Peter Joachim Lapp

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Peter Joachim Lapp (* 22. Oktober 1941 in Elbing) ist ein deutscher Politologe und Publizist. Er war von 1977 bis 1997 politischer Redakteur beim Deutschlandfunk und arbeitet heute als freier Autor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lapp ging Anfang 1959 als 17-Jähriger von Westdeutschland in die DDR und lebte bis zu seiner Festnahme durch das Ministerium für Staatssicherheit bei seinen Großeltern in Rudolstadt (Thüringen). Von 1960 bis 1964 befand er sich in politischer Haft (UHA Gera, StVA Waldheim/Sachsen). Nach dem Freikauf durch die Bundesrepublik beendete er in Oldenburg seine kaufmännische Lehre (1965) und studierte von 1966 bis 1969 an der Hamburger Akademie für Wirtschaft und Politik, einer Hochschule des Zweiten Bildungsweges. Danach setzte er das Studium an der Universität Hamburg fort (Politische Wissenschaften, Öffentliches Recht und Soziologie), und schloss 1972 als Diplom-Politologe ab. Anschließend wurde er bei Winfried Steffani und Hans-Peter Schwarz mit einer Arbeit über die Volkskammer der DDR zum Dr. rer. pol. promoviert.

Von 1974 bis 1976 leitete er die Volkshochschule der Stadt Papenburg (Ems), bevor er am 1. Januar 1977 zum Deutschlandfunk ging. In den 1970er Jahren erhielt er Lehraufträge an der Universität Hamburg und an der Fachhochschule Emden und war Honorarreferent des Gesamtdeutschen Instituts. 1978 wurde er Gründungsmitglied der „Gesellschaft für Deutschlandforschung“. Lapp unterstützte 1982 die „Havemann-Initiative“ zur Blockfreiheit der beiden Teile Deutschlands und zur Lösung der nationalen Frage. Er gehörte 1985 zu den Unterzeichnern der Denkschrift „Friedensvertrag – Deutsche Konföderation – Europäisches Sicherheitssystem“ von Herbert Ammon und Theodor Schweisfurth. In den 1980er-Jahren war Lapp Mitglied der „Linken Deutschland-Diskussion“ (LDD) und des Selbsthilfevereins ehemaliger DDR-Bürger. Während seiner 20-jährigen Tätigkeit im Deutschlandfunk hatte er zugleich zehn Jahre einen Lehrauftrag an der Universität Köln. In den 1990er Jahren verfasste er Gutachten für die Bundestags-Enquete-Kommission „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“ (Nationale Volksarmee und Blockparteien) und nahm als Sachverständiger an Wahlfälscherprozessen in den neuen Bundesländern teil, unter anderem an den Verfahren gegen Hans Modrow in Dresden. Er ist Mitglied der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS).

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Staatsrat im politischen System der DDR (1960–1971), Westdeutscher Verlag, Opladen 1972
  • Die Volkskammer der DDR, Westdeutscher Verlag, Opladen 1975
  • Der Ministerrat der DDR, Westdeutscher Verlag, Opladen 1982
  • Wahlen in der DDR, Gebr. Holzapfel, Berlin (West) 1982
  • Die Volksmarine der DDR (zusammen mit Siegfried Breyer), Bernard & Graefe, Koblenz 1985
  • Frontdienst im Frieden – Die Grenztruppen der DDR, 2. Aufl., Bernard & Graefe, Bonn 1987
  • Traditionspflege in der DDR, Gebr. Holzapfel, Berlin (West) 1988
  • Die ‚befreundeten Parteien’ der SED. DDR-Blockparteien heute, Verlag Wissenschaft und Politik, Köln 1988
  • Ausverkauf. Das Ende der Blockparteien. Mit einem Vorwort von Lothar de Maizière, edition ost, Berlin 1998
  • Gefechtsdienst im Frieden. Das Grenzregime der DDR 1945-1990, Bernard & Graefe, Bonn 1999, ISBN 3-7637-5992-1.
  • Transit Westberlin. Erlebnisse im Zwischenraum (zusammen mit Friedrich Christian Delius). Mit einem Geleitwort von Egon Bahr, 2. Aufl., Ch. Links Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-86153-198-4.
  • Ulbrichts Helfer. Wehrmachtsoffiziere im Dienste der DDR, Bernard & Graefe, Bonn 2000, ISBN 3-7637-6209-4.
  • General bei Hitler und Ulbricht. Vincenz Müller – Eine deutsche Karriere, Links, Berlin 2003, ISBN 3-86153-286-7 (dazu 2003 WDR-FS-Film; Redaktion: Heribert Schwan)
  • Georg Dertinger. Journalist – Außenminister – Staatsfeind, Herder, Freiburg 2005, ISBN 3-451-23007-0.
  • Die Grenze. Ein deutsches Bauwerk (zusammen mit Jürgen Ritter). Mit einem Geleitwort von Rainer Eppelmann und einem Beitrag von Ulrich Schacht. 9. Auflage, Links, Berlin 2015, ISBN 978-3-86153-560-7.
  • Die Garde des Erich Mielke – Der militärisch-operative Arm des MfS. Das Berliner Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ (zusammen mit Hagen Koch). Helios, Aachen 2008, ISBN 978-3-938208-72-4.
  • Schüler in Uniform. Die Kadetten der Nationalen Volksarmee. Helios, Aachen 2009, ISBN 978-3-86933-003-7.
  • Aus deutscher Teilungszeit. Eine Ost-West-Biografie. Helios, Aachen 2009, ISBN 978-3-938208-98-4.
  • Die zweite Chance. Wehrmachtsoffiziere im Dienste Ulbrichts. Helios, Aachen 2010, ISBN 978-3-86933-023-5.
  • Die Mauer – Eine Grenze durch Deutschland, hrsg. von der LZ für politische Bildung Thüringen, 2. Aufl., Erfurt 2016, ISBN 978-3-943588-82-8
  • Gerald Götting. CDU-Chef in der DDR. Eine politische Biografie, Helios, Aachen 2011, ISBN 978-3-86933-051-8.
  • Grenzregime der DDR. Helios, Aachen 2013, ISBN 978-3-86933-087-7.
  • Deutschland grenzenlos. Bilder der deutsch-deutschen Grenze. Damals und heute (zusammen mit Jürgen Ritter). Geleitwort von Rainer Eppelmann, 3. Aufl., Links, Berlin 2015, ISBN 978-3-86153-774-8.
  • Offiziershochschule "Rosa Luxemburg". Kaderschmiede der DDR-Grenztruppen, Helios, Aachen 2014, ISBN 978-3-86933-113-3.
  • Rollbahnen des Klassenfeindes. Die DDR-Überwachung des Berlin-Transits 1949-1990, Helios, Aachen 2015, ISBN 978-3-86933-136-2.
  • Die Dresdener Prozesse gegen Hans Modrow wegen „Anstiftung zur Wahlfälschung“ S.67ff in Andreas Heyer: Diskutieren über die DDR. Festschrift zum 75. Geburtstag von Siegfried Prokop, Band 1, Norderstedt BoD, 2015, ISBN 978-3-7392-1172-5. Cover, 2015
  • Kampf und Untergang der 17. Armee im 2. Weltkrieg. Militärhistorische Skizze eines Großverbandes der Wehrmacht an der Ostfront, Helios, Aachen 2016, ISBN 978-3-86933-154-6
  • Grenzbrigade Küste. DDR-Grenzsicherung zur See, Helios, Aachen 2017, ISBN 978-3-86933-182-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]