Peter Hagendorf

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Peter Hagendorf war ein Söldner des Dreißigjährigen Krieges und nach Kriegsende möglicherweise Richter und Bürgermeister der Stadt Görzke. Er hinterließ ein umfangreiches Tagebuch, dessen erhaltener Teil einen Zeitraum von 24 Jahren zwischen 1625 und 1649 umfasst und das als wichtiges Zeugnis des Söldnerlebens dieser Zeit gilt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Hagendorfs genaues Geburtsdatum und der Geburtsort sind nicht bekannt. Es wird von Historikern aber davon ausgegangen, dass er aus der Gegend um Zerbst/Anhalt stammte. Daraus und aus der Wortbedeutung des Familiennamens ergibt sich die ursprüngliche Herkunft der Familie aus dem bei Nedlitz (Zerbst) im Hohen Fläming gelegenen Ort Hagendorf (Zerbst), einem Hagenhufendorf aus dem 13. Jahrhundert, welches irgendwann zwischen 1399 und 1560 Wüstung gewesen war und erst ab 1680 als Rittergut wieder urkundlich erwähnt wurde. Er lernte Lesen und Schreiben und war evangelisch.[1][2][3]

Söldnerleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang der 1620er Jahre zog er nach Italien und verdingte sich nach eigener Darstellung als Söldner im Veltliner Krieg. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland ließ er sich 1627 in Ulm, wohl aus Geldmangel, als Gefreiter in das Infanterieregiment von Gottfried Heinrich zu Pappenheim anwerben. Anschließend begab er sich zum Musterplatz in die Markgrafschaft Baden, wo er am 20. Mai 1627 Anna Stadler aus Traunstein heiratete. In den Folgejahren nahm er mit dem Regiment Pappenheim auf Seiten der Katholischen Liga an verschiedenen Schlachten des Dreißigjahrigen Kriegs teil. Unter anderem, nach eigener Bekundung, 1631 bei der sogenannten Magdeburger Hochzeit, wo er in der Nähe des Hohepfortetors schwer verwundet wurde. Aufgrund seiner Lese- und Schreibkenntnisse wurde er vorzugsweise in bürokratischen Bereichen und als militärrechtlicher Richter eingesetzt, wurde gelegentlich zum Korporal ernannt und war Wachtmeister einer Kompanie. Zudem pflegte er Freundschaften zu Führungskräften wie dem Feldscher Melchert Bordt, dem Profos Christoff Issel, dem Oberstleutnant Quirinus Müller oder der Feldwebelin Benengel Didelin. 1633 starb Anna Stadler in seiner Abwesenheit zusammen mit ihrem vierten Kind im Lazarett in München. Keines der Kinder wurde älter als ein Jahr. Im selben Jahr traf er in Dinkelsbühl überraschend seinen Vetter, den Glockengießermeister Adam Ill Iligan, der 1622 dort Grundbesitz erworben hatte.[4][1][3][5]

Am 23. Januar 1635 heiratete er in Pforzheim seine zweite Frau, Anna Maria, die Tochter von Martin Buchler, vermutlich ebenfalls einem Landsknecht, der mit seiner Familie Teil des Trosses war. Ab Juni 1641 übernahm Johann von Winterscheid das Regiment Pappenheim. Zusammen mit einem Fähnrich Nodthaff wurde Hagendorf im November 1641 mit einer Gruppe Verwundeter ins thüringische Mühlhausen abkommandiert und blieb dort bis zum 7. April 1642. Das dortige Stadtarchiv nennt ihn namentlich als Empfänger von einem Pfund Fleisch, zwei Pfund Brot und einem Maß Bier pro Tag und Mann als Kontribution zur Verpflegung. Im Februar 1647 lag Hagendorf nahe der oberösterreichischen Gemeinde Altheim. Er gab dort im September seinen 1643 geborenen Sohn Melchert Christoff für 10 Gulden pro Jahr beim Schulmeister der katholischen Kirche St. Laurenz in Pflege und zog weiter. Den Westfälischen Frieden im Jahr 1648 erlebte er als Garnisonssoldat in Memmingen. Zu dem Zeitpunkt hatte er etwa 22.500 km durch Italien, das Heilige Römische Reich, die Spanischen Niederlande und das Königreich Frankreich zurückgelegt.[1][3][5][6]

Leben nach dem Westfälischen Frieden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 1649 holte Hagendorf seinen Sohn aus Altheim und gab ihn an seinem Standort Memmingen im Alter von fünf Jahren und neun Monaten in die Schule. Gleich nach Abdankung der Garnison im September und Zahlung von 39 Gulden ausgehandeltem Sold sowie Abzugsgeld zog er am 26. September 1649 mit seiner schwangeren Frau und den zwei Kindern auf direktem Weg nach Görzke im Vierländereck zwischen Erzstift Magdeburg, Anhalt, Mittelmark und Sachsen. Im gleichen Jahr entstand sein Tagebuch als Reinschrift seiner Kriegserlebnisse. In Görzig war er anscheinend gut vernetzt und angesehen. Er bekam dort noch drei Söhne, von denen der am 9. November 1649 geborene Peter noch als Baby starb.[1][3]

Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Anna Maria Buchler hatte Hagendorf zehn Kinder, von denen die im Krieg geborenen Melchert Christoff und Anna Maria sowie Andreas und Johannes Leonhard, die nach dem Krieg in Görzke geboren wurden, das Erwachsenenalter erreichten.

  • Melchert Christoff Hagendorf (* 6. August 1643 in Pforzheim; † 1721 in Görzke) war dort 47 Jahre lang Richter und Kirchenvorsteher und gehörte zu den größten Grundbesitzern der Gegend.[7]
  • Anna Maria (* 5. Januar 1648 in Memmingen; † unbekannt)[8]
  • Andreas Hagendorf (* 1651 Görzke, † vermutlich 1726 in Rädigke) ging ins nahegelegene Rädigke und besaß dort einen Hof, den 1726 dessen Sohn Peter Hagendorf jun. übernahm sowie von 1747 bis 1783 den Dornberger-Hof.[8][9]
  • Johannes (Hanß) Leonhard, (* Juni 1654 Görzke; † unbekannt) wird Schneidermeister und Kirchenvorstand.[8][7]

Inhalt des Tagebuchs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Seite aus dem Tagebuch Hagendorfs

Das Tagebuch beginnt Anfang der 1620er Jahre, die erste konkrete Jahreszahl ist 1625. Es schildert, wie Hagendorf mit seinem besten Freund Christian Kresse aus Halle am Bodensee entlang, durch die Schweiz nach Italien marschiert, um dort am Veltliner Krieg teilzunehmen.[10] Hagendorf wandert über den Gotthardpass zurück nach Deutschland. Beim Abstieg verliert er dabei Kresse vermutlich während eines Wettersturzes.[11]

Er lässt sich dann aus Geldmangel 1627 in Ulm erneut als Söldner anwerben. Nach der Ankunft am Musterplatz heiratet Hagendorf seine erste Frau Anna Stadler aus Traunstein, die ab diesem Zeitpunkt mitmarschiert. Sie bekommt vier Kinder, von denen keines länger als zwei Jahre lebt. Als Anna aufgrund der Folgen der letzten Geburt in einem Münchner Krankenhaus stirbt, trifft Hagendorf das hart.[12] Zwei Jahre lang alleinstehend, schildert er u. A. zwei Begegnungen mit Frauen.

„Alhir sindt wir 8 tage stilgelehgen, vndt die stadt ausgeplundert, Alhir habe Ich fur meine beute, ein huebsses medelein bekommen vnd 12 tall am gelde kleider, vndt weiszeug gnug wie wir sindt auffbrochen habe Ich sie wieder nach lanshut geschiegket,...“[13]

„Alhir habe Ich auch [in Pforzheim] ein Iunges medges (?) herausgefuhret, Aber // Ich habe sie lassen wieder hinein gehen, den sie hatt mir must, weiszeug herraus tragen, welches mir offt Ist leit gewessen, den ich hate auff dies mal kein weieb,...“[14]

Jan Peters interpretiert das sowohl als mögliche Entführung als auch als Begegnung mit sogenannten Trosshuren.[15][16] 1635 heiratet Hagendorf in Pforzheim seine zweite Frau, Anna Maria Buchler, die Tochter von Martin Buchler, der zusammen mit seiner Frau mitmarschiert, laut Peters vermutlich ebenfalls ein Landsknecht. Mit ihr bekommt Hagendorf während des Krieges noch sechs weitere Kinder.[17]

Hagendorf ist an der Erstürmung von Magdeburg beteiligt, wo er schwer verwundet wird.[18] Er kämpft hauptsächlich im Regiment Pappenheim, wird zwischenzeitlich jedoch auch von den Schweden zwangsrekrutiert – eine im Dreißigjährigen Krieg übliche Praxis.[19] Seinen Sohn Melchior Christoph (Melchert Christoff) gibt er, als dieser aus dem Kleinkindalter herauswächst, zu einem Schulmeister in Pflege.[20] Melchior Christoph und eine nachgeborene Tochter Anna Maria sind bis zum Schluss der Aufzeichnungen Hagendorfs am Leben.

Den Westfälischen Frieden erlebt Hagendorf in Memmingen und sieht ihn zwiespältig, da ihm dadurch seine Lebensgrundlage genommen wird und er sich nun mit Hilfsarbeit wie der eines Nachtwächters herumschlagen muss. Er beschreibt, wie sich seine Alkoholsucht nach Ende des Krieges wieder verstärkt Bahn bricht und sich seltsame Unfälle häufen, die laut Peters auf ein Unvermögen hinweisen, mit dem Frieden zurechtzukommen. Im Mai 1649 holt er seinen Sohn – ohne eine weitere Erläuterung im Tagebuch – vom Schulmeister im 260 km weit entfernten Altheim ab. Am 26. September 1649, nur einen Tag nach der Abdankung von seinem Regiment, an dem er 39 Gulden (drei Monatsgehälter) Abfindung erhalten hatte, fährt er mit Sohn, Tochter und Frau los. Er reist in hohem Tempo Richtung Nordosten, durchquert am 26. September Babenhausen, am 27. Günzburg, am 28. Gundelfingen, am 29. Nördlingen, am 30. Öttingen. Einen letzten Städtenamen interpretiert Jan Peters als einen Ort namens Straßburg. Danach reißen die Aufzeichnungen ab. Wohin seine Reise mit der Familie geht, bleibt offen.[21]

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung und Analyse des Tagebuchs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1648 erwarb Hagendorf von seinem Sold 12 Bögen feines Papier, das er mit derben Fäden zusammenband, um darauf seine Kriegserlebnisse aufzuschreiben. Sehr sicher war das Tagebuch die Reinschrift von vielen Zetteln. Der Historiker Marco von Müller stellte in seiner Magisterarbeit fest, dass nachweisbar Zettel durcheinandergeworfen wurden oder verloren gingen; so sind an einigen Stellen Textteile nicht ganz schlüssig und klingen, als ob sie aus der Erinnerung rekonstruiert wurden. Die Inhalte waren auf (ehemals) 192 Blätter mit meistens zwölf geraden Zeilen niedergeschrieben.

Die Sprache ist für damalige Verhältnisse ungewöhnlich kühl, mit stellenweise aufblitzender Ironie und sarkastischen Einwürfen.

Gefühle zeigt er bei Dingen, die ihn augenscheinlich begeistern, wie Natur, Mühlen und Architektur. So beschreibt er zwischen den Kampfphasen wortreich, detailliert und mit großer Anschaulichkeit Natur und Landschaften, zeigt lebhaftes Interesse an den jeweiligen Einwohnern und ihren kulinarischen Eigenheiten. Er verherrlicht den Krieg nicht. Distanziert beschreibt Hagendorf die Gräuel, die er mitansehen muss, aber auch selbst verursacht. Er spart auch nicht mit selbstkritischer Beleuchtung seiner eigenen Person. So wird sein Hang zum Alkoholismus beschrieben, den er zwar meistens gut im Griff hat, der ihn aber, wenn er mal durchkommt, in Schwierigkeiten bringt, meist finanzieller Natur. Seine Frauen liebt er aufrichtig. Seine Kinder beschreibt er reserviert, solange sie noch Säuglinge sind. Erst als das erste, der Sohn Melchior Christoph, das Kleinkindalter erreicht, wird auch seine Beschreibung wärmer und gefühlvoller. Als das Kind anfängt, die Dinge um sich bewusst wahrzunehmen, bringt er es fürsorgend bis zum Ende des Krieges bei einem Schulmeister unter.

Seine für die damalige Zeit und Umstände ungewöhnlich gehobene Bildung ermöglichte Hagendorf, höhere Posten und Positionen einzunehmen als andere Rekruten. So wurde er aufgrund seiner Lese- und Schreibkenntnisse vorzugsweise in bürokratischen Bereichen und als militärrechtlicher Richter eingesetzt. Er hatte auch Kenntnisse in Latein, war aber kein Intellektueller. Das Tagebuch ist, trotz der ausführlichen Schilderungen, überraschend unpolitisch. Er nimmt über all die Jahre keinerlei Position für eine Partei oder Religion ein. Sein gesamter Fokus ist auf das tägliche Überleben seiner Familie und seiner selbst ausgerichtet.[22]

Fundgeschichte des Tagebuchs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Historiker Jan Peters fand die Aufzeichnungen 1988 im Westberliner Handschriftenverzeichnis bei einem Besuch der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin und wird dort unter der Signatur Ms. germ. oct. 52 geführt. Vorbesitzer des Buches war der evangelische Berliner Pfarrer und Bücherexperte Gottlieb Ernst Schmid (1727–1814), der der Staatsbibliothek zu Berlin 1803 seine bedeutende Büchersammlung vermachte.

Das Buch war zum Fundzeitpunkt in einem mitgenommenen Zustand. Wasserflecken, Schimmel und Rauch hatten Schrift und Papier zugesetzt. Von den ursprünglich 192 Blättern waren nur noch 176 erhalten. Die ersten 13 und die letzten drei Blätter fehlten. Der erhaltene Teil des Tagebuchs umfasst einen Zeitraum von 24 Jahren zwischen 1625 und 1649. Peters übertrug es ins zeitgenössische Deutsch und nach der Wende 1993 publizierte er es erstmals, allerdings war der Name des Autors Peter Hagendorf damals nur eine Vermutung.[3]

Forschung zu Name, Herkunft und Verbleib nach 1649[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Tagebuch nennt den Namen des Verfassers nicht, wohl aber Namen und Lebensdaten zu Kindern und Ehefrauen. Auch zur Herkunft des Verfassers gab es nur wenige indirekte Hinweise auf einen Vetter, ein Interesse für Mühlen sowie Spracheigenheiten. Der wichtigste war dabei aber die Nennung der Gegend um Magdeburg als Vaterland, respektive Vaters Land.[23]

„…Ist mir doch von herdtzen leit gewessen das die stadt so schreglich gebrunnen hat wehgen der schönen stadt, vndt das es meines vaterlandes Ist,…“

Die ersten Untersuchungen stammen von Peters. Er suchte in Chroniken nach Hinweisen für den Namen des Verfassers, wo dessen Kinder geboren und getauft worden waren, und woher seine Frauen stammten. Im Tagebuch spricht der Anonymus von seiner Tochter Magreta, die am 3. November 1645 in Pappenheim zur Welt gekommen war. Im Kirchenbuch des lutherischen Pfarramtes fand Peters den Namen des Kindes als Anna Marget wieder, auch der Name der Mutter Anna Maria stimmt überein, und als Vater wird ein Peter Hagendorf genannt. Zur Herkunft konnte er in Folge nur allgemeine Feststellungen zu Namensherkunft und der Namensverbreitung zu jener Zeit machen. Er sah Hinweise zur Herkunft als Müllerssohn aus dem Rheinland.[1][3]

Der entscheidende Nachweis zur Identifizierung des Autors wurde 2004 von Marco von Müller im Rahmen seiner Magisterarbeit an der FU Berlin bei Arthur Imhof und Jan Peters erbracht. Er fand im Mühlhausener Stadtarchiv unter dem Titel Copia Scheinß einen Eintrag vom 27. Dezember 1641, in dem Verpflegungsleistungen für die Zeit ab dem 13. November 1641 verzeichnet sind. Sie stimmen größtenteils mit den im Tagebuch genannten Zahlungen und Umständen überein. Als Empfänger wird in dem Aktenstück ein Peter Hagendorff namentlich genannt.[3] Andere Quellen stützen diese Zuordnung. So beispielsweise im ersten Kirchenbuch (1629–1635) von Engelrod (heute Ortsteil von Lautertal im Vogelsberg), wo sich für Eichelhain folgender Taufeintrag vom 17. August 1630 fand:

„Elisabeth, Peter Hagendorffs, eines Soldaten von Zerbst döchterlein ...“[24]

Hier gab es zudem einen Hinweis für die Herkunft aus Zerbst, wobei aber unklar war, ob die Stadt Zerbst/Anhalt gemeint war oder das Fürstentum Anhalt-Zerbst. Zudem bestand ein Widerspruch zu den bisherigen Annahmen. Peters stellte in Zerbst Nachforschungen an und fand heraus, dass mehrere Hagendorfs „zeitgleich“ wie Peter Hagendorf in Zerbst auftauchten (obgleich er nicht näher angibt, wie er „zeitgleich“ definiert). Einem Jacob Hagendorf, dessen Kinder im selben Alter wie die von Peter getauft wurden, wies er eine mögliche Verwandtschaft als Bruder zu. Auch die Herkunft der Zerbster Hagendorfs fiel ihm auf: Buckau bei Ziesar, Litzow bei Glindow, ferner Brandenburg, Magdeburg, Wittenberg und andere Ortschaften in relativer Nähe.[7][25][26]

Im Jahr 2018 entwickelte Juliana da Costa José mit den Methoden der operativen Fallanalyse ein Profil von Peter Hagendorf und darauf basierend die These, er könne aus dem Fläming stammen und dorthin zurückgegangen sein. Sie wandte sich an Müller und dieser informierte den Historiker Hans Medick. Zusammen mit der Handschriftexpertin Claudia Minuth fanden sie Einträge in Görzker Kirchenbüchern ab 1649. Offenbar kam Hagendorf schon im Herbst 1649 mit Familie in Görzke an, denn ab dem 9. November werden „Peter Hagendorf, ein Soldat“ und „Anna Maria Hagendorf, Ehefrau von Peter Hagendorf“ sowie Nachkommen der beiden mehrfach genannt. Die Analyse des mutmaßlichen Rückweges in Bezug auf Plausibilität sowie historische Betrachtungen zum Rückkehrgrund, beispielsweise Verordnungen und Wiederansiedelungsmaßnahmen, die in Sachsen-Anhalt versprengten Armeeangehörigen und Flüchtlingen bei Strafe die Rückkehr in ihre Herkunftsorte befahlen[27], erlassen wurden (diese Erlasse befahlen bei Strafe versprengten Armeeangehörigen und Flüchtlingen die Rückkehr in ihre Herkunftsorte, um die verwaisten Landstriche wieder zu bevölkern), durch Müller und Medick bestätigten in Folge die Einträge.[7][28][29]

Am 4. Februarjul./ 14. Februar 1679greg. wurde in Görzke der alte M: Peter Hagen im Alter von 77 Jahren beerdigt. Medick schließt aus der aktuell vorliegenden Datenlage, dass es sich bei dem genannten Beerdigungseintrag um den des Soldaten Peter Hagendorf handelt, der dort nachweislich im November 1649 seinen gleichnamigen Sohn taufen ließ. Indizien weisen darauf hin, so Medick, dass dieser Peter Hagendorf zum „Bürgermeister und Richter“ gewählt wurde.[7] Rückwärtsgerechnet käme somit das Geburtsjahr 1601 oder 1602 in Frage.

Filme und Dokumentationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Dreißigjährige Krieg (Teil 1) – Von Feldherren, Söldnern und Karrieristen. Dokumentarfilm, Bayerischer Rundfunk (BR), Deutschland 2011. Mit Matthias Klösel als Peter Hagendorf.[30][31]
  • Glauben, Leben, Sterben. Dokumentarfilm, ARD (BR, MDR, SWR) und ORF, Deutschland 2018. Ein Film von von Stefan Ludwig mit Robert Zimmermann als Peter Hagendorf.[32]
  • Terra X: Der Dreißigjährige Krieg (Teil 1) – Tagebücher des Überlebens. Dokumentarfilm, ZDF, Deutschland 2018. Ein Film von Ingo Helm und Volker Schmidt-Sondermann mit Philip Hagmann als Peter Hagendorf.[33]
  • Die eiserne Zeit – Leben und Lieben im Dreißigjährigen Krieg. Sechsteiliges Doku-Drama, ARD/Arte, Deutschland 2018. Produzent: Gunnar Dedio, Drehbuch: Yury Winterberg, mit Jan Hasenfuss als Peter Hagendorf.[34][35]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(chronologisch geordnet)

  • Jan Peters (Hrsg.): Ein Söldnerleben im Dreißigjährigen Krieg. Eine Quelle zur Sozialgeschichte. (= Selbstzeugnisse der Neuzeit. Quellen und Darstellungen zur Sozial- und Erfahrungsgeschichte, Band 1). Akademie Verlag, Berlin 1993, ISBN 3-05-001008-8.
  • Peter Burschel: Himmelreich und Hölle. Ein Söldner, sein Tagebuch und die Ordnungen des Krieges. In: Benigna von Krusenstjern, Hans Medick (Hrsg.): Zwischen Alltag und Katastrophe. Der Dreißigjährige Krieg aus der Nähe. (= Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, Band 148). 2. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-35463-0, S. 181–194.
  • Luise Wagner-Roos, Reinhard Bar: Zwischen Himmel und Hölle – Erinnerungen an ein Söldnerleben. In: Hans-Christian Huf (Hrsg.): Mit Gottes Segen in die Hölle – Der Dreißigjährige Krieg. Ullstein-Verlag, Berlin 2001, ISBN 978-3-548-60500-5, S. 104–127.
  • Marco von Müller: Das Leben eines Söldners im Dreißigjährigen Krieg. Magisterarbeit am Friedrich-Meinecke-Institut, 2005 (PDF; 5,6 MB).
  • Jan Peters (Hrsg.): Peter Hagendorf – Tagebuch eines Söldners aus dem Dreißigjährigen Krieg. (= Herrschaft und soziale Systeme in der Frühen Neuzeit, Band 14). V & R Unipress, Göttingen 2012, ISBN 978-3-89971-993-2.
  • Christian Pantle: Der Dreißigjährige Krieg. Als Deutschland in Flammen stand. Vom Rauben, Morden und Plündern und der Menschlichkeit im Krieg. Propyläen Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2017, ISBN 978-3-549-07443-5.
  • Hans Medick: Der Dreißigjährige Krieg – Zeugnisse vom Leben mit Gewalt, Wallstein-Verlag, Göttingen 2018, ISBN 978-3-8353-3248-5 (Kapitel „Die Täterperspektive eines Söldners“, S. 113–115; „Die Rückkehr des Peter Hagendorf“, S. 115–122; „Überleben eines Söldners und seiner Familie im Krieg“, S. 134–141; „Belagerungen“, S. 197–198; „Massaker“, S. 219–222).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Jan Peters: Peter Hagendorf – Tagebuch eines Söldners aus dem Dreißigjährigen Krieg. 2012, Kapitel: Forschungsstand und Themen des Tagebuchs, S. 199ff
  2. Gustav Hey, Karl Schulze: Die Siedlungen in Anhalt. Ortschaften und Wüstungen mit Erklärung ihrer Namen. Waisenhaus, Halle 1905.
  3. a b c d e f g Marco von Müller: Das Leben eines Söldners im Dreißigjährigen Krieg. Magisterarbeit am Friedrich-Meinecke-Institut, Bonn 2005 (mvonmueller.de [PDF]).
  4. Sigrid Thurm, Franz Dambeck (Hrsg.): Deutscher Glockenatlas Band 3 – Mittelfranken. Deutscher Kunstverlag München, 1973, ISBN 978-3-422-00543-3, S. 99 Anm. 188.
  5. a b Hans Medick: Der Dreißigjährige Krieg – Zeugnisse vom Leben mit Gewalt. 3. Auflage. Wallstein-Verlag, Göttingen 2018, ISBN 978-3-8353-3248-5, S. 113 ff.
  6. Claudia Jarzebowski: Kindheit und Emotion: Kinder und ihre Lebenswelten in der europäischen Frühen Neuzeit. Walter de Gruyter, 2018, ISBN 978-3-11-046891-5, S. 76 ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7. a b c d e Marco von Müller: Peter Hagendorf kehrt heim; Hans Medick: Der Dreißigjährige Krieg – Zeugnisse vom Leben mit Gewalt. Wallstein-Verlag, Göttingen 2018, ISBN 978-3-8353-3248-5, S. 118/119.
  8. a b c Kirchenbücher Görzke 17. bis 19. Jahrhundert, übersetzt von Claudia Minuth, Pfarramt Elbe-Fläming, am 28. Mai 2018, Gutachten von Hans Medick, 31. Mai 2018.
  9. Bernd Moritz, Gerd-Christian Treutler: Die Bauerngüter von Rädigke, Hoher Fläming. In: Brandenburgisches Genealogisches Jahrbuch. Band 5, 2011, S. 51 ff. (bggroteradler.de [PDF]).
  10. Tagebuch Bl. 2–8.
  11. Tagebuch Bl. 10–12.
  12. Tagebuch Bl. 14–38.
  13. Tagebuch Bl. 44.
  14. Tagebuch Bl. 50.
  15. Jan Peters: Peter Hagendorf – Tagebuch eines Söldners aus dem Dreißigjährigen Krieg. 2012, Kapitel: Lebensweise und Soldatenkultur, S. 169.
  16. Tagebuch Bl. 38–50.
  17. Tagebuch Bl. 53 ff.
  18. Tagebuch Bl. 23–27.
  19. Tagebuch Bl. 39–48.
  20. Tagebuch Bl. 167.
  21. Tagebuch Bl. 173–176.
  22. Magisterarbeit M. v. Müller ff.
  23. Tagebuch Bl. 25ff
  24. Ortwein, Kirchenbücher Engelrod, S. 184.
  25. Friedrich J. Ortwein (Hrsg.): Die Kirchenbücher Engelrod 1629–1698. Hannover und Köln 1993/2006, S. 4ff.
  26. Michael Kaiser: Rezension von: Jan Peters (Hg.): Peter Hagendorf - Tagebuch eines Söldners aus dem Dreißigjährigen Krieg, Göttingen: V&R unipress 2012, in: sehepunkte 13 (2013), Nr. 4 [15.04.2013]
  27. Eckhard Oelke: Über die Wiederbesiedlung des heutigen Sachsen-Anhalt nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618–1648). In: Hercynia. Neue Folge Band 38, 2005, S. 5–24 (PDF).
  28. Christian Pantle: Der Dreißigjährige Krieg. Als Deutschland in Flammen stand. Vom Rauben, Morden und Plündern und der Menschlichkeit im Krieg. 7. Auflage. Ullstein, 2019, ISBN 978-3-548-06058-3 (google.de).
  29. Hans Medick: Der Dreißigjährige Krieg – Zeugnisse vom Leben mit Gewalt. 3. Auflage. Wallstein-Verlag, Göttingen 2018, ISBN 978-3-8353-3248-5, S. Anm. 55 (google.de).
  30. Der Dreißigjährige Kriege (Teil 1) – Von Feldherren, Söldnern und Karrieristen. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 30. Mai 2018.
  31. Toppler-Darsteller Klösel spielt Hauptrolle in BR-Film. In: Nordbayern.de. 7. Januar 2011, abgerufen am 30. Mai 2018.
  32. Glauben, Leben, Sterben. In: DasErste.de. Abgerufen am 30. Mai 2018.
  33. Terra X: Der Dreißigjährige Krieg (1/2) – Tagebücher des Überlebens. In: ZDF.de. Abgerufen am 26. September 2018.
  34. Die eiserne Zeit – Leben und Lieben im Dreißigjährigen Krieg. In: NICCC.de. Abgerufen am 4. September 2018.
  35. Die eiserne Zeit – Leben und Lieben im Dreißigjährigen Krieg. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 26. September 2018.