Peter Dreher

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Peter Dreher, 2012
Selbstbildnisse, Universitätsbibliothek Freiburg
Tag um Tag guter Tag I (Nr. 447)
Skull; 25 x 20 cm, Öl auf Leinwand, 2016
Skulls, Gouache auf Papier, 2005–2007
Bleistift auf Papier, 2009
Untitled, Miami, 2014, Stand Koenig & Clinton

Peter Dreher (* 26. August 1932 in Mannheim) ist ein deutscher Maler und Graphiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Dreher studierte von 1950 bis 1956 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Karl Hubbuch, Wilhelm Schnarrenberger und Erich Heckel.

1965 wurde er Leiter einer Malklasse in der Außenstelle der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe in Freiburg im Breisgau und wurde dort 1968 zum Professor berufen.

Seit 1988 lebt er mit der Künstlerin Irene von Neuendorff[1], die unter dem Pseudonym Clemens von Lengsfeld auch als Schriftstellerin tätig ist, zusammen.

Er ist Mitglied im Künstlerbund Baden-Württemberg und im Deutschen Künstlerbund.

Er ist Vorsitzender der 2015 gegründeten Peter–Dreher–Stiftung.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tag um Tag guter Tag

1972 entstand ein erstes einzelnes Bild von einem Wasserglas. „Um zu zeigen, dass es nicht nötig ist, das Motiv zu wechseln, um zum Malen angeregt zu werden“,[2] fertigte er weitere Bilder desselben Sujets an. Aus diesen ersten Bildern entstand ab 1974 eine Serie, die er bis heute fortsetzt. Das Bild hat die gleiche Größe wie das Objekt, ein leeres Wasserglas, und ist auf einer weißen Tischfläche und vor weißem Hintergrund platziert. Die Beleuchtung, Entfernung und Bildformat werden in der „Nachtserie“, „Tag um Tag guter Tag I“, nicht verändert, während das Glas in der „Tagserie“ bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen gemalt wird, sodass hier das Farbspektrum reicher erscheint. Die Kunsthistorikerin Angeli Janhsen beschreibt das Projekt folgendermaßen: „Peter Dreher hat eine Versuchsanordnung im Atelier aufgebaut, an die er sich hält, die er nur wenig, in verschiedenen Serien, innerhalb der Serie, variiert. Hier steht das Glas, hier sitzt der Maler, hier ist die Leinwand, hier ist die Beleuchtung. Die immer gleiche Beleuchtung und Positionierung kann man gewährleisten, so daß dasselbe Glas also immer gleich erscheint.“[3]

Seit 1974 bis heute (2017) sind ca. 5200 Bilder der Reihen „Tag um Tag guter Tag“ I (Nachtserie) und "Tag um Tag guter Tag II" (Tagserie) entstanden.

Viel ist in dieses Werk hineingeheimnisst, viele Irrtümer dabei geäußert worden. So wurde Peter Dreher sowohl als Zen–Buddhist als auch als Konzeptkünstler bezeichnet. Der Einordnung in die Konzeptkunst greift viel zu kurz. Die Nähe zu Künstlern wie On Kawara und Roman Opalka ist zwar augenscheinlich, beide Künstler sind aber von einer anderen Motivationen getragen als Peter Dreher. Roman Opalka „malte Zahlen, zählte malend seit 1965 immer weiter und füllte seine Bilder mit Zeichen von Zahlen. Er zählte seine Lebenszeit. (...) Roman Opalka war zählend gefangen und gehalten in seiner Spielregel, er war seine eigene Geisel – denn hätte er aufgehört, wären alle vorigen jahrelangen Anstrengungen entwertet gewesen. Peter Drehers Bilder dagegen folgen so aufeinander, daß es sowieso Lücken gibt. Sie schließen nicht aneinander an, es sind einzelne unabhängige Bilder, er könnte jederzeit aufhören, ohne daß seine früheren Bilder an Wert verlören.“[4] Auch der Zen-Buddhist Peter Dreher lässt sich nicht begründen, widerspricht der Künstler doch selbst, indem er sagt, dass er ein völlig unreligiöser Mensch sei. „In der strengen japanischen Variante des Buddhismus weist der Lehrer seine Schüler immer wieder zur Wiederholung ein und derselben Tätigkeit an. Die Eleven sollen üben, solange bis sie – zum Beispiel das Bogenschießen – sich von alleine vollzieht. Das zielt im wahrsten Sinne des Wortes an Peter Drehers Malabsicht vorbei. Er will durch die Wiederholung des Motivs beziehungsweise durch die Tatsache, dass das Modell nicht wechselt, nicht eine immer größere Kunstfertigkeit bis zur Vollendung erreichen. Im Gegenteil, seine ganzes Sinnen und Trachten ist darauf gerichtet, die gerade gemachte Erfahrung wieder zu vergessen. Er erblindet sozusagen gezielt vor dem Modell.“[5]

Weitere Werke

Eine weitere Serie, ebenfalls 1972 begonnen wurde, zeigt den immer gleichen Landschaftsausschnitt zu unterschiedlichen Tageszeiten. Sie trägt den Titel „Schöne Tage im Hochschwarzwald“ und wurde plein air gemalt. Auch in seinen weiteren Serien (Silverbowls, Vitrines u.a.) beschäftigt er sich mit dem Thema Zeit.

Er realisierte zahlreiche Kunst-am-Bau-Projekte im In- und Ausland. Seine wichtigste Kunst-am-Bau-Arbeit befindet sich in Freiburg. Dort gestaltete er 1978 die Fassade der Universitätsbibliothek Freiburg mit einer Serie von Selbstporträts. Der Künstler äußert sich über dieses Projekt folgendermaßen: „Ich bekam den Auftrag für die neu geschaffene Universitätsbibliothek in Freiburg ein Konzept für die Außenfassade zu erstellen. Nach einer gewissen Überlegung erschien mir die Vorstellung, Selbstporträts an ein öffentliches Gebäude zu malen, ungefähr das Absurdeste zu sein, was möglich war.“[6]

Neben regelmäßigen Aufenthalten in den USA, in denen sogenannte Post-Pop-Art-Werke entstanden, entwickelte Dreher auch Konzepte mit politischen Inhalten. Die Arbeit „Das Großplakat in Aquarellen“ sowie weitere großformatige Aquarelle befassen sich mit Bildern aus der Werbung. Auch die Sprache und das geschriebene Wort nehmen eine bedeutsame Rolle in Drehers Werk ein („Bildbilder“). Zu seinem Œuvre gehört auch ein umfangreiches Konvolut an Druckgrafik. Seit den 70er Jahren findet eine intensive Auseinandersetzung mit abstrakten Bildfindungen statt.

Peter Dreher setzt sich in seiner Malerei mit der philosophischen Lehre der Phänomenologie Edmund Husserls auseinander (Arbeiten unter dem Titel „Lange Kurzblicke“). Dabei spielen Aspekte der Vergänglichkeit, Zeitlichkeit und Wahrnehmung eine wichtige Rolle. Der Bildgegenstand tritt hier "unvollständig“ in einer Art Fragmentierung auf und muss vom Betrachter ergänzt werden.[7] Der Künstler nimmt mit seinen originären Bildfindungen eine Einzelposition innerhalb der Nachkriegsmalerei ein.

Farbauftrag und Farbwahl sind derart präzise, dass man hier – ähnlich wie im akustischen Bereich vom absoluten Gehör – von einem Resultat „absoluten Sehens“[8] sprechen kann.

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1954: Städtische Kunsthalle, Mannheim
  • 1974: Museum Folkwang, Essen; Landesmuseum Oldenburg
  • 1975: Kunstverein Freiburg
  • 1977: Staatliche Kunsthalle Baden-Baden
  • 1979: Museum Schloss Morsbroich, Leverkusen
  • 1982: Von der Heydt-Museum, Wuppertal
  • 1983: Kunstverein Ludwigshafen
  • 1990: Städtische Kunsthalle, Mannheim; Museum für Neue Kunst Freiburg; Galerie Hans Mayer, Düsseldorf
  • 1991: Kunstverein Konstanz
  • 1993: Badischer Kunstverein, Karlsruhe; Quint-Krichmann-Projects, The La Jolla Gallery, Kalifornien
  • 1995: Galerie Krohn, Badenweiler
  • 1998: Mark Quint Contemporary Art, La Jolla, Kalifornien; Monique Knowlton Gallery, New York
  • 2000: Patricia Sweetow Gallery, San Francisco, Kalifornien
  • 2001: Galerie S65, Aalst, Belgien
  • 2003: Clothed and Unclothed, The Athenaeum, La Jolla, Kalifornien; Real, Mark Quint Contemporary Art, San Diego, Kalifornien
  • 2007: 1. Athen Biennale, Athen, Griechenland; The Approach, London, Großbritannien
  • 2009: Der innere Blick - Das Interieur in der zeitgenössischen Kunst. Kunsthalle Tübingen
  • 2010: Realismus - das Abenteuer der Wirklichkeit. Courbet - Hopper - Gursky. Kunsthalle Emden; Fremde Heimat. Kunst in Baden-Württemberg, Kunsthalle Mannheim
  • 2012/13: Peter Dreher. Hommage an die Malerei. Ausstellungshalle im Augustinermuseum, Freiburg im Breisgau (anlässlich seines 80. Geburtstages)
  • 2013: Peter Dreher. MK Galleries, Milton Keynes, GB
  • 2014: Koenig & Clinton Gallery, New York; Osmos Gallery, New York; "Reines Wasser – Die kostbarste Ressource der Welt", Kunstmuseum Lentos, Linz, Austria; "Fixing a Hole", Koenig & Clinton, New York; "Stay in love", Lisa Cooley, New York
  • 2015 "Gleich und gleich und anders", Situation Kunst, Bochum; "Night Begins the Day: Rethinking Space, Time and Beauty", Contemporary Jewish Museum, San Francisco; "Organic situation", Koenig & Clinton, New York
  • 2016 "Accrochage", Pinault Fondation Punta della Dogana, Venedig; "Lasst Blumen sprechen", Museum Schloss Moyland, Bedburg-Hau; "Echtzeit", Kunstmuseum Bonn; "Zeit verstreichen", Kunstmuseum Solothurn; "Timelines", Port25, Mannheim; "Inside: Contemporary Artists and Writers in Reading Prison", Artangel, Reading, GB
  • 2017: Mayor Gallery, London; "Behind the mirror", Koenig & Clinton, New York

Sammlungen, in denen Drehers Werke vertreten sind[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Dreher - Hommage an die Malerei [Diese Publikation ist ein Sammlungskatalog der Serie Tag um Tag guter Tag und erscheint anlässlich der umfangreichen Schenkung Peter Drehers sowie anlässlich der Ausstellung "Peter Dreher - Hommage an die Malerei", 25.11.2012 - 7.4.2013] = Peter Dreher - Homage to painting = Peter Dreher - Hommage à la peinture / Museum für Neue Kunst - Städtische Museen Freiburg. [Konzeption: Christine Litz. Red. Christiane Grathwohl-Scheffel]. Snoeck, Köln 2012, ISBN 978-3-86442-026-9.
  • Peter Dreher. Jahrgangsgläser und Silbenschalen. Verlag Galerie Albert Baumgarten, Freiburg 2014, ISBN 978-3-925223-52-5
  • Peter Dreher. Fragmente. Gläser. Pflanzen, hrsg. Thomas von Salis, Salzburg 2015
  • Hinter dem Spiegel – Behind the mirror. Köln, Wienand Verlag, Köln 2017

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Peter Dreher – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Homepage der Künstlerin.
  2. Zitat des Künstlers, 2012.
  3. Angeli Janhsen, März 2013, Peter Dreher „Tag um Tag ist guter Tag“ seit 1974 bis heute,x,x,xxxx,xxxx Bilder, meist Öl auf Leinwand, 25 x 20 cm
  4. ders. (Angeli Janhsen, März 2013, Peter Dreher, Tag um Tag ist guter Tag)
  5. Peter Dreher, Hinter dem Spiegel, Behind the mirror; Köln, Wienand Verlag (nicht erschienen), 2017, aus: Irene von Neuendorff, Hinter dem Spiegel
  6. Der Künstler im Gespräch mit dem ehemaligen Kulturredakteur der Badischen Zeitung, Volker Bauermeister
  7. Peter Dreher, Fragmente-Gläser-Pflanzen, Thomas von Salis, 2015, aus: Irene von Neuendorff, Der glückliche Sisyphos.
  8. Peter Dreher, Behind the mirror; Köln, Wienand-Verlag, 2017 (noch nicht erschienen), aus: Irene von Neuendorff, Hinter dem Spiegel