Peter Mittelstaedt

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Peter Mittelstaedt (r.) und Carl Friedrich von Weizsäcker (l.) während des Internationalen Symposiums für Quantenlogik, Köln 1984

Peter Mittelstaedt (* 24. November 1929 in Leipzig; † 21. November 2014 in Erftstadt)[1] war ein deutscher Physiker, Philosoph und Wissenschaftstheoretiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Studium der Physik an den Universitäten Jena, Bonn und Göttingen, mit Promotionsabschluss in Göttingen in Theoretischer Physik im Jahre 1956 bei Werner Heisenberg,[2] hatte Mittelstaedt Forschungsaufenthalte beim CERN in Genf sowie am MIT in Cambridge, USA und am damaligen Max-Planck-Institut für Physik und Astrophysik in München, wo er sich auch im Jahre 1961 habilitierte. Seit 1965 war Mittelstaedt Professor für Theoretische Physik an der Universität zu Köln, seine Hauptarbeitsgebiete waren Philosophie der Naturwissenschaft, Wissenschaftstheorie und Logik sowie Grundlagen der Relativitätstheorie und Quantentheorie. 1968 und 1969 war er Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, 1970 und 1971 Rektor der Universität, 1971 bis 1973 Prorektor, später Prorektor für Forschung in Köln. Mittelstaedt wurde 1995 emeritiert. Er war auch Vorsitzender des Aufsichtsrats des Verlags Bibliographisches Institut. Mittelstaedt starb im Alter von 84 Jahren und wurde nach einer Trauerfeier am 29. November 2014 in Erftstadt-Lechenich beerdigt.

Er ist für Monographien zur Physik-Philosophie bekannt, wobei er von Paul Lorenzen und dessen Operationalismus beeinflusst war und eine Begründung der Quantenmechanik über die Quantenlogik verfolgte, für die er in seinem Spätwerk versuchte, eine physikalische Interpretation zu liefern.[3]

Zu seinen insgesamt 30 Schülern[4], die 1966-1997 bei ihm in Köln promoviert wurden, gehörten u.a. Julian Barbour, Hubertus von Grünberg, Wolfgang Hillebrandt, Heinz-Erich Wichmann, Ernst-Walther Stachow[5], Franz Josef Burghardt, Hans-Joachim Blome[6] und Paul Busch[7].

Sein Großvater war der Rechtsanwalt am Reichsgericht Johannes Mittelstaedt und sein Urgroßvater der Reichsgerichtsrat und Journalist Otto Mittelstaedt (1834–1899).

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • als Karl Rottmann: Mathematische Formelsammlung, BI Wissenschaftsverlag 1960[8]
  • Philosophische Probleme der modernen Physik, BI 1963 (7. Aufl. 1989)
  • Klassische Mechanik, BI 1970 (2. Aufl. 1995)
  • Die Sprache der Physik: Aufsätze und Vorträge, BI 1972
  • Der Zeitbegriff in der Physik – physikalische und philosophische Untersuchungen zum Zeitbegriff in der klassischen und relativistischen Physik, BI Wissenschaftsverlag 1976 (3. Aufl. 1989)
  • Quantum Logic, Dordrecht, Reidel 1978
  • Sprache und Realität in der modernen Physik, BI 1986
  • mit Paul Busch, Pekka J. Lahti The Quantum Theory of Measurement, Springer, Lecturenotes in Physics, 1991, 2. Auflage 1996
  • The Interpretation of Quantum Mechanics and the Measurement Process, Cambridge University Press 1998 (paperback 2004)
  • mit Paul A. Weingartner Laws of Nature, Springer 2005
  • Rational Reconstructions of Modern Physics, Springer, Dordrecht 2011, ISBN 978-94-007-0076-5.

Herausgeber (Auszug)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Symposium on the Foundations of Modern Physics mit Pekka J. Lahti, 1985, 1987, 1990
  • Symposium on the Foundations of Modern Physics mit Paul Busch und Pekka J. Lahti, 1993

Wissenschaftliche Artikel siehe Homepage

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Traueranzeige Peter Mittelstaedt. Kölner Stadt-Anzeiger. 26. November 2014. Abgerufen am 18. Dezember 2015.
  2. Heisenberg war schon vorher mit der Familie bekannt. Er musizierte in seiner Leipziger Zeit viel im Haus des Großvaters von Mittelstaedt, der Rechtsanwalt am Reichsgericht war. Mittelstaedts Urgroßvater war der Reichsgerichtsrat Otto Mittelstaedt.
  3. Zum Beispiel Mittelstaedt, Quantum Physics and Classical Physics - in the Light of Quantum Logic, Arxiv 2003 und Mittelstaedt, Rational Reconstructions of Modern Physics, Springer, 2. Auflage 2013
  4. Eine vollständige Liste der 30 Doktorarbeiten, die bei Peter Mittelstaedft angefertigt wurden, findet man in: Foundations of Physics 40 (2010), S. 1198–1199.
  5. Stachow war als Professor für Grundlagenfragen der Physik an der Universität zu Köln tätig und ist Verfasser zahlreicher Arbeiten zur Quantenlogik.
  6. Der Astrophysiker Hans-Joachim Blome entwickelte gemeinsam mit Wolfgang Priester das Big Bounce-Modell zur Entstehung des Universums.
  7. Paul Busch lehrt als Professor für Theoretische Physik an der Universität York.
  8. Eintrag im Register anonymer und pseudonymer Werke vom 14. November 2012. Veröffentlicht im Bundesanzeiger am 17. Januar 2013.