Peter I. (Brasilien)

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Kaiser Peter I. von Brasilien, König Peter IV. von Portugal (Ölgemälde von Simplício Rodrigues de Sá, um 1830, Museu Imperial)

Peter I. (portugiesisch Dom Pedro I; mit vollständigem Namen Pedro de Alcântara Francisco António João Carlos Xavier de Paula Miguel Rafael Joaquim José Gonzaga Pascoal Cipriano Serafim de Bragança e Bourbon; * 12. Oktober 1798 in Queluz; † 24. September 1834 ebenda) war von 1822 bis 1831 Kaiser von Brasilien und unter dem Namen Peter IV. 1826 König von Portugal. Er stammte aus dem Haus Braganza.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die frühen Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geburt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter I. mit 2 Jahren, 1800

Peter I. wurde am 12. Oktober 1798 um 8:00 Uhr im Königspalast von Queluz in der Nähe von Lissabon geboren.[1] Er wurde nach Petrus von Alcantara benannt, und sein voller Name war Pedro de Alcântara Francisco António João Carlos Xavier de Paula Miguel Rafael Joaquim José Gonzaga Pascoal Cipriano Serafim.[2][3] Er trug ab seiner Geburt den Ehrentitel "Dom" (Herr).[4]

Durch seinen Vater, Prinz Johann (später König Johann VI.), war Peter ein Mitglied des Hauses Braganza (portugiesisch: Bragança) und ein Enkel des Königs Peter III. und der Königin Maria I. von Portugal, welche sowohl Onkel und Nichte als auch Ehemann und Ehefrau waren.[5][6] Seine Mutter, Charlotte Joachime, war die Tochter des Königs Karl IV. von Spanien.[7]

Seine Eltern führten eine sehr unglückliche Ehe. Charlotte Joachime war eine ehrgeizige Frau, die immer versuchte, die spanischen Interessen zu fördern, auch wenn diese zum Nachteil für Portugal ausfielen. Sie war angeblich ihrem Ehemann untreu und ging so weit, mithilfe unzufriedener portugiesischer Adliger den Sturz ihres Ehemanns zu planen.[8][9]

Als zweitältester Sohn und viertes Kind wurde Peter aufgrund des Todes seines älteren Bruders Francisco António im Jahre 1801 zum Erben seines Vaters und zum Prinzen von Beira erklärt.[10] Nachdem Königin Maria I. 1793 für unheilbar geisteskrank erklärt wurde, übernahm ihr Sohn Prinz Johann als Regent die Regierungsgeschäftige im Auftrag seiner Mutter.[11][12] Bis 1802 entfremdeten sich Peters Eltern immer mehr, sodass Johann im Nationalpalast von Mafra und Charlotte Joachime im Ramalhão-Palast wohnte. Peter und seine Geschwister hingegen residierten mit ihrer Großmutter Maria I. im Queluz-Palast, weit entfernt von ihren Eltern, die sie nur bei staatlichen Anlässen in Queluz sahen.[13][14]

Flucht nach Brasilien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende November 1807, flüchtete die königliche Familie mit dem neunjährigen Peter nach Brasilien, da sich eine von Napoleon gesandte französische Invasionsarmee auf dem Weg nach Lissabon befand. Napoleon wollte das Land so für seine Weigerung bestrafen, an der Kontinentalsperre gegen England teilzunehmen.

Während der langen und beschwerlichen Reise las Peter Vergils Aeneis und unterhielt sich mit der Schiffsbesatzung, um Navigationskenntnisse zu erwerben.[15][16] Peter und seine Familie kamen im März 1808 in Rio de Janeiro, der Hauptstadt der größten und reichsten Kolonie Portugals, an, welche zur neuen Residenzstadt ernannt wurde.[17] Johann sollte Portugal erst 1832, also nach 24-jähriger Abwesenheit, wieder betreten.

In Brasilien ließen sich Peter, sein jüngeren Bruder Michael und sein Vater nach einem kurzen Aufenthalt im Paço Real (königlicher Palas) oder Paço de São Cristóvão (St.-Christophs-Palast) nieder.[18][19] Obwohl Peter nie ein sehr enges Verhältnis zu seinem Vater hatte, liebte er ihn und missbilligte die ständige Erniedrigung, die Johann durch die außerehelichen Affären von Charlotte Joachime erlitten hatte.[20] Im Erwachsenenalter betitelt Peter seine Mutter, für die er nur Gefühle der Verachtung hegte, in aller Öffentlichkeit als „Hündin“.[21] Diese frühen Erfahrungen von Verrat, Kälte und Vernachlässigung hatten großen Einfluss auf die Bildung von Peters Charakter.[22]

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter I. mit 11 Jahren, 1809

Ein gewisses Maß an Stabilität in seiner Kindheit bot seine Aia (Gouvernante), Maria Genoveva do Rêgo e Matos, die er wie eine Mutter liebte, und sein Aio (Oberaufseher) Bruder António de Arrábida, der sein Mentor wurde.[23][24] Beide waren verantwortlich für die Erziehung von Peter und versuchten, ihn mit einer angemessenen Ausbildung zu versehen. Seine Ausbildung umfasste eine breite Palette von Themen wie Mathematik, politische Ökonomie, Logik, Geschichte und Geographie.[25] Er lernte sowohl Portugiesisch als auch Latein und Französisch.[26] Er konnte aus dem Englischen übersetzen und verstand Deutsch.[27] Sogar als Kaiser widmete sich Peter mindestens zwei Stunden am Tag dem Studieren und Lesen.[27][28]

Trotz der großen Breite an Themen bezüglich Peters Ausbildung erwies sich diese nur als mangelhaft. Der Historiker Otávio Tarquínio de Sousa sagte, dass Pedro "ohne Schatten des Zweifels intelligent, schlagfertig und scharfsinnig war".[29] Der Historiker Roderick J. Barman berichtet jedoch, dass er von Natur aus "zu überschwänglich, zu unberechenbar und zu emotional" sei. Er blieb impulsiv und lernte nie, Selbstbeherrschung zu üben oder die Folgen seiner Entscheidungen einzuschätzen sowie seine Ansichten den veränderten Situationen anzupassen.[30] Dennoch erlaubte sein Vater keiner Person, ihn zu disziplinieren.[25] Während Peters Ausbildung zwei Stunden Unterricht pro Tag vorschrieb, umging er dies manchmal, indem er seine Ausbilder zugunsten von Aktivitäten, die er interessanter fand, wegschickte.[25]

Unabhängigkeit Brasiliens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1815 wurde Brasilien durch einen Beschluss des Wiener Kongresses zu einem eigenen Königreich gemacht, mit Portugal durch Personalunion verbunden. Damit endete für Brasilien der Kolonialstatus. Peters Großmutter, Königin Maria I., erhielt so neben ihren portugiesischen Titeln auch noch die Würde einer Königin von Brasilien. 1816 starb Maria I., und ihr Sohn Johann VI. bestieg den portugiesischen und den brasilianischen Thron. Peter wurde daraufhin in beiden Reichen Thronfolger.

Erste Hochzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter I. mit 18 Jahren, 1816

Der Prinz fand seine Erfüllung vor allem in Aktivitäten, die seine physische Fähigkeiten erforderten, anstatt im Klassenzimmer zu lernen. Auf der Farm seines Vaters in Santa Cruz trainierte Peter Pferde und wurde ein ausgezeichneter Reiter und Hufschmied.[31][32] Er und sein Bruder Miguel genossen die Reitjagden auf unbekanntem Boden, durch Wälder und sogar in der Nacht oder bei schlechtem Wetter.[31] Er zeigte Talent beim Zeichnen und bei Handarbeiten und wandte sich der Holzschnitzerei und dem Möbelbau zu.[33] Außerdem hatte er eine Vorliebe für Musik und wurde unter der Leitung von Marcos Portugal ein fähiger Komponist. Er hatte eine gute Singstimme und beherrschte mehrere Musikinstrumente (einschließlich Klavier, Flöte und Gitarre) und spielte beliebte Lieder und Tänze.[34] Peter war ein einfacher Mensch, sowohl in seinen Gewohnheiten als auch im Umgang mit anderen Personen. Ausnahmen bildeten feierliche Anlässe, bei denen er sich höfische Kleidung anzog. Normalerweise bestand seine tägliche Kleidung aus weißen Baumwollhosen, gestreiften Baumwolljacken und einem breitkrempigen Strohhut oder aus einem Gehrock und einem Zylinder in formelleren Situationen.[35] Er nahm sich häufig Zeit, um sich mit den Leuten auf der Straße zu unterhalten und ihre Bedenken zur Kenntnis zu nehmen.[36]

Forensische Gesichtsrekonstruktion von Peter I., 2018 [37][38][39]

Peter besaß einen energetischen Antrieb, der an Hyperaktivität grenzte. Er war ungestüm und tendenziell herrschsüchtig und aufbrausend. Er langweilte sich leicht oder ließ sich sehr schnell ablenken. In seinem privaten Leben beschäftigte er sich neben seiner Jagd- und Reitaktivitäten vor allem mit Frauen.[40] Sein ruheloser Geist zwang ihn, Abenteuer zu suchen. Er verkleidete sich manchmal als Reisender und stieg in den anrüchigsten Vierteln von Rio de Janeiro in Tavernen ab.[41] Er trank selten Alkohol, war aber ein unverbesserlicher Frauenheld.[42] Seine früheste bekannte dauerhafte Affaire war mit einer französischen Tänzerin namens Noémi Thierry, die von ihm ein totes Kind gebar. Pedros Vater, der als Johann VI. den Thron bestieg, schickte Thierry vom Hof fort, um die Verlobung des Prinzen mit Erzherzogin Maria Leopoldina, der Tochter Kaiser Franz I. von Österreich (ehemals Franz II., Römisch-deutscher Kaiser), nicht zu gefährden.[43]

Am 13. Mai 1817 heiratete Peter Maria Leopoldina.[44] Als sie am 5. November in Rio de Janeiro ankam, verliebte sie sich sofort in Peter, der viel charmanter und attraktiver war, als sie erwartet hatte: „Nach Jahren unter einer tropischen Sonne war sein Teint noch hell, seine Wangen rosig.“ Der 19-jährige Prinz war gutaussehend und ein wenig überdurchschnittlich groß, mit hellen dunklen Augen und dunkelbraunen Haaren.[45] Am folgenden Tag kam die Hochzeitsmesse mit der Bestätigung der Gelübde, die zuvor von einem Stellvertreter übernommen worden waren, zustande.[46] Aus dieser Ehe gingen sieben Kinder hervor: Maria (später Königin Maria II. von Portugal), Miguel, Johann, Januária, Paula, Franziska und Peter (später Kaiser Peter II. von Brasilien).[47]

Unabhängigkeit Brasiliens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krönung des Kaisers Peter I. 1822 (Aquarell von Jean-Baptiste Debret)

Liberale Revolution 1820[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Portugal hatten inzwischen britische Truppen die französische Besatzung beendet. Da der König aber zunächst nicht nach Portugal zurückkehren wollte, wurde das Land von dem britischen Oberbefehlshaber William Carr Beresford als Militärdiktator regiert. Am 17. Oktober 1820 kam die Nachricht, dass die Militärgarnisonen in Portugal meuterten, was zur sogenannten Liberalen Revolution von 1820 führte. Das Militär bildete eine provisorische Regierung, welche die von Johann VI. eingesetzte Regentschaft ersetzte und die Cortes einberief - das jahrhundertealte portugiesische Parlament. Dieses wurde demokratisch gewählt und hatte das Ziel, eine nationale Verfassung zu schaffen.[48] Peter war überrascht, als sein Vater nicht nur um seinen Rat bat, sondern auch beschloss, ihn nach Portugal zu schicken, um dort als Regent zu regieren und die Revolutionäre zu beschwichtigen.[49] Das Problem war, dass Peter nie zur Herrschaftsausübung erzogen wurde und zuvor niemals an staatlichen Angelegenheiten teilnehmen durfte. Die Rolle, die ihm von Geburt zugetragen wurde, wurde stattdessen von seiner älteren Schwester Maria Teresa ausgeführt: Johann VI. hatte sich auf sie verlassen, und sie war es, die Mitglied im Staatsrat wurde.[50]

Peter wurde von seinem Vater und den engsten Beratern des Königs, die alle an die Prinzipien der absoluten Monarchie festhielten, mit Argwohn betrachtet. Im Gegensatz dazu war der Prinz ein bekannter, überzeugter Anhänger des Liberalismus und der konstitutionellen repräsentativen Monarchie. Er hatte die Werke von Voltaire, Benjamin Constant, Gaetano Filangieri und Edmund Burke gelesen.[51][52] Sogar seine Frau Maria Leopoldina bemerkte: "Mein Mann, Gott helfe uns, liebt die neuen Ideen."[53] Johann VI. verschob Peters Abreise so lange wie möglich, weil er befürchtete, dass er, sobald er in Portugal eintraf, von den Revolutionären zum König ausgerufen werden würde.[49]

Am 26. Februar 1821 meuterten portugiesische Truppen in Rio de Janeiro. Weder Johann VI. noch seine Regierung unternahmen Schritte gegen die meuternden Einheiten. Peter entschied sich selbstständig zu handeln und traf sich mit den Rebellen. Er verhandelte mit ihnen und überzeugte seinen Vater, ihre Forderungen zu akzeptieren. Dazu gehörte die Ernennung eines neuen Kabinetts und der Gehorsam gegenüber der bevorstehenden portugiesischen Verfassung.[54][55] Am 21. April trafen sich die Fürsten von Rio de Janeiro in der Handelsbörse, um ihre Vertreter für die Cortes zu wählen. Eine kleine Gruppe von Unruhestiftern kaperte das Treffen und bildete eine revolutionäre Regierung. Wiederum blieben Johann VI. und seine Minister passiv, und der Monarch war bereit, die Forderungen der Revolutionäre zu akzeptieren, bis Peter die Initiative ergriff und Armeetruppen zur Wiederherstellung der Ordnung entsandt hatte.[56][57] Unter dem Druck der Cortes reisten Johann VI. und seine Familie schweren Herzens am 26. April nach Portugal und ließen Peter und Maria Leopoldina zurück.[58] Auch Peters Mutter, Königin Charlotte Joachime, und sein jüngerer Bruder Prinz Michael verließen Brasilien. Peter dagegen blieb in Rio de Janeiro und wurde von seinem Vater zum Regenten in Brasilien ernannt.

Unabhängigkeit oder Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn seiner Regentschaft verkündete Peter, dass er die Persönlichkeits- und Eigentumsrechte garantieren wird. Er reduzierte weiterhin die Regierungsausgaben und die Steuern.[59] Sogar die Revolutionäre, die bei dem Vorfall in der Handelsbörse festgenommen wurden, wurden freigelassen.[60] Am 5. Juni 1821 meuterten Armeetruppen unter dem portugiesischen Generalleutnant Jorge Avilez (späterer Graf von Avilez) und verlangten, dass Peter einen Eid ablegen solle, um die portugiesische Verfassung zu unterstützen. Der Prinz ritt allein aus, um mit den Meuterern zu intervenieren. Er verhandelte gelassen und einfallsreich, gewann den Respekt der Truppen und es gelang ihm, die inakzeptableren Forderungen zu verringern.[61] Die Meuterei war ein Militärputsch, der Peter in eine bloße Galionsfigur verwandeln und die Macht an Avilez übertragen sollte.[62] Der Prinz akzeptierte das unbefriedigende Ergebnis, aber er bemerkte, dass dies das letzte Mal sei, dass er unter Druck nachgeben würde.[63]

Die anhaltende Krise erreichte einen Punkt, an dem es kein Zurück mehr gab, als die Cortes die Zentralregierung in Rio de Janeiro auflösten und Peters Rückkehr anordneten.[64] Dies wurde von den Brasilianern als Versuch wahrgenommen, ihr Land erneut Portugal zu unterwerfen - Brasilien war seit 1815 keine Kolonie mehr und hatte den Status eines Königreichs.[65] Am 9. Januar 1822 legte man Peter eine Petition mit 8000 Unterschriften vor, in der man ihn anflehte, nicht nach Portugal zurückzukehren.[66] Er antwortete: "Da es für das Wohl aller und das allgemeine Glück der Nation ist, bin ich dazu bereit. Sag den Leuten, dass ich bleibe."[67] Avilez meuterte erneut und versuchte Peters Rückkehr nach Portugal zu erzwingen. Diesmal schlug der Prinz zurück und sammelte brasilianischen Truppen (die sich in früheren Meutereien nicht den Portugiesen angeschlossen hatten), Milizeinheiten und bewaffnete Zivilisten.[68] In der Unterzahl kapitulierte Avilez und wurde zusammen mit seinen Truppen aus Brasilien vertrieben.[69]

Während der nächsten paar Monate versuchte Peter, den Anschein von Einheit mit Portugal zu wahren, aber der endgültige Bruch drohte. Unterstützt von einem fähigen Minister, José Bonifácio de Andrada, suchte er Unterstützung außerhalb von Rio de Janeiro. Der Prinz reiste im April nach Minas Gerais und im August nach São Paulo. Er wurde in beiden brasilianischen Provinzen herzlich empfangen. Diese Besuche stärkten seine Autorität.[70] Als er von São Paulo zurückkehrte, erhielt er am 7. September Nachrichten, dass die Cortes die Selbstverwaltung in Brasilien nicht akzeptieren würden und alle bestrafen würden, die den Befehlen nicht gehorchten.[71] Peter bestieg seine braune Stute und sagte vor seinem Gefolge und seiner Ehrengarde: "Freunde, die portugiesischen Cortes wollten uns versklaven und verfolgen. Ab heute sind unsere Bande beendet. Mit meinem Blut, bei meiner Ehre, bei meinem Gott, schwöre ich, die Unabhängigkeit Brasiliens herbeizuführen. Brasilianer, lasst unsere Parole von diesem Tag an Unabhängigkeit oder Tod sein!"[72]

Somit rief Peter am 7. September 1822 in der Nähe des Flüsschens Richao do Ipiranga mit einem dramatischen „Unabhängigkeit oder Tod“ (Indepêndencia ou morte!), der als „Ruf vom Ipiranga“ (Grito do Ipiranga) in die Geschichte einging, die brasilianische Unabhängigkeit aus. Kronprinz Peter von Portugal wurde am 12. Oktober desselben Jahres zum Kaiser Peter I. von Brasilien ausgerufen und am 1. Dezember 1822 gekrönt.

Einiges deutet allerdings darauf hin, dass dieser Schritt vorher mit seinem Vater, dem portugiesischen König, abgesprochen war. Durch Lateinamerika ging zu diesem Zeitpunkt eine dramatische revolutionäre Bewegung; die Brasilien benachbarten spanischen Kolonien erklärten reihenweise ihre Unabhängigkeit und wurden zu Republiken (vgl. Simón Bolívar). Der portugiesische König befürchtete wohl zu Recht, dass wenn die Cortes ihren Willen durchsetzen und Brasilien wieder zur Kolonie erklären würden, das Ergebnis eine ähnliche Entwicklung in Brasilien sein würde. In der Unabhängigkeit wurde also eine Möglichkeit gesehen, Brasilien, die reichste portugiesische Kolonie, dem Haus Braganza zu bewahren. Auch war die Unabhängigkeit die eleganteste Möglichkeit, das Land dem Einfluss des portugiesischen Parlaments vollkommen zu entziehen. Zwar konnte der portugiesische König die Unabhängigkeit des Landes nicht sofort anerkennen – dies geschah erst 1825 –, aber er bestrafte seinen Sohn auch nicht, insbesondere entzog er ihm nicht das Thronfolgerecht in Portugal.

Dort war es 1824 zu dramatischen Entwicklungen gekommen. Konservative Kräfte unter Führung der Königin und des Prinzen Michael versuchten, das Ergebnis der liberalen Revolution rückgängig zu machen und den Absolutismus wieder einzuführen. Da der König diesen Bestrebungen ablehnend gegenüberstand, wurde er von seiner Frau und seinem Sohn praktisch als Gefangener gehalten. Er konnte jedoch schließlich entkommen und mit britischer Hilfe die Regierung wieder übernehmen. Peters Bruder Michael wurde ins Exil nach Wien gezwungen.

Monarch zweier Reiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

König Johann VI. von Portugal starb 1826. Peter bestieg daraufhin als Peter IV. auch den portugiesischen Thron. Er weigerte sich allerdings, Brasilien zu verlassen und nach Portugal zurückzukehren. Portugal wurde deshalb zunächst von einer Regentschaft unter seiner Schwester Isabella Maria regiert. Seit dem Aufstand von 1824 hatte Portugal keine Verfassung mehr, da die liberale Verfassung des Jahres 1821 noch von Johann VI. widerrufen wurde. Peter gab dem Land daraufhin 1826 eine neue Verfassung, die so genannte Charta. Die portugiesische Regentin und die sie umgebenden Politiker waren allerdings absolutistisch eingestellt und fanden, dass das Land sehr gut auch ohne Verfassung auskäme. Sie versuchten deshalb, das Inkrafttreten der Charta zu verhindern. Erst das beherzte Eingreifen des späteren Herzogs von Saldanha führte schließlich dazu, dass die Charta in Portugal in Kraft treten konnte.

Das kaiserlich brasilianische Wappen

Peter IV. gelang es nicht, seine beiden Reiche wieder zu vereinen. Er scheiterte nach kurzer Zeit an der Unmöglichkeit, Brasilien und Portugal gleichzeitig zu regieren. In Portugal war man nicht mehr gewillt, erneut einen König, der nicht im Lande residierte, zu ertragen. In Brasilien dagegen wurde die Kritik daran, dass der Kaiser mehr und mehr Energie zur Lösung der portugiesischen Probleme aufwendete, immer lauter. Der Monarch musste sich schließlich zwischen Brasilien und Portugal entscheiden, und er entschied sich für Brasilien. So dankte er im Mai 1826 nach nur zwei Monaten Regierung in Portugal ab.

Vorher regelte er allerdings noch die Nachfolge in seinem Sinne: In Portugal sollte ihm seine älteste Tochter Maria II. auf den Thron folgen, in Brasilien dagegen nach seinem Tod einer seiner Söhne. Da es offensichtlich war, dass seine Schwester Isabella Maria mit der Regentschaft in Portugal überfordert war, setzte er seinen Bruder Michael, der sich seit 1824 im Exil in Wien befand, zum Regenten für seine noch minderjährige Tochter ein. Er plante, dass sein Bruder später, wenn Maria älter wäre, diese heiraten sollte, so dass sie dann gemeinsam Portugal regieren könnten. So sollten die beiden verfeindeten Linien des Hauses Braganza wieder zusammengeführt werden.

In Wien wurde sogar bereits eine Stellvertreterhochzeit durchgeführt. Maria, die sich bis dahin am Hof ihres Vaters in Rio de Janeiro aufgehalten hatte, reiste nach Wien, wo sie am kaiserlichen Hof ihre Erziehung beenden sollte. Michael dagegen reiste, nachdem er seinem Bruder und seiner Nichte als Königin sowie der Verfassungscharta die Treue geschworen hatte, nach Lissabon, wo er von Isabella Maria die Regentschaft übernahm.

Krieg der zwei Brüder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allerdings hatte Peter die Rechnung ohne seinen Bruder gemacht: Sobald Michael in Lissabon angekommen war, widerrief dieser die getroffenen Absprachen. Er verbündete sich mit den reaktionären Kreisen um Isabella Maria, löste das neue Zweikammerparlament auf, berief traditionelle Cortes (Rat der drei Stände, Conselho dos três Estados) ein, und ließ sich von diesen als Michael I. zum König ausrufen (1828). Damit wurde die rechtmäßige Königin, seine minderjährige Nichte und Braut Maria II., für die er die Regierung hätte führen sollen, abgesetzt. Die legalistische Begründung dieses Coups war, dass Peter IV., als er sich 1822 zum Kaiser von Brasilien ausrufen ließ, zum ausländischen Monarchen geworden war (Johann VI. hatte im Jahr vor seinem Tod die brasilianische Unabhängigkeit schließlich doch anerkannt) und deshalb für sich und seine Nachkommen aller Ansprüche auf den portugiesischen Thron verlustig gegangen sei.

Peter war nicht bereit, den Vertrauensbruch seines jüngeren Bruders hinzunehmen, und wollte seiner Tochter den portugiesischen Thron erhalten. So begann der „Krieg der zwei Brüder“ oder Miguelistenkrieg (1832–1834).

In Brasilien hatte Peter mit zunehmenden innenpolitischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Auch kritisierte man dort stark die Einmischung des Kaisers in die portugiesischen Schwierigkeiten. Peter I. dankte deshalb 1831 zugunsten seines Sohns Peter II. in Brasilien als Kaiser ab, um sich ganz den portugiesischen Problemen widmen zu können. Er nahm erneut (wie bereits als Thronfolger) den Titel eines Herzogs von Braganza an, proklamierte seine Regentschaft von Portugal (für seine Tochter Maria II.) und reiste nach Frankreich, wo ihn der neue König Ludwig Philipp (der Bürgerkönig) uneingeschränkt unterstützte.

Auf den Azoren hatte inzwischen der spätere Herzog von Terceira eine Flotte Michaels geschlagen, so dass dieser Teil Portugals außerhalb Michaels Einflussbereich blieb. Peter landete am 3. März 1832 auf den Azoren und betrat damit zum ersten Mal seit 1807, als er als Neunjähriger zusammen mit seinem Vater vor den Truppen Napoleons nach Brasilien geflohen war, wieder portugiesischen Boden. Dort stellte er ein eigenes Heer zusammen, mit dem er noch im gleichen Jahr das portugiesische Festland betrat. Mit Hilfe der ihm treu ergebenen liberalen Heerführer, der Herzöge von Terceira und Saldanha, gelang es ihm relativ schnell, die beiden wichtigsten Städte des Landes, Lissabon und Porto, unter Kontrolle zu bekommen und so Michael in die Defensive zu treiben. Nach der Schlacht von Évoramonte wurden Michaels Truppen vollständig geschlagen und dieser musste erneut ins Exil nach Österreich gehen. Königin Maria II. war bereits 1833 nach Lissabon zurückgekehrt, wo sie begeistert empfangen worden war.

Peter war somit erneut Regent Portugals, Maria II. wieder Königin. Über Versuche Peters, mit seinem Bruder zu einem Ausgleich zu kommen und diesem den Titel eines königlichen Infanten von Portugal zu belassen und eine angemessene Apanage im Ausland zu zahlen, kam es allerdings zu einem Zerwürfnis mit den neu einberufenen Cortes, die in Erinnerung der Grausamkeiten, die Michael während seiner Herrschaft in Portugal begangen hatte, nicht bereit waren, dem Ex-König entgegenzukommen. Peter, bereits todkrank, zog sich daraufhin resigniert aus der portugiesischen Politik zurück. Seine Tochter wurde von den Cortes für volljährig erklärt, so dass seine Regentschaft auch offiziell endete. Kurze Zeit später starb Peter in Queluz bei Lissabon.

Am 6. September 1972 wurden, anlässlich der 150-Jahr-Feier der brasilianischen Unabhängigkeit, seine sterblichen Überreste nach Brasilien überführt und an der Seite seiner ersten Frau, der Kaiserin Leopoldine, Erzherzogin von Österreich, in einer Krypta unter dem Unabhängigkeitsdenkmal in Ipiranga, einem Vorort von São Paulo, beigesetzt. Bisher hatte er im Pantheon des königlichen Hauses von Bragança in Lissabon geruht.

Orden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Ehe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 6. November 1817 heiratete er in erster Ehe in Rio de Janeiro Erzherzogin Maria Leopoldine von Österreich (* 22. Januar 1797; † 11. Dezember 1826), eine Tochter von Kaiser Franz I. von Österreich und der Maria Theresia von beiden Sizilien. Die Ehe verlief für die Erzherzogin nicht glücklich, da Peter offen seine Geliebte seiner Frau vorzog. Auch vermutet man, dass die Misshandlungen von Pedro und die darauf zurückzuführende Fehlgeburt das Leben der noch nicht 30-jährigen Leopoldine auslöschten.

Aus der Ehe stammen folgende Kinder:

  • Maria da Gloria (* 4. April 1819; † 15. November 1853), Königin von Portugal
  • Miguel (*/† 1820)
  • Johann Karl (* 6. März 1821; † 4. Februar 1822)
  • Januária Maria (* 11. März 1822; † 13. März 1901) ⚭ Ludwig von Bourbon (1824–1897), Prinz beider Sizilien (identisch mit Luigi Carlo, Graf von Aquila)
  • Paula Mariana (* 17. Februar 1823; † 16. Januar 1833)
  • Franziska (* 2. August 1824; † 27. März 1898), ⚭ 1843 Franz von Orléans, Fürst von Joinville, einen Sohn von König Ludwig Philipp von Frankreich
  • Peter II. (* 2. Dezember 1825; † 5. Dezember 1891), Kaiser von Brasilien
Hochzeit von Peter I. und Amélie de Beauharnais 1829 (Aquarell von Jean Baptiste Debret)

Zweite Ehe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In zweiter Ehe vermählte er sich am 17. Oktober 1829 mit Prinzessin Amélie von Leuchtenberg (* 31. Juli 1812; † 26. Januar 1873), Tochter von Eugène de Beauharnais, eines Stiefsohns Napoleons und Auguste von Bayern, einer Tochter von König Maximilian I. von Bayern.

Aus dieser Ehe ging eine Tochter hervor:

Uneheliche Nachfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zudem war er Vater folgender unehelicher Kinder mit Domitília de Castro Canto e Melo:

  • Isabel Maria (* 23. Mai 1824; † 13. November 1898)
  • Pedro (* 7. Dezember 1825; † 27. Dezember 1825)
  • Maria Isabel (* 13. August 1827; † 25. Oktober 1828)
  • Maria Isabel II. (* 28. Februar 1830; † 13. September 1896)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walther L. Bernecker, Horst Pietschmann, Rüdiger Zoller: Eine kleine Geschichte Brasiliens (= Edition Suhrkamp 2150). Suhrkamp, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-518-12150-2.
  • Pedro Calmon: Historia do Brasil. Olympio, Rio de Janeiro 1959;
    • Band 4: Século XVIII: riquezas e vicissitudes (conclusao). Século XIX: o império e a ordem liberal. OCLC 495415126
    • Band 5: Século XIX: o império e a ordem liberal (conclusao). OCLC 495415676
  • Delgado de Carvalho: Historia diplomatica do Brasil (= Biblioteca do espírito moderno. Série 3: História e biografia 65, ZDB-ID 2475643-X). Companhia Editora Nacional, Sao Paulo 1959.
  • George Edmundson: Brazil and Portugal. In: The Cambridge Modern History. Volume 10: The Restoration. Cambridge University Press, Cambridge 1907. OCLC 22666836 (Nachdruck von 1969)
  • Heinrich Handelmann: Geschichte von Brasilien. Julius Springer, Berlin 1860. (Digitale Fassung)
  • Florian Kienzl: Kaiser von Brasilien. Herrschaft und Sturz Pedros I. und Pedros II. Propyläen-Verlag, Berlin 1942. OCLC 2465050
  • Manuel de Oliveira Lima: Dom Pedro e Dom Miguel. A querela da successão (1826–1828). Cayeiras, São Paulo 1927. OCLC 2011788
  • João Ribeiro: Historia do Brasil. 18. edição revista e completada. F. Alves, Rio 1964. OCLC 3692231
  • Manfred Wöhlcke: 500 Jahre Brasilien. Die Entstehung einer Nation. Vier-Viertel-Verlag, Strasshof 2000, ISBN 3-9500908-6-X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Peter I. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lustosa, Isabel.: D. Pedro I. Companhia Das Letras, São Paulo, SP 2006, ISBN 85-359-0807-2, S. 36.
  2. João Carlos Feo Cardoso de Castello Branco: Resenha das familias titulares do reino de Portugal: Acompanhada das notícias biográphicas de alguns indivíduos da mesmas famílias. Imprensa Nacional, Lissabon 1838, S. XXXVI.
  3. Pedro Calmon: História de D. Pedro II. José Olímpio, Rio de Janeiro 1975, S. 3.
  4. Barman, Roderick J., 1937-: Citizen emperor : Pedro II and the making of Brazil, 1825-91. Stanford University Press, Stanford, Calif. 1999, ISBN 0-8047-3510-7, S. 424.
  5. Pedro Calmon: O Rei Cavaleiro. 6. Auflage. Edição Saraiva, São Paulo 1950, S. 5, 9, 11.
  6. Otávio Tarquínio de Sousa: A vida de D. Pedro I. Band 1. José Olímpio, Rio de Janeiro 1972, S. 5, 9–10.
  7. Otávio Tarquínio de Sousa: A vida de D. Pedro I. Band 1. José Olímpio, Rio de Janeiro 1972, S. 4, 8, 10, 28.
  8. Otávio Tarquínio de Sousa: A vida de D. Pedro I. Band 1. José Olímpio, Rio de Janeiro 1972, S. 4, 8, 10, 28.
  9. Pedro Calmon: O Rei Cavaleiro. 6. Auflage. Edição Saraiva, São Paulo 1950, S. 12 f.
  10. Neill Macaulay: Dom Pedro: The Struggle for Liberty in Brazil and Portugal, 1798–1834. Duke University Press, Durham, North Carolina 1986, ISBN 978-0-8223-0681-8, S. 6.
  11. Macaulay, Neill.: Dom Pedro : the struggle for liberty in Brazil and Portugal, 1798-1834. Duke University Press, Durham [N.C.] 1986, ISBN 0-8223-0681-6, S. 3.
  12. Otávio Tarquínio de Sousa: A vida de D. Pedro I. Band 1. José Olímpio, Rio de Janeiro 1972, S. 9.
  13. Macaulay, Neill.: Dom Pedro : the struggle for liberty in Brazil and Portugal, 1798-1834. Duke University Press, Durham [N.C.] 1986, ISBN 0-8223-0681-6, S. 7.
  14. Otávio Tarquínio de Sousa: A vida de D. Pedro I. Band 1. José Olímpio, Rio de Janeiro 1972, S. 12.
  15. Otávio Tarquínio de Sousa: A vida de D. Pedro I. Band 1. José Olímpio, Rio de Janeiro 1972, S. 39, 41.
  16. Macaulay, Neill.: Dom Pedro : the struggle for liberty in Brazil and Portugal, 1798-1834. Duke University Press, Durham [N.C.] 1986, ISBN 0-8223-0681-6, S. 22.
  17. Lustosa, Isabel.: D. Pedro I. Companhia Das Letras, São Paulo, SP 2006, ISBN 85-359-0807-2, S. 43.
  18. Macaulay, Neill.: Dom Pedro : the struggle for liberty in Brazil and Portugal, 1798-1834. Duke University Press, Durham [N.C.] 1986, ISBN 0-8223-0681-6, S. 29.
  19. Sousa, Otávio Tarquínio de: A vida de D. Pedro I. Band 1. José Olímpio, Rio de Janeiro 1972, S. 125, 128.
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VorgängerAmtNachfolger
Johann VI.Kaiser von Brasilien
1822–1831
Peter II.
Johann VI.König von Portugal
1826
Maria II.