Peter Kurzeck

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Peter Kurzeck (bei einer Lesung 2005)

Peter Kurzeck (* 10. Juni 1943 in Tachau, Westböhmen; † 25. November 2013[1] in Frankfurt am Main[2]) war ein deutscher Schriftsteller.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Kurzeck (nach einer Lesung 2008)
Hinweistafel am ehem. Wohnhaus von Kurzeck in Staufenberg schräg gegenüber vom Peter-Kurzeck-Platz

Peter Kurzecks Familie wurde 1946 aus dem Sudetenland vertrieben. Er zog mit seiner Mutter und Schwester nach Staufenberg bei Gießen, wo er seine Jugend verbrachte. Nach dem Tod seiner Mutter 1971 lebte er noch bis 1977 (ab 1975 zusammen mit seiner Freundin Sibylle) in der ehemaligen Flüchtlingswohnung in Staufenberg. Seit 1977 wohnte er (zunächst zusammen mit Freundin Sibylle und gemeinsamer Tochter Carina) in Frankfurt am Main und seit 1993 auch in Uzès in Südfrankreich.

Peter Kurzeck war Verfasser stark autobiografisch geprägter Romane und Erzählungen, in denen das Leben in der hessischen Provinz und in Frankfurt am Main sowie die bundesrepublikanische Gesellschaft detailliert geschildert werden, ohne dabei auf eine Handlung im eigentlichen Sinn fixiert zu sein. Die Techniken, die Kurzeck einsetzte, erinnern bisweilen an Autoren wie James Joyce, Arno Schmidt oder Uwe Johnson. Im Zentrum seiner schriftstellerischen Ambition stand die Erinnerungsarbeit bzw. das Konservieren der gelebten Zeit. Kurzeck war Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland.

Seit Mitte der 1990er Jahre arbeitete Kurzeck an einem mehrbändigen autobiographischen Romanprojekt, das seinem erzählerischen Rahmen nach im Jahr 1984 in Frankfurt am Main angesiedelt ist. Die Romane seit Übers Eis (1997) sind Teile dieser Chronik eines einzigen Jahres im Leben eines Schriftstellers. (→ Frankfurt am Main in der Literatur. Peter Kurzeck - Spaziergänge durch die Stadt.)

Einen Namen hat sich Kurzeck ferner durch seine Lesungen sowie durch seine Hörbuch-Produktionen gemacht. 2007 erschien Ein Sommer, der bleibt, ein Projekt mit Kurzeck in der Rolle des Erzählers. Ohne Manuskriptvorlage erzählte er hier von den Jahren seiner Kindheit; der Rezipient erhielt somit die seltene Möglichkeit, Zeuge von Literaturentstehung zu werden.

Neben dem von Günter Grass gestifteten Alfred-Döblin-Preis und anderen renommierten Auszeichnungen erhielt Kurzeck im Jahr 1994 den Joseph-Breitbach-Preis. Seit Juli 2014 ist in Staufenberg ein Platz nach Peter Kurzeck benannt.[3]

Sein Grab befindet sich auf dem Hauptfriedhof (Frankfurt am Main), Gewann F.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autograph
Romanzyklus „Das alte Jahrhundert“
Hörspiele und Hörbücher
  • Kommt kein Zirkus ins Dorf? (Hörspiel, HR 1987), Edition Literarischer Salon im Focus Verlag, Gießen 1987.
  • Der Sonntagsspaziergang. (Hörspiel, HR 1992)
  • Stuhl, Tisch, Lampe. Köln: supposé 2004 (Hörbuch-CD)
  • Ein Sommer, der bleibt. Peter Kurzeck erzählt das Dorf seiner Kindheit. Konzeption und Regie: Klaus Sander. Erzähler: Peter Kurzeck. Berlin: supposé 2007. (4-CD-Box)
  • Peter Kurzeck liest aus „Kein Frühling“. Frankfurt am Main: Stroemfeld Verlag 2007. (Hörbuch, 4 CDs)
  • Peter Kurzeck liest „Oktober und wer wir selbst sind“. Frankfurt am Main: Stroemfeld Verlag 2008. (Hörbuch, 7 CDs)
  • Da fährt mein Zug. Peter Kurzeck erzählt. Konzeption und Regie: Klaus Sander. Erzähler: Peter Kurzeck. Berlin: supposé 2010. ISBN 978-3-932513-92-3. (Audio-CD)
  • Mein wildes Herz. Peter Kurzeck erzählt. Konzeption und Regie: Klaus Sander. Erzähler: Peter Kurzeck. Berlin: supposé 2011. ISBN 978-3-932513-98-5. (2 Audio-CDs).
  • „Unerwartet Marseille.“ Peter Kurzeck erzählt. Frankfurt am Main: Stroemfeld Verlag 2012. (Hörbuch, 2 CDs)
  • Für immer. Peter Kurzeck erzählt sein Schreiben. Konzeption und Regie: Klaus Sander. Erzähler: Peter Kurzeck. Berlin: supposé 2016. ISBN 978-3-86385-014-2. (Audio-CD).
Gespräche

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mechthild Curtius: Peter Kurzeck „Zwangsvorstellung: Dass ich nichts vergessen darf!“ Interview, in: Dies. (Hrsg.): Autorengespräche. Verwandlung der Wirklichkeit. Fischer, Frankfurt am Main 1991, ISBN 978-3-596-10256-3. S. 155–168.
  • Jörg Magenau: Die Suche nach der verlorenen Zeit. Peter Kurzecks Romane „Kein Frühling“ und „Keiner stirbt“. In: Walter Delabar, Erhard Schütz (Hrsg.): Deutschsprachige Literatur der 70er und 80er Jahre. Darmstadt 1997, S. 236–253.
  • Sabine Sistig: Wandel der Ich-Identität in der Postmoderne? Zeit und Erzählen in Wolfgang Hilbigs „Ich“ und Peter Kurzecks „Keiner stirbt“. Königshausen u. Neumann, Würzburg 2003, ISBN 3-8260-2361-7. (= Epistemata/Reihe Literaturwissenschaft, 407.)
  • Beate Tröger: Gehen, um zu schreiben. Peter Kurzecks autobiographisches Romanprojekt. In: Hans Richard Brittnacher, Magnus Klaue (Hrsg.): Unterwegs. Zur Poetik des Vagabundentums im 20. Jahrhundert. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2008. S. 261–276.
  • „Sowieso verlauf ich mich gern!“ Gehen, Fehl-Gehen und Umwege als strukturgebendes Element bei Peter Kurzeck. In: Matthias Däumer, Maren Lickhardt, Christian Riedel, Christine Waldschmidt (Hg.): Irrwege. Zu Ästhetik und Hermeneutik des Fehlgehens. Winter, Heidelberg 2010, S. 233–249 (= Studien zur historischen Poetik, 5).
  • Maria Kuwilsky: Autopoietiken im Medium Literatur als Gedächtnis von Gegenwart und Zeit. Beobachtungen von Arno Schmidt, Uwe Johnson, Walter Kempowski und Peter Kurzeck. Egon Verlag, Würzburg 2013, ISBN 978-3-89913-986-0.
  • Christian Riedel / Matthias Bauer (Hrsg.): Text + Kritik 199. Peter Kurzeck. edition text + kritik, München 2013. ISBN 978-3-86916-256-0.
  • Christian Riedel: Peter Kurzecks Erzählkosmos. Idylle – Romantik – Blues. Aisthesis, Bielefeld 2016, ISBN 978-3-8498-1162-4 (= Philologie und Kulturgeschichte, Bd. 3).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Peter Kurzeck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/literatur-peter-kurzeck-ist-tot-12681424.html
  2. Hans-Jost Weyandt: Zum Tode Peter Kurzecks: Der Sound des kindlichen Staunens. In: Spiegel Online. 26. November 2013, abgerufen am 9. Juni 2018.
  3. Programm der Einweihungsfeier auf der Website von Staufenberg, abgerufen am 3. August 2014.
  4. http://www.suppose.de/texte/kurzeck_sommer.html
  5. Peter-Kurzeck-Platz in Staufenberg Video in Gießener Allgemeine vom 3. Juli 2014.