studie über unentdeckte Übersprungsereignisse von Fledermauscoronaviren auf die Landbevölkerung in China[13] und die Isolation eines Fledermauscoronavirus, welches den ACE2-Rezeptor nutzt.[14]

Daszak ist Mitglied mehrerer Beratungsgremien, wie etwa der International Union for the Conservation of Nature, der Weltgesundheitsorganisation (WHO), National Academy of Sciences und des Innenministeriums der Vereinigten Staaten.[2] Er ist Mitglied der National Academy of Medicine und Vorsitzender des Forums on Microbial Threats der National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine und sitzt im Aufsichtsrat der One Health Kommission.[5]

Daszak war eines der 30 Mitglieder einer Expertengruppe, die im Februar 2018 bei der Weltgesundheitsorganization in Genf tagte und im Schlussbericht vor der Möglichkeit einer Pandemie warnte, die sich durch einen noch unbekannten Krankheitserreger in naher Zukunft ausbreiten könne. Jene unbekannte Krankheit, die man Disease X nannte, setzte man auf eine Liste mit acht Erregern, deren intensive Erforschung mit höchster Priorität empfohlen wurde.[15][16]

Peter Daszak erhielt über sein Institut EcoHealth Alliance Millionen Dollar Förderungen von National Institute of Allergy and Infectious Diseases (Teil des US-Gesundheitsministeriums) von 2014 bis 2019 - auch für "Gain of Function"-Forschung an Corona-Viren bei Fledermäusen in Wuhan. In jener Zeit galt in den USA eine Aussetzung (Moratorium) für Gain of Function-Forschungen.[17][18]

Seit 2008 erhielt Daszaks Institut EcoHealth Alliance 41,91 Millionen Dollar vom Pentagon - auch für die Erforschung von Biowaffen.[19] Insgesamt erhielt das Institut bislang 63,8 Millionen Dollar von US-amerikanischen Regierungsabteilungen.[20] Weitere kleine Spender der EcoHealth Alliance sind etwa die Gates Foundation,[21] die Packard Foundation,[22] die MacArthur Foundation[23].

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis Anfang 2020 war Daszak an der Erstellung von über 300 Fachaufsätzen beteiligt. Er wird als Highly Cited Researcher beim Web of Science bezeichnet. Neben den Publikationen für die Fachwelt wird über seine Arbeit auch in populärwissenschaftlichen Publikationen berichtet, von Zeitschriften[24][25] und Zeitungen bis hin zu Fernsehsendungen[26] und Podcasts.

Obwohl Anfang Februar 2020 wenig über SARS-CoV-2 bekannt war, betonte Daszak, SARS-CoC-2 stamme aus der Tierwelt. Einen Labor-Ursprung nannte er mit weiteren Biologen, darunter Christian Drosten, im Fachjournal The Lancet im Februar 2020 eine "Verschwörungstheorie", die als "Gerücht und Fehlinformation" ein unfairer und möglicherweise rassistischer Angriff auf "die Gesundheitsexperten Chinas" sei.“ Später geriet jener Lancet-Artikel in Verruf, unter anderem da Daszak seinen Interessenkonflikt bei dem Thema verschwieg.[27] Auch im April 2020 widersprach er im US-amerikanischen Politikmagazin Democracy Now dem Verdacht, dass das SARS-CoV-2-Virus Ergebnis eines Laborunfalls im Institut für Virologie Wuhan sein könne. Er nannte dies "völligen Quark" (im Englischen: pure baloney) und berief sich auf seine Zusammenarbeit mit dem Institut. Er verteidigte die Professionalität der Labormitarbeiter und verwies auf die Umstände, die durch den Handel mit Wildtieren auf dem Wet market in Wuhan entstünden.[28] Er vertrat diese Position auch mehrfach auf Twitter, wo er nach Angaben von Journalisten gegenüber Verfechtern der Labor-Theorie „zuweilen die akademische Contenance“ verliere.[29]

Nachdem US-Präsident Biden die US-Geheimdienste ultimativ aufforderte, diesen Verdacht aufzuklären, vollzog "The Lancet" eine Wende. Nun schrieben jene Biologen, darunter Peter Daszak und Christian Drosten, "es sei am wahrscheinlichsten, dass SARS-CoV-2 natürlich entstand und nicht in einem Labor". Man betonte, dass "Meinungen weder Daten noch Schlussfolgerungen sind" und drängte auf weitere Untersuchungen zu der "kritischen Frage, die wir uns jetzt stellen müssen: Wie erreichte SARS-CoV-2 die Bevölkerung?"[30] Nun las man, dass Daszak "zu 100 % von EcoHealth Alliance bezahlt wird" und EcoHealth vom NIH für Coronaviren-Versuche Geld erhielt. Daszaks Interessenkonflikt wurde neben dem Text vom Juli 2021 auch im separaten Nachtrag "Konkurrierende Interessen und die Ursprünge von SARS-CoV-2" aufgenommen - ohne Angabe, warum Daszak "konkurrierende Interessen" im die Debatte prägenden Artikel im Februar 2020 verschwieg.

Im Jahr 2021 war Peter Daszak Mitglied eines WHO-Teams internationaler Wissenschaftler, das den möglichen Ursprung der Epidemie in Wuhan untersucht hat. Jenes WHO-Team umfasste 13 Experten aus Australien, Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, Japan, Katar, Russland, den USA und Vietnam.[31][32] Er bewarb sich nach eigener Darstellung bei der WHO um die Position, drei Experten, die von der Regierung Donald Trumps vorgeschlagen wurden, lehnte die WHO zuvor ab. Obwohl Daszak lange Jahre mit der Virologin Shi Zhengli vom Institut für Virologie Wuhan zusammenarbeitete, das unter anderem Gegenstand der WHO-Untersuchung sein sollte, nahm die WHO ihn in das Forschungsteam auf.[29] Berichte über internationale Spannungen mit Bezug auf die Arbeit des Teams wurden später in der Weltpresse veröffentlicht.[33][34]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • (2020, Koautor) A strategy to prevent future epidemics similar to the 2019-nCoV outbreak. Biosafety and Health. Bd. 2, Nr. 1, S. 6–8 (online).
  • (2020, Koautor) Escaping Pandora’s Box – Another Novel Coronavirus. The New England Journal of Medicine 382, S. 1293–1295 (online).
  • (2019, Koautor) Human-animal interactions and bat coronavirus spillover potential among rural residents in Southern China. Biosafety and Health. Bd. 1, Nr. 2, S. 84–90 (online).
  • (2018, Koautor) The Economics of Infectious Disease, Trade and Pandemic Risk. EcoHealth Bd. 15, Nr. 2, S. 241–243 (online).
  • (2018, Koautor) The Global Virome Project. Science, 23 Feb 2018: Bd. 359, Nr. 6378, S. 872–874 (Zusammenfassung).
  • (2018, Koautor) Building a global atlas of zoonotic viruses. Bulletin of the World Health Organization, Bd. 96, S. 292–294 (online).
  • (2016, Koeditor) One Health: The Human-Animal-Environment Interfaces in Emerging Infectious Diseases: Food Safety and Security, and International and National Plans for Implementation of One Health Activities. Springer, Berlin, ISBN 978-3-642-35845-6.
  • (2012) Anatomy of a pandemic. The Lancet, Band 380, Nr. 9857, S. 1883–1884 (online).
  • (2010, Koautor) Impacts of biodiversity on the emergence and transmission of infectious diseases. Nature 468 (2010), S. 647–652 (online).
  • (2009, Koautor) Reducing the Risks of the Wildlife Trade. Science, Bd. 324, Nr. 5927, S. 594–595 (Zusammenfassung).
  • (2008, Koautor) Global trends in emerging infectious diseases. Nature 451 (2008), S. 990–993 (online).
  • (2000, Koautor) Emerging Infectious Diseases of Wildlife – Threats to Biodiversity and Human Health. Science, Bd. 287, Nr. 5452, S. 443–449 (Zusammenfassung).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Daszak: Ultrastructural study of the effects of the ionophore lasalocid …(Dissertation). 1993, abgerufen am 22. April 2020.
  2. a b Peter Daszak. In: Columbia University Mailman School of Public Health. Abgerufen am 20. April 2020.
  3. Karte der Infektionsgefahr: Wo der Welt neue Seuchen drohen. In: Der Spiegel. 21. Februar 2008, abgerufen am 22. April 2020.
  4. Scott Norris: A New Voice in Conservation: Conservation medicine seeks to bring ecologists, veterinarians, and doctors together around a simple unifying concept: health. In: BioScience. Band 51, Nr. 1, Januar 2001, S. 7–12, doi:10.1641/0006-3568(2001)051[0007:ANVIC]2.0.CO;2.
  5. a b Dr. Peter Daszak. In: EcoHealth Alliance. Abgerufen am 20. April 2020.
  6. James Gorman: How do bats live with so many viruses? In: The New York Times. 28. Januar 2020, abgerufen am 20. April 2020.
  7. Karin Bruilliard: The next pandemic is already coming, unless humans change how we interact with wildlife, scientists say. In: Washington Post. 3. April 2020, abgerufen am 20. April 2020.
  8. Das Rätsel von Wuhan. In: Der Spiegel. 2. Juli 2021, abgerufen am 15. Juli 2021.
  9. Kai Kupferschmidt: Wird das gefährliche Mers-Virus plötzlich ansteckender? In: Die Zeit. 2. Mai 2014, abgerufen am 22. April 2020.
  10. Kai Kupferschmidt: Keime und Kamele. In: Der Tagesspiegel. 2. Mai 2014, abgerufen am 22. April 2020.
  11. Peter Daszak. In: TEDMED. Abgerufen am 20. April 2020.
  12. Wendong Li et al: Bats Are Natural Reservoirs of SARS-like Coronavirus. Science, 2005 DOI: 10.1126/science.1118391
  13. Latinne, A., Hu, B., Olival, K.J. et al. Origin and cross-species transmission of bat coronaviruses in China. Nat Commun 11, 4235 (2020). doi:10.1038/s41467-020-17687-3
  14. Ge, XY., Li, JL., Yang, XL. et al. Isolation and characterization of a bat SARS-like coronavirus that uses the ACE2 receptor. Nature 503, 535–538 (2013). 10.1038/nature12711
  15. Peter Daszak: We knew Disease X was Coming. It’s here now. We need to stop what drives mass epidemics rather than just respond to individual diseases. In: The New York Times. 27. Februar 2020, abgerufen am 20. April 2020.
  16. 2018 Annual review of diseases prioritized under the Research and Development Blueprint, February 2018 (PDF; 449 kB).
  17. The Intercept, 7. September 2021: New Details Emerge About Coronavirus Research at Chinese Lab
  18. The Intercept, 10. September 2021: NIH Documents Provide New Evidence U.S. Funded Gain-of-Function Research in Wuhan
  19. New York Post, Samuel Chamberlain, 1. July 2021: Pentagon gave millions to EcoHealth Alliance for weapons research program
  20. U.S. Government, USAspending.gov: Recipient Profile EcoHealth Alliance Inc.
  21. [1]
  22. [2]
  23. [3]
  24. Shawna Williams: Where Coronaviruses Come From (Interview). In: The Scientist. 24. Januar 2020, abgerufen am 20. April 2020.
  25. Maryn Mckenna: How ProMED Crowdsourced the Arrival of Covid-19 and SARS. In: Wired. 23. März 2020, abgerufen am 22. April 2020.
  26. Explained (Stafel 2, Folge 7: The Next Pandemic). In: IMDb. Abgerufen am 22. April 2020.
  27. Statement in support of the scientists, public health professionals, and medical professionals of China combatting COVID-19. In: The_Lancet. 19. Februar 2020, abgerufen am 6. Dezember 2021.
  28. “Pure Baloney”: Zoologist Debunks Trump’s COVID-19 Origin Theory, Explains Animal-Human Transmission. In: Democracy Now. 16. April 2020, abgerufen am 20. April 2020.
  29. a b Marcel Gyr: Oder war es vielleicht doch ein Laborunfall? Das Rätsel um den Ausbruch der Corona-Pandemie, Neue Zürcher Zeitung. 14. April 2021. 
  30. Science, not speculation, is essential to determine how SARS-CoV-2 reached humans. In: The_Lancet. 5. Juli 2020, abgerufen am 6. Dezember 2021.
  31. WHO-Team in Wuhan eingetroffen. Suche nach den Ursprüngen des Coronavirus. RP Online, 14. Januar 2021.
  32. CNNi: WHO expert investigated Wuhan lab. CNN speaks with him
  33. China und USA streiten um Daten zu ersten Corona-Fällen: WHO Untersuchung zu Pandemieursprung. In: Der Spiegel. 14. Februar 2021, abgerufen am 29. März 2021.
  34. WHO-Experten bekräftigen These: Corona-Ursprung beim Tier. In: Süddeutsche Zeitung. Abgerufen am 29. März 2021.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]