Peter Schmidt (Geophysiker)

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Peter Schmidt als Autor bei seiner Lesung im „Laacher Forum“ (Maria Laach, im November 2012).

Peter Schmidt (* 3. Januar 1966 in Peine) ist ein deutscher Autor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schmidt lebte von 1966 bis zu seinem Abitur 1985 am Gymnasium Groß Ilsede in Gadenstedt. Für sein Studium der Geophysik zog er nach Clausthal-Zellerfeld. Nach seinem Abschluss 1990 ging er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Universität Kiel, wo er 1994 mit einer Arbeit über die Vulkane der Erde promovierte.[1] Anschließend arbeitete er zweieinhalb Jahre als Wissenschaftler bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und wechselte dann in die EDV-Branche.[2]

2007 wurde bei ihm Autismus in Form eines ausgeprägten Asperger-Syndroms diagnostiziert.[3] Seit einem Vortrag bei der Bundestagung von „Autismus Deutschland“ 2008 ist er mit eigenen Vorträgen und in den Medien präsent. Bettina Böttinger bezeichnete ihn als einen der beeindruckendsten Gäste ihrer Talkshow Kölner Treff.[4] Indem Schmidt seine Wahrnehmungen als Autist darstellt, macht er das autistische Erleben verständlich. Ein Beispiel ist die Geschichte mit dem Betonfußball,[5] in der er die emotionale Wahrnehmung und Kommunikation autistischer Menschen als Schwarz-Weiß-Sicht auf eine farbige Welt beschreibt. Schmidt wurde der erste bekennende Autist in einem deutschen Großkonzern.[6] 2012 erschien sein erstes autobiografisches Werk Ein Kaktus zum Valentinstag. Das Buch erreichte Platz 19 auf der Spiegel-Bestsellerliste.[7]

In den Jahren 2013 und 2014 veröffentlichte er zwei weitere Bücher über sein Leben mit Autismus, die zusammen mit dem ersten Buch nun eine Trilogie bilden. 2013 erschien der zweite Band Der Junge vom Saturn über seine Kindheit und Schulzeit, 2014 der dritte Band Kein Anschluss unter diesem Kollegen, in dem der Autor seine Wahrnehmung der Arbeitswelt erzählt.

Seine Bücher verstehen sich als Plädoyer für die Vielfalt des Seins: „Zugang zu einem autistischen Menschen erhält man nur dann, wenn man ihn dort abholt, wo er steht, wenn man vor allem niemals versucht aus ihm etwas zu machen, was er nicht ist und nie sein können wird, sondern ihn mit dem, was er aus seinem Innersten heraus anbieten kann, aufblühen lässt.“[8] Dass das nicht selbstverständlich ist und der Autor im Berufsleben je nach Rahmenbedingungen sowohl als Leistungsträger als auch als Problemfall wahrgenommen wurde, zeigt das Zitat: „Wir wissen nicht so genau, ob Sie nun die Kapazität oder der Widerstand im System sind, Herr Schmidt!“ – „Das hängt von der Frequenz ab, Herr Professor!“[9]

Peter Schmidt ist verheiratet.[1] Er hat einen Sohn und eine Tochter.[10]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ein Kaktus zum Valentinstag – Ein Autist und die Liebe. Patmos, 2012, ISBN 978-3-8436-0211-2.
  • Der Junge vom Saturn – Wie ein autistisches Kind die Welt sieht. Patmos, 2013, ISBN 978-3-8436-0390-4.
  • Kein Anschluss unter diesem Kollegen – Ein Autist im Job. Patmos, 2014, ISBN 978-3-8436-0517-5.
  • Der Straßensammler – Die unglaublichen Erlebnisse eines autistischen Weltreisenden. Patmos, 2016, ISBN 978-3-8436-0832-9.
  • Was eine autistenfreundliche Schule braucht. In: Hartmut Sautter u. a. (Hrsg.): Kinder und Jugendliche mit ASS – Neue Wege durch die Schule. Kohlhammer, 2012, ISBN 978-3-17-021808-6.
  • Bedürfnis nach Beständigkeit, Routine und Ordnung. In: Georg Theunissen (Hrsg.): Autismus verstehen – Außen- und Innensichten. Kohlhammer, 2016, ISBN 978-3-17-030786-5.
  • Klassifizierung der Hot Spots und die Dichtestruktur des Hawaiianischen Mantel-Plume-Hot-Spots. Dissertation. Christian-Albrechts-Universität, Kiel 1994.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Schmidt, und wie er die Welt sieht. In: GEO. 3/2010, S. 98–111.
  2. Allein unter Kollegen. In: Brand Eins. 12/2008.
  3. Peter Schmidt: Ein Kaktus zum Valentinstag. Ein Autist und die Liebe. Patmos, 2012, S. 221.
  4. Andrea Kahlmeier: Bettina Böttinger: Ich brauche keinen Bohlen für die Quote. In: Hamburger Morgenpost. 28. November 2012.
  5. Betonfußball, bis die Fantabunten kamen. In: Barrierefrei – das Magazin. September 2012, S. 40–41.
  6. Mit dem Regenradar zur Kantine. In: taz.die tageszeitung. 25. Mai 2013.
  7. Sachbücher. In: Der Spiegel. Nr. 40, 2012 (online).
  8. Peter Schmidt: Der Junge vom Saturn. Wie ein autistisches Kind die Welt sieht. Patmos, 2013, S. 232.
  9. Peter Schmidt: Kein Anschluss unter diesem Kollegen. Ein Autist im Job. Patmos, 2014, S. 5.
  10. Unterwegs in einer fremden Galaxie. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 19. Juli 2010.