Peter I. (Oldenburg)

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Georg Friedrich Adolph Schöner, Bildnis Peter (I.) von Oldenburg (1819).
Jakob Emanuel Handmann, Bildnis Peter (I.) von Oldenburg (1766).
Peter-Friedrich-Ludwig-Denkmal von Karl Gundelach auf dem Schlossplatz in Oldenburg (1893).

Peter I. Friedrich Ludwig von Oldenburg (* 17. Januar 1755 in Riesenburg; † 21. Mai 1829 in Wiesbaden) war langjähriger Regent und schließlich selbst Großherzog des Landes Oldenburg aus dem Hause der Gottorfschen Oldenburger.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Friedrich Ludwig war der jüngste Sohn von Georg Ludwig von Schleswig-Holstein-Gottorf und Sofie Charlotte von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Beck. Seine Eltern starben kurz hintereinander im Sommer 1763. Er wuchs zunächst am Hofe seines Onkels, des Fürstbischofs von Lübeck Friedrich August, später dann bei seiner Cousine, der Zarin Katharina II. („die Große“), auf. Er war ebenfalls Neffe des schwedischen Königs Adolf Friedrich.

Zu seinem Erzieher ernannten seine Vormünder 1765 Carl Friedrich von Staal. Mit ihm und dem Hauslehrer Christian Cay Lorenz Hirschfeld gingen Peter und sein älterer Bruder Wilhelm zunächst für vier Jahre nach Bern, wo sie unter anderem in der Philosophie Christian Wolffs unterrichtet wurden. Anschließend zogen sie weiter über Turin und Mailand nach Bologna, wo sie weitere vier Jahre mit Studien des Völkerrechts sowie höfischen Umgangsformen verbrachten. 1774 nahm Peter als Offizier am Russisch-Türkischen Krieg teil.[1] Im gleichen Jahr starb sein Bruder. Im Jahre 1776 wurde sein Cousin, Erbprinz Peter Friedrich Wilhelm, für regierungsunfähig erklärt und Peter zum Koadjutor im Fürstbistum Lübeck bestimmt.

Peter heiratete 1781 Friederike von Württemberg, die ihm drei Söhne gebar. Nach dem Tode des Fürstbischofs Friedrich August im Juli 1785 wurde er Administrator des Herzogtums Oldenburg und Fürstbischof von Lübeck; die bisherige Residenz des Fürstbischofs verlegte er von Eutin in die Stadt Oldenburg. Er übernahm alle Regierungsgeschäfte, ohne den Herzogstitel zu führen, der weiterhin dem Erbprinzen Friedrich Wilhelm zustand. Erst 1823 nach dessen Tod nahm er den Titel an.

Im November 1785 starb seine Frau im Alter von 20 Jahren in Eutin, drei Wochen nach der Totgeburt ihres dritten Sohnes. Der Herzog ließ sie 1791 von Eutin in ein neugebautes Mausoleum auf dem Gertrudenfriedhof überführen,[2] da die bisherige Fürstengruft wegen des geplanten Umbaus der Lambertikirche nicht mehr genutzt werden sollte. Der Mausoleumsbau ist das erste klassizistische Gebäude Oldenburgs; ihm folgten weitere Bauten im gleichen Stil, die das Gesicht der Stadt bis heute prägen.

1786 wurde unter Peter Friedrich Ludwig die älteste seither existierende Sparkasse der Welt gegründet; die damalige Ersparungs-Casse besteht noch heute als Landessparkasse zu Oldenburg.[3] Zweck der Gründung war die Unterstützung von Witwen und Waisen von Seeleuten und Hollandgängern.[4]

Am 1. August 1786 setzte Peter eine staatliche Armenordnung in Kraft. Zuvor hatte er das bislang von der Kirche getragene Armenwesen reformiert und als effizient organisierten und zentral gesteuerten Zweig in die Staatsverwaltung integriert.[5]

1803 erlangte Peter für Oldenburg im Reichsdeputationshauptschluss im Tausch gegen den Elsflether Weserzoll als Entschädigung das Hannoversche Amt Wildeshausen sowie aus fürstbischöflich-münsterischem Besitz die Ämter Vechta und Cloppenburg. Das Bistum Lübeck wurde säkularisiert und in das oldenburgische Erbfürstentum Fürstentum Lübeck umgewandelt.

Am 12. November 1806 wurde das Herzogtum, das wegen der guten Beziehungen zu Preussen und dem Verwandtschaftsverhältnis Peters zu Russland zunächst nicht zum Rheinbund gehörte, von holländischen Truppen besetzt. Varel und Kniphausen, die zu Oldenburg gehörten, wurden dem Königreich Holland zugewiesen, das zu dieser Zeit unter Regentschaft von Louis Bonaparte stand, einem Bruder von Napoleon I. Im Januar 1807 wurden die französischen Truppen kurzfristig aus Oldenburg abgezogen und Peter, der zuvor nach Eutin ausgewichen war, konnte nach Oldenburg zurückkehren. In dem im Juli 1807 geschlossenen Frieden von Tilsit verständigten sich Frankreich und Russland auf die Souveränität Oldenburgs. Peter büsste allerdings die Herrschaft Jever, Varel und kurzzeitig auch die Herrschaft Kniphausen ein. Im Februar 1808 reiste er nach Paris, um sich Napoleon persönlich vorzustellen und schließlich musste er auf dem Erfurter Fürstentag 1808 als letzter deutscher Fürst doch dem Rheinbund beitreten.[6] Dennoch wurde Oldenburg 1810 unter Napoleon Teil des französischen Reiches und französisch besetzt (→ Oldenburgische Franzosenzeit). Peter wurde als Ersatz das Fürstentum Erfurt angeboten. Dieses lehnte er jedoch ab und ging am 27. Februar 1811 mit seiner Familie ins russische Exil.

Nach dem Sturz Napoleons 1813 kehrte Peter am 27. November des Jahres zurück und übernahm die Regierung in Oldenburg. Er schaffte die französischen Reformen mit Ausnahme der stärkeren Kontrolle der Behörden ab und richtete neben dem Kabinett eine Regierung für das Großherzogtum ein. Außerdem führte er die Allgemeine Wehrpflicht ein, indem er die von Erbprinz Paul Friedrich August ausgearbeitete Wehrverfassung umsetzte. Er stellte das Oldenburgische Infanterie-Regiment auf, das allerdings zum Feldzug von 1814 in Frankreich zu spät kam. Oldenburg war damit der einzige deutsche Staat, der an dem Feldzug nicht teilnahm.[7] Auf dem Wiener Kongress 1815, an dem Peter nicht persönlich teilnahm, gewann Oldenburg das zuvor preussische Fürstentum Birkenfeld (an der Nahe), jedoch nicht wie erhofft Ostfriesland und das Emsland, die von Preussen an das Königreich Hannover gingen. Den Titel Großherzog, den Peter stattdessen erhielt, trug er nie, erst sein Sohn Paul Friedrich August nannte sich ab 1829 Großherzog. 1818 überließ ihm Zar Alexander I. die Herrschaft Jever einschließlich der Herrlichkeit Kniphausen. Auf den Weserzoll musste Oldenburg allerdings ab 1820 endgültig verzichten. Unter Peters Regierung trat Oldenburg 1821 formell zur Schlussakte des Wiener Kongresses bei.

Während der späten Regierung Peters wurde das Großherzogtum von mehreren schweren Sturmfluten, die Peter zum Teil aus eignen Mitteln zügig beheben liess, sowie von einer wirtschaftlichen Depression als Folge der napoleonischen Kriege heimgesucht. Weiterhin erlitt er auch persönlich eine Reihe von Schicksalsschlägen durch den Tod einiger enger Familienmitglieder, wie etwa seiner wiederverheirateten Schwiegertochter Katharina Pawlowna 1819. Peter starb am 21. Mai 1829 in Wiesbaden an einem Schlaganfall. Nach Vorbild Friedrichs des Großen wurde er am 10. Juli vor Sonnenaufgang in einer schlichten Zeremonie in dem von ihm für seine Frau erbauten Mausoleum auf dem Gertrudenfriedhof beigesetzt. Peter war damit der erste Oldenburgische Monarch seit Graf Anton Günther, der in Oldenburg beerdigt wurde.[8]

In die Regierungszeit Peter Friedrich Ludwigs fiel die Einrichtung des ersten Landesrabbinates für das Herzogtum Oldenburg mit der Ernennung von Nathan Marcus Adler zum Landesrabbiner 1828. Außerdem trieb der Herzog die Reform des Lotsenwesens an der Weser voran sowie Verbesserungen der Infrastruktur und des Bildungswesens: Das Oldenburger Lehrerseminar wurde der Vorläufer der späteren Pädagogischen Hochschule, aus der öffentlichen herzoglichen Bibliothek entwickelte sich die heutige Landesbibliothek. Auch die Anlage des heute noch stark frequentierten Schlossgartens ist Peter Friedrich Ludwig zu verdanken.[9] Von seinem langjährigen Hofmaler Johann Heinrich Wilhelm Tischbein erwarb er mehrere Gemälde, von denen etliche im Oldenburger Schloss ausgestellt sind.[10] Zur Finanzierung eines Krankenhausneubaus gründete der Herzog 1826 einen Fonds, aber erst nach seinem Tod konnte mit diesen Mitteln und weiteren Zuschüssen das Peter Friedrich Ludwigs Hospital 1841 fertiggestellt werden.

Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der Ehe mit Friederike von Württemberg (* 27. Juli 1765; † 24. November 1785) gingen zwei Söhne hervor:

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Peter I. (Oldenburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andreas Lombard: Haus und Land. Das Herzogtum und Großherzogtum Oldenburg von 1773 bis 1918. Veröffentlicht in: Geschichte des Oldenburger Landes - Herzogtum, Großherzogtum Freistaat. Herausgegeben von Jörg Michael Henneberg und Horst-Günther Lucke. Aschendorff Verlag. Münster. 2014. ISBN 978-3-402-12942-5. Seite 51.
  2. Bernd Müller: Die frühen Jahre von Herzog Peter Friedrich Ludwig von Holstein-Oldenburg 1755-1785. Isensee, Oldenburg 2016, S. 161 u. 169
  3. Zeittafel Stadt-Land-Oldenburg Frühneuzeit 18. Jahrhundert abgerufen am 6. November 2010
  4. Andreas Lombard: Haus und Land. Das Herzogtum und Großherzogtum Oldenburg von 1773 bis 1918. Veröffentlicht in: Geschichte des Oldenburger Landes - Herzogtum, Großherzogtum Freistaat. Herausgegeben von Jörg Michael Henneberg und Horst-Günther Lucke. Aschendorff Verlag. Münster. 2014. ISBN 978-3-402-12942-5. Seite 60.
  5. Biographie von Heinrich Ernst Lentz In: Hans Friedl/Wolfgang Günther/Hilke Günther-Arndt/Heinrich Schmidt (Hgg.): Biographisches Handbuch zur Geschichte des Landes Oldenburg, Oldenburg 1992, ISBN 3-89442-135-5. S. 417–418. (online)
  6. Andreas Lombard: Haus und Land. Das Herzogtum und Großherzogtum Oldenburg von 1773 bis 1918. Veröffentlicht in: Geschichte des Oldenburger Landes - Herzogtum, Großherzogtum Freistaat. Herausgegeben von Jörg Michael Henneberg und Horst-Günther Lucke. Aschendorff Verlag. Münster. 2014. ISBN 978-3-402-12942-5. Seite 70.
  7. Andreas Lombard: Haus und Land. Das Herzogtum und Großherzogtum Oldenburg von 1773 bis 1918. Veröffentlicht in: Geschichte des Oldenburger Landes - Herzogtum, Großherzogtum Freistaat. Herausgegeben von Jörg Michael Henneberg und Horst-Günther Lucke. Aschendorff Verlag. Münster. 2014. ISBN 978-3-402-12942-5. Seiten 81–82.
  8. Andreas Lombard: Haus und Land. Das Herzogtum und Großherzogtum Oldenburg von 1773 bis 1918. Veröffentlicht in: Geschichte des Oldenburger Landes - Herzogtum, Großherzogtum Freistaat. Herausgegeben von Jörg Michael Henneberg und Horst-Günther Lucke. Aschendorff Verlag. Münster. 2014. ISBN 978-3-402-12942-5. Seiten 86–91.
  9. Klaus Dede: Oldenburg & Ammerland. Verlag Atelier im Bauernhaus, Fischerhude 1977, S. 59–61
  10. E. Heinemeyer: Denkmale der bildenden Kunst. In: Geschichte des Landes Oldenburg, S. 873
VorgängerAmtNachfolger
Friedrich AugustFürstbischof von Lübeck
1785–1803
säkularisiert und als Fürstentum Lübeck zum Herzogtum Oldenburg
Friedrich AugustPrinzregent des Herzogtums Oldenburg
1785–1810
französische Besatzung und Regierung
französische Besatzung und RegierungPrinzregent des Herzogtums Oldenburg
1813–1823
er selbst als Großherzog
Peter Friedrich WilhelmGroßherzog von Oldenburg
1823–1829
Paul Friedrich August