Peter Emil Huber-Werdmüller

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Peter Emil Huber-Werdmüller

Peter Emil Huber-Werdmüller (* 24. Dezember 1836 in Zürich; † 4. Oktober 1915 ebenda) war ein Schweizer Industrieller, der u. a. die Maschinenfabrik Oerlikon gründete.

Studium und Wirkung in der Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn eines Zürcher Seidenfabrikanten besuchte Schulen in Zürich und im Welschland und studierte ab 1855 am Eidgenössischen Polytechnikum Zürich Maschinenbau. 1858 erhielt er das Diplom als Ingenieur und ergänzte sein Wissen anschliessend am Conservatoire National des Arts et Métiers in Paris. Zudem war er längere Zeit in England. Im damals führenden Industrieland konnte er sich weitere Kenntnisse erwerben.

Erste Anstellungen hatte er bei den Gebrüdern Sulzer in Winterthur, die damals von Charles Brown sen. geleitet wurde. In Brown hatte Huber einen ebenso fachlich hervorragenden wie ihn fördernden Lehrherren. Danach konnte er seine Kenntnisse bei der Escher, Wyss & Cie. in Zürich erweitern. 1863 gründete er mit dem englischen Ingenieur M. M. Jackson die Giesserei P. E. Huber & Co. in Oerlikon. Dieser Betrieb wurde aus wirtschaftlichen Gründen 1867 an die Firma Daverio, Siewerdt & Giesker in Rorschach verkauft und 1872 liquidiert.

1876 wurde die Werkzeug- und Maschinenfabrik Oerlikon neu organisiert und Huber-Werdmüller zum Präsidenten des Verwaltungsrates dieser Gesellschaft berufen. Er trieb die Entwicklung des Betriebes zielstrebig voran, gliederte 1884 eine elektrische Abteilung an und setzte Charles Brown sen. als deren Leiter ein. Brown brachte seine beiden Söhne Charles und Sidney, zwei hervorragende Ingenieure, mit in den Betrieb. Öffentlich wurden die Leistungen von Huber-Werdmüller und Oerlikon mit der Einrichtung einer Trasse zur Gleichstromübertragung von Kriegstetten nach Solothurn sowie über die Schweizer Grenze hinaus bei der Internationalen Elektrotechnischen Ausstellung 1891 in Frankfurt am Main, wo erstmals die Drehstromübertragung Lauffen–Frankfurt vorgestellt wurde zu der Oerlikon die Generatoren geliefert hatte. Später übernahm Hubers Schwiegersohn Dietrich Schindler-Huber die Leitung des Unternehmens.

Die Entwicklung der elektrischen Abteilung von Oerlikon hatte für das technische Fortkommen in der Schweiz und in Europa noch eine weitere Auswirkung. 1886 bestellte der Entdecker der Aluminium-Schmelzflusselektrolyse, Paul Louis Toussaint Héroult bei Oerlikon eine Dynamomaschine und kam 1887 selbst nach Zürich, um elektrolytische Versuche zu machen. Huber-Werdmüller, der schon früh die Bedeutung des Aluminiums als Werkstoff erkannt hatte, sah die immensen Vorteile des Héroult’schen Verfahrens. Zusammen mit den ebenso weit blickenden Unternehmerpersönlichkeiten Georg Robert Neher, Gustave Naville, Präsident der Firma Escher, Wyss & Cie. in Zürich trieb er seine Idee einer Aluminiumfabrik in Neuhausen am Rheinfall voran.

Die Familie Neher verfügte über die Wasserrechte am Rheinfall, die für die Stromerzeugung genutzt werden sollten, sowie mit ihrem ehemaligen Eisenwerk über die Infrastruktur an diesem Standort. Die Firma Oerlikon, die damals die grössten Gleichstromgeneratoren der Welt produzierte, installierte diese zur grosstechnischen Herstellung des Stroms, der für den enormen Strombedarf des Héroult-Verfahrens notwendig war. Die Escher Wyss & Cie. lieferte die Turbinen. Mit weiteren Aktionären wurde im Oktober 1887 die Schweizerische Metallurgische Gesellschaft gegründet, aus der dann die Aluminium Industrie AG., Neuhausen (AIAG) hervorging, die ihrerseits 1963 in Schweizerische Aluminium AG überführt wurde.

Damit wurde Schaffhausen zur Wiege der Aluminiumindustrie Europas und Huber-Werdmüller hat diese Entwicklung etwa als Mitgründer der Kraftübertragswerke Rheinfelden (heutige Energiedienst Holding) und dem Bau des dortigen Aluminiumwerks (Aluminium Rheinfelden) mit vorangetrieben. Er fand auf dem Friedhof Enzenbühl seine letzte (geräumt) Ruhestätte.

Wirken in öffentlichen Ämtern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1867 widmete sich Huber in öffentlichen Funktionen vor allem der Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur in der näheren und weiteren Umgebung von Zürich. Ausgehend vom Amt des Gemeinderats in der Zürcher Vorortsgemeinde Riesbach, seinem Geburtsort, setzte er sich als Bauvorstand im Gemeinderat für einen grosszügigen Strassenausbau ein. Er förderte auch den Bau einer funktionsgerechten Quaianlage am Zürichsee. Infolge der Erschliessung des Seefeldes hatte er sich mit den Problemen des Eisenbahnbaus zu beschäftigen und wurde so Mitglied im Verwaltungsrat der Schweizerischen Nordostbahn. Huber war wesentlich an der Gründung der Uetlibergbahn beteiligt, wo er sich gegen grosse Widerstände dafür einsetzte, dass diese Strecke als Adhäsionsbahn gebaut wurde. Auch die Entwicklung des schienengebundenen Nahverkehrs in Zürich und Umgebung hat Huber wesentlich mit angeschoben. So bereitete er die Gründung eines Strassenbahnverbandes Zürich–Riesbach–Enge, der Zürcher Strassenbahngesellschaft, die zunächst eine Rösslitram baute. Nach der Stadtvereinigung von 1893 leitete er die Gründung der Elektrischen Strassenbahn Zürich in die Wege.

Huber-Werdmüller gehörte 1889 zu den Mitbegründern des Schweizerischen Elektrotechnischen Vereins (SEV) und wurde 1909 zu dessen Ehrenmitglied ernannt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Illi: Huber, Peter Emil. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Hans-Rudolf Schmidt: Emil Huber (-Werdmüller). In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 9, Duncker & Humblot, Berlin 1972, ISBN 3-428-00190-7, S. 680 f. (Digitalisat).
  • Olivier Beffort: Aluminium im Zeitraum 1880–1905. In: Ludwig von Tetmajer Przerwa: Pioniere/Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik. Band 66, 1995, S. 112–114.
  • Wilhelm Füßl: Oskar von Miller 1855–1934 – Eine Biographie. C. H. Beck, München 2005, ISBN 978-3-406-52900-9.
  • Fritz Rieter: Peter Emil Huber-Werdmüller, 1836–1915, der Gründer der Maschinenfabrik Oerlikon, massgeblicher Mitgründer der Aluminium-Industrie-Aktien-Gesellschaft und weiterer Unternehmungen. (= Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik. Band 7). Verein für wirtschaftshistorische Studien, Zürich 1957.
  • Hans Staffelbach: Peter Emil Huber-Werdmüller 1836–1915, Emil Huber-Stockar (1865–1939): Vater und Sohn. Zwei Lebensbilder als Beitrag zur Geschichte der schweizerischen Technik. Hrsg. von Max Huber-Escher und Hans Hürlimann-Huber. Schulthess, Zürich 1943.
  • Leo Weisz: Studien zur Handels- und Industrie-Geschichte der Schweiz. Band 2, Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1940.
  • Leo Weisz, Walther Meier: Geschichte der Aluminium-Industrie-Aktien-Gesellschaft Neuhausen 1888–1938. Band 1, Aluminium-Industrie-Aktien-Gesellschaft, Chippis 1942.
  • A. J. P. E. Huber-Werdmüller. In: Schweizerische Bauzeitung. 65/66 (1915), S. 176ff. (Digitalisat)