Peter Kossen

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Peter Kossen (* 1968 in Rechterfeld) ist ein deutscher römisch-katholischer Priester. Er setzt sich gegen moderne Sklaverei und für faire und würdige Arbeitsbedingungen ein.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kossen wuchs in Vechta auf. Sein Studium der Theologie und Philosophie absolvierte Kossen an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom.

Nach einem Gemeinde- und Diakonatsjahr in St. Johannes in Recklinghausen-Suderwich wurde Peter Kossen 1996 zum Priester geweiht. Seine erste Kaplanszeit verbrachte er in Nordwalde und Münster. Ab 2004 war er Pfarrer in Emmerich am Rhein. 2011 wechselte Kossen als Ständiger Vertreter des Offizials für den niedersächsischen Teil des Bistums Münster, den Offizialatsbezirk Oldenburg, nach Vechta. Dort wurde er auch zum Monsignore und Offizialatsrat benannt.[1] Parallel dazu wurde er Subsidiar in St. Gertrud in Lohne. Seit 2000 ist Peter Kossen Mitglied des Priesterrats.[2] Er war zudem 2013 Vorsitzender des Landes-Caritasverbands Oldenburg.[3][4]

Zum Jahresbeginn 2017 wechselt Kossen als Pfarrer nach Lengerich (Westfalen).[5]

Engagement für eine würdige Arbeitswelt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Kossen prangert unwürdige Bedingungen in der Arbeitswelt an und fordert gerechte Entlohnung aus einer christlichen Überzeugung[6].

Bereits 2013 war er für einen gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro pro Stunde. „Dann haben wir eine Marke, die eingeklagt werden kann.“ Das sei nicht die Lösung aller Probleme, aber es müsse der Grundsatz gelten „gleicher Lohn für gleiche Arbeit am gleichen Ort“ sagte der Prälat gegenüber dem ver.di Magazin.[7]

Als Gemeindepfarrer in Emmerich machte er darauf aufmerksam, dass die von der Stadt unterstützte Bremer Lagerhaus Gesellschaft ihre Arbeitsplätze durch Leiharbeitsfirmen vermittele, wovon sich die meisten im Niedriglohnsektor befänden. So müssten trotz Vollzeitbeschäftigung viele Arbeitnehmer noch zusätzlich Sozialleistungen in Anspruch nehmen, um über die Runden zu kommen.

Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Massiv hatte er als Prälat in Vechta die Missstände bei Werkverträgen, Zeitarbeit und Unterbringung vor allem von rumänischen und bulgarischen Arbeitern in der Fleischbranche des Oldenburger Münsterlands kritisiert. Etwa 20.000 Menschen arbeiteten nach Kossens Angaben in Nordwestdeutschland mit Werkverträgen, 40.000 als Leiharbeiter (Stand 2015). Sie seien auf Gedeih und Verderb ihren Sub-Unternehmern ausgeliefert, die sie an die Fleischindustrie vermitteln. Ihr Anteil mache in manchen Großschlachthöfen etwa 80 bis 90 Prozent der Belegschaft aus. „Durch das System der Sub-Unternehmer und Werkverträge kommen Drogenhandel, Zwangsprostitution und Menschenhandel mit in die Region. ... Das sind mafiöse Strukturen, die sich hier allmählich ausbreiten.“ sagte Kossen der Welt 2015.[8] „Unbescholtene Bürger“ hätten kräftig an der Situation der Arbeits-Migranten mitverdient, „wenn abbruchreife Häuser für horrende Preise in Essen, Emstek, Visbek und auch Lohne vermietet werden“, hatte Kossen in einer Predigt in Lohne erklärt. Am meisten verdienten die Zeitarbeitsfirmen. Für die Erzeugung von Fleischprodukten müssten laut Kossen Ehrenerklärungen abgegeben werden, dass dies mit Mindestlohn und Sozialabgaben geschehe.

Kossen wurde daraufhin bedroht: Ihm wurde von Unbekannten ein abgezogenes Kaninchen vor die Türe gelegt. Selbst wertete er es als einen „Gruß aus der Fleischbranche“.[9][10][11]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch seine gesellschaftskritische Haltung und seiner "mutigen Kritik" habe sich Kossen "in der Industrie und auch innerkirchlich nicht nur Freunde" gemacht, schrieb der Focus 2016.[12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. mission:lebenshaus: Monsignore Peter Kossen: Kinder- und Jugenhospiz in Wilhelmshaven. In: www.kinderhospizwilhelmshaven.de. Abgerufen am 6. Dezember 2016.
  2. Homepage Bistum Münster - Vorfreude auf die Seelsorge: Peter Kossen geht von Vechta nach Lengerich. In: www.bistum-muenster.de. Abgerufen am 6. Dezember 2016.
  3. Katharina Schipkowski: Peter Kossen über die Fleischindustrie: „Perfides System von Abhängigkeit“. In: die tageszeitung. (taz.de [abgerufen am 6. Dezember 2016]).
  4. Westfälische Nachrichten: Peter Kossen will zurück zur Basisarbeit. In: Westfälische Nachrichten. (wn.de [abgerufen am 6. Dezember 2016]).
  5. Homepage Bistum Münster - Vorfreude auf die Seelsorge: Peter Kossen geht von Vechta nach Lengerich. In: www.bistum-muenster.de. Abgerufen am 6. Dezember 2016.
  6. Keine moderne Sklaverei! In: caritas.de. 11. November 2016 (caritas.de [abgerufen am 6. Dezember 2016]).
  7. Interview mit Prälat Peter Kossen. (verdi.de [abgerufen am 6. Dezember 2016]).
  8. Vechta: Die Bilderbuchstadt und ihre unchristlichen Momente - WELT. In: DIE WELT. Abgerufen am 7. Dezember 2016.
  9. Kritik: Unbekannte bedrohen Prälat. In: NWZonline. (nwzonline.de [abgerufen am 6. Dezember 2016]).
  10. RP ONLINE: Emmerich: Peter Kossen mit umjubelter Predigt für gerechte Löhne. In: RP ONLINE. Abgerufen am 6. Dezember 2016.
  11. Katja Tichomirowa: Pfarrer gegen Agrarindustrie: Sklavenarbeit und ein toter Hase. In: fr-online.de. 1. November 2012 (fr-online.de [abgerufen am 7. Dezember 2016]).
  12. FOCUS Online: Kritischer Prälat Kossen als Pfarrer nach Westfalen. In: FOCUS Online. (focus.de [abgerufen am 7. Dezember 2016]).