Peter Schweri

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Peter Schweri am Eingang zu seiner Wohnung in der Villa Egli, Zürich / 2014

Peter Schweri (* 20. Juni 1939 in Dietikon; † 25. November 2016 in Zürich) war ein Schweizer Kunstmaler, Zeichner, Objektkünstler, Fotograf und ab 2008 Musikkompositeur. Er ist ein Vertreter des Zürcher Konstruktivismus.[1]

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer Lehre als Hochbauzeichner von 1956 bis 1959 an der Gewerbeschule Zürich studierte Schweri von 1959 bis 1960 an der Kunstgewerbeschule Zürich bei Hansjörg Mattmüller und von 1960 bis 1961 einige Monate in der Grafikklasse bei Josef Müller-Brockmann. Sein zeichnerisches und künstlerisches Talent führte dazu, dass Paul Gredinger, Werbeagent der Agentur GGK (Gerstner u. Kutter) ihn 1962 für die Herstellung von Kunstwerken zur künstlerischen Imagepflege der Agentur engagierte. In den 1960er Jahren befasste er sich intensiv mit Fotografie und Filmkunst. Es entstanden Filme für diverse Auftraggeber in Studios in Mailand, Zürich und Paris. In dieser Zeit betätigte er sich auch als Innenarchitekt. 1967 produzierte er den ersten Kunstfilm (Videoclip-Vorläufer) für eine Discothek in Mailand und kreierte eine Light Show[2] mit Filmmaterial und Diashows, die synchron auf drei Leinwänden im Nachtclub Black Out, Zürich-Kloten, gezeigt wurde. In der Zeit von 1968 bis 1976 lebte Peter Schweri immer wieder im Tessiner Dorf Carona[3] in der Künstlerkommune um Meret Oppenheim, David Weiss; Markus Raetz, Urs Lüthi, Christoph Wenger, Anton Bruhin u. a. und widmete sich intensiv dem zeichnerischen Studium. Unzählige Zeichnungen in verschiedensten Techniken stammen aus dieser Zeit, die in seinem Nachlass vorhanden sind. 1974 bis 1976 widmete er sich auch der Führung des ersten Spezialgeschäftes für makrobiotische und biologisch-dynamische Ernährung in der Schweiz: Mr Natural.[4] Das Geschäft war weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und ein Vorläufer der heutigen Bioläden.

Ab 1975 bereiste er Griechenland, Ägypten und den Sudan und unternahm in den Jahren 1977 bis 1983 ausgedehnte Reisen nach Griechenland, Frankreich und Ägypten. In Griechenland widmete er sich auf selbstgebautem Brett ein Jahr lang dem Windsurfing. Mit seinem Van (Mercedes D190), den er eigenhändig ausbaute, so dass er darin schlafen und leben konnte, unternahm er von 1984 bis 1989 ausgedehnte Reisen.[5] Schweri war ein Denker und Forscher. Sein Wissen um das Vorhandensein des «Universal Skeleton of Art» brachte ihn 1986 zur Erfindung des «ArtCode86».[6] Bildkompositionen mit Bedingungen zu schaffen: das war es, was Schweri interessierte und fesselte. Der Leiter der Graphischen Sammlung der ETH Zürich, Paul Tanner, organisierte im Sommer 1994 die Gruppenausstellung «Kicking boxes billiard»[7][8] in der ETH Zürich und machte Schweri im Vorfeld der Ausstellung mit dem Informatiker Jürg Gutknecht bekannt. So kam es, dass er von 1994 bis 2001 einen Arbeitsplatz im Rechenzentrum der ETH Zürich innehatte[9]. Zusammen mit Jürg Gutknecht entwickelte er das System «Sakkara» zwecks Schreibens von Partituren typischer konstruktiver Peter-Schweri-Bildkompositionen zur Darstellung am Computer und im Internet. Die Erschaffung von ersten dynamischen konstruktiven Kunstwerken war nun möglich, und Schweri prägte den neuen ureigenen Kunstbegriff «Dynamic Art»[10], die Kreation des interaktiven Totems.[11] Nach 3-jährigem intensivem Studium der Funktionsweise des Internets wurde er 1997 anerkannter Internet-Experte am Institut für Computersysteme der ETH in Zürich. Im gleichen Jahr arbeitete er seine erste eigene Internet-Site aus und stellte sie ins Netz. Bis zum Jahr 2001 entwickelte er seine «Dynamic Art» im Internet weiter, deren Gestalt pro Sekunde fundamental wechseln kann und deren Ablaufzeit je nach Konstellation des Totems von wenigen Sekunden bis zu vielen Milliarden Jahren dauern kann. Aufgrund einer Caldwell-Luc-Operation, der er im Kindheitsalter ohne Narkose unterzogen wurde, verschlechterte sich sein Sehvermögen stetig. Im Jahre 1999 erreichte seine Sehfähigkeit noch 5 %. Dennoch arbeitete er ohne fremde Hilfe an all seinen Kunstsystemen weiter und kreierte im Jahr 2001 noch eine neue verfeinerte «Dynamic Art»-Internet-Site. 2002 im Alter von 63 Jahren erblindete Schweri vollständig, er verstarb am 25. November 2016 in Zürich; seinen Nachlass verwaltet die Künstlerin Stella Diess.

Projekt Wirsindkunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

WirsindKunst: Peter Schweri·Stella Diess 2006

Im Sommer 2005 lernte Schweri «durch Zufall» Stella Diess (Geburtsname: Esther Bettina Diess) Tochter der Schauspielerin Miriam Spoerri und des Schauspielers Karl Walter Diess, sowie Nichte von Daniel Spoerri / Theophil Spoerri kennen. Es entstand eine enge künstlerische Zusammenarbeit bis zu Schweris Tod im Jahr 2016. Unter dem Label «Wirsindkunst» arbeiteten Schweri·Diess ab 2005 zusammen, kreierten ihre gleichnamige gemeinsame Website[12], auf welcher sie im virtuellen Raum ihr Schaffen zeigen. Als Blinder war es Schweris Wunsch, sein Konzept «Bilder mit Bedingungen» (ArtCode86) auf die tonale Ebene zu übertragen und «Musikkompositionen mit Bedingungen» auszuarbeiten. Im Jahr 2008 begannen Schweri·Diess mit dem Aufbau eines privaten Musikstudios in Schweris Wohnung, in welchem sie unter dem Label «Wirsindmusik» ihre Musik kreierten und unter der gleichnamigen von ihnen ausgearbeiteten Website[13] präsentieren. Als Blinder musste Schweri die MusicWorkstation Yamaha Motif XS8 zunächst erlernen und Stella sich mit der Postproduction am Computer vertraut machen. Eine erste CD mit 6 Kompositionen entstand 2009 sowie die CD «Motion – Peter Plays For Stella» (75'05, live gespielt).[14] 2012 entstand die CD «Metronmotion» mit 8 Kompositionen. Peter Schweri spielte Klavier, forschte und feilte an Tonkombinationen, wie er es früher als Kunstmaler bei seinen Bildern gemacht hatte.

«Als Bildender Künstler habe ich im Bewusstsein des ‹universal skeleton of art› meine eigene Bildsprache entwickelt. Im Jahre 1986 erfand ich den ArtCode86, eine in sich geschlossene Gruppe von 1296 auf der Figur des Doppelquadrates basierenden Bildern. Davon malte ich einige auf Leinwand. Zu jener Zeit hätte ich nicht daran gedacht, dass es mir je möglich sein würde, den vollständigen ArtCode86 zu visualisieren.»

Peter Schweri

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Tanner, Leiter der Graphischen Sammlung der ETH Zürich, und der Künstler David Weiss empfahlen Peter Schweri als Bildenden Künstler für den Kunstpreis Zollikon 2003.[33] Am 4. Mai 2003 wurde im Rahmen einer öffentlichen Feier im Gemeindesaal, der mit 10'000 Franken dotierte Kunstpreis Zollikon 2003 der Dr. K. und H. Hintermeister-Gyger-Stiftung mit einer Laudatio von Hansjörg Mattmüller überreicht.[34][35]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lexikon der Schweiz XX. Jahrhundert. Verlag Huber & Co. AG. Frauenfeld 1958–1967.[36]
  • Silvio Riccardo Baviera: Die Durchtunnelung der Normalität. Verlag Um die Ecke, Zürich 1996.
  • Andreas Züst: Bekannte Bekannte 2. Edition Patrick Frey, Zürich 1996.
  • Georg Radanowicz: Raum für Räume. Erzählung über das erste «Pop-Art-Happening» in Zürich, Zürich 2005.
  • Werner Kieser: Die Entdeckung des Eisens. Stationen meines Lebens. Econ Verlag Berlin / 2008
  • Aargauer Kunsthaus/Sammlung Andreas Züst: Memorizer. Der Sammler Andreas Züst. Scheidegger & Spiess, Zürich 2009.
  • Silvio Riccardo Baviera: Kult Zürich Aussersihl. Das andere Gesicht. Verlag Um die Ecke, Zürich 2010.
  • Kunsthaus Chur: David Weiss. Ausstellung im Kunsthaus Chur. 2014. Im Buch zur Ausstellung Fotos von David Weiss und Familie von Peter Schweri 1979.
  • Swiss Institute New York: David Weiss. Ausstellung im Swiss Institute New York. 2014. Im Buch zur Ausstellung Fotos von David Weiss und Familie von Peter Schweri 1979.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Peter Schweri – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz Abgerufen am 9. Juli 2017
  2. original material auf 16mm film im nachlass peter schweri
  3. Diverser Schriftverkehr mit Peter Schweri - im Nachlass Peter Schweri- belegen den damaligen Wohnort
  4. Original Mietvertrag der Howit Immobilien-Verwaltungen, 8001 Zürich vom 25.03.1974 für die Fortsetzung des Vertrages vom 23.12.1970 mit Mr Natural Lebensmittel, Seilergraben 15, 8001 Zürich unterzeichnet von Peter Schweri - im Nachlass Peter Schweri
  5. Fotomaterial von den Reisen im Nachlass Peter Schweri
  6. László Böszörményi, Jürg Gutknecht, Gustav Pomberger: The School of Niklaus Wirth: The Art of Simplicity. Morgan Kaufmann 2000, ISBN 1-55860-723-4, S. 111.
  7. a b Paul Tanner / Graphische Sammlung ETH Zürich: "Kicking boxes billiard": Ausstellung, Graphische Sammlung der ETH Zürich, vom 15. Juni bis 15. Juli 1994 : Katalog. In: Katalog zur Ausstellung. Graphische Sammlung der ETH Zürich, 1994, 1994, abgerufen am 11. Juli 2017.
  8. a b Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, ETH, Graphische Sammlung, CH: "Kicking boxes billiard" - Europäischer Umgang mit geometrischen Formen nach 1970 - Graphische Sammlung der ETH Zürich (Originaltext). In: Plakat zur Ausstellung. Graphische Sammlung der ETH Zürich, 1994, 1994, abgerufen am 11. Juli 2017.
  9. Computer System Institute /ETH Zentrum Zürich / Former Members. Abgerufen am 11. Juli 2017.
  10. Impressum. Abgerufen am 1. Januar 2018.
  11. Elias Canetti: Masse und Macht.
  12. Peter Schweri · Stella Diess: WirsindKunst. In: Wirsindkunst. Peter Schweri · Stella Diess, abgerufen am 11. Juli 2017.
  13. Peter Schweri · Stella Diess: wirsindmusik. In: diverse. Peter Schweri · Stella Diess, abgerufen am 13. Juli 2017.
  14. Peter Schweri: Peter plays for stella. In: Peter plays for Stella. Peter Schweri · Stella Diess, abgerufen am 13. Juli 2017.
  15. Simon Maurer: Ordnungen, Symmetrien, Harmonien. Hrsg.: Tagesanzeiger. Tages-Anzeiger, Zürich 1991.
  16. Nach den Spielregeln der Kunst - Eine Ausstellung in der Graphischen Sammlung der ETH In: Neue Zürcher Zeitung vom 18. Juni 1994 Seite 54.
  17. Bulletin - Magazin der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich - Nummer 254 Juni 1994 - Diverse Abbildungen von Peter Schweris ArtCode86
  18. SRF / Tagesschau vom 13. Juli 1994 / Computermalerei
  19. Computer aided … Peter Schweris Bildwelten in der ETH Neue Zürcher Zeitung, Montag, 4. März 1996 / Nr. 53
  20. Martin Kraft: Zeitungsartikel: Konkret computerisiert. Hrsg.: Tages-Anzeiger / Züritipp. Nr. 8/96. Tages-Anzeiger, Zürich 16. Februar 1996.
  21. Stefan Gribi: Wie Oberon Werkzeug für einen Künstler wurde - Bilder von Peter Schweri. Hrsg.: Schulleitung der ETH Zürich. 20?000 Auflage. Nr. 8/96. ETH Intern, ETH Zentrum, Zürich 10. Februar 1996.
  22. Victor Fingal: Toiles sur ordinateur - le peintre Peter Schweri a mis au point un programme de création artistique. Hrsg.: Le Matin de Genève. Genève 17. Februar 1996.
  23. sfd/TSZ: Farbiges Spiel mit Quadraten. Hrsg.: Tagblatt der Stadt Zürich. Zürich 21. Februar 1996.
  24. sfd: Computerkunst. Hrsg.: Zeitschrift Der Bund. Nr. 38. Der Bund, Bern 15. Februar 1996.
  25. Einladungskarte zur Ausstellung 28. August 1999 bis 18. September 1999 im Nachlass Peter Schweri
  26. «Serge Stauffer – Kunst als Forschung». arttv.ch - filmbeitrag über die ausstellung, 21. Februar 2013, abgerufen am 19. Juli 2017.
  27. HelveticArchives / Archiv Serge Stauffer. In: GS-STAUFFER-D-01-SCHWERI Peter Schweri,. Abgerufen am 19. Juli 2017 (ca. 1968).
  28. «Keine Zeit – Kunst aus Zürich» im Helmhaus Zürich - Stadt Zürich. Abgerufen am 17. November 2017.
  29. PETER SCHWERI DYNAMIC ART 2018 RELOADED. Abgerufen am 1. Januar 2018.
  30. Ausstellung «CARONA» in der Galerie Weiss/Falk, Basel. Abgerufen am 25. Mai 2018.
  31. Peter Schweri. Abgerufen am 9. April 2021 (französisch).
  32. Facebook. Abgerufen am 9. April 2021.
  33. Empfehlungsschreiben von Paul Tanner, Leiter der Graphischen Sammlung der ETH Zürich, Februar 2003 und von David Weiss, Künstler vom November 2002 für Peter Schweri / Kunstpreis Zollikon 2003 im Nachlass Peter Schweri
  34. Kunstpreis Zollikon und Förderpreis
  35. zollikon.ch: Geschäftsbericht 2003, Abschnitt Kulturelles. Seite 10/52 PDF.
  36. Eduard Plüss, Hans Christoph von Tavel: Künstler Lexikon der Schweiz XX. Jahrhundert. Hrsg.: Verein zur Herausgabe des schweizerischen Künstler-Lexikons. Verlag Huber & Co. AG, Frauenfeld.
  37. Impressum. Abgerufen am 1. Januar 2018.